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77% Bewertung
  • Bewertung

    Der Film versucht ...

    ... eine Gradwanderung zwischen Komödie und Drama und behandelt dabei ernste Themen wie Depression, Suizid, Mobbing und Trauma. Trotz vieler humorvoller Momente überwiegt der ernste Grundton. Der Versuch, die schweren Themen leichtfüßig darzustellen, ohne sie zu verharmlosen, gelingt nur bedingt. Der Film ist oberflächlicher als erhofft und macht es sich in einigen Belangen zu einfach. Das Ende ist ebenfalls viel zu glatt.

    Positiv fallen hingegen die Darstellung von Sara Montpetit als Sasha und ihr Zusammenspiel mit Félix-Antoine Bénard als Paul auf. Die Chemie zwischen Sasha und Paul passt und die sich langsam zwischen ihnen entspinnende Freundschaft ist nachvollziehbar dargestellt. Die sympathischste Szene des Films (Stichwort: Sashas Zimmer/Musik) kommt ohne große Worte aus und zeichnet sich durch einen wunderbaren Mix aus Unbeholfenheit, Schüchternheit und Vertrautheit aus. Von solchen Szenen hätte ich mir mehr gewünscht.

    Vereinzelt gibt es auch intensivere Momente (Stichwort: Hotel), leider sind diese nur spärlich gesät.

    Fazit: “Feinfühlige Vampirin sucht lebensmüdes Opfer” ist eine inhaltlich interessante, melancholische coming-of-age-Vampirgeschichte, die sich bemüht, schwere Themen humorvoll zu behandeln, über weite Strecken jedoch zu oberflächlich ist. Nett anzusehen war der Film trotzdem.
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    09.12.2025
    18:53 Uhr
  • Bewertung

    Blutlust wider Willen

    Super sympathische Teenie-Gothic-Romanze, die einem gleichermaßen zum Lachen und zum Nachdenken bringt.
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    24.09.2024
    20:43 Uhr
  • Bewertung

    Blutjung durch die Nacht

    Von wegen seelenlose Böslinge: Vampire sind von dämonischen Mächten verfluchte Gestalten, die sehr wohl zu allerlei Empfindungen fähig sind. Das einzige Problem: Sie können eben nicht anders, und müssen, um selbst zu überleben, anderen wehtun. Wie Raubtiere, nur menschlich. Doch wie menschlich können Bram Stokers Blutsauger denn überhaupt noch sein? Wie sehr erinnern sie sich noch an ihren Urzustand als sterbliches Individuum, sofern sie nicht ohnehin schon als Vampir auf die Welt gekommen sind? Lässt sich ein Gewissen ausprägen wie jenes, welches die kleine Sasha verspürt? Gerade mal zu ihrem 68. Geburtstag gibt’s ein ganz besonderes Geschenk: einen menschlichen Partyclown, den die ganze Sippschaft als Highlight des Tages gemeinsam ausschlürfen darf. Auch Sasha soll langsam von Blutkonserven auf Selbstfang umerzogen und vorbereitet werden – doch das untote Mädchen weigert sich. Die feinfühlige Vampirin, von welcher schon im Titel die Rede ist, bringt es nicht übers Herz, unschuldige Sterbliche zu ermorden, auch wenn es dabei ums eigene Überleben geht. Mit dem Latein am Ende, wird Sasha an ihre ältere Cousine übergeben, die ihr zeigen soll, wo und wie geerntet wird. Als alles danach aussieht, als würde das Mädchen sich lieber selbst als andere tilgen, macht sie die Bekanntschaft mit dem depressiven Paul, der nichts lieber tun würde als seinem eigenen Leben ein Ende zu bereiten. Noch dazu, wenn es anderen zum Vorteil gereicht.

    Man kann sich vorstellen, welchen Pakt die beiden jungen Gestalten eingehen werden. Wenn einer gibt, kann der andere nehmen. Doch so einfach scheint nicht mal das zu sein. Denn zwischen Sasha und Paul entwickelt sich sowas wie Zuneigung und Respekt vor den Prinzipien des jeweils anderen. Und nicht nur das: Es könnte sogar sein, als entspänne sich obendrein eine kleine Romanze, wenn die Vampirin ihr Opfer zu sich nachhause einlädt, um der Lieblingsschallplatte zu lauschen. Eine Szene, die zu den unvergesslichsten des Films zählt – lakonisch und liebevoll.

    Wer sich noch an Jim Jarmuschs Only Lovers Left Alive mit Tilda Swinton und Tom Hiddleston erinnern kann, sieht in Feinfühlige Vampirin sucht lebensmüdes Opfer eine gewisse Verwandtschaft. Das liegt vorallem an Sara Montpetit, die als so blasses wie zartes Geschöpf der Nacht, die den Look von Wednesday Addams und Sheila Vand als Vampirin aus A Girl Walks Home Alone at Night trägt und mit minimaler Mimik eine ganze Bandbreite an Emotionen präsentiert. Mit ihr hat Ariane Louis-Seize in ihrem Langfilmdebüt dem Genre des Vampirfilms erfrischend unkitschige Vibes hinzugefügt. La Boum für Nachtgestalten, mit Anlehnung an den Kosmos von Anne Rice, die mit der Thematik humanistischer Zähnefletscher Louis-Seize vielleicht sogar inspiriert hat. Und auch wenn die Idee nicht unbedingt neu ist – die Balance zwischen Komödie und atmosphärischem Vampirfilm zu finden, ohne seine Figuren jemals auch nur ansatzweise der Lächerlichkeit preiszugeben, zeugt von einem empathischen Inszenierungsstil und viel Liebe für all die schrägen und todessehnsüchtigen Charaktere. Félix-Antoine Bénad als Möchtegern-Selbstmörder Paul ist ebenfalls eine Entdeckung, er wäre in Harold and Maude wohl eine treffsichere Wahl für ersteren gewesen. Doch statt der alten Dame ist es diesmal ein mysteriöses Mädchen – beide zusammen sind wohl eines der erquicklichsten Paare des Filmjahres. Und wenn beide dann versuchen, das Beste aus ihrer misslichen Lage zu machen, ohne ihre Ideale zu verraten, strotzt der Film nur so vor Cleverness.

    Das ganze Twilight-Franchise ist im Gegensatz zu dieser samtschwarzen, urbanen Mär einer Zuneigung lediglich die Behauptung einer empfundenen Romanze. Diese zarten Bande, die hier geschlossen werden, sind dem feingeistigen Understatement eines Vampir-Daseins würdig. Inklusive nadelspitzer Eckzähne. Denn ohne die geht es nicht. Oder doch?



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    23.09.2024
    15:15 Uhr
  • Bewertung

    Von der Blutsaugerin, die ungern zubeißt

    Exklusiv für Uncut vom Slash Filmfestival
    Kann man dem Vampirfilm Anno 2024 noch neue Facetten abgewinnen? Wurde zu Blutsaugern und ihren Begierden nicht schon alles gesagt, was es zu sagen gäbe? Ja und nein. Auf den ersten Blick mag auch das Debüt der Frankokanadierin Ariane Louis-Seize, der umständlich betitelte „Humanist Vampire Seeking Consenting Suicidal Person“, nicht allzu originell erscheinen. Wiederkehrende Genre-Motive werden akribisch abgearbeitet: depressive Teens, die ihren Platz in der Welt noch nicht gefunden haben, ein Hauch von Außenseitertum und Rebellion gegen Normen. Allerdings mit einem erfrischenden Twist. Denn: die Protagonistin dieser charmanten Vampirdramödie bringt ihre Beißerchen ausgesprochen ungern zum Einsatz.

    Sensible Vampirin sucht Menschen mit Suizidgedanken

    Schon seit 68 Jahren weigert sich Sasha (Sara Montpetit), ihre Gestalt ist immer noch die einer Jugendlichen, Menschen zu töten. In jungen Jahren musste sie mitansehen, wie die eigenen Eltern einen Geburtstagsclown vor ihren Augen brutal attackierten und verspeisten – ein Trauma, das weiterhin an ihr nagt. Dem Vampirmädchen leuchtet es nicht ein, andere zu zerfleischen, um den eigenen Durst zu stillen. Das überlebensnotwendige Blut erhält sie über Konservenbeutel aus dem Krankenhaus. Mittels Strohhalm werden sie ausgeschlürft wie ein Saftpackerl. Das klappt so lange, bis ihr Paul (Félix-Antoine Bénard) begegnet – ein schüchterner, autistisch anmutender Teenie. Sie beobachtet den Jungen, während dieser von einem Dach zu springen versucht. Plötzlich, wie aus dem Nichts, wachsen die vampirtypischen Fangzähne, die ihr bislang erspart gewesen waren. Beißt sie nun nicht endlich zu, muss sie ihr Leben lassen. Um die Sache zu erleichtern, tritt sie einer Selbsthilfegruppe für Suizidgefährdete bei. Wenn schon jemanden umbringen, dann eine Person, der das Leben ohnehin nichts mehr bedeutet. Doch plötzlich trifft sie dort wieder auf Paul. Zwischen den zwei missverstandenen Seelen entwickelt sich, so viel sei verraten, eine enge Freundschaft. Wird sie dem depressiven Paul seinen einzigen Wunsch erfüllen?

    Blutsauger-Comedy über die Leiden und Lehren des Menschseins

    Was da genau auf einen zukommt, wird zunächst nur angedeutet. Über Flashbacks erklärt Ariane Louis-Seize die Familiengeschichte der Hauptfigur. Eine quirlige Vampirkomödie wird versprochen, das Blatt wendet sich, als Paul ins Bilde kommt. Der Ton wird zunehmend ernster, feiner Blutsaugerhumor wird von einem Schwall der Melancholie umhüllt. Dass diese Gratwanderung zwischen Tragik und Komik so gut funktioniert, ist den tollen Jungdarstellern zu verdanken. Und der Tatsache, dass hier jemand am Werk war, der die Tropen und Funktionsweisen des Genres in und auswendig kennt. Spielerisch und in schmucker Ausstattung wird mit Vampir- und Teeniefilm-Klischees jongliert, ja ein ganz neuer Mythos kreiert. Denkanstöße zu mentaler Gesundheit und Sterbehilfe inklusive. Das Ergebnis ist ein „Amélie“ für die Emo-Generation. Ein Anti-„Twilight“ für Hipster und Outcasts. Und das ist, man mag es kaum glauben, nicht ansatzweise so nervig, wie es sich anhört.
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    22.09.2024
    18:06 Uhr
  • Bewertung

    Vampirische Außenseiterstudie abseits von „Twilight“-Klischees

    Ariane Louis-Seizes Debütfilm „Humanist Vampire Seeking Consenting Suicidal Person“ widmet sich, wie der Titel schon sagt, einer besonderen Vampirin. Einer, die nicht auf die Jagd gehen und Menschen töten will. Vampire mit Gewissen sind nicht ganz neu, es gibt etwa die, die sich aus ethischen Gründen nur von Blutbeuteln und/oder Tierblut ernähren. Louis-Seizes Film ist aber weniger für die ‚Generation Twilight‘ gedacht, es gibt keinen Kampf Gut gegen Böse. Sprich: kaum Action. Und keine ‚übermenschlich‘ schönen Figuren. Der Film ist mehr Drama als klassischer Horror, geht den moralischen Fragen zu Leben und Tod tiefer auf den Grund.

    Eine Vampirin ohne Biss
    Was tun, wenn das Töchterchen ihr Geburtstagsgeschenk verweigert, weil sie Empathie statt Hunger empfindet? Sashas Reaktion stellt ihre Familie und sie selbst vor eine komplizierte Situation. Zwei Dinge sind klar: Sasha ist anders als die anderen Vampire, nicht einmal ihre Fangzähne kommen hervor, und Sasha muss irgendwann selbst auf die Jagd gehen, um zu überleben.

    Zwei Außenseiter, die wie geschaffen füreinander zu sein scheinen
    Das Anderssein macht Sasha (entzückend düster: Sara Montpetit) einsam, ihr bleibt nur ihre Musik. Damit sie als Jugendliche (mit noch nicht einmal 70 Jahren) nicht länger ihren Eltern zur Last fällt, muss sie zu Denise ziehen. Die soll ihr das Jagen beibringen. Und dann trifft Sasha bei einer Selbsthilfegruppe auf Paul (sensibel und nuanciert: Félix-Antoine Bénard). Der wird in der Schule und im Job gemobbt, neigt zu Selbstmordgedanken. Ein Freiwilliger könnte die Lösung sein für Sashas Dilemma. Doch zuerst müssen die beiden herausfinden, was sie wirklich wollen. In einer Nacht voller Abenteuer.

    Typische Teenie-Orte
    Behutsam inszeniert die Frankokanadierin Louis-Seize das Kennenlernen mit bekannten Elementen einer Teenie-Geschichte, an typischen Orten des Erwachsenwerdens – Stichwort: Party. Ängste, Peinlichkeiten und die eine oder andere Komplikation dürfen nicht fehlen. Getragen von der Musik, die Sasha so nah ist, kann man mehr über die beiden herausfinden, die doch einiges gemeinsam haben.

    Kaum Neues für Vampir-Expert*innen
    Hat man schon viele Vampirfilme gesehen und/oder über diese Kreaturen gelesen, gibt es in „Humanist Vampire Seeking Conseting Suicidal Person“ kaum Neues zu entdecken. Außerdem ist es wenig überraschend, dass sie die Nacht bevölkern, es kaum Szenen bei Tageslicht gibt. (Was dann beim Verlassen des Kinosaals besonders auffällig ist, wenn es draußen noch nicht dunkel ist.) Dafür könnte einem beim ‚Verhör‘ über Vampirklischees schon ein Schmunzeln auskommen. Um eine ganze genaue Beschreibung der Spezies zu machen, gibt Louis-Seizes Film nicht genügend Informationen. Das hat zur Folge, dass nicht jede Wendung gänzlich schlüssig scheint. Oder jede Handlung unausweichlich.

    Außenseiterballade mit humorvollen Momenten
    Vor allem Sashas Familie und der ungewollte Neuzugang bieten immer wieder heitere, humorvolle Momente. Dank einiger Klischees und skurriler Typisierung. Paul und vor allem Sasha sind liebevoller und vielschichtiger gestaltet. Es ist ihre Geschichte, die in gemächlichem Tempo ohne viele Höhepunkte erzählt wird. Eine Außenseiterballade, die in jenen Szenen eindringlich ist, gut funktioniert, die dieses Anderssein herausheben.

    Philosophische Betrachtungen im Gewand eines Vampirfilms
    „Humanist Vampire Seeking Consenting Suicidal Person“ bietet einige nette nächtliche Abenteuer, kreative Einfälle und die Geschichte einer zarten Liebe (oder zumindest Freundschaft) von zwei Personen, die ihre Einsamkeit zueinander bringt. Von zweien, die wie geschaffen für die Bedürfnisse des jeweils anderen zu sein scheinen. Kommt man mit dem behutsamen Tempo gut klar und mag teilweise tiefere Betrachtungen großer Themen im Gewand eines Vampirfilms (– auch nicht ganz neu), dann ist man bei Louis-Seizes Film richtig. Wer sich mehr Horror oder romantisch-kitschige Teenie-Liebe wünscht, könnte enttäuscht werden.

    Vereinfacht zugespitzt: „Twilight“ für Intellektuelle, die es dunkler und langsam lieben.
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    21.09.2024
    23:08 Uhr