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    Ein Leinwand-Special für den Serienhelden

    s ist der Moment, in dem dieses Fahrzeug vorkommt – dieses kleine, unscheinbare, kastenförmige Ding. Kinder der Achtziger, die gleichsam zu Star Wars-Afficionados wurden, ehe sie noch gerade Sätze sagen konnten, wissen sofort, dass es sich dabei um das ominöse INT-4 handelt, ein speziell für das erste Merchandise-Kontingent ersonnene Spielzeug. Nun hat es seinen Einsatz gefunden, denn ein ex-imperialer Warlord düst damit davon, natürlich auf einem Schneeplaneten, denn diese fühlen sich prinzipiell schon nach Star Wars an. „Sieh nur, ein INT-4“, kommt es mir da entzückt über die Lippen – und niemand versteht es.

    Vom Fan-Service nicht genug bekommen

    So viel Leidenschaft müsste man aber besitzen, um The Mandalorian and Grogu auch wirklich in vollen Zügen und bis in jeden Winkel seines mehr als zweistündigen Leinwand-Daseins zu genießen. Denn der Star Wars-Wahnsinn, der steckt im Detail. Und macht so richtig froh. Kaum ist ein Raumschiff erkannt, erspäht man schon die nächste Spezies, die es damals, ebenfalls im Basis-Sortiment an Figuren, auch schon gab. Für die, die es wissen wollen: Bezeichnet wurde diese Figur damals Amanaman, im Film nennt sie sich Amani. Und wie der Mandalorian alias Din Djarin alias Mando mit ihnen fertig wird, ist Heldentum der zwar langweiligen, aber fein getricksten Sorte.

    Jon Favreau und Dave Filoni, zwei bekennende Geeks der ersten Stunde, die womöglich alle Bücher und jedes Comic in sich aufgesogen haben müssen, und zwar mehrmals, können aus einem Fundus schöpfen, von diesem haben „normale“ Kinobesucher, die Star Wars zwar kennen, gerne sehen, aber nichts weiter, natürlich wenig.

    Vom Geben und Nehmen in einer Beziehung

    Favreau und Filoni werden wohl in Kauf genommen haben, dass ihr Leinwand-Special – denn anders ist dieser erste Kinofilm nach sieben Jahren Abstinenz nicht zu bezeichnen – wohl kaum tiefer in den Star Wars Kosmos eintauchen, sondern ihn nur an der Oberfläche erweitern wird. Sie werden gewusst haben, dass mit The Mandalorian und Grogu wohl kaum das bedeutende Weltraumepos auf die Leinwand gewuchtet wird, das viele vielleicht erwarten.

    Es führen auch nicht alle Erzählstränge aus den Serien zusammen, die Storyline rund um Ahsoka hat damit nicht das Geringste zu tun. Letztlich konzentriert sich das Abenteuer auf eine Vater-Sohn-Beziehung im erweiterten Sinne, oder besser gesagt: auf eine Lehrer-Schüler-Beziehung, oder Onkel-Neffe, wie auch immer. Das Problem dabei: Komplexer als in der Serie wird es kaum werden, und da hing die Bedeutsamkeit der Kommunikation zwischen Mando und seinem Schützling Grogu entscheidend davon ab, ob der Kleine immer noch so tut, als wäre er ein Baby. Die Antwort: Ja, das tut er – und das Spektrum dieser Verbindung bleibt daher endenwollend.

    Die Macht, die der kleine mechatronische und von Puppenspielern wie anno dazumal bei Yoda gesteuerte Genusszwerg nutzt, passiert willkürlich einmal mehr und einmal weniger, bleibt aber nicht logisch. Andere, nennenswerte Beziehungen gibt es in diesem neuen Film keine, der Rest des Ensembles ist Staffage, und selbst Sigourney Weaver würde lieber wieder Aliens jagen.

    Es ist und bleibt eine Serie

    Lucasfilm™ will weder die Old Republik noch die spannende Geschichte rund um Crimson Dawn auf die Leinwand bringen, aus Sorge davor, hier auf zu wenig Vorkenntnis beim Publikum zu stoßen, womit die lautstarken Wünsche einer weltweiten Community ignoriert werden.

    Gedacht wird marketingtechnisch. Einerseits. Andererseits wollen Favreau und Filoni unbedingt ihren Mando weiterführen und schlagen deutliche Signale, die dagegensprechen, in den Wind. Nur: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Und wer nur wagt, was er bereits gewonnen hat, entwickelt sich nicht weiter. Somit haben wir, worauf wir uns vorbereiten sollten, wenn wie The Mandalorian und Grogu auf großer Leinwand erblicken wollen: Das Serien-Special fürs Pfingstwochenende. Und zwar auf großer Leinwand.

    Ein Wunsch zumindest, der in Erfüllung geht, hat sich doch gefühlt jede(r) beim hohen technischen Level der Serie von der ersten Folge an gewünscht, hier lieber im Kino zu sein als in den Fernseher hineinkriechen zu müssen, um die ganze monumentale Wirkung der Welten, Raumschiffe und Kreaturen wirklich adäquat in sich aufsaugen zu können. Zumindest hier ist die Sehnsucht gestillt: In diesem Verhältnis kommt die Serie noch besser zur Geltung – bleibt aber eine Serie.

    Wer sind die Hutten?

    Sollte man wissen. Wie einnehmend ein solcher Charakter sein kann, das zeigt der Film ganz vorzüglich. Auch hier wieder wissen Kenner der Serie The Clone Wars, um wen es sich dabei im Speziellen handelt: um Rotta, den Spross von Jabba, den wiederum jede(r) kennt. Jeremy Allen White spricht ihn, und zwar in jugendlichem Basic, was aber dennoch zusammenpasst. Von ihm soll dieses ganze Abenteuer auch handeln – und um das Hutten-Kartell an sich, das ein falsches Spiel treibt und unserem Helden fast das Leben kostet.

    Wie ein Endgegner, trotzdem er besiegt wird, durch die Lappen geht

    Die Neue Republik bleibt nach wie vor nur eine Fußnote, ein kleines Kontingent an X- und Y-Flügler schieben sich wieder ins Bild, um für Stimmung wie bei einer Flugshow anlässlich einer Star Wars Convention zu sorgen. Wo ist der Rest dieses politischen Weltenbündnisses?

    Interessiert nicht, genauso wenig wie der Ausblick auf die Erste Ordnung, die einige Jahrzehnte später erstarken wird. Das Grummeln im Bauch, weil sich etwas anbahnen könnte, fehlt komplett, da der Endgegner Moff Gideon bereits in der letzten Staffel besiegt wird. Hätten Favreau und Filoni vorausschauender gehandelt, hätten sie sich den charismatischen Giancarlo Esposito genau für diesen Moment im Kino aufgehoben. Was bleibt, ist ein minimal größeres Abenteuer als im Stream, und demnach überschaubar genug, um allen gerecht werden zu wollen. Star Wars-Greenhorns, Familien, Science-Fiction-Fans und eingefleischten Nerds. Richtig spezialisieren kann man sich da wohl nicht, irgendwo storytechnisch eintauchen auch nicht. Die fantastischen Schauwerte sind das, was bleibt.

    Das große Publikum wird The Mandalorian und Grogu nicht ins Kino locken, dazu hängt das Mandoverse zu sehr an Disney+. Ein großes, unabhängiges Zeitalter müsste man hier öffnen – mit einem komplexem Plot, der die weit weit entfernte Galaxie bis ins Outer Rim erschüttert. Die Old Republik fällt mir wieder ein. Besser aber, ich gebe es langsam auf, zu hoffen.



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    24.05.2026
    19:24 Uhr
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    Schwache TV-Episode

    Disney ist offenbar entschlossen, das Pferd, das es reitet, totzureiten. Optisch beeindruckend, oft unterhaltsam, nie überraschend. Keine Handlung, keine Charakter-Entwicklung. Wie eine aufgeblähte (schwächere) TV-Episode .
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    21.05.2026
    00:06 Uhr
  • Bewertung

    Die Wege der Macht sind unergründlich

    Exklusiv für Uncut
    „Star Wars“ kehrt nach einer längeren Funkstille wieder in unsere Lichtspielhäuser zurück: Jon Favreau setzt seine erfolgreiche Streaming-Serie „The Mandalorian“ in Spielfilmlänge fort und hofft auf einen neuen Hype.

    Vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis – nun, so lange ist es jetzt auch wieder nicht her, sechseinhalb Jahre bzw. 2345 Tage (ja, ich habe gerechnet) seit der Premiere von „The Rise of Skywalker“ (2019), des neunten und bislang letzten Kapitels der „Skywalker“-Saga. Dieser Zeitraum ist in unserer gegenwärtigen Kinokultur doch lange genug, um einiges an Relevanz und popkultureller Bedeutung einzubüßen. Aber wir sprechen hier immerhin von „Star Wars“, ein Franchise, das seit fast 50 Jahren die vielleicht größte Fangemeinde um sich schart, die es je gegeben hat. Nun, wohin wollen die Granden bei „Lucasfilm“, dem Produktionsunternehmen hinter dem Science-Fiction-Abenteuer, eigentlich steuern? Das ist eine Frage, die nicht nur eingefleischte Fans seit Jahren beschäftigt. Nach dem unterm Strich enttäuschenden Abschluss der Sequel-Trilogie und einer Kinolandschaft, die sich seit der COVID19-Pandemie grundlegend verändert hat, hat „Star Wars“ auf Disneys hauseigenem Streaming-Service eine neue Renaissance erlebt: Serien wie „Obi-Wan Kenobi“ (2022), „Andor“ (2022 – 2025) und „Ahsoka“ (seit 2023) halten die Fahnen der stolzen Sternenkrieg-Saga weiterhin hoch.

    Und dann ist da ja noch die erste Real-Serie aus dem breit gefächerten Universum, einst von George Lucas kreiert: das von Jon Favreau erdachte und gemeinsam mit Dave Filoni entwickelte Outlaw-Abenteuer „The Mandalorian“. Im November 2019 pünktlich zum Start von Disney Plus gestartet, brachte es die Serie über den titelgebenden Kopfgeldjäger Mando, dessen richtiger Name später als Din Djarin angegeben wurde, und seines kleinen Gefährten, Grogu alias „Baby Yoda“, auf 24 recht kurze Folgen, aufgeteilt auf drei Staffeln. Ganz klar von klassischen Western inspiriert, folgt Favreau seinen beiden Protagonisten durch die „Neue Republik“, immer auf der Suche nach verbliebenen hochrangigen imperialen Crime-Lords, während Mando, gesprochen und mitunter auch verkörpert vom meistbeschäftigten Schauspieler der Welt, Pedro Pascal, so seine Probleme mit seiner ungewollten Rolle als Vaterersatz hat – man denke „The Last of Us“, aber im Weltraum und ohne tödliches Virus.

    Nun sollten Fans eigentlich längst die vierte Staffel bekommen haben. Weil aber 2023 erst die Drehbuchautoren und dann die Schauspieler monatelang für bessere Arbeitsverträge streikten, verschob sich die Produktion auf unbestimmte Zeit. Und da die Produzenten endlich wieder die großen Leinwände für sich beanspruchen wollen, schiebt Favreau jetzt kurzerhand „The Mandalorian & Grogu“ ein, um das gute, alte „Star Wars“-Feeling endlich wieder in die Kinos zu bringen. Gemeinsam mit Filoni und Noah Kloor schrieb er ein neues Abenteuer für seine beiden Protagonisten, das als Brücke für eine neue Streaming-Staffel, die nach wie vor in Planung ist, dienen soll. Das ist schon einmal ein Schwachpunkt dieses neuen Films, denn es raubt ihm jegliche Konsequenz und Ambition.

    Wer also ein großes, episches Abenteuer mit großen Schlachten – der „Krieg“ in „Krieg der Sterne“ sozusagen – erwartet, wird enttäuscht sein. Es gibt ein paar Kampfszenen, in denen Mando ein paar coole Moves und Kills zeigen darf, so etwas haben wir in anderen Filmen und Serien aber schon weitaus eindrucksvoller gesehen. Dennoch schafft es die ansprechend und spannend inszenierte Eröffnungssequenz, mich als Zuschauer in die karge Welt Mandos hineinzuziehen. Dann folgt ein Novum, nämlich der erste Vorspann in der Geschichte des Franchises. Schließlich Auftritt Sigourney Weaver: nach „Alien“, „Ghostbusters“ und „Avatar“ ist die unbestrittene Königin der Science-Fiction-Heroinen nun endlich auch in „Star Wars“ angekommen. Ihre Figur Ward, sozusagen Mandos Vorgesetzte, gibt ihm eine Karte ohne Gesicht, aber einen Auftrag. Er soll auf den Planeten Shakari, um Rotta the Hutt (Jeremy Allen White), Sohn des legendären Crime-Lords Jabba, retten, und zu Jabbas Zwillingscousins bringen, damit diese ihm den Aufenthaltsort des bislang anonymen Fieslings Commander Coyne verraten. Rotta will jedoch mit den kriminellen Machenschaften seiner Familie nichts zu tun haben und verdingt sich lieber als Starkämpfer in einer Arena.

    Das alles liest sich wie eine auf Spielfilmlänge ausgerollte Episode der Mutterserie. Nun ja, was soll ich sagen: ist es auch. Fans von „The Mandalorian“ werden ihre Freude haben, mit Popcorn und kühlem Getränk im Kinosaal zu sitzen und Mando und Grogu 132 Minuten lang von Eskapade zu Eskapade zu folgen. Wer die Serie nicht zur Gänze gesehen hat, muss nicht befürchten, völlig überfordert zu werden: wenn man die zentrale Prämisse der Serie kennt, reicht das schon vollkommen aus, denn, wie gesagt, mehr als ein kurzweiliges Ereignis in der Biografie der beiden Hauptfiguren ist dieser Film nicht. Echtes „Star Wars“-Feeling kommt daher auch nur in Ansätzen auf. Komponist Ludwig Göransson trifft einige eigenwillige musikalische Entscheidungen, aber es gibt doch ein paar atmosphärische Momente im Film. Für Cineasten gibt es in der originalen englischen Sprachfassung immerhin einen Gastauftritt der Regielegende Martin Scorsese als Imbissbudenbesitzer auf Shakari. Reicht das aber aus, um „Star Wars“ für eine neue Generation von Kinogängern wieder attraktiv zu machen?

    Favreau hat ein kurzweiliges, unterhaltsames und technisch durchaus ansehnliches Science-Fiction-Abenteuer entworfen. Nur wird es der Marke „Star Wars“ nur selten wirklich gerecht. Gerade auf der Kinoleinwand steht diese nämlich für weitaus aufwendigeres, spektakuläres und mitreißendes Storytelling, das hier über weite Strecken fehlt. Zwar mündet das in einer für die Reihe obligatorischen Last-Minute-Rettungsaktion, bei der dann auch Weaver etwas zu tun bekommt, viel retten kann das jedoch nicht.

    „The Mandalorian & Grogu“ verschenkt viel Potenzial, und es bleibt abzuwarten, wie sich die neue „Star Wars“-Ära im Kino nach der „Skywalker“-Saga weiterentwickeln wird. Für sich selbst stehend ist dieser Film, verglichen mit den anderen Spin-Offs „Rogue One“ (2016) und „Solo“ (2018), zwar meilenweit von ersterem entfernt, aber immerhin ein Stück besser als letzteres. Was auch immer das bedeuten mag, besonders für Fans.
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    19.05.2026
    15:37 Uhr