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    Verschwurbelte Begegnung der dritten Art

    Noch weihnachtet es nicht. Noch nicht. In drei Monaten aber beginnt wieder das Keksebacken, zwei Wochen später stehen die auf Nikolo getrimmten Osterhasen wieder im Diskonter, wartend auf rechtzeitige Abnahme. Wer aber jetzt schon in Stimmung kommen will, kann sich an Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit von Steven Spielberg heranwagen. Dort spaziert ein Mädel im Nachthemd, erinnernd an Hans Christian Andersens Mädchen mit den Schwefelhölzern, durch den, wie es sagt, ganz warmen Schnee, begleitet von miserabel animierten Tieren, auf ein von innen heraus leuchtendes Knusperhaus im Walde zu. Wer da nicht bereits an das erste Türchen im Adventkalender denkt, denkt vielleicht darüber nach, im falschen Film zu sitzen.

    Tiere sehen dich an

    Was einen dazumal wohl kongenialen Filmemacher dazu getrieben hat, neu zusammengewürfelte Bremer Stadtmusikanten aus Hirsch, Fuchs, Waschbär und Rotem Kardinal in seinem brandneuen Alien-Film aufmarschieren zu lassen, als wären sie Outtakes aus der letzten Disney-Realverfilmung, wird genauso ein Rätsel bleiben wie so manches in dieser Variation eines weitaus besseren Werks, das Ende der Siebziger für Furore gesorgt hat – und das zurecht: Die Unheimliche Begegnung der dritten Art, ein Kind seiner Zeit. Atmosphärisch, geheimnisvoll, mitunter spooky. Jene Szenen, in denen Richard Dreyfus ganz verbissen immer wieder diesen Devils Tower aus Wyoming modelliert, der später als Ankunftsstelle weit Gereister herhalten soll – die waren schon großes Kino.

    Ein paar Säcke Reis im Kornfeld

    Jetzt hat Spielberg aber das Akte X-Fieber gepackt. Er heftet sich „I want to believe“ an die Fahnen, und los geht’s mit den wirklich relevanten Offenbarungen aus den letzten 80 Jahren, gegen die Trumps UFO-Ablenkungsmanöver anmutet wie ein umgefallener Sack Reis. In Spielbergs Erkenntnis-Evangelium spielt natürlich Roswell eine große Rolle, und natürlich auch die Kornkreise, die Spielberg einfach so einstreut, aus Spaß an der Freude oder vielleicht, um M. Night Shyamalan, der mit seiner UFO-Mystery Signs für Unwohlsein gesorgt hat, grüßen zu lassen.

    Der UFO-Hype im Smartphone-Test

    Erklären kann er dazu nichts. Genau so wenig interessiert ihn, worum es bei den Fremdweltlern wirklich geht, was sie antreibt, was sie erreichen wollen. Gut, das muss man nicht. Alleine die Beweisführung hinsichtlich der Frage , ob wir alleine in diesem Universum sind, sollte reichen, um einen Film daraus zu machen. Die Sache ist: Das hat er schon getan, ich verweise auf das Jahr 1977. Was Spielberg jetzt probiert hat, ist, den Stoff von früher ins Social Media-Zeitalter zu hieven, wo alle Welt nur am Smartphone hängt.

    Umso mehr verwundert, dass die visuellen Beweismittel überhaupt irgendjemanden noch vom Hocker reißen, kann doch KI mittlerweile alles simulieren. Beinhalten solche Footages dann auch noch klassische Aliens mit großen Köpfen und obsidianschwarzen Mandelaugen, kostet das die Menschheit einen Lacher. Denn: Auch wenn der Beweis letztlich geliefert wird, dass Außerirdische auf unserem Planeten gelandet sind – keiner wird es glauben.

    Perry Rhodan hatte eine ähnliche Idee

    Doch Spielberg glaubt fest daran, dass die Menschheit vereint werden kann, wenn eine dritte Macht auftaucht. Das wiederum erinnert mich an die Science-Fiction-Heftreihe Perry Rhodan, die ähnlich beginnt, die sich während des Kalten Krieges abspielt, der bald zum dritten heißen geworden wäre, wäre es da nicht zu einer Begegnung des besagten Weltraumhelden mit der hinter dem Mond lebenden Zivilisation der Arkoniden gekommen.

    Tatsächlich folgt Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit einer ähnlichen Prämisse, und es wäre ein recht routinierter Verschwörungs- und Mysterythriller geworden, in der bewährten Optik eines Janusz Kaminski. Um dem entgegenzusteuern, lassen Spielberg und Autor David Koepp (Jurassic Park) den Esoterik-Drachen von der Leine, buttern dort hinein sämtliche Narrative aus der Lebenshilfe-Abteilung vom nächstbesten Buchladen und krönen dieses unausgegorene Konstrukt mit Diskussionsstoff aus der katholischen Jungschar, die nach der Legitimität Gottes fragt, wenn die Menschheit plötzlich nicht mehr dessen krönende Schöpfung bleibt.

    Was unterscheidet Telepathie und Empathie?

    Man nehme diesen Aspekt, man nehme die Bremer Stadtmusikanten, die Vorweihnachtszeit und Akte X. Man nehme viele schwarze Autos und einige Actionszenen, um das im Kern repetitive Drama rund um einen Whistleblower auch für jene aufzupeppen, die wegen der Action hier sind. Mit all dieser Ambition aber scheint Spielberg mehr als überfordert.

    Er schafft es nicht, seine auf mehreren Ebenen abgehende, dem Humanismus und der inneren Resilienz anbiedernde Alien-Wellness halbwegs plausibel zu verankern. Er verwechselt Gedankenlesen mit Empathie und versucht gemeinsam mit Koepp, schnell mal eingestreute Erklärungen zu deponieren, die wie unschlüssige Vermutungen dastehen. Logisches Denken dringt da nicht durch, auch die Tücke des Objekts hält sich fern – ich sage nur: Stromausfall.

    Die Wahrheit unter fahlem Deckenlicht

    Geglückt sind Spielberg neben seinem Star Colin Firth, der zwischen Pflicht, Sorge und Resignation absolut glaubhaft einen Antagonisten in der Grauzone gibt, die letzten zehn Minuten des Films, wenn der Disclosure Day endlich am Abrisskalender steht. Ungefähr so könnte das Szenario aussehen, wenn in den Nachrichten statt Trump, Hormus, Ukraine und Co plötzlich ein ganz anderer Knüller die Erde stillstehen lässt. Diese Momente sorgen für Gänsehaut – die dann wieder verpufft. Schließlich dürfen wir nie erfahren, was des Aliens Weisheit letzter Schluss ist. Spielberg weiß es womöglich selbst nicht. Colman Domingo meint an einer Stelle: „Irgendwann wird alles klar sein“. Darauf warten wir vergeblich.



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    14.06.2026
    18:23 Uhr
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    Was wäre wenn....?

    Steven Spielbergs Filmografie enthält zahlreiche Werke, die sich auf unterschiedliche Weise mit der Frage beschäftigen, ob unsere Lebensform im Universum die Einzige ist und wie ein Kontakt zwischen Menschen und den "Fremden" (was Alien ja wörtlich bedeutet) aussehen könnte. Dass Spielberg diese hypothetische Frage immer schon mit einem klaren "Nein" beantwortet hat ist also nun, da er sich erneut dem Thema nähert, keine Überraschung. Diesmal aber geht es ihm ganz und gar nicht um Effekthascherei, um das Erzählen einer möglichst spektakulären und bombastischen Geschichte.

    Sein (vielleicht letzter?) Film über Außerirdische ist ein auffallend irdisches, intimes Werk. Zwischen einzelnen kurzen Actionsequenzen - viele davon auf angenehme Art analog und ohne große CGI Effekte inszeniert - nimmt er sich Zeit. Manchmal ein bisschen mehr als es nötig gewesen wäre, aber zugleich immer genug, um die Botschaft zu platzieren, dass wir aufhören sollen uns zu fürchten. Erstaunlich auch die Bezüge zum Christentum (Orden als Orte der Zuflucht und des Schutzes, der Suche nach Nähe zu Gott inmitten von Einsamkeit) und die Zitate aus der Bibel (wenngleich das Buch Genesis ja aus dem Alten Testament ist). Der Jude Spielberg bedient sich bekannter Narrative und Texte um zu zeigen: Leute, habt keine Angst vor Etwas oder Jemandem, nur ihr es/ihn nicht kennt. Gerade in einer Welt, in der alles Fremde oft pauschal und unreflektiert abgelehnt wird oder sogar politisch missbraucht wird ist diese Botschaft aktueller denn je.

    Geht Spielberg hinter der Kamera sehr behutsam und auf eine charmant altmodische Weise inszenierend ans Werk laufen vor der Kamera seine Darsteller/innen zur Höchstform auf. Allen voran Emiliy Blunt, so wandlungsfähig im wörtlichen Sinne wie noch nie zuvor, zugleich zerbrechlich, ängstlich, verletzlich und übermenschlich stark. Seit "The Quiet Place" habe ich sie in keiner so intensiven Rolle und mit einer so beeindruckenden Leistung erlebt. An ihrer Seite Josh O' Connor als unscheinbarer, unauffälliger, sensibler Gegenüber, kein Hollywood-Schönling, sondern ein Charakter mit Tiefgang und - das Thema des Filmes überhaupt: mit Empathie.

    Colin Firth ist diesmal klar gegen seine sonstigen Figuren besetzt, was ihm aber dennoch gut steht.

    Was wäre wenn? Wenn wir wirklich nicht alleine sind - oder ahnen wir das eigentlich alle schon, wollen es aber ohne Beweis nicht wahr haben? Unter allen Filmen, die Spielberg in den letzten Jahren gedreht hat, ist "Disclosure Day" vielleicht nicht sein allerbester, aber definitiv der vielschichtigste und interessanteste Film über die Menschheit und Außerirdische seit langem für mich. Er ist abseits ganz vieler technisch bravouröser Details und handwerklicher Perfektion ein sehr persönlicher und versöhnlicher Film, der mich auf eine besondere Weise berührt hat.
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    11.06.2026
    21:57 Uhr
  • Bewertung

    Das Schweigen nach dem Erstkontakt

    Seltsame Dinge geschehen in den USA. Während die Welt im Schatten eines Nordkorea-Konflikts bereits den Dritten Weltkrieg ahnt, erleben der Cybersecurity-Spezialist Daniel Kellner und die Wettermoderatorin Margaret Fairchild das Ende ihres sicheren Lebens. Daniel klaut kompromittierendes Material, Margaret stammelt bei einem Fernsehauftritt unmenschliche Laute. Sie sind jetzt Teil einer größeren Gleichung. Gleichzeitig jagt die sinistre Mischung aus Regierungsabteilung und Tech-Konzen namens Wardex die Datensticks Daniels, auf denen sich eine jahrzehntelang vertuschte Wahrheit verdichtet: außerirdisches Dasein auf der Erde war nie bloß Spekulation. DISCLOSURE DAY passt damit erschreckend gut in die Gegenwart. Verschwörung, Vertuschung, Whistleblowing — der Film trifft den Ton einer Zeit, die sich selbst nicht mehr vertraut.

    Und doch beweist Altmeister Steven Spielberg mit diesem Sci-Fi-Thriller vor allem zweierlei. Erstens: Er ist noch immer ein begnadeter Regisseur. Gerade in Schauspiel und visuellem Handwerk entfaltet der Film seine größten Stärken. Emily Blunt und Josh O’Connor wirken investiert und nahbar, Colin Firth bringt in ungewohnter Antagonistenrolle die nötige Kälte mit, und Colman Domingo überzeugt als Mentor mit geheimnisvoller Autorität. Hinter dem Vorhang versammelt Spielberg seine Veteranen-Crew: Komponist John Williams und Kameramann Janusz Kaminski. Ihre Arbeit gibt dem Geschehen eine fast unnachahmliche Geschlossenheit. Vor allem die Dolly-Shots & Krankameras in den Verfolgungen und die spiegelnden Bilder vor Windschutzscheiben fesseln den Blick. In den Scheiben wird der Mensch gläsern, der Film selbst esoterisch.

    Denn Spielberg beweist zweitens, dass er weltanschaulich zurückhängt. Autor David Koepp dient hier eher als Erfüllungsgehilfe von Spielbergs lang gereiften Ideen. DISCLOSURE DAY bespielt das Lieblingsthema des Regisseurs, der früher Pionierarbeit leistete. Zwischen 1977 und 1982 dreht er mit Unheimliche Begegnung der dritten Art und E.T. zwei Schlüsselwerke, in denen der Kontakt zum Fremden noch Staunen, Wehmut und metaphysischen Schwindel auslöst. Auch Krieg der Welten von 2005, im Schatten von Orson Welles’ legendärer Hörspieladaption von 1938, variiert dieses Motiv. Genau das ist ein Problem: Spielberg konserviert, lässt Unerforschtes vermissen. Er beschwört das Bekannte so lange, bis daraus nur noch Variation wird.

    Er lässt die UFO-Abstürze bei Roswell als Realität gelten und zeigt uns die Fremden, als hätte ein Kleinkind sie gezeichnet: niedlich, konventionell, physiologisch menschlich. Von der Grenzüberschreitung neuer Biologieformen, wie sie in den kleinzelligen Astrophagen oder der Steinspinne in Project Hail Mary herrscht, ist keine Spur. Auch die Folgen der Offenbarung bleiben merkwürdig randständig. Zwar ahnt man die Wucht dessen, was da auf die Menschheit zukommt, doch die Auswirkungen dringen nur in flüchtigen, hektischen Rush-Hour-Minuten an die Oberfläche und gehen dann wieder unter. Wer entscheidet über die Veröffentlichung? Was bedeutet es, wenn eine Wahrheit dieser Größe in die Öffentlichkeit drängt? Es öffnet sich ein Feld der Medienethik, aber Spielberg schiebt es rasch wieder beiseite. Ist die Welt überhaupt bereit für diese Offenbarung? Was macht so eine Nachricht mit Institutionen, mit Macht, mit Vertrauen, mit Sprache selbst? Der Film stellt diese Fragen, er trägt sie nicht aus.

    Dabei eröffnet das Sujet durchaus einen reizvollen metaphysischen Raum. Esoterik bedeutet in ihrem Ursprung nicht Okkultismus, sondern das nach innen Gekehrte, das innere Wesen. Genau dort setzt Spielberg an. Ein Sakrileg-Moment erschüttert das anthropozentrische Weltbild: Ist der Mensch wirklich noch das Maß aller Dinge? Sind übersinnliche Erfahrungen möglich? Im Film schon. Mit einem MacGuffin namens „Device“ lassen sich Raum und Zeit überspringen; das Innere stülpt sich nach außen, das Unmögliche wird Realität. Die Alien-Entführungen schwelgen in einer Transzendenz, zu der auch die häufigen Gegenlichtaufnahmen passen. Das Unbekannte wird ins Licht gehoben, fast verklärt. Spielberg kann das wie kaum ein Zweiter: Bilder als Schwellenzustände, Kino als Vorhof des Wunderbaren.

    In dieser religiösen Spiritualität wird das Ausweichen noch deutlicher. „Warum würde Gott ein unendliches Universum schaffen und es nur uns anbieten?“, fragt die Nonne Maura. Ein schöner Satz, aber auch einer, der in Spielberg-Land nie wirklich gefährlich wird. Die Antwort mit dem Verweis auf Genesis, wonach Gott seine Schöpfung nicht allein auf die Erde beschränkt habe, ist seit Giordano Brunos Unendlichkeitshypothese vor rund 400 Jahren längst überholt. Dass weitere Zivilisationen existieren könnten, ist heute keine Frage frommer Empörung mehr, sondern eine der Wahrscheinlichkeit; die Drake-Gleichung hat diese Denkrichtung längst in nüchternere Bahnen gelenkt. Und vermutlich wäre die Gottesfrage in unserer Gegenwart nicht einmal mehr die erste, die sich angesichts einer außerirdischen Spezies stellt. Weitaus drängender wären pragmatische Überlegungen: Koexistenz oder Kontrolle? Anerkennung oder Ausbeutung? Militärischer Zugriff oder ökonomische Verwertung? Genau hier verweigert sich DISCLOSURE DAY einem klaren Fokus. Weder Biologie noch Religion noch Medien noch Gesellschaft noch Politik noch Technologie werden als ernsthafte Konfliktfelder wirklich entfaltet.

    So bleibt dann auch die existenzielle Frage unterbelichtet: Was ist der Mensch im Angesicht des Fremden? Der Film deutet mit „Habt keine Angst vor dem, was ihr nicht kennt“ und seinem Empathie-Fokus zwar eine Antwort an, doch diese küchenpsychologischen Rezepte sind eher angeschnitten als verarbeitet. Stichwort Empathie: Die fällt selbst dem Publikum schwer bei der oberflächlichen Charakterisierung der Figuren. Wirklich nah kommen wir ihnen nie; sie bleiben Hüllen für Ideen, Träger von Bewegung, aber kaum Menschen mit innerer Temperatur. Da hilft auch Spielbergs ewige Kind-Fantasie nicht mehr. Der Film will das Staunen retten, doch ohne seelische Verdichtung oder fachlichen Tiefgang wird daraus bloß eine Pose.

    Am Ende geht DISCLOSURE DAY an seiner eigenen Weite vorbei: ein Best-of des frühen Spielberg, ein vertrautes Aufwärmen der großen Themen, ein überlanges Prequel für den eigentlich interessanteren Film über das Nach-der-Enthüllung. Mitreißend in der Spannung, brillant in der Inszenierung, gut gespielt. Aber auch mehr Verschwörungsverfolgungsjagd als gedankliche Erschütterung, mehr atmosphärisches Glimmen als inhaltliche Konsequenz. Anthropozentrismus, Astrobiologie, Medienethik, beißende Zeitdiagnosen werden nicht verhandelt, sondern im Halbdunkel einer mystisch-kindlichen Spiritualität umkreist. Das kann bezaubern, ist aber in jeglicher Hinsicht zu wenig.
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    11.06.2026
    16:24 Uhr
  • Bewertung

    Ambitioniert-ambivalentes Unterhaltungskino für Fortgeschrittene

    Exklusiv für Uncut
    Nachdem Steven Spielberg vor gut drei Jahren seine Kindheitserinnerungen inklusive seiner Berufung zum Filmemachen in dem etwas eigenwillig-zähem Werk „The Fabelmans“ aufgearbeitet hat, schenkt er uns dieses Jahr zum Sommerstart etwas, das wie ein klassischer Sci-Fi-Action-Blockbuster aussieht. Eine Großproduktion, die sich mit einem Thema auseinandersetzt, das den Regisseur schon seit langem umtreibt und das er auch davor schon in „E.T.“ oder „Unheimliche Begegnungen der dritten Art“ bearbeitet hat: Außerirdisches Leben und all die Fragen, die es aufwerfen würde, sollten wir Menschen nicht die einzige Spezies sein, die in diesem Universum existiert.

    Der Plot von „Disclosure Day“ lässt sich nur relativ kryptisch umreißen, ohne zu viel zu verraten. Die TV-Meteorologin Margaret Fairchild (Emily Blunt) wird live auf Sendung von rätselhaften Phänomenen heimgesucht. Die Behörden versuchen zu vertuschen, was hinter diesen Anwandlungen stecken könnte. Währenddessen entdeckt der Cybersecurity-Experte Daniel Kellner (Josh O’Connor), angestellt bei der regierungsnahen Firma Wardex unter der Leitung des zwielichtigen Noah Scanlon (Colin Firth), Bildmaterial, das zur Aufklärung dieser und noch größerer Fragen dienen könnte…

    Spielberg dekonstruiert den klassischen Hollywood-Blockbuster einmal mehr mit den Mitteln eben dieses Blockbuster. Denn ja, visuell ist dieser Film das, was man in diesem Genre erwarten kann: Spektakuläre Action-Sequenzen, enorm spannende Verfolgungsjagden, faszinierende Effekte – mit Ausnahme der CGI-Tiere, die man zuletzt auch im Michael-Jackson-Biopic „bewundern“ konnte und die hier ähnlich enttäuschend visualisiert worden sind. Auch inhaltlich wird ordentlich geklotzt und Spielberg, nach dessen eigener Idee „Disclosure Day“ entstand und der hier auch am Drehbuch mitwirkte, widmet sich den fundamentalen Themen wie dem (vermeintlichen) Kampf von Gut gegen Böse, was hält die Welt im Ganzen zusammen, was kann die Fähigkeit der Menschen zur Empathie bewirken.

    Aber: Dem Zuseher bzw. der Zuseherin wird bei „Disclosure Day“ einiges abverlangt, das wir eher aus dem Arthouse-Kino kennen. Denn die Handlung entwickelt sich zwar (fast) linear, allerdings werden uns die Informationen, die wir brauchen, ziemlich bruchstückhaft serviert. Es dauert geraume Zeit, bis klar wird, wie die einzelnen Handlungsstränge zusammenhängen und was die Protagonisten miteinander verbindet. Der Plot spitzt sich auf einen eindrucksvollen Showdown zu, doch auch dieser gestaltet sich dann doch abweichend der üblichen Mainstream-Gesetzmäßigkeiten und Publikumserwartungen. Ein bisschen erinnert es an die Herangehensweise eines Christopher Nolan.

    Der 145-Minuten-Streifen hat zweifellos auch die eine oder andere Länge, auch das eine oder andere Klischee zu verantworten. Auf der Plus-Seite steht aber neben der hochkarätigen Besetzung – wir sehen den Indie-Liebling Josh O’Connor in seiner ersten großen Hollywood-Produktion und Colin Firth mutig gegen seinen Typ besetzt – vor allem der Fakt, dass man sich lange nach Verlassen des Kinosaals noch mit dem Stoff beschäftigen kann. Beispielsweise damit, welche Macht Medien heute immer noch haben (sollten) und wie Spielberg es eigentlich mit der Religion hält.

    Spielberg liefert also, wenn man so will, einen Actionkracher für die Neigungsgruppe (Quer-)Denker.
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    09.06.2026
    18:00 Uhr