Forum zu Drei

1 Eintrag
1 Bewertung
80% Bewertung
  • Bewertung

    Ménage à trois

    Exklusiv für Uncut
    „Seien Sie bereit für eine romantische Komödie interpretiert von Tom Tykwer“, heißt es bereits im Trailer und seine Interpretation ist durchaus interessant. Im Mittelpunkt stehen Simon und Hanna (beide um die 40), die als Alternative zu ihrer 20-jährigen Beziehung fremd zu gehen beginnen. Jedoch verlieben sich beide in denselben Mann – Adam. Keiner ahnt etwas von der Affäre des anderen und somit nimmt die Dreiecksbeziehung ihren lauf, bis Hanna schwanger wird…

    Doch ist es wirklich eine romantische Komödie? Nein, es gelingt zwar immer wieder den Film aufzulockern, jedoch dominieren ernste Themen und Fragestellungen. Simon leidet z.B. an Hodenkrebs und muss operiert werden, aber auch viele andere heikle Themen wie z.B. Sterbehilfe, Stammzellenforschung, Leben nach dem Tod, Abtreibung, Kopftuchverbot, Naturkatastrophen, Nationalsozialismus, Terroranschläge und vor allem Homosexualität werden thematisiert.

    Während ein Großteil dieser Inhalte nur am Rand angeschnitten wird, stellt gerade der letzte Punkt die große Stärke des Films dar. Geschlechterrollen und ihre Sexualität machen beinahe keine Unterschiede. Genauso selbstverständlich wie die Affäre von Hanna und Adam ist auch das Verhältnis der beiden Männer zueinander. Es werden weder Gründe noch Ausreden oder Erklärungen dafür gesucht, dass Simon sich plötzlich auch zu Männern hingezogen fühlt. Wie bereits in früheren Filmen von Tykwer ist vieles dem Schicksal unterworfen. Die Figuren selbst sind Opfer des Zufalls und können es nur eingeschränkt beeinflussen.

    Neben einer großartig inszenierten Traumsequenz fallen vor allem die immer wiederkehrenden Splitscreen Montagen auf, die stark an „Lola rennt“ erinnern und durch die der Film auch immer wieder an fahrt aufnimmt. Neben der Optik gehören des Weiteren noch Schauspieler, Inszenierung und der ständige Wechsel der Erzählperspektiven hervorgehoben.

    „DREI“ ist ein sehr provokativer Film, der viele heikle Themen aufgreift und versucht alles zusammen in einen mehr oder weniger romantischen und lockeren Film zu packen. Dadurch entsteht ein Genrecocktail, der ein wenig überladen wirkt. Eine ausgiebig gezeigte Hodenoperation, sowie diverse Sexszenen und pornografisches Material dürften bei konservativem Publikum in Verbindung mit der Handlung wohl für einige Aufreger sorgen.
    patzwey_83fc2ada0d.jpg
    26.11.2010
    09:40 Uhr