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76.7% Bewertung
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    Die Todesengel

    Endlich hat sich jemand (Oren Moverman) des Themas angenommen, dass seit Amerika Kriege führt - und das tut es eigentlich immer – als Tabu außen vorgelassen wurde: die Benachrichtigung der Angehörigen wenn einer ihrer Lieben im Feld gefallen ist. Die beiden ‘Todesengel‘, die mit diesem delikaten Auftrag unterwegs sind, sind schon mal als Typen hervorragend gecastet und von einem guten Drehbuch eindrucksvoll in Szene gesetzt: der junge Sgt. Montgomery (Ben Foster) sensibel, verletzlich und verständnisvoll neben dem erfahrenen Capt. Stone (Woody Harrelson), ein raubeiniger Draufgänger, der cool und emotionslos seinen Job macht.
    Die hoch emotionale Handlung wird mit äußerster Sensibilität angegangen, wobei die beiden ‘Messengers‘ in ihrem gegensätzlichen menschlichen Kontrast ein Spannungsfeld zu den Empfängern der Nachricht aufbauen. Sie werden beschimpft, bespuckt und davon gejagt. Oftmals treffen sie sogar gerade auf eine lokale Familienkatastrophe, noch bevor sie ihre Messege abliefern. Unter den Gefallenen sind auch Frauen. Am Feierabend reden sie über Frauen, ihre Eltern, über Huren und Saufen (wenn Capt. Stone das Gespräch bestimmt.) Die junge Witwe Pitterson (Samantha Morton, unheimlich eindrucksvoll) ist das Gegenteil von Stones Welt. Was sich zwischen ihr und Sgt. Montgomery entwickelt sind heftige Gefühle ohne sexuelle Erfüllung. Zögerlich und schafhaft stehen sie in der Küche, schwanken zwischen Begierde und Konventionen. (ein Höhepunkt des Films!) Es knistert förmlich vor Erwartungen. Frau Pitterson geht duschen. Auch das Ende fügt sich nahtlos in die Konzeption des Films ein. Mrs. Pitterson und ihr kleiner Sohn ziehen weg…Sie werden wohl ihre E-Mail Adresse hinterlassen.
    Realistische Emotionen pur, ohne Kitsch. Montgomery und Pitterson greifen nur in Gedanken nach den Sternen. Großartig, dank tollem Drehbuch und famosen Darstellern.
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    26.02.2015
    15:06 Uhr
  • Bewertung

    Wer A sagt, muss auch B sagen

    Exklusiv für Uncut von der Berlinale 2009
    Regisseur Oren Moverman erzählt die Geschichte der beiden von der Armee enttäuschten und von ihrer Aufgabe bald überforderten Soldaten ohne viel Pathos und zeigt einen Aspekt des Krieges, der in der Heimat der vermeintlichen Siegermacht gerne verschwiegen wird: Gefallene gibt es nicht nur auf der Gegnerseite, sondern auch auf der eigenen. Und hinter jedem Gefallenen steht eine Familie, die einen geliebten Menschen verloren hat und alles Mitgefühl der Regierung hilft den Hinterbliebenen herzlich wenig, dies zu akzeptieren oder im Tod des Soldaten oder der Soldatin eine Ehre für das eigene Land zu entdecken. Die einst so hehren Überzeugungen, seinem Land verpflichtet zu sein, zeigen in dem Moment in dem der Ernstfall tatsächlich eintritt, ihr wahres Gesicht. Es ist die Aufgabe der Armee, sich so gut es geht um die Hinterbliebenen zu kümmern, sei es finanziell, sei es durch psychologische Betreuung. Aber nüchtern gesagt ist es nicht die Aufgabe der Armee, die Entscheidung eines bzw. einer jeden einzelnen, in den Dienst der Armee zu treten, nachträglich rückgängig zu machen, damit sein oder ihr Tod ungeschehen gemacht werden könnte. Noch dazu, wenn es wie in den USA keine allgemeine Wehrpflicht gibt. Die Gefahr, im Kampf verwundet oder gar getötet zu werden, gehört in einer solchen Armee zum Berufsrisiko. Einen Film darüber zu drehen, wie hilflos die Armee im Umgang mit dem Leid der Hinterbliebenen ist und wie leer die dabei verwendeten Phrasen von Anteilnahme und Mitgefühl für jene, die sich nicht in den Dienst der Armee gestellt haben, sind, klingt nach einem interessanten Stoff für einen Kinofilm. In diesem Falle jedoch bleibt die Kritik in den Ansätzen stecken. Zu sehr konzentriert sich das Drehbuch auf die Beziehung der beiden Soldaten untereinander und zwischen dem jungen Soldaten und der Witwe. Ben Foster hat für die Rolle offensichtlich viel trainiert und Woody Harrelson wirkt in der Rolle des ehemaligen Alkoholikers in Uniform auch authentisch. Die Figuren im Film bleiben aber, ähnlich dem Verhaltenskodex für „Messenger“ auf Distanz und können keine wirkliche Verbindung zum Publikum aufbauen.
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    09.02.2009
    23:58 Uhr