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    Exzellent gespieltes Jugenddrama


    Jan Komasas zweiter Langspielfilm widmet sich einen in den Medien omnipräsenten, aber im Film bisher noch wenig verarbeiteten Thema: Selbstmord unter Jugendlichen und dessen Bezug zum Web 2.0. Anstatt eine Kritik an den Funktionen und Kommunikationsmethoden des Internets im konservativen Sinne zu machen, entschlüsselt Komasa, der ebenfalls das Drehbuch geschrieben hat, Ursache und weitere Folge der Gedanken und Handlungen des jungen Protagonisten innerhalb der Familie. Mutter und Vater, stets auf Karriere und Ansehen in der Gesellschaft bedacht, meinen ihrem Sohn „ohnehin alles zu geben“. Damit sind rein materielle Güter, von denen Dominik ja genügend hat, gemeint, durch den Film hindurch vergessen die Eltern jedoch auf etwas Wichtigeres: Liebe und Zuwendung.

    Die Flucht Dominiks von der Realität in die virtual reality ist emotional verständlich, doch der Druck der Eltern hat oft eine zu pathetische und plakative Wirkung. Spätestens in den ersten zehn Filmminuten versteht man, wie die Erziehung verläuft und wie sie sich auswirken wird – dass dies gegen Ende noch mehrmals betont wird, gleicht einer Schlaghammer-Methode. Spannend ist der Einsatz von Animationssequenzen, die den Zuschauer zusammen mit Dominik und den anderen jugendlichen Figuren in die virtuelle Realität eintauchen lassen. Die Machinimas, die immer wieder ein Teil des Films ausmachen, sind technisch exzellent gemacht, doch scheitern gelegentlich durch den Versuch sehr symbolisch zu arbeiten an Glaubwürdigkeit.

    Ein souverän agierendes Ensemble ordnet sich einem kongenialen Schauspieler unter: Jakub Gierszal, ein polnischer Shooting Star, erinnert in seiner Performance an ein weibliches Pendant, welches sieben Jahre zuvor im internationalen Kino präsent war: Evan Rachel Wood in „Thirteen“. Er portraitiert den suizidalen Dominik mit allen Höhen und Tiefen durch die er geht mit einem unglaublichen Gespühr für sensible Momente.
    themovieslave
    12.02.2011
    23:55 Uhr