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    Moskaus Ruckerlberg, aber langgestreckt.

    Irene Langemann hat für ihre Dokumentation vier Frauen aus der Rubljovka und eine Gruppe von armenischen Gastarbeitern begleitet. Sie zeigt, wie sich mit der Situation zurecht kommen. Die Reichen, in dem sie sich den vierten Zobelpelzmantel kaufen, die armen mit russisch-pragmatischer Einstellung und Humor. Sie lässt die Menschen ihre eigene Geschichte erzählen und montiert diese schließlich zusammen. Sowohl vom Aufbau ihres Filmes als auch inhaltlich enthält sie sich jedes Kommentars. Das Publikum soll sich wohl seinen eigenen Reim darauf machen. Das ist prinzipiell in Ordnung, über die ganze Dauer des Filmes verliert sich der Erzählfaden jedoch immer wieder. Der Stillstand im Leben der Armen wird kontrastiert mit der einsamen Sauberkeit im Leben der Reichen. Die Zukunftslosigkeit der einen wechselt sich ab mit der Langeweile der anderen. Die Klarinetten- und Violinenmusik, die zur Untermalung des Filmes verwendet wurde, variiert zahlreiche Musikstücke, die an russische Volkslieder erinnern, gerät mitunter jedoch zu sehr in den Vordergrund, so dass sie das Erzählte überdeckt und außerdem an manchen Stellen ziemlich nervt. Rubljovka ist ein interessantes, wenngleich zwischendurch ein wenig langatmiges, Portrait der gesellschaftlichen Situation in Russland. Eine Reise mit doppeltem Boden: ist der Film zu Ende, darf man in die gewohnte westliche Zivilisation zurück kehren, in der es ebenfalls Reiche gibt, die Demokratie aber eindeutig besser funktioniert.
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    13.05.2008
    20:45 Uhr