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5 Bewertungen
71% Bewertung
  • Bewertung

    Nirgendwo

    Natürlich vergleicht man den Film sofort mit der ‘Verlorenen Übersetzung‘. Sofia Coppola hat wohl hier einen Teil ihrer Jugend weiter verarbeitet. Das Leben in Hotels, aus dem Koffer und immer hinter Papa her. Hier wird sie als Cleo von Elle Fanning gespielt, die das auch ganz gut macht. Ihr Vater Johnny von Stephen Dorff. Ebenso cool. Fast ein dokumentarischer Bericht. Hohle Langeweile, obwohl ständig etwas los ist, von Termin zu Termin geschubst, von Hollywood nach Italien und wieder zurück. Der Vater lässt es sich so ganz nebenbei echt gut gehen. Bettschwalben in jedem Flur, Geld spielt keine Rolle, obwohl man ständig damit beschäftigt ist, es auszugeben. Man hat es halt einfach. Ganz versteckt huscht schon mal etwas Ironie über den Bildschirm, aber nur ganz kurz. Ansonsten ist Gähnen angesagt. Und das liegt nicht nur an den überlangen Einstellungen ohne Worte.
    Man reibt sich die Augen, wenn erst die Tochter, später auch der Vater plötzlich ein paar Tränen vergießen. Soll sich da etwa die innere Leere Bahn brechen? Da wenig gesagt wird, kann viel hineininterpretiert werden. Wir sehen ein Leben, in dem man alles machen kann, was man will. Der Vater bemüht sich um den Teenager, aber letztlich weiß auch er nicht weiter. Orientierungslos lässt er seine Luxuskarosse am Straßenrand stehen und geht in die Wüste. Kann eine Flucht sein oder ein Start zu einem Selbsterkennungstrip? Oder will er einfach nur mal den Kopf frei kriegen? Beneidenswert ist das Leben dieses Stars keineswegs, im Gegenteil. Wenn das Sofias Absicht war, hat sie ihr Ziel voll erreicht.
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    22.11.2014
    13:19 Uhr
  • Bewertung

    Ein schöner Film!

    Nun gut, vielleicht hätten manche Schnitte ein wenig rascher sein dürfen. Aber die Geschichte, die erzählt wird, ist wunderschön: Der durch seinen plötzlichen Erfolg dem dekadenten Hedonismus verfallene und dadurch letztlich einsame und traurige Schauspieler, der durch ein Kind - hier seine 11-jährige Tochter - wieder aus seiner Sackgasse herausfindet.
    Elle Fanning spielt die 11-jährige Cleo übrigens hervorragend und ist mit diesem Film endgültig aus dem Schatten ihrer großen Schwester Dakota herausgetreten.
    28.07.2011
    18:28 Uhr
  • Bewertung

    somehow

    was braucht ein topschauspieler, jemand der alles materielle zum überdruss hat? - berauschung, noch mehr berauschung?, sex - noch mehr sex? minimalistisches werk mit viel zeit für alltägliche superstarszenen abseits des glamour-glitzers. gewöhnungsbedürftig in seinem minimalismus, entlarvend in seiner hedonismussackgasse, tröstlich in seinem "stars sind auch nur menschen",
    nichts für freunde schnellschnittiger präsentationsware, den film muss man sich erarbeiten, ungewohnt
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    16.01.2011
    19:12 Uhr
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    Somewhere

    Exklusiv für Uncut von der ViENNALE
    Der Hollywoodstar Johnny Marco (Stephen Dorff) lebt in den Tag hinein. Er wohnt im kalifornischen Starhotel Château Marmont, vertreibt sich seine Zeit mit privaten Stripperinnen und diversen Parties. Gelangweilt vom Luxus, gescheitert in Beziehungen, wird er bald damit konfrontiert, dass er längere Zeit auf seine Tochter Cleo (Elle Fanning) aufpassen muss. Wer hier tatsächlich auf wen aufpasst, ist so ohnehin nicht klar. Doch nun hat Johnny eine tagtägliche Begleitung zu seinen vielen Reisen, zu Award Ceremonies, zu einem Event nach dem anderen, die immer wie die selben wirken.

    „Der Vorwurf, dass sie also immer denselben Film dreht, ist nicht falsch, kann aber kaum gegen sie verwendet werden.“ Tobias Kniebe bringt es im Viennale 2010 Katalog auf den Punkt. Klar, „Somewhere“ erinnert thematisch, visuell, dramaturgisch und inhaltlich häufig sehr stark an „Lost in Translation“. Zugleich funktioniert Sofia Coppolas neues (Meister)werk ganz wunderbar. Abermals wendet sich die Filmemacherin dem Milieu zu, das sie am besten kennt: Die Hollywood Schickimickeria. Dabei ist „Somewhere“ jedoch noch viel aktionsärmer und langsamer als alle vorhergehenden Filme. Eben dies passt hier exzellent rein, denn portraitiert wird ein, rein oberflächlich betrachtet, wildes und aufregendes Starleben, voller Sex, Drogen und Anerkennung seitens der Millionen von Fans. Der Protagonist Johnny ist jedoch grenzenlos gelangweilt von der Gewohnheit, alles zu haben. In realistischer Melancholie eingebettet, schafft es Coppola ihre Schauspieler herrlich minimalistisch zu führen. Stephen Dorffs wunderbare Performance überrascht vermutlich selbst Fans des (nicht wirklich all zu berühmten) „Stars“.

    Wem schon der brillante „Lost in Translation“ zu langsam war, muss seine Zeit nicht für „Somewhere“ aufopfern. Doch Freunden Sofia Coppolas und ihrer lakonisch-lethargischen Inszenierung wird hier ein weiteres großes Highlight serviert.
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    01.11.2010
    11:04 Uhr