Forum zu Kabei - Our Mother

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    Sanfte Brise zwischen Kirschblüten


    Regisseur Yoji Yamada war bereits vor drei Jahren hier in Berlin mit seinem Film „The Hidden Blade“ im Wettbewerb vertreten gewesen. Dieses Jahr erzählt er die Geschichte einer tapferen Frau während des zweiten Weltkriegs in seiner Heimat Japan. Der Krieg ist für ihn aber nur Kulisse. Es geht ihm nicht um die Anschläge von Hiroshima und Nagasaki, die in die erzählte Zeit von 1940 bis August 1941 fallen, sondern er konzentriert sich auf diese kleine Familie, die unter der Verfolgung durch die Behörden zu leiden hat und ganz besonders auf die Mutter, Kabei, eine Alleinerzieherin wider Willen, die aus Liebe zu ihrem Mann alles versucht, ihren Kindern eine Ausbildung zu ermöglichen und genug Geld zu verdienen, damit sie überleben können, denn von ihrem Mann, der im Gefängnis sitzt, hat sie außer Sorgen nichts zu erwarten. Unter dem damals geltenden „Friedenserhaltungsgesetz“ wurden zahlreiche Intellektuelle wegen der Verbreitung von revolutionären Schriften verfolgt und ins Gefängnis geworfen. Alles wurde einer strikten Zensur unterworfen, um die Bevölkerung über den wahren Verlauf des Krieges im Unklaren zu lassen. Zustände also, die auch in Europa unter der NS-Herrschaft an der Tagesordnung standen. Yamadas Film ist aber, anders als so manche europäische oder amerikanische Filme zum gleichen Thema, ein sehr gefühlvoller Film voller Schmerz, den zu zeigen gesellschaftlich nicht schicklich ist und voller Hoffnung, die sich letztlich nicht erfüllt. Er begleitet die Hauptfigur bis zu ihrem Tode, viele Jahre nach dem Krieg, wo sie sich selbst am Sterbebett noch wünscht, ihr Mann wäre nicht im Gefängnis gestorben und sie sich gar nicht darauf freut, ihn bald wieder zu sehen, sondern ihn lieber hier, bei sich und ihren Kindern gehabt hätte. Der Film ist eine leise, insgesamt aber auch zu leise Anklage an die Verhältnisse damals. Hauptdarstellerin Sayuri Yoshinaga spielt ihre Rolle auch weitgehend so, wie man es sich aus allen Klischees erwarten kann: zurückhaltend, sanft, immer ein kleines Bisschen zu still und unnahbar, distanziert. Bis zu einem gewissen Grad wird das gewiss die Absicht des Regisseurs gewesen sein, insgesamt finde ich aber, etwas mehr Leidenschaft hätte ihr als Leinwandfigur gut getan. So haucht der Film seine Geschichte wie eine sanfte Brise zwischen der japanischen Kirschblüte dahin und hinterlässt kaum einen nachhaltigen Eindruck, abgesehen von seiner Laufzeit, die man subjektiv als länger empfindet, als sie in Wahrheit ist. Ein schöner, behutsamer, aber unauffälliger Film.
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    13.02.2008
    23:55 Uhr