Forum zu Exit 8

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    Finde den Fehler!

    So manchen U-Bahn-Ausgang hat man selbst schon nicht gleich auf Anhieb gefunden, insbesondere wenn man in einer fremden Metropole als Tourist oder geschäftlich unterwegs ist und dabei die öffentlichen Verkehrsmittel benutzt. In London oder in Moskau ist die Mitfahrgelegenheit im Untergrund gefühlt nahe am Erdkern, anderswo windet man sich wie in einem Labyrinth um unzählige Ecken, nimmt Abzweigungen und Rolltreppen, um zum Ziel zu gelangen. Anders wird einem auch dann, wenn vertraute Arbeitswege ganz plötzlich in einer Möbius-Schleife enden. Gibt es denn da einen Ausweg? Bei Möbius-Schleifen nicht, denn der Weg darauf ist unendlich.

    Da will doch nur jemand spielen

    So unendlich wie jene U-Bahn-Passage, in der ein namenloser junger Mann feststeckt und verzweifelt nach dem Ausgang Nummer 8 sucht. Das Ganze beginnt noch recht vertraut, zuerst noch weist ein Schild zum Ausgang Zero hin, doch selbst der erscheint nie. Stattdessen kommt diesem Mann, der eigentlich unterwegs zu seiner Freundin ist, die kurz vor der Entbindung steht, und der nicht weiß, ob er sich nun dazu bekennen soll, Vater zu sein oder nicht, immer wieder derselbe Passant entgegen: Ein Geschäftsmann mit einem Koffer in der linken, einem Mobiltelefon in der rechten Hand, stur geradeaus blickend und auf keinen Zuruf reagierend.

    Langsam wird klar: Ein Entkommen gibt es nur, wenn sich der werdende Vater im ewig gleichen U-Bahn-System zu Exit 8 hocharbeitet. Schließlich prangen die Spielregeln unübersehbar auf einer Tafel: Findet er Anomalien, muss er zurück, findet er keine, geht es weiter. Rutschbahn und Leiter? Ja, nur ohne Würfelglück, sondern mit dem Auge eines Haftelmachers. Oder: Exit 8 ist wie ein Bilderrätsel, auf dem acht Fehler unbekannter Art versteckt sind.

    Tunnelblick mal anders

    Der japanische Filmemacher und Autor Genki Kawamura, der mit seinem Roman Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden – ein Buch, das man nicht verfilmen kann – schon einen Bestseller geschrieben hat, widmet sich nun der Verfilmung des Computerspiels Exit 8, in dem man immer wieder durch einen weiß gekachelten, mehrmals geknickten Tunnel-Abschnitt wandert. Jedes Mal ist irgendetwas anders – oder auch nicht. Das mag eine launige Horror-Challenge sein, denn manchmal geht auch das Licht aus und ganz plötzlich steht der Geschäftsmann, der sonst sowieso nie reagiert, breit grinsend hinter dir.

    Creepiness, die im Trend liegt

    Kawamura hat dieses Mindfuck-Abenteuer eines labyrinthartigen Horrors gerade zur rechten Zeit inszeniert, in der so manche Creepypasta, die im Internet kursiert, auf Kinotauglichkeit untersucht wird. Darunter eben Nick Parsons‘ Backrooms-Legenden, die eben erst erfolgreich das Licht der Leinwand erblickten.

    Mystery, die sich nicht erklären lässt, hat eine Zeit lang die Stranger Things-Furore erklärt – bis dort aufgeklärt wurde, was man nicht hätte aufklären müssen. Zum Glück gibt Exit 8 genauso wie Backrooms das Geheimnis hinter seinem Schleifen-Horror sowieso nicht preis. Auch nicht, was entscheidend dafür ist, um in diesen Parcours zu tappen. Kawamura erzählt dieses seltsame Phänomen eines urbanen „Escape Rooms“, der mitten im Alltag auf x-beliebige Menschen hereinbricht, aus unterschiedlichen Perspektiven. Würde er das nicht tun, hätte der ganze Plot für einen Spielfilm einen viel zu kurzen Atem; dann wäre Exit 8 ein Kurzfilm geworden, ein kleines, beklemmendes Filmchen, eine Anekdote zum Thema psychologische Manifestation.

    Such doch einfach selbst!

    Den Mitmachfaktor hat Backrooms nicht – Exit 8 hingegen schon. Man darf also selbst rätseln, was wohl beim nächsten Mal anders läuft – ist es der Mona-Lisa-Effekt auf den Werbeplakaten oder eine verkehrte Ziffer? Mutierte Ratten oder Blut an den Wänden, das auf Weiß immer gut kommt?

    Eine Meta-Ebene hat das Ganze ohnehin nicht, und eine solche müsste man auch gar nicht anstreben – doch Kawamura tut es. Letztlich aber lässt sich dieses Szenario gar nicht in diese Richtung biegen. Jeder innere Konflikt, der in Exit 8 von den Auserwählten für das Spiel eben dort hineingetragen wird, bleibt ein dekoratives Add-On ohne Funktion. Klar, man versteht schon, was es zu erreichen gilt, doch wirkt genau das im Gegensatz zu den strengen Regeln in diesem Spiel allzu willkürlich und austauschbar.



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    11.08.2026
    17:48 Uhr
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    Kein Ausgang unter dieser Nummer

    Exklusiv für Uncut vom Slash Filmfestival
    Seit der ersten Stunde räumt das Slash Filmfestival dem zeitgenössischen asiatischen, speziell dem japanischen Genrefilm einen prominenten Platz in seinem Programm ein, was sich glücklicherweise auch bei der mittlerweile sechzehnten Ausgabe nicht geändert hat. Neben Highlights wie „Mad Mask“ oder „Incomplete Chairs“, lockte dieses Jahr vor allem die Videospielverfilmung „Exit 8“ japanophile Cinephile ins Kino, wie ein restlos ausverkauftes Filmcasino ansehnlich demonstrierte, was angesichts einer Dienstagsvorstellung um 23 Uhr bei all dem sonstigen Andrang schon eine kleine Besonderheit darstellt.

    Viele waren gespannt, wie gut, wenn überhaupt, sich das Gamekonzept vom Computerbildschirm auf die Leinwand übertragen lässt, zumal sich dieses denkbar einfach gestaltet: In dem gleichnamigen Walking Simulator ist der/die Spielende in einer Möbiusschleife in dem Gang einer U-Bahn-Station gefangen und muss beim Durchqueren desselben auf Anomalien in der Umgebung achten. Wird eine solche entdeckt, muss umgedreht werden; wenn nicht, geht es weiter geradeaus. Wer achtmal in Folge richtig liegt, hat den Ausgang Nummer 8 gefunden und wird in die Freiheit entlassen.

    Die filmische Umsetzung von Genki Kawamura bleibt dem Spielprinzip relativ treu: Gedankenverloren steigt ein junger Mann im Tokioer Frühverkehr aus der U-Bahn aus und steuert in der verzweigten Station Exit 8 an. Nachdem er schon zum wiederholten Male im Kreis gegangen ist, entdeckt er ein Schild, das ihm die Spielregeln erklärt, worauf eine klaustrophobische Expedition durch das liminale Labyrinth beginnt.

    Die nächste große Frage ob der Übersetzbarkeit in ein anderes Medium betrifft in diesem Fall voll eindeutig die Spieldauer. Denn während das Computerspiel, je nach Geschicklichkeit, in nur 15-30 Minuten durchgespielt werden kann, öffnet der Spielfilm mit seinen doch 95 Minuten einen Raum, der erst einmal befüllt werden muss. Die Antwort lautet: Es funktioniert bedingt. Natürlich musste die minimalistische Handlung des Games erweitert, beziehungsweise vertieft werden. Der Protagonist der Handlung bekommt zwar keinen Namen, dafür aber eine angedeutete Hintergrundgeschichte und damit auch eine konkrete Agenda, um den Ausgang zu finden.

    Mit dieser narrativen Expansion werden die Mechanismen des Konzepts aber nicht immer ganz schlüssig und wirken zeitweise sogar eher willkürlich. Möglicherweise profitiert das Werk aber genau in dieser Hinsicht von einem Rewatch, zu dem es ob seiner Vagheit dann doch nicht vollends einlädt. Es drängt sich unweigerlich die Überlegung auf, ob eine knapper bemessene Laufzeit die Erzählung nicht kompakter und einnehmender gestaltet hätte. Nichtsdestotrotz enttäuscht Exit 8 auch bei einmaliger Sichtung zumindest nicht auf ganzer Linie. Wenn sich auch unweigerliche Längen bemerkbar machen, verfällt der Film nie in kompletten Stillstand und findet mehr oder weniger kreative Lösungen, um die Handlung am Laufen zu halten.

    Woran die Ambitionen eher scheitern, ist der Mangel an einer tatsächlich beklemmenden Atmosphäre; ein Makel, der auch schon der Videospielvorlage attestiert wurde. Ästhetisch wie auch erzählerisch verpasste Chancen machen das Publikum mehr zum distanzierten Beobachter einer durchschnittlich spannenden Gameshow, anstatt es zum Teilnehmenden einer immersiven Erfahrung zu machen. Was bleibt, ist ein nicht gänzlich unspannendes Escape-Abenteuer in der Tradition von Filmen wie „Cube“, das aller Wahrscheinlichkeit nach nicht denselben Kultstatus erreicht haben wird, Liebhaber:innen dieser Spielart aber durchaus empfohlen werden kann.
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    26.09.2025
    21:22 Uhr