Exklusiv für Uncut vom Slash Filmfestival
Seit der ersten Stunde räumt das Slash Filmfestival dem zeitgenössischen asiatischen, speziell dem japanischen Genrefilm einen prominenten Platz in seinem Programm ein, was sich glücklicherweise auch bei der mittlerweile sechzehnten Ausgabe nicht geändert hat. Neben Highlights wie „Mad Mask“ oder „Incomplete Chairs“, lockte dieses Jahr vor allem die Videospielverfilmung „Exit 8“ japanophile Cinephile ins Kino, wie ein restlos ausverkauftes Filmcasino ansehnlich demonstrierte, was angesichts einer Dienstagsvorstellung um 23 Uhr bei all dem sonstigen Andrang schon eine kleine Besonderheit darstellt.
Viele waren gespannt, wie gut, wenn überhaupt, sich das Gamekonzept vom Computerbildschirm auf die Leinwand übertragen lässt, zumal sich dieses denkbar einfach gestaltet: In dem gleichnamigen Walking Simulator ist der/die Spielende in einer Möbiusschleife in dem Gang einer U-Bahn-Station gefangen und muss beim Durchqueren desselben auf Anomalien in der Umgebung achten. Wird eine solche entdeckt, muss umgedreht werden; wenn nicht, geht es weiter geradeaus. Wer achtmal in Folge richtig liegt, hat den Ausgang Nummer 8 gefunden und wird in die Freiheit entlassen.
Die filmische Umsetzung von Genki Kawamura bleibt dem Spielprinzip relativ treu: Gedankenverloren steigt ein junger Mann im Tokioer Frühverkehr aus der U-Bahn aus und steuert in der verzweigten Station Exit 8 an. Nachdem er schon zum wiederholten Male im Kreis gegangen ist, entdeckt er ein Schild, das ihm die Spielregeln erklärt, worauf eine klaustrophobische Expedition durch das liminale Labyrinth beginnt.
Die nächste große Frage ob der Übersetzbarkeit in ein anderes Medium betrifft in diesem Fall voll eindeutig die Spieldauer. Denn während das Computerspiel, je nach Geschicklichkeit, in nur 15-30 Minuten durchgespielt werden kann, öffnet der Spielfilm mit seinen doch 95 Minuten einen Raum, der erst einmal befüllt werden muss. Die Antwort lautet: Es funktioniert bedingt. Natürlich musste die minimalistische Handlung des Games erweitert, beziehungsweise vertieft werden. Der Protagonist der Handlung bekommt zwar keinen Namen, dafür aber eine angedeutete Hintergrundgeschichte und damit auch eine konkrete Agenda, um den Ausgang zu finden.
Mit dieser narrativen Expansion werden die Mechanismen des Konzepts aber nicht immer ganz schlüssig und wirken zeitweise sogar eher willkürlich. Möglicherweise profitiert das Werk aber genau in dieser Hinsicht von einem Rewatch, zu dem es ob seiner Vagheit dann doch nicht vollends einlädt. Es drängt sich unweigerlich die Überlegung auf, ob eine knapper bemessene Laufzeit die Erzählung nicht kompakter und einnehmender gestaltet hätte. Nichtsdestotrotz enttäuscht Exit 8 auch bei einmaliger Sichtung zumindest nicht auf ganzer Linie. Wenn sich auch unweigerliche Längen bemerkbar machen, verfällt der Film nie in kompletten Stillstand und findet mehr oder weniger kreative Lösungen, um die Handlung am Laufen zu halten.
Woran die Ambitionen eher scheitern, ist der Mangel an einer tatsächlich beklemmenden Atmosphäre; ein Makel, der auch schon der Videospielvorlage attestiert wurde. Ästhetisch wie auch erzählerisch verpasste Chancen machen das Publikum mehr zum distanzierten Beobachter einer durchschnittlich spannenden Gameshow, anstatt es zum Teilnehmenden einer immersiven Erfahrung zu machen. Was bleibt, ist ein nicht gänzlich unspannendes Escape-Abenteuer in der Tradition von Filmen wie „Cube“, das aller Wahrscheinlichkeit nach nicht denselben Kultstatus erreicht haben wird, Liebhaber:innen dieser Spielart aber durchaus empfohlen werden kann.