4 Einträge
7 Bewertungen
82.1% Bewertung
  • Bewertung

    Sein letzter ungelöster Fall

    Würde man versuchen die Geschichte linear nachzuerzählen, so täte ihr das einen ganz schönen Abbruch und außerdem den Charme des Aufdröselns der Handlung eliminieren, den man hat, wenn man sich den Film anschaut.
    Es werden mehrere Zeitebenen und Handlungsstränge miteinander intelligent verknüpft. Das verwirrt zwar, macht aber andererseits die Arbeitsweise der Titelfigur deutlich. Hier beherrscht Sir Ian McKellen die Szene. Sein faltenreiches Gesicht ist omnipräsent. Mal als klappriger vom Alter gezeichneter Detektiv, mal als forsch ausschreitender Beobachter, der seinen letzten Fall noch lösen muss. Indizien häufen sich. Eine geheimnisvolle Frau Kelmot (Hattie Morahan), ein Handschuh, eine Biene, ein Fläschchen mit Gift…
    Zurzeit lebt der alte Holmes mit Haushälterin Mrs. Munroe (Laura Linney) und Sohn Roger (Milo Parker). Mutter Munroe ist ungebildet, ihr Sohn blitzgescheit.
    Weil Holmes an Alzheimer leidet reist er nach Japan, um dort von Umezaki, einem Bewunderer, einen Ableger des Japanischen Pfeffers (Zanthoxylum piperitum) zu holen. Das hilft zwar nicht, aber es schadet auch nicht. Dafür bekommt die Figur des Umezaki noch eine weitere Funktion.
    Es ist ein Film über das Alter, die Einsamkeit und den Tod.
    Was das Alter angeht, so gibt es da die menschlich anrührende Freundschaft von Holmes mit Roger. Beim zweiten Phänomen kann Holmes nicht verhindern, dass es tragisch enden kann und beim dritten kann er sich nur in ein Totenritual aus Japan flüchten. Der Film erfordert volle Konzentration. Die subtile Darstellung der Charaktere ist beeindruckend, die vom Editor bestimmte Erzählweise außergewöhnlich. Ein seltener Glücksfall. Mehrfaches Anschauen lohnt sich.
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    29.12.2015
    21:16 Uhr
  • Bewertung

    Of Bees and Wasps

    Der gealterte Sherlock Holmes hat die Baker Street vor Jahren verlassen und auch seine Profession hat er aufgegeben. Nun ist er alt, gebrechlich und leidet an Gedächtnisverlust. Um dem entgegenzuwirken geht er nach Japan um eine dort wachsende Heilpflanze zu finden, die ihm seine Erinnerungen zurückbringen soll.
    Zuhause freundet er sich mit dem Sohn seiner Haushälterin an, der selbst einen scharfen Verstand hat. Mr. Holmes beginnt sich langsam zu erinnern, warum er der Baker Street den Rücken gekehrt hat...

    Der große Detektiv ist gealtert und er kann sich nicht erinnern, warum er sich selbst das Exil auferlegt hat. Auf der Suche nach den wahren Hintergründen nimmt der Film den Zuseher mit in die Vergangenheit und erzählt drei Geschichten parallel. Einerseits was vor dreißig Jahren passierte, der letzte Fall des großen Sherlock Holmes, der zwar von Dr. Watson nacherzählt wurde, eigentlich aber nicht der Wahrheit entspricht. In der nahen Vergangenheit reiste er nach Japan um "prickly ash" zu finden, und in der Gegenwart suchen Sherlock und Roger nach der Vergangenheit und warum die Bienen im Garten sterben.

    Die Geschichte teilt sich in drei Ströme, diese sind aber jeweils eindeutig erkennbar und man hat nie das Problem, dass man den Anschluss verliert. Sir Ian McKellen spielt, wie gewohnt, großartig, er schafft es dem Protagonisten einerseits agil und zielstrebig und andererseits alt, gebrechlich und verzweifelt darzustellen. Die Maske trägt ebenso einiges dazu bei.
    Mit Musik und Kulisse könnte man sich fast in einem Rosamunde Pilcher Film vermuten, die Schönheit des ländlichen Englands umrahmt die Handlung, nimmt ihr aber nicht den Wind aus den Segeln.

    "Mr. Holmes" ist mehr als eine weitere Detektiv-Geschichte, es ist eine Homage an die Klassiker und ein Blick hinter die Fassade des genialen Sherlock Holmes.
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    28.12.2015
    12:59 Uhr
  • Bewertung

    Zigarre und Zylinder

    In Mr. Homes kämpft ein gealterter Sherlock Holmes zum einen mit seiner eigenen Vergangenheit, als weltbester Detektiv, als auch mit der immer stärker einsetzenden Demenz. Auf einem abgelegenen Landgut lebt er zusammen mit seiner Haushälterin und ihrem Sohn Roger. In Erscheinung tritt Mr. Holmes meist als Großvater ähnliche Gestallt, die gerade Roger Weisheiten für das Leben gibt. Nur in manchen Momenten ist er stoisch und kalt, wie man ihn aus den Romanen kennt.
    Die Geschichte wird in 3 Zeitsträngen erzählt, welche sich immer wieder abwechseln. Hauptaspekt aller ist die Vergänglichkeit und der Tod. Ian Ian McKellen spielt einmal einen greisen Mann, der sich kaum noch auf den Beinen halten kann und in einem anderen Zeitstrang einen zwar älteren aber dennoch agilen Mann. Milo Paker als Aushilfs Watson ist sehr gut besetzt.
    Der Film hat eine sehr angenehme Länge und wird vor allem Freunde der BBC Filme begeistern, da die gewohnte Professionalität an den Tag gelägt wurde wie bei Ähnlichen Produktionen.
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    27.12.2015
    23:39 Uhr
  • Bewertung

    Sherlock Holmes kämpft gegen die Vergesslichkeit

    Exklusiv für Uncut von der Berlinale 2015
    Sherlock Holmes gehört wohl zu den berühmtesten Engländern, die es je gegeben hat. In vieler Weise ist er, so hat es Ian McKellen auch bei der Pressekonferenz sehr treffend festgestellt, der Prototyp eines englischen Gentleman. Bezeichnend für ihn ist, dass er nie gelebt hat. Er ist eine fiktive Figur der englischen Literatur, hat jedoch so viele Erzählungen und Filme inspiriert wie kein anderer. In Bill Condons Romanverfilmung geht es um den „wahren“ Sherlock Holmes, die Privatperson hinter der offiziellen Rolle und damit ist er ein wunderbarer Prototyp für viele Personen, die man nur aus der Öffentlichkeit kennt. Anders als zuletzt in den „Twilight“-Filmen gelingt es Bill Condon in seinem zweiten gemeinsamen Film mit Ian McKellen nach „Gods and Monsters“ eine Atmosphaere des Feinen, Edlen und über viele Lebensjahre Gereiften zu erschaffen. Die Stimmung des Filmes überträgt sich auf die Zuschauer und man fühlt sich sich darin von Anfang an sehr wohl und hätte sie sicher auch noch gerne länger als über die Laufzeit des Filmes genossen. So etwas passiert im Kino selten. Ian McKellens Sherlock ist eine faszinierende Persönlichkeit, der so wie viele andere in seinem hohen Alter gegen das Vergessen kämpft, weil es die eigene Vergänglichkeit und Begrenztheit so unangenehm spürbar macht. Nicht nur für die Fans sondern auch für jene, die es noch werden wollen, bietet der Film ein höchst anspruchsvolles und wohltuendes Filmerlebnis, das man auf keinen Fall verpassen sollte.
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    09.02.2015
    08:41 Uhr