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    Das Ende einer Dynastie


    „Ein historischer Stoff, der von der ersten Sekunde an klarstellt, dass es im Kino nicht nur um Ausstattung und Kostüme geht, sondern auch um die Menschen darin“, so Festivaldirektor Dieter Kosslick zu seinen Beweggründen diesen Film 2012 für die Eröffnung der Berlinale auszuwählen.

    Der Film beginnt sinnbildlich mit dem Klingeln eines goldenen Weckers. Das Zeichen für den französischen Adel anno 1789 endlich aufzuwachen und sich den Zeichen der Zeit zu stellen. Doch die höfische Gesellschaft rund um Ludwig XVI frönt weiter ihrem luxuriösen Dasein und ist unweigerlich dem Untergang geweiht.

    Der ganze Film spielt sich hinter den Mauern von Versailles an den Tagen rund um die Revolution ab – von den Revolutionären hört man aber nur durch Berichte. Regisseur Benoit Jacquot stellt mit seinem Film den Untergang einer Dynastie, das Ende einer Epoche dar. Der Fokus liegt dabei auf dem inneren Zerfall der Gesellschaft. Dies erreicht er wie bereits bei seinem früheren Film „Sade“ anhand der Perspektive auf den Adel. Diesmal erzählt er aber noch dazu aus einer weiblichen Sichtweise und aus der Sichtweise der Dienerschaft. Genauer gesagt aus der Perspektive von Sidonie, der persönlichen Vorleserin von Marie Antoinette (Diane Kruger). Auch für sie ist der im Film kaum präsente König genauso fern und rätselhaft wie für das „normale“ Volk.

    Der Film ist bis aufs kleinste Detail penibel und stilsicher durchkomponiert. Von der Ausstattung, über die Kostüme bis hin zu den Darstellungen von Schmutz und Schönheit in Versailles. Auch Kosslick muss man recht geben, wenn er schreibt, dass die Menschen hinter den Kostümen im Vordergrund stehen. Sie laufen eben nicht als mobile Kleiderständer herum, wie es bei manch anderen Kostümschinken oft der Fall ist. Man beginnt langsam beide Seiten der Auseinandersetzung zu verstehen – und auch hinter der scheinbar realitätsfremden Marie Antoinette verbirgt sich nur eine ängstliche Frau. Positiv fällt auch die Musik auf, die interessanterweise bereits vor Drehbeginn fertig komponiert worden war. Trotz all dieser vielen positiven Aspekte, hat man nach dem Kinobesuch das Gefühl, dass der Film noch einiges an Luft nach oben hätte. Grund dafür könnte unter anderem das zu perfekte und zu gut durchdachte Jacquot-Universum sein.
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    09.02.2012
    23:58 Uhr