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    Nicht alle sind Kathryn Bigelow...

    Exklusiv für Uncut von der Berlinale 2014
    Die gebürtige Österreicherin Feo Aladag hat für diesen Film nicht nur die Regie übernommen, sondern auch das Drehbuch geschrieben. Sehr sorgfältig zeichnet sie die Charaktere entlang der Bruchlinien der verschiedenen Kulturen und gibt ihnen auch einen jeweils glaubwürdigen Rucksack aus der Vergangenheit mit auf die filmische Reise, aus dem heraus ihre Handlungen in den entsprechenden Kontext gesetzt werden sollen. Die ewige und offenbar nicht fertig zu stellende Kriegsbaustelle Afghanistan dient ihr als Bühne für ihr Drama über Loyalität, Respekt, kulturelle Verschiedenheit und Vorbehalte.

    Es ist in der Filmwelt keine Selbstverständlichkeit, dass sich eine Regisseurin mit der Arbeits- und Lebenswelt von Soldaten befasst, die sich im Kampfeinsatz großen physischen und psychischen Herausforderungen gegenüber sehen. Feo Aladag hat diesbezüglich vor allem eine Vorreiterin auf diesem Gebiet, nämlich die Oscar-Preisträgerin für „The Hurt Locker“ Kathryn Bigelow. In den Häuserkampfszenen und dem Feuergefecht, in das die Soldatengruppe gerät, lassen sich Anspielungen bzw. Zitate von Bigelows Stil erkennen, die jedoch für das Publikum nichts Besonderes mehr sind. Und auch in ihrem Drehbuch entwickeln sich die afghanischen Charaktere zunehmend stereotyp und könnten aus jedem beliebigen Terrorthriller stammen. Nur bei Commander Jesper (R. Zehrfeld) gelingt es ihr, seinen Zwiespalt im Befolgen seiner Befehle und der Empathie für die Bevölkerung glaubhaft zu machen. Leider wird der Gesamteindruck aber davon getrübt, dass er zu sehr nach dem Zwillingsbruder von Russel Crowe aussieht, um seine schauspielerischen Leistungen ausreichend würdigen zu können.

    Zu lautstarken „Buh!“-Rufen, wie sich bei der Pressevorführung abgegeben wurden, neige ich bei diesem Film zwar nicht, da ich sie nicht für angebracht halte. Dennoch weist der Film dramaturgische Unsicherheiten und logische Ungereimtheiten auf, die ihm die kritische Fachpresse und wohl auch jedes kritische Publikum kaum verzeihen werden. Zu schnell ändern sich die Rahmenbedingungen: erscheint es beispielsweise zuerst als unmöglich, mit Tariks Schwester ins Militärkrankenhaus zu kommen, warten die Notfallsanitäter dann plötzlich bereits am Eingang, als sich Jesper eigenmächtig auf dem Weg gemacht hat. Völlig unbegreiflich ist es, dass sein Stellvertreter nach der Abreise des Commanders dennoch auf Patrouille fährt und dabei mit seinen Männern in einen Granatenhagel gerät, anstatt den Posten zu sichern und auf seine Rückkehr zu warten.
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    12.02.2014
    10:59 Uhr