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    Der Zauber des echten Lebens

    In der Filmbranche gibt es meist die Tendenz Geschichten zu verfilmen die hinsichtlich Drama, Spannung, Abwechslung und Dichte bewusst so intensiv aufgeladen sind, dass sie zu den Lebensgeschichten der tatsächlich existierenden Menschen kaum noch Bezug haben. Was zählt ist, das Maximum an Gestaltungsmöglichkeiten herauszuholen um Eintertainment zu bieten.

    Sentimental Value geht hier einen anderen Weg. Diese Geschichte möchte viele Familien-Konstellationen widerspiegeln und dabei die feinen Nuancen herausarbeiten statt auf Effekt und künstliches Drama zu setzen.

    Diese im Film dargestellte Familiensituation wird zwar sicher nicht auf alle Familien übertragbar sein, aber der Kern ist ein anderer: Die Geschichte möchte die prinzipiellen Chancen und Gefahren eines Familiengeflechts thematisieren. Wo Erwartungen, Rollenzuschreibungen und Ideale an die man scheitert, verletzte Gefühle, die Verbundenheit und Liebe die oftmals unausgesprochen bleibt oder ein Zueinanderfinden im Laufe des Lebens als eine Art Beziehungsarbeit vorherrschen. Familie wird hier als eine fragile Konstellation verstanden, nicht als eine statische Einheit, wie sie zwar oftmals nach außen hin wirken mag, aber in vielen Fällen nicht ist.

    Sehr oft gibt es Diskrepanzen zwischen dem was von anderen erwartet wird und was die jeweilige Person glaubt hinsichtlich ihrer Familienrolle gerecht zu werden, wobei es vielleicht manchmal auch um überzogene Erwartungen oder um unbeabsichtigte fehlende Sensibilität handeln kann, welche dann letztendlich zu Enttäuschungen führen. „Sentimental“ wohl auch deshalb, weil Familienangehörige im Regelfall die engsten Bezugspersonen unsereres Lebens sind und demnach auch ein bestimmter Erwartungsdruck als wichtiger Lebensanker und möglichst perfekter Rückzugsort auf ihr lastet. Da können selbst schon mal Nuancen der abweichenden Vorstellung zu Frustrationen führen, oftmals still, heimlich und unausgesprochen.

    Andererseits verschieben sich auch die Rollen. Die kleinen Kinder die noch von den Eltern umsorgt und behütet werden müssen, werden später selbst zu eigenständigen Erwachsenen und später wenn die Eltern selbst alt und gebrechlich werden müssen die Kinder sie umsorgen. Das bedeutet auch Anpassungsfähigkeit aller Beteiligten und auch wenn es ein schleichender Prozess ist, birgt er seine mentalen Herausforderungen. Das hat zwar dieser Film nicht so explizit herausgestellt, aber es schwingt doch ein wenig mit.

    Die Inszenierung ist gelungen und die Schauspieler machen durch die Bank ihre Sache sehr gut. Als jemand der auch sehr auf Filmmusik achtet, muss ich bei diesem Punkt leider schon Abstriche machen, da hier noch Luft nach oben ist (Hania Rani). Viel mehr Wirkung als zu Haneke-Filmen ohne Musik war da nicht da, vieles plätschert brav und unscheinbar im Hintergrund. Aber vielleicht hat es auch einen Vorteil, wenn die bereits deutlich sichtbaren Emotionen nicht auch noch durch die Musik allzu verstärkt werden.

    Ein Film der vor allem Menschen ansprechen sollte, die auch für Details sensibel sind und zwischen den Zeilen lesen können. Pragmatiker die nur möglichst leicht zu erfassende Unterhaltung suchen, werden damit weniger ihre Freude haben.
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    16.02.2026
    16:17 Uhr
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    Familienarchiv der offenen Wunden

    Nora und Agnes leben verschiedene Leben. Beide aufgewachsen im gleichen Generationenhaus, schwesterlich eng verbunden – und doch so verschieden. Agnes (Inga Ibsdotter Lilleaas) hakt die Standardkästchen im Spiel des Lebens ab: mit ihrem Sohn und ihrem Mann führt sie ein konventionelles Leben. Diametral anders Nora (Renate Reinsve), beruflich Theaterschauspielerin, einsam und zerbrechlich: gleich zu Beginn ein Nervenzusammenbruch direkt bevor sich der Vorhang hebt. Jetzt setzen sich die Schwestern nach dem Tod ihrer Mutter mit ihrer Vergangenheit auseinander. Denn ihr Vater Gustav, gleichsam anerkannter Filmregisseur, der mitunter wie ein dunkler Dämon im Frack dieses Familienhaus betritt, stellt das Dasein der Schwestern vor eine Belastungsprobe.

    Dass Gustav sein neues Filmwerk im Generationenhaus drehen möchte, setzt die Krone auf eine zerrüttete Beziehung und auf seine unsensible Charakterisierung. Stellan Skarsgård, dieser multitalentierte Schauspielveteran, spielt hier wahrscheinlich die Rolle seines Lebens. Gustav ist jedoch nicht immer so harsch und hölzern. Nachdem Nora die Hauptrolle ablehnt, versucht er mit Rachel (Elle Fanning) eine Weltschauspielerin einzusetzen. Und hier merken wir Empathie und Fürsorge, die er für seine Töchter nicht aufbringen kann. Bei seiner Familie sind ihm die Fäden zerrissen, die er als Regisseur sonst in der Hand hält. Skarsgård zeigt beeindruckend die Komplexität von Zuneigung und Distanz, die beide gerade im Familienkontext noch schwerer aufrecht zu erhalten sind als ohnehin schon in dieser schnelllebigen, individualisierten Welt. Altern und Verlust sind assoziative Themen.

    Mit „We cant even communicate“ weist Nora das Angebot ihres Vaters zurück. Es ist ein Film über die Alltäglichkeit der Kommunikation, über deren Hindernisse und Notwendigkeiten. Offensichtlich und brillant: die Seitenhiebe auf Social Media im Alltag und Digitalisierung im Kino. Da klappt Agnes den Laptop zu, wenn sie mit Nora ins Gespräch geht. Welch beiläufige Reflexion, die uns alle trifft, wenn wir uns beim nächsten Meeting wieder hinter unseren Bildschirmen verstecken. Gleichzeitig wird das Ungesagte bebildert, es fehlen Stellen, da lässt uns der Film im Dunklen, einiges ist unausgesprochen. Ein Gleichnis zum Leben, das zu viel herunterschluckt, gerade in der älteren Generation zu viel nicht kundtut und früher mit derselben Stille nicht kommunizierte. Apropos frühere Generation, „Sentimental Value“ ist auch ein Kommentar zur Situation der Frauen im Patriarchat. Gustav fordert Nora auf: „you need someone to care about.” Frauen, die sich kümmern müssen; Väter, die abhauen; später Kinder, die damit umgehen müssen und diesen Rucksack mit sich schleppen.

    Noch in Jahren wird es Seminare in der Filmwissenschaft zu Joachim Trier geben. Dieses norwegische Ausnahmetalent legt nach „Der Schlimmste Mensch der Welt“ ein weiteres Sensationsdrama vor, das als Quasi-Fortsetzung gelesen werden kann. Seine Fragmentierungen, das ihn auszeichnende episodenhafte Erzählen, sind noch lange nicht vollends analysiert. Ebenso der Einsatz von Musik: poppige Sounds treffen Jazz-Melodien und orchestrale Orgel-Töne. Musik, die das Sentimentale genauso kontrapunktiert wie der Humor. Präziser Witz lockert das Geschehen auf, erzeugt das ganz große Kino, das sich nicht auf Genres beschränken lässt und fade Pfade betritt.

    Kombiniert mit dem Regie-Topos, dem „Film im Film“ und dem Anschluss an Triers Oeuvre ist „Sentimental Value“ eine Meta-Meta-Meta-Studie über das Leben, über Kunst und über Familie. Wie zu besten Zeiten der Nouvelle Vague verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Filmproduktion genauso wie die Grenzen in Noras Leben zwischen Stabilität und mentalem Druck bis hin zur Depression. Und trotzdem schafft es Trier, das Publikum zum Lachen zu bringen. Wenn Stellan seinem Enkelkind „Die Klavierspielerin“ zum Geburtstag schenkt, überfordert Trier nicht, sondern lässt Raum zum Atmen. Die Regie ist fantastisch in diesen Momenten. Ganz zu schweigen von Renate Reinsve, deren Natürlichkeit das Authentische in diesem Film trägt.

    Fazit: Joachim Trier etabliert sich mit „Sentimental Value“ in der ersten Riege sensiblen Filmemachens und schreibt ein 135-Minuten-Manifest für die Wichtigkeit von Kommunikation und für die Aufarbeitung existentieller Gefühle. Es geht um die Konfrontation mit der unabdinglichen Sozialkonstruktion „Familie“. – in der das komplette Kinopublikum eine Identifikationsfläche findet. Gespickt mit feinem Humor und einer Botschaft an der Schnittstelle zwischen Kunst und Realleben, einer der besten Filme des Jahres, nah dran an der Kategorie „Meisterwerk“.
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    02.12.2025
    19:11 Uhr
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    Familie spielt eine Rolle

    Durchs Reden kommen die Leute zusammen, heisst es so schön. Das ist, so weiß die skandinavische Filmwelt, der bessere Weg, um mit sich und den anderen ins Reine zu kommen. Das Ungesagte blieb bei Ingmar Bergman auf weltvernichtende Weise als unüberbrückbarer Graben eine seelenlandschaftliche topografische Grenzmarkierung, bevölkert von den Gespenstern der eigenen Ängste und Wahrnehmungen – mittlerweile jedoch, im Zeitalter der nicht nur analogen Interaktion, ist die verbale Auseinandersetzung wieder hochinteressant. Und schließlich wissen vor allem die Norweger, wie sie es anstellen, mit ihresgleichen ins Gespräch zu kommen, ohne leere Phrasen zu dreschen oder die stilistischen Must Have-Parameter eines Genres zu bedienen.

    Der Norden feiert das Gespräch

    Joachim Trier ist einer von denen, die mit der Hand auf den Tisch hauen, wenn es ums Zuhören geht. Damit aber ist er nicht alleine. Womöglich inspiriert durch Triers Der schlimmste Mensch der Welt, machte diesjährig Triers Landsmann Dag Johan Haugerud auf sich aufmerksam – seine Oslo-Trilogie über Beziehungen, Liebe und der dabei neu ins Licht gerückten Identität von Menschen, die, obwohl man sie nicht kennt, einem selbst plötzlich nahestehen, hat den Richtwert für den Dialogfilm neu gesetzt. Haugeruds Arbeiten sind aber deutlich radikaler als jene von Joachim Trier, vielleicht, weil sie ihre Handlung vollständig ins Gespräch betten und man den Film, sofern im Original, fast schon mehr liest als ansieht. Das hindert das Publikum, oder zumindest mich, nicht daran, ordentlich viel Diskussionsstoff mitgenommen zu haben, der nachhaltig die Gemüter erhitzt.

    Die omnipräsente Abwesenheit des Vaters

    Joachim Trier strebt in seinem bei den Filmfestspielen von Cannes voraufgeführten neuen Film Sentimental Value aber nicht Haugeruds Purismus an, sondern verschafft sich mit federnden narrativen Schritten Zugang in eine familiengeschichtsträchtige Immobilie, die in ihrer ruhenden, statischen, beobachtenden Gleichgültigkeit wie ein Schwamm Tragödien und Dramen einer seit jeher gebeutelten Familie durch den Verputz gesaugt hat. In den Grundfesten bleiben diese Erinnerungen omnipräsent – sie schüren die Enttäuschung von Theaterschauspielerin Nora, deren übermächtig wirkender Vater das Weite gesucht hat, während sie selbst und ihre Schwester in ihrer Kindheit niemanden dringender gebraucht hätten als ihn. Dieser Vater, eine Figur, inspiriert von den großen skandinavischen Bühnendramen eines Ibsen oder Strindberg, ist längst ein Regiegott des Kinos, dem man mittlerweile Retrospektiven gönnt und der die Aufmerksamkeit junger Starlets genießt, die gerne mit ihm arbeiten wollen. Im Zuge des Begräbnisses von Noras Mutter muss auch der Verschollene wieder seine Präsenz zeigen und nutzt diese Begegnung gleich, um seine Älteste dazu zu überreden, in seinem nächsten Film mitzuwirken – als Hauptfigur, als Star, sei doch dieses Drehbuch für sie verfasst. Und das, obwohl es, wie er beteuert, keinerlei autobiografischen Bezug hat. Wer‘s glaubt. Nora stellt sich quer, will von Papa nicht viel wissen, nur vielleicht, warum er sie und ihre Schwester verlassen hat. Die Antworten schuldig bleibend, versucht sich Regiestar Gustav Borg mit einer alternativen Besetzung zu trösten – der weltberühmten Schauspielerin Rachel Kemp, gespielt von Elle Fanning, die in diesem familiären Reigen aus Emotionen wie ein Fremdkörper wirkt, der nichts zu suchen hat in dieser sehr privaten Angelegenheit, die in der Aufarbeitung dysfunktionaler Umstände offene Wunden versorgt, die sonst niemanden etwas angehen.

    Familie als Rollenspiel

    Joachim Trier hat dafür wieder auf Renate Reinsve zurückgegriffen, mit der er bereits Der schlimmste Mensch der Welt gedreht hat. Ihr gegenüber: ein Kapazunder wie Stellan Skarsgård, dominant, erkenntnisgewinnend, müde vom Ruhm, doch dem Drang des Filmemachens ausgeliefert, das nun zur Projektionsfläche seiner eigenen Fehler wird. Dreh und Angelpunkt ist dabei dieses Haus, darin das Reflektieren von Erinnerungen und emotional, aber nicht bewusst Erlebtem – die Tragik eines Suizid, der Zusammenbruch eines familiären Gefüges. Viel Thema, viel Stoff, doch Trier setzt zu Beginn bereits die Aufdröselung eines Knotens an, der alle willenlos miteinander verstrickt, bis das Instrument des Films die Entwirrung schafft, bis die Kunst der kollateral am wenigsten zunichte machende Weg scheint, um ein unentschuldbares Drama verstehen zu können.

    Sentimental Value bändigt diesen Wulst an Unverarbeitetem ohne Stillstand, ohne Ratlosigkeit, Triers Ensemble zieht die Sache durch, hält sich dabei nicht mit redundanten Leerläufen auf, sondern entwickelt ein gestochen scharfes, tief in die Vergangenheit reichendes Vater-Tochter-Drama, das den Dialog so beherrscht wie Haugerud, dabei aber auch die Kunst der Auseinandersetzung mit sich selbst und dem anderen feiert, dem Übermächtigen, Verkrusteten. Familie ist hierbei nicht das Offensichtliche, das sich verurteilen oder feiern lässt, sondern auch das längst nicht Reflektierte.


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    03.11.2025
    12:12 Uhr
  • Bewertung

    Eine norwegische Familienaufstellung für Fortgeschrittene

    Exklusiv für Uncut von der ViENNALE
    Joachim Trier hat seinem neuen Film den schönen, irgendwie unübersetzbaren Titel „Sentimental Value“ gegeben und so beginnt auch der Film, wahnsinnig poetisch. Nora Borg, damals noch eine Jugendliche, soll in der Schule ein Essay schreiben, das Thema lautet: Mein Haus erzählt. Nora reflektiert über ihren Wohnort, ein Anwesen im norwegischen Drachenstil, wo sie mit ihrer Schwester Agnes und ihrer Mutter lebt, sie überlegt, wie sich das Haus fühlt, das seit Generationen im Besitz der Familie ist. Am Ende bemerkt sie, dass, als der Vater Gustav, ein berühmter Filmregisseur ausgezogen ist, etwas Merkwürdiges mit dem Haus passierte: „It became brighter and brighter“.

    Das setzt den Ton für diese filmische Familienaufstellung, die den Begriff „generational Trauma“ perfekt zu verkörpern scheint. Gustav (schön ambivalent: Stellan Skarsgård) hat sich nicht nur von seiner Frau getrennt, sondern auch von den beiden Töchtern. Er nimmt an deren Leben nicht mehr teil. Nun sind Nora (großartig: Renate Reinsve) und Agnes (beeindruckend: Inga Ibsdotter Lilleaas) erwachsen. Agnes ist Historikerin mit Mann und einem kleinen Sohn. Nora ist eine erfolgreiche Schauspielerin, gleichzeitig aber voller Selbstzweifel, Panikattacken und Angst vor Nähe. Agnes dagegen scheint durchaus zufrieden und in sich ruhend. Nora fragt sie einmal: „Why didn’t our childhood ruin you?“ Agnes antwortet klar und direkt, und diese Antwort hallt lange nach, wie so vieles in diesem Film.

    Zum Begräbnis seiner Ex-Frau kehrt Gustav mit einem Drehbuch im Gepäck zurück. Er bittet Nora darum, die Hauptrolle in seinem neuen Film zu spielen. Sie soll seine eigene Mutter verkörpern, Freud lässt grüßen. Denn in seinem neuen Film dreht sich alles um diese Frau und deren Abgründe, die Gustav ebenso geformt haben, wie er selbst Noras Leben beeinflusst hat. Drehort soll das Haus der Familie sein. Gustav will sich damit vielleicht erklären, in jedem Fall anerkennt er Nora ganz klar als Schauspielerin. Doch Nora will damit nichts zu tun haben, sie möchte das Drehbuch nicht einmal lesen. Kurz darauf lernt Gustav die junge amerikanische Schauspielerin Rachel Kamp (Elle Fanning) kennen und bietet ihr die Rolle an.

    Trier schildert seine Protagonisten mit einer ausgesprochenen Liebe zum Detail. Was Gustav seinem Enkel zum neunten Geburtstag schenkt, ist gleichermaßen amüsant wie bizarr und erzählt so viel über ihn. Nora schickt ihren Geliebten nach dem Sex weg aus Angst, es könnte zu kuschelig werden, auch das spricht für sich. Agnes weist Nora immer wieder darauf hin, dass es für den Vater auch nicht leicht wäre. Sie ist diejenige mit viel Verständnis für alles, was auch eine Bürde ist. Rachel schließlich plagt sich damit, für die Rolle einen norwegischen Akzent zu lernen, um authentischer zu werden, Fanning zeigt hier komisches Talent. All das schildert uns Trier zwar emotional, zuweilen auch sehr intensiv, immer aber ohne falschen Pathos.

    „Sentimental Value“ erzählt in oft malerisch-stimmungsvollen Bildern, die allerdings weniger experimentell sind als in seinem Vorgängerfilm „The Worst Person in the World“. Die Ebenen Vergangenheit und Gegenwart verschwimmen zuweilen ein bisschen, ebenso Fiktion und Realität, aber auf eine angenehm-unprätentiöse Art. Es geht um die Dinge, die gesagt wurden und nicht zurückgenommen werden können und um Dinge, die gesagt werden hätten sollen, aber nie ausgesprochen worden sind. Es ist aber auch ein Film voller leisem Humor, ein Film über Trost, der auch und gerade von Kunst ausgehen kann. Wenn Trier da und dort auch auf Ingmar Bergman referenziert, fehlt dessen Düsternis und Bitterkeit jedoch komplett.

    „Sentimental Value“ überzeugt zwar von der ersten Minute an, dennoch schafft Trier es am Ende noch einmal, sich selbst zu übertreffen und einen Schlusspunkt zu setzen, der einem den Atem raubt und den das Publikum der Viennale zu Recht mit begeistertem Applaus und Jubelrufen bedachte.
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    26.10.2025
    09:47 Uhr