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6 Bewertungen
79.2% Bewertung
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    Gold an der Wand

    Das ist großes emotionales Kino, das sich weitgehend auf Fakten stützt. Es werden fast alle Argumente vorgetragen, die für oder gegen den Verbleib der Klimt Gemälde sprechen. Natürlich kann man da drehbuchmäßg etwas drehen, damit das Publikum für die Witwe Maria Altmann Sympathiepunkte vergibt. Und wenn die von Helen Mirren gespielt wird, ist man ohnehin auf ihrer Seite. Die ist wie immer großartig. Hier mal zwischen rebellierendem Altersstarrsinn und allgemeiner Verunsicherung. Mit der Bürde einer traumatisierten Vergangenheit, der Genugtuung wiederfahren muss. Sie schwankt zwischen gekränkter Familienehre und Wiedergutmachung durch den österreichischen Staat. Dabei ist es letztlich unerheblich, ob alle Facetten des historischen Hintergrundes genau stimmig sind. Die neckischen Wortgeplänkel mit ihrem Anwalt Schoenberg (Ryan Reynolds) sind der Puderzucker auf der Sahnetorte und tragen zum Erfolg des Films ebenfalls bei. Man kann sich dem emotionalen Sog nicht entziehen. Dazu braucht es keine Faktenflut. Davon gibt es weißgott genug, dass man der glaubhaften Seite folgen kann. Herz und Seele führen die Klingen im juristischen Streit mit Florett nicht mit dem Säbel. Besonders am Ende ist das Taschentuch angesagt.
    Die Flucht der jungen Maria Altmann (Tatiana Maslany) mit ihrem Mann (Max Irons) per Flugzeug aus Wien ist einer der dramatischer Höhepunkte neben dem Bilderstreit.
    Hier kommt sogar ein Hauch von Hitchcock (‘Der zerrissene Vorhang‘) auf, wenn sich durch mehrere Verzögerungen die Spannung erhöht. Und hier fällt auf, dass auf Ausgeglichenheit geachtet wurde. Unterstützung bzw. falsche Richtungshinweise für die Flüchtigen bzw. ihre Verfolger sind gleich verteilt in der österreichischen Bevölkerung. Kunstgenuss, Vergangenheitsbewältigung ansprechend verpackt.
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    16.06.2015
    10:30 Uhr
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    Golden

    Die Restitution der Kunstwerke aus dem zweiten Weltkrieg waren bzw. sind kein leichtes Thema für Österreich. Im Film die Frau in Gold geht es genau um jenes Thema. Hellen Mirren verkörpert hier die inzwischen verstorbene Maria Altmann, ihres Zeichen Nichte von Adele Bloch-Bauer. Besser bekannt ist Bloch-Bauer als Klimts Meisterwerk Goldene Adele.

    Helen Mirren verkörpert die ältere Maria Altmann mit ihrer gewohnten Professionalität. Besonders beeindruckend ist ihrer sprachliche Leistung. Trotz ihrer britischen Wurzeln, spricht sie in der englischen Originalfassung ein amerikanisches Englisch mit deutschem Akzent. Sie spricht so gut, dass man glauben könnte, sie hätte Englisch nicht als Muttersprache.

    Die Geschichte hat an manchen Stellen zu tief in das Pathos Fass geschaut, bügelt dies aber wieder mit gutem Storytelling aus.

    In dieser BBC Produktion kommt Österreich relativ gut weg, wenn man bedenkt, welche Steine Altmann und anderen Nachkommen in den Weg gelegt wurden und werden.

    Der Film nimmt sich an manchen Stellen eine gewisse künstlerische Freiheit, und ändert die Geschichte zu Gunsten des Pathos ein wenig ab. Dies fällt zwar nicht unbedingt auf, wenn man sich aber mit der Geschichte auskennt merkt man dies sofort.

    Die Frau in Gold ist eine sehenswerte Produktion der BBC, die man gesehen haben sollte.
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    06.06.2015
    21:17 Uhr
  • Bewertung

    Goldenes Stück Film

    Die meisten Österreicher werden sich wohl daran erinnern, wie vor einigen Jahren der Streit um Klimts "goldene Adele" von ihrer in Amerika lebenden, rechtmäßigen Erbin Maria Altmann losgetreten wurde - und wie die Republik alles versuchte, um das Gemälde in seinem Besitz zu behalten.

    "Die Frau in Gold" erzählt die Geschichte aus Maria Altmanns Sicht, wunderbar gespielt von der immer bezaubernden Helen Mirren, die zusammen mit ihrem jungen Anwalt (Ryan Reynolds sehr erträglich) und der Hilfe des damaligen "Profil"-Herausgebers Hubertus Czernin (Daniel Brühl ausschließlich auf Englisch, sehr cool) nach dem Versuch sich im Guten zu einigen, schließlich die Republik Österreich verklagt.

    Der Film ist sozusagen zweisprachig, weshalb es sich sehr lohnt ihn im Original anzusehen. Es gibt viele Passagen auf Deutsch, die Rückblenden auf Maria Altmanns Leben in und Flucht aus Wien sind, und ebensoviele auf Englisch, in dem sich die Haupthandlung abspielt. Neben den sehr guten Schauspielleistungen überzeugt der Film mit Atmosphäre und dem einen oder anderen frischen Blick auf die Zeit in Österreich nach dem Anschluss 1933.

    Wer auf Dialogkino, die fantastische Helen Mirren und spannend aufbereitete Tatsachen-Stories steht, dem sei dieses Stück Film wärmstens empfohlen!
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    06.06.2015
    20:23 Uhr
  • Bewertung

    Kunstraub

    Adele Bloch-Bauer stand Porträt für Gustav Klimt - das Ergebnis war eines der bekanntesten Gemälde des Jugendstilkünstlers: Die Frau in Gold oder Die goldenen Adele.
    1998 änderte Österreich das Bundesgesetz über die Rückgabe von Kunstgegenständen und Maria Altmann, die Nichte von Adele Bloch-Bauer ergreift die Chance und fordert die unrechmäßig von den Nazis entwendeten Bilder zurück. Als Anwalt engagiert sie den jungen Randy Schoenberg, den Enkel des Komponisten Arnold Schoenberg, der mit ihr nach Österreich reist um ein Restitutionsverfahren einzuleiten. Die zuständigen Behörden legen ihnen Steine in den Weg, mit Hilfe des Journalisten Hubertus Czernin finden sie aber die Dokumente, die notwendig sind um die Gemälde zurückzubekommen.
    Die zuständigen Behörden legen sich quer und verweigern Altmann ihr Erbe, weshalb sie beschließen vor Gericht zu ziehen.

    Ein spektakulärer Fall, der vor allem hierzulande rege verfolgt wurde, handelte es sich bei dem Bild ja um die "Mona Lisa" Österreichs. Die Fakten des Films entsprechen nicht zur Gänze der Wirklichkeit, meist wurden sie für dramaturgische Effekte verändert. Auch die Charakterzeichnung sollte davon profitieren. Ich möchte hier jedoch weder auf die tatsächliche Geschichte noch auf die unrechtmäßige Enteignung durch die Nazis eingehen.

    Der Film beginnt, nach einer kurzen Szene mit Gustav Klimt und Adele in seinem Atelier, mit Maria Altmann, die soeben ihre Schwester zu Grabe getragen hat und Barbara Schoenberg um die Hilfe ihres Sohnes bittet. Die Handlung folgt der Chronologie des Verfahrens um die Rückgabe der Kunstwerke und wird immer wieder unterbrochen, um Rückblenden Raum zu geben, dem Zuseher ein komplettes Bild zu zeigen. Hierbei wird variiert zwischen Maria im Kindesalter mit ihrer Tante Adele und einer erwachsenen, verheirateten Maria während der Nazi-Zeit. Untermalt wird die Handlung immer wieder durch klassische Musik.

    Vor allem die schauspielerische Leistung von Helen Mirren muss hier hervorgehoben werden. Schon am Anfang merkt man, dass sie ihren ausgeprägten englischen Akzent ablegt und durchaus beeindruckend einen deutschen vorführt. Auch die Sequenzen, in denen sie Deutsch spricht, wirken äußerst authentisch. Ryan Reynolds auf der anderen Seite konnte meiner Meinung nach nicht ganz überzeugen, was aber durchaus an einer persönlichen Abneigung ihm gegenüber liegen kann: der Dackelblick funktioniert einfach irgendwann nicht mehr.
    Schade finde ich, dass die meisten Charakter, die Wiener darstellen, kaum Schauspieler mit deutscher Muttersprache, geschweige denn tatsächliche Wiener, sind. Nichtsdestotrotz kann man darüber hinwegsehen, da sie durchwegs nur minimal mit Aktzent sprechen.

    Wenn man über den Pathos hinwegsehen kann, der vor allem gegen Ende des Films stark hervor gehoben wird, ist die Inszenierung der Geschichte gut gelungen. Leider bekommt "Woman in Gold" einen schalen Beigeschmack wenn man sich die Frage stellt, welche Motive hinter den Ereignissen stehen. Meiner Meinung nach wirkt es wie eine persönliche Vendetta des Anwalts Schoenbergs und weniger wie der Wunsch nach Gerechtigkeit. Auch die Charakterzeichung erinnert stark an "Philomena", wobei ich die Story in Philomena als weitaus bessere sehe.
    Ein amüsantes Schmankerl ist die Darstellung der damaligen Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer.
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    06.06.2015
    19:48 Uhr
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    Der Zuckerguss sei diesem Film verziehen

    Exklusiv für Uncut von der Berlinale 2015
    Als die österreichische Bundesregierung gerade erst beschlossen hatte, sich mit der Restituierung gestohlener Kunstwerke international zu profilieren, hätte niemand gedacht, dass Österreich eines Tages das berühmte Klimt-Gemälde „Adele Bloch-Bauer“ wirklich seinen rechtmäßigen Eigentümern würde zurückgeben müssen. Und doch ist es passiert. Ein Rechtsstreit mit der Nichte von Adele Bloch-Bauer Maria Altmann, die damals in die USA geflüchtet war, ging der ganzen Rückgabe voraus und ist Thema dieses Filmes. Herausgekommen ist ein sehr prominent besetztes und äußerst gelungenes Drama, das sich innerhalb und außerhalb des Gerichtssaales keine große Blöße gibt und mit hervorragenden schauspielerischen Leistungen aufwarten kann. Helen Mirren überzeugt nicht nur in ihrer Rolle, sondern auch mit ihrem österreichischen Akzent, mit dem sie ihr amerikanisches Englisch zusätzlich verfeinert hat. Ryan Reynolds wirkt optisch wirklich wie ein Pin-Up-Boy aus Amerika und Katie Holmes hat als seine Frau einen wirklich harmlosen Part übernommen. Dennoch ist der Gesamteindruck ein sehr berührender und kurzweiliger, besonders für ÖsterreicherInnen im Publikum, die gut Englisch können und den Wechsel zwischen der englischen und der deutschen Sprache in der Originalfassung mitvollziehen können. Den amerikanischen Zuckerguss obendrauf, der mit Pathos und Ehrenhaftigkeit gegen Ende immer stärker wird, kann man dem Film, wenn man dazu bereit ist, verzeihen. Wer sich daran stößt, bringt sich nämlich um die Freude daran, den Rest des Filmes genießen zu können, aller Tragik der geschilderten Ereignisse zum Trotz.
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    10.02.2015
    01:02 Uhr