Exklusiv für Uncut
„Star Wars“ kehrt nach einer längeren Funkstille wieder in unsere Lichtspielhäuser zurück: Jon Favreau setzt seine erfolgreiche Streaming-Serie „The Mandalorian“ in Spielfilmlänge fort und hofft auf einen neuen Hype.
Vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis – nun, so lange ist es jetzt auch wieder nicht her, sechseinhalb Jahre bzw. 2345 Tage (ja, ich habe gerechnet) seit der Premiere von „The Rise of Skywalker“ (2019), des neunten und bislang letzten Kapitels der „Skywalker“-Saga. Dieser Zeitraum ist in unserer gegenwärtigen Kinokultur doch lange genug, um einiges an Relevanz und popkultureller Bedeutung einzubüßen. Aber wir sprechen hier immerhin von „Star Wars“, ein Franchise, das seit fast 50 Jahren die vielleicht größte Fangemeinde um sich schart, die es je gegeben hat. Nun, wohin wollen die Granden bei „Lucasfilm“, dem Produktionsunternehmen hinter dem Science-Fiction-Abenteuer, eigentlich steuern? Das ist eine Frage, die nicht nur eingefleischte Fans seit Jahren beschäftigt. Nach dem unterm Strich enttäuschenden Abschluss der Sequel-Trilogie und einer Kinolandschaft, die sich seit der COVID19-Pandemie grundlegend verändert hat, hat „Star Wars“ auf Disneys hauseigenem Streaming-Service eine neue Renaissance erlebt: Serien wie „Obi-Wan Kenobi“ (2022), „Andor“ (2022 – 2025) und „Ahsoka“ (seit 2023) halten die Fahnen der stolzen Sternenkrieg-Saga weiterhin hoch.
Und dann ist da ja noch die erste Real-Serie aus dem breit gefächerten Universum, einst von George Lucas kreiert: das von Jon Favreau erdachte und gemeinsam mit Dave Filoni entwickelte Outlaw-Abenteuer „The Mandalorian“. Im November 2019 pünktlich zum Start von Disney Plus gestartet, brachte es die Serie über den titelgebenden Kopfgeldjäger Mando, dessen richtiger Name später als Din Djarin angegeben wurde, und seines kleinen Gefährten, Grogu alias „Baby Yoda“, auf 24 recht kurze Folgen, aufgeteilt auf drei Staffeln. Ganz klar von klassischen Western inspiriert, folgt Favreau seinen beiden Protagonisten durch die „Neue Republik“, immer auf der Suche nach verbliebenen hochrangigen imperialen Crime-Lords, während Mando, gesprochen und mitunter auch verkörpert vom meistbeschäftigten Schauspieler der Welt, Pedro Pascal, so seine Probleme mit seiner ungewollten Rolle als Vaterersatz hat – man denke „The Last of Us“, aber im Weltraum und ohne tödliches Virus.
Nun sollten Fans eigentlich längst die vierte Staffel bekommen haben. Weil aber 2023 erst die Drehbuchautoren und dann die Schauspieler monatelang für bessere Arbeitsverträge streikten, verschob sich die Produktion auf unbestimmte Zeit. Und da die Produzenten endlich wieder die großen Leinwände für sich beanspruchen wollen, schiebt Favreau jetzt kurzerhand „The Mandalorian & Grogu“ ein, um das gute, alte „Star Wars“-Feeling endlich wieder in die Kinos zu bringen. Gemeinsam mit Filoni und Noah Kloor schrieb er ein neues Abenteuer für seine beiden Protagonisten, das als Brücke für eine neue Streaming-Staffel, die nach wie vor in Planung ist, dienen soll. Das ist schon einmal ein Schwachpunkt dieses neuen Films, denn es raubt ihm jegliche Konsequenz und Ambition.
Wer also ein großes, episches Abenteuer mit großen Schlachten – der „Krieg“ in „Krieg der Sterne“ sozusagen – erwartet, wird enttäuscht sein. Es gibt ein paar Kampfszenen, in denen Mando ein paar coole Moves und Kills zeigen darf, so etwas haben wir in anderen Filmen und Serien aber schon weitaus eindrucksvoller gesehen. Dennoch schafft es die ansprechend und spannend inszenierte Eröffnungssequenz, mich als Zuschauer in die karge Welt Mandos hineinzuziehen. Dann folgt ein Novum, nämlich der erste Vorspann in der Geschichte des Franchises. Schließlich Auftritt Sigourney Weaver: nach „Alien“, „Ghostbusters“ und „Avatar“ ist die unbestrittene Königin der Science-Fiction-Heroinen nun endlich auch in „Star Wars“ angekommen. Ihre Figur Ward, sozusagen Mandos Vorgesetzte, gibt ihm eine Karte ohne Gesicht, aber einen Auftrag. Er soll auf den Planeten Shakari, um Rotta the Hutt (Jeremy Allen White), Sohn des legendären Crime-Lords Jabba, retten, und zu Jabbas Zwillingscousins bringen, damit diese ihm den Aufenthaltsort des bislang anonymen Fieslings Commander Coyne verraten. Rotta will jedoch mit den kriminellen Machenschaften seiner Familie nichts zu tun haben und verdingt sich lieber als Starkämpfer in einer Arena.
Das alles liest sich wie eine auf Spielfilmlänge ausgerollte Episode der Mutterserie. Nun ja, was soll ich sagen: ist es auch. Fans von „The Mandalorian“ werden ihre Freude haben, mit Popcorn und kühlem Getränk im Kinosaal zu sitzen und Mando und Grogu 132 Minuten lang von Eskapade zu Eskapade zu folgen. Wer die Serie nicht zur Gänze gesehen hat, muss nicht befürchten, völlig überfordert zu werden: wenn man die zentrale Prämisse der Serie kennt, reicht das schon vollkommen aus, denn, wie gesagt, mehr als ein kurzweiliges Ereignis in der Biografie der beiden Hauptfiguren ist dieser Film nicht. Echtes „Star Wars“-Feeling kommt daher auch nur in Ansätzen auf. Komponist Ludwig Göransson trifft einige eigenwillige musikalische Entscheidungen, aber es gibt doch ein paar atmosphärische Momente im Film. Für Cineasten gibt es in der originalen englischen Sprachfassung immerhin einen Gastauftritt der Regielegende Martin Scorsese als Imbissbudenbesitzer auf Shakari. Reicht das aber aus, um „Star Wars“ für eine neue Generation von Kinogängern wieder attraktiv zu machen?
Favreau hat ein kurzweiliges, unterhaltsames und technisch durchaus ansehnliches Science-Fiction-Abenteuer entworfen. Nur wird es der Marke „Star Wars“ nur selten wirklich gerecht. Gerade auf der Kinoleinwand steht diese nämlich für weitaus aufwendigeres, spektakuläres und mitreißendes Storytelling, das hier über weite Strecken fehlt. Zwar mündet das in einer für die Reihe obligatorischen Last-Minute-Rettungsaktion, bei der dann auch Weaver etwas zu tun bekommt, viel retten kann das jedoch nicht.
„The Mandalorian & Grogu“ verschenkt viel Potenzial, und es bleibt abzuwarten, wie sich die neue „Star Wars“-Ära im Kino nach der „Skywalker“-Saga weiterentwickeln wird. Für sich selbst stehend ist dieser Film, verglichen mit den anderen Spin-Offs „Rogue One“ (2016) und „Solo“ (2018), zwar meilenweit von ersterem entfernt, aber immerhin ein Stück besser als letzteres. Was auch immer das bedeuten mag, besonders für Fans.