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  • Bewertung

    Genetic Goldmine

    Exklusiv für Uncut von der Berlinale 2016
    Rebecca Miller präsentierte ihren neuen Film „Maggie’s Plan“ im Panorama der diesjährigen Berlinale. Als Titelheldin borgte sie sich Noah Baumbachs Muse Greta Gerwig und als Setting seine Stadt New York aus. Was daraus entsteht, ist eine romantische Komödie, die die Signatur eines anderen Regisseurs trägt, aber dennoch auf seine eigene Weise genial ist.

    Maggies Leben läuft immer nach Plan, denn sie entwirft es selbst, anstatt ihr Schicksal dem Schicksal zu überlassen. Sie will ein Baby und da sie in der Liebe nie wirklich so erfolgreich war, entscheidet sie sich für eine künstliche Befruchtung. Denn die moderne Frau braucht für ein Kind nicht notwendigerweise einen Mann, bloß sein Sperma. Und dieses spendet der Essiggurken-Entrepreneur und Mathematik-Genie Guy, der zwar im Film nur wenige Szenen hat, dem Publikum aber mit seinem charmanten Pseudo-Tiefgang die lautesten Lacher entlocken konnte. Sein Samen wird jedoch schnell überflüssig, als Maggie den unglücklich verheirateten Professor John kennenlernt. Sie befreit ihn aus seiner Ehe mit Georgette (grandios und aberwitzig von Julianne Moore gespielt), um mit ihm ihr eigenes Glück zu schmieden. Eine Dreiecksgeschichte mit viel Drama-Potenzial entsteht, Miller entscheidet sich aber dafür, eine lockere Komödie daraus zu machen, in der sie ihren Figuren viel Platz einräumt, um sich zu entfalten. Und ihnen dabei zuzusehen, macht richtig Spaß. Greta Gerwig, die immer eine unkonventionelle Heldin spielt, muss sich eingestehen, dass sie eine tolle Mutter ist, aber keine Ehefrau. Die schroffe, kalte Julianne Moore darf im Laufe des Filmes auftauen und Ethan Hawke passt zu einer der Frauen besser als zur anderen. Welche das ist, machen die zwei allerdings untereinander aus und spielen Ping-Pong mit seinem Herzen. Damit verplant Maggie irgendwann nicht mehr nur ihr eigenes Leben, sondern auch das der anderen.

    Der Film lehrt uns, dass man nicht immer nur auf der sicheren Seite ist, nur weil man einen Plan hat. Manchmal läuft ein Plan schief. Manchmal hält das Leben auch etwas ganz anderes für einen bereit. Ein witzig-spritziges und zudem noch sehr cleveres Drehbuch entpuppt sich als Sammlung von Lebenswahrheiten. In eine Menge Wortwitz und Akademiker-Humor verpackt, macht es den Film zu einem ganz besonderen Vergnügen und bringt vielschichtige Charaktere hervor, die hervorragend durch ihre Schauspieler zum Leben erweckt werden.
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    (Marina Ortner)
    26.02.2016
    20:29 Uhr