Forum zu Short Cuts

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98.3% Bewertung
  • Bewertung

    Der Tod und die Gesellschaft

    Wenn der Altmeister Robert Altman ruft, kommen alle und die Preise türmen sich zu Hauf. Die Promiliste liest sich wie das Adressbuch von Hollywood. Diese ‘Abkürzung‘ ein ausführlicher Umweg. Dieser ultimative Episodenfilm führt dieses Genre in drei Stunden ad absurdum oder auch zu einer nicht mehr zu toppenden Vollendung.
    Es ist ein großes Bilderbuch der Gesellschaft. Alles dreht sich um acht Ehepaare, die die ganze Palette von menschlichen Krisen, Unverschämtheiten, Böswilligkeiten und Demütigungen u.v.a.m. erleben. Da fliegen die Fetzen bis die Schlafzimmertür den Zugang zu einer Versöhnung öffnet. Mal sind die Jungs solidarisch, dann wieder die Mädels und so treibt Altmann die Unterhaltungswert in die Höhe, wenn nicht nur die eindimensionale Entwicklung vorankommt, sondern auch noch Querverbindungen entstehen. Daneben gibt es auch noch einen Roten Faden: der kleine Casey wird angefahren, liegt den ganzen Film im Koma und schafft es am Ende doch nicht.
    Zwei herausragende Episoden sind besonders erwähnenswert: Caseys Opa Paul (Jack Lemmon) eilt ans Krankenbett des Enkels und arbeitet dabei mit seinem Sohn Howard (Bruce Davison) die gemeinsamen verpassten Gelegenheiten ihres Lebens auf. Das Vater–Sohn Problem bleibt ungelöst. Vorbei ist vorbei, kann man nichts mehr machen. Jack Lemmon bringt tiefe menschliche Tragik in den Plot. Und die abartigste Episode: die verheiratete Lois macht Telefonsex und wickelt dabei ihr Baby, während sie den Anrufer zum Höhepunkt treibt. Als sie daraufhin ihrem Mann (Christopher Penn) Sex anbietet, ist er hilflos und kann damit gar nichts anfangen.
    Es gibt nichts Erfreuliches im Leben dieser Figuren. Sie wurschteln sich so durch. Und wenn die alte Barsängerin Tess singt ‘To Hell with Love‘, so ist das symptomatisch für diese Gesellschaft. Ihre Tochter Zoe (Lori Singer) nimmt sich frustriert das Leben. Dieser Film kann nur mit einem Erdbeben zu Ende gehen. Das lag bereits acht Mal in der Luft.
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    14.05.2019
    19:17 Uhr
  • Bewertung

    Meilenstein des Mediums Film

    Robert Altman ist einer der Regisseure, die das Medium Film weiterentwickelt haben! Alle seine Filme dienen diesem Zweck, aber vor allem ist es SHORT CUTS aus dem Jahre 1993, wo er verschiedene Handlungen miteinander vermischt und somit ein einzigartiges Porträt von Menschen in L.A. zeigt, die auf der Suche sind! Sie alle sind auf der Suche nach „Leben“! Danke Robert Altman – mögest Du in Frieden ruhen!
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    02.12.2006
    15:05 Uhr
  • Bewertung

    Urknall des Episodenfilms

    Seit diesem Film gab es eine Fülle ähnlicher und nur wenige ähnlich guter Episodenfilme aus Hollywood. Am ehesten konnte ihm noch "Magnolia" von P.T. Anderson das Wasser reichen, wenngleich beim Humor "Short Cuts" ungeschlagen blieb. Nie werde ich die Szene vergessen, wo der Staubsaugervertreter ohne eine Miene zu verziehen, die frisch zertrümmerte Wohnung zu säubern beginnt und anschließend seine Visitenkarte da läßt. Oder auch Lyle Lovett, der damalige Kurzzeit-Ehemann von Julia Roberts als Konditor mit besonders süßen Rachegelüsten für eine bestellte, aber nicht abgeholte Torte... LOL

    Zweifellos ein sehr langer Film, aber mit so vielen verschiedenen Geschichten, dass er nicht langweilig wird. Sehenswert, vom Anfang bis zum Schluss.
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    29.11.2006
    16:13 Uhr