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  • Bewertung

    Der Weg zur Selbstfindung

    Vorab, der deutsche Titel allein hätte mich nicht dazu verlocken können, diesen Film anzuschauen, denn erfahrungsgemäß verbergen sich meist hinter so schrullig, pseudooriginellen Namensgebungen flache Schenkelklopfer. Durch andere Rezensionen bin ich aber neugierig geworden und wurde positiv überrascht. Der Stil erinnert mich stark an die Filme von Ruben Östlund.

    Wie bei Östlund werden hier skurrile, sozial unangenehme Situationen dargestellt die jedoch nicht so stark übertrieben werden um in Richtung Slapstick-Komödie abzudriften. Genau dieses lange Ausharren von peinlichen, moralisch ambivalenten Momenten und die Gestaltung von gelegentlich bizarren Wendungen geben dem Film einen sehr feinsinnigen, intelligenten Humor mit latentem Tiefgang. Der Kontext der Dienstleistungsgesellschaft ist dabei spannend, da hier Kundenfreundlichkeit immer die Gefahr in sich birgt, sich dem Kunden gegenüber bis zu einem gewissen Grad verstellen zu müssen.

    Wie in manch Forenbeiträgen beschrieben, sehe ich hier aber nicht permanente Rollenverschiebungen, eher im Gegenteil: Der Hauptdarsteller Matthias (Albrecht Schuch sehr überzeugend in dieser Rolle) hat in jeder Situation die gleiche unnahbare Maske auf die er dann selbst bei seiner Lebenspartnerin Sophia (Julia Franz Richter) nicht ablegt und es auch deshalb zu einer Trennung kommt. Wäre er, wie manche Kritiker meinen, sozusagen situationselastisch bzw. flexibel, dann wäre es nicht zu dieser Partnerschaftskrise gekommen. Aber gerade weil Matthias sich überall wie ein Roboter auf permanentem Standardmodus präsentiert (es könnte sozusagen eine Weiterentwicklung von C-3PO / Star Wars sein), wirkt er in jeder Situation unauthentisch, steif und teils auch unpassend. Der Pfau symbolisiert dabei die Eitelkeit und Selbstinszenierung welche Matthias wie eine Fassade an sich trägt.

    Da hilft es auch nicht wenn diese Maske immer und überall freundlich ist, denn es ist doch letztendlich nur eine aufgesetzte Freundlichkeit. Die Geschichte möchte somit zeigen, wie ein Mensch durch tiefgreifende Erfahrungen lernt, dass es manchmal besser ist seine inneren Gefühle offen zu zeigen und sich den Situationen besser anzupassen. Genau dieser allmähliche Wandel wird gut darin veranschaulicht, als er beginnt auch Tränen zeigen, seine Fehler eingestehen und gegen den zahlenden „Schein-Vater“ rebellieren zu können. Diese Szene in durchlauchter Gesellschaft erinnert auch wieder stark an Östlunds provokante Szene in „The Square“ als ein Mann in einem ebensolchen Gesellschaftskreis als spielender Affe auf die Tische hüpft. Genauso hier der Seitenhieb auf die High-Society-Gesellschaft: Da wird der Nackte mit Schlamm beschmierte Gesellschaftsgast als originelles Kunstprojekt beklatscht.

    Die Filmmusik (Originalkomponist Lukas Lauermann) wird ebenso wie beim schwedischen Filmemacher sehr dezent eingesetzt. Bewusst um den Film analytischer, weniger emotional zu gestalten. So nebenbei auch ein unglaublich guter Auftritt von Branko Samarovski als Johann.

    Für mich einer der besten österreichischen Filme der letzten Jahre und ich bin schon sehr gespannt was der junge Regisseur und Drehbuchautor Bernhard Wenger noch zukünftig bringen wird. Dieser Einstand ist schon mal sehr vielversprechend.
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    04.03.2026
    06:32 Uhr
  • Bewertung

    Wow!

    Schon lange keinen Film mehr gesehen der schräg, kritisch und letztlich doch sehr berührend ist. Die Situationskomik lässt alles leicht daherkommen, die Tiefgründigkeit kommt aber mit ihr mit. Sehr empfehlenswert!
    08.03.2025
    08:32 Uhr
  • Wie die anderen wollen

    Wir alle, denn so ist es in der Psychologie längst bekannt, spielen tagtäglich die unterschiedlichsten Rollen. Daheim probt man die Mutter- oder Vaterfigur, in der Arbeit den Chef, den Manager oder Verkäufer. Vor den eigenen Eltern ist man das Kind, in der Straßenbahn der sozial Achtsame, der bedürftigen Fahrgästen den Sitzplatz überlässt. Diese Liste könnte ich lange so weiterführen, auf die Gefahr hin, das eigene Basis-Ich komplett aus den Augen zu verlieren. Tatsächlich aber besteht die eigene Persönlichkeit aus diesem ganzen bunten prächtigen Ensemble, der Mensch ist schließlich anpassungsfähig und situationselastisch.

    Und dennoch: Anders betrachtet agieren wir oft so, wie die anderen wollen. Der von Albrecht Schuch verkörperte Unternehmer Matthias hat sich diese Entkopplung von seiner Person zum Beruf gemacht – er leitet mit einem guten Freund das Leihpersonenbüro My Companion. Das klingt jetzt natürlich nach Escortservice, und ist es auch auf einer ganz gewissen Ebene, nur nicht auf der amourösen. Bei My Companion wird Matthias zum geliehenen Menschen nach des Kunden Wahl. Zum musikbeflissenen Konzertbegleiter, zum Coach in Sachen Konfliktfähigkeit. Zum Golfpartner, Piloten, Familienvater und sogar zum Sohnemann ganz fremder Leute, die ihr Image aufpolieren wollen. Was Matthias aber zwischen seinen Einsätzen als Variable in einer vereinsamenden Gesellschaft jedoch nur noch schwer wiederfindet ist die eigene Identität. Wer bin ich, und bin ich überhaupt echt? Diese Fragestellung läutet sogar schon der Titel ein. Denn je mehr sich einer wie Matthias, der fast zur Gänze seinen eigenen Willen und seine Meinung verliert, da er nur jene kundtut, die jener der andern entspricht, umso blasser, transparenter und flacher wird er. Woody Allen hätte diese Geschichte wohl damit gelöst, sein Alter Ego entweder tatsächlich durchscheinend darzustellen – oder eben unscharf. Letzteres hat er in seinem Film Harry außer sich tatsächlich so umgesetzt. Albrecht Schuch hingegen verliert hier vorallem seine Mimik, sein Empfinden, sein Ich. Sehr zum Missfallen seiner Partnerin Sophia (Julia Franz Richter, Rubikon), die Matthias alsbald provoziert und letztlich stehen lässt.

    Egal wie Schuchs Figur es dreht und wendet, er findet nicht zu sich selbst. Zumindest eine ganze Zeit lang, nämlich fast den ganzen Film hindurch nicht. Immer wieder kreist Spielfilmdebütant Bernhard Wenger, der diese wienerische Psychokomödie auch selbst verfasst hat, um seinen Mann ohne Eigenschaften herum und schickt ihn immer wieder aufs Neue in seine berufliche Pflichterfüllung. Es bleibt kaum Zeit, sich selbst einen Plan zum Ausbruch zu überlegen, stattdessen stolpert Matthias von einem Symptom des Selbstverlustes in den nächsten. Das mag tragikomisch bis humorvoll rüberkommen, Pfau – Bin ich echt? lukriert dabei einige Lacher dank einiger situationskomischer Einfälle, die wirklich treffsicher platziert sind. Im Ganzen aber bleibt Albrecht Schuch zu selbstverliebt in seiner Charakterlosigkeit, er will sich kaum von ihr trennen, nicht mal am Ende, wo man einen Paradigmenwechsel erwartet, der aber wieder nur ein Symptom für einen unveränderten Gesamtzustand ist, der im Argen liegt.

    Diese Gleichförmigkeit im Erzählen hinterlässt einen schalen Beigeschmack, als hätte man ausgerauchtes Bier getrunken oder kalten Kaffee. Von Elan und Ausbruch ist keine Rede, das Vergnügen liegt darin, den von sich selbst entfremdeten Biedermann in seiner schrägen, wenn nicht gar skurrilen Notlage zurückzulassen. Und das ist recht wenig für eine prinzipiell klug erdachte Ausgangsposition.


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    18.02.2025
    17:20 Uhr
  • Bewertung

    Der Mann ohne Eigenschaften im satirischen Federkleid

    Ja, der titelspendende Vogel taucht im Film des österreichischen Regisseurs Bernhard Wenger auf. Das ist allerdings nicht der einzige skurrile Auftritt von Tieren in „Pfau – Bin ich echt?“. Skurril, manchmal vielleicht über die Schmerzgrenze hinaus – zumindest, wenn man ein Herz für diese hat. Allerdings geht es bei der Mischung aus Satire und Drama weder um Federvieh noch um Vierbeiner. Im Mittelpunkt steht Matthias oder eher eine Hülle namens Matthias.

    Sich selbst in Rollen verlieren
    Bernhard Wenger erzählt in „Pfau – Bin ich echt?“ von einem Mann, der sich in seinen Rollen verloren hat, nur noch der ist, den andere vermeintlich wollen. Dieser Matthias (hervorragend glatt, nicht greifbar und umso faszinierender: Albrecht Schuch) arbeitet nämlich in einer Firma, bei der man menschliche Begleitung in vielen Formen mieten kann. Damit man nicht allein auf Veranstaltungen gehen muss und von den anderen bemitleidet wird. Damit man sozialen Kontakt üben kann. Damit man sich vor anderen als liebender Vater präsentieren kann. Matthias ist also aufmerksamer, gebildeter Begleiter, Piloten-Papa, ein Sparringpartner für eine unzufriedene Ehefrau oder ein erfolgreicher Sohn. Oder als wer auch immer er gebucht wird. Dass er sich dabei selbst nicht mehr spürt und die eigenen Beziehungen vernachlässigt, merkt er zu spät. Seine Freundin verlässt ihn. Im Job läuft es zwar super, privat ist er ständig auf der Suche, um etwas zu finden, was ihn ausmacht.

    Spannende Idee und ein genialer Hauptdarsteller
    Regisseur Wenger schafft eine Ausgangslage, die fast ein Meta-Kommentar über den Schauspielberuf sein könnte. Und/oder eine Charakterstudie eines Mannes ohne eigenen Charakter, eines permanent passiven Mannes. Mit Ausnahme von Matthias‘ Auftritt am Ende des Films, der in seiner Bissigkeit und Gesellschaftskritik ein wenig an Ruben Östlund erinnert. Diese(r) klingt ebenso an, wenn Hilfsmittel aus dem Job verwendet werden, um Emotionen vorzutäuschen. Sogar da zeigt sich der Profi in Matthias. Noch deutlicher wird es, wenn er seine Aufträge mit Bravour erfüllt, in diesen Charakteren aufgeht. Zuhause, mit seiner Freundin, sieht man, dass er keine eigene Meinung hat, keine Ideen oder sie zumindest nicht verteidigt, sobald Gegenwind aufkommt. Den Wein darf seine Lebensgefährtin auswählen. Der riesige Eisbär, ein Kunstobjekt, wird gnadenhalber dort aufgestellt, wo sie es will. Die Gespräche haben jegliche Tiefe und Empathie verloren. Hauptdarsteller Schuch verschwindet hinter der eigenschaftslosen Fassade von Matthias. Voll und ganz. Dieser Mann, der sich selbst nicht mehr spürt, schimmert sogar in den Rollen durch, die er für den Job als Miet-Begleitung ausfüllt. Fast unheimlich. Mit ihm steht und fällt das Konzept von „Pfau – Bin ich echt?“.

    Komplikationen aus dem Job
    Eigentlich ist es ein Wunder, dass nicht öfter Menschen in Matthias realem Leben auftauchen, die ihn in der einen oder anderen Rolle bei der Arbeit kennengelernt haben. (Vielleicht eine Logik-Schwäche des Films.) Ein paar gibt es, die Nebenhandlungen und etwas verrückt-überspitzte Komplikationen vorantreiben. So kommt ihm etwa ein unglücklicher, älterer Ehemann mit Jagdzimmer und jeder Menge Wut im Bauch näher, der immer unberechenbarer wird. Einige dieser Wendungen darf man nicht zu genau auf Plausibilität untersuchen. Zudem verliert die Geschichte mit ihnen etwas den Fokus.

    Verheißungsvoller Beginn hält nicht an
    Wengers „Pfau – Bin ich echt?“ beginnt unterhaltsam. Die Aufträge als Begleitung zeigen viele Facetten des Jobs. Er wird vor allem gebucht, um Kund*innen nach außen gut dastehen zu lassen. Gesellschaftskritik, die nicht ganz subtil daherkommt, weil der Regisseur auf die Überspitzungstube drückt. Aber egal, sie macht Spaß. Als sich Matthias auf Selbstsuche in eine Yoga-Sekte begibt, setzt der Regisseur ebenfalls auf Klischees und Überzeichnung. Ab dann wird aus dem Fluss ein dahinplätscherndes Bächlein – Fokus und Spannung gehen zugunsten von billigen Wendungen und Witzen im zweiten Teil ein wenig verloren. Vielleicht eine gewollte Erholungspause vor dem großen Finale. Oder einfach nur etwas selbstverliebte, mit kreativer Gewalt produzierte Komik.

    „Pfau – Bin ich echt?“ bearbeitet eine zentrale Frage, die sich der Protagonist stellen muss, um nicht in seinen Rollen unterzugehen. Ein durchaus spannendes Konzept, manchmal messerscharf und mit Liebe zum Detail beobachtet. Die doch ziemlich ‚österreichische‘ Satire geht auf, solange sie sich auf den Mann ohne Eigenschaften konzentriert. Und die Längen im zweiten Teil macht ein grenzgenialer Hauptdarsteller, der Matthias Leben einhaucht, bald vergessen.

    PS: Tierliebhaber*innen werden wohl nicht jede Wendung so gelungen und kreativ oder dramaturgisch notwendig finden … und lustig schon gar nicht. (Da kann die Autorin nicht anders, als ein paar Punkte abzuziehen …)
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    27.10.2024
    10:16 Uhr
  • Bewertung

    Schillernder Vogel verliert sein Federkostüm

    Exklusiv für Uncut von den Filmfestspielen in Venedig
    Wer sich zu lange mit fremden Federn schmückt, wird irgendwann auf die Schnauze fliegen. Für Matthias (Albrecht Schuch), ein emigrierter Deutscher im Herzen Wiens, ist das Tarnspiel sein täglich Brot. Mit seinem besten Kumpel (Anton Noori) leitet er eine „Rent-a-Friend“-Agentur, die verspricht, der Einsamkeit einen Riegel vorzuschieben. Die Dienstleistung kann für jeden Anlass gebucht werden, selbstredend nur gegen Bezahlung. Ist die Konzertbegleitung ausgefallen? Soll bei einer großen Geschäftsgala der Schein des perfekten Sohnemanns aufrechterhalten werden? Oder will man sich auf Knopfdruck einen neuen Papa bestellen, der cooler ist, als es der echte je sein könnte? Nur ein kurzer Call und die Wunschvorstellung wird zur Realität. Die Rollen spielt Matthias für gewöhnlich selbst – mit großer Überzeugungskraft, wie die Bestwertungen seiner Kundschaft offenbaren. Doch es gibt eine Rolle, an der der Jungunternehmer noch dringend feilen muss, der es zunehmend an Glaubwürdigkeit mangelt: sein wahres, authentisches Ich.

    Wer bin ich?

    Der „Pfau“ im Langfilmdebüt des Salzburgers Bernhard Wenger ist Matthias höchstpersönlich. Dem farblich changierenden Federkleids des Vogels nicht unähnlich, kann er sein Wesen binnen Minuten ändern, zu einem ganz neuen Menschen mutieren. Anpassungsfähigkeit hat jedoch einen Preis, wie diese grenzgeniale Tragikomödie aufzeigt. Denn: hinter dem Charme und Charisma der Personas, zwischen denen er im Beruf chamäleonhaft wechselt, verbirgt sich eine leere Hülle. Ein langweiliges, nichtssagendes Männlein, dem es an Persönlichkeit und Empfindungsvermögen fehlt. Das findet auch Sophia (Julia Franz Richter), seine Ex, die der Zweisamkeit zu Beginn des Films aus gutem Grund ein Ende macht. Der nötige Weckruf und Start einer abenteuerlichen Selbstfindungsodyssee, die vor den Absurditäten des Alltags nicht Halt macht.

    Sensationsdebüt mit Schmäh und Stilsicherheit

    In der heimischen Kulturszene ist Regisseur Bernhard Wenger kein Unbekannter. Mit seinen erheiternden, formalästhetisch bestechenden Kurzfilmen, so etwa einer Beziehungsinventur vor alpiner Wellnesshotelkulisse („Entschuldigung, ich suche den Tischtennisraum und meine Freundin“) oder episodischen Wortgefechten auf der Skipiste („Aufnahmen einer Wetterkamera“, der Titel ist Programm), ist er seit Jahren Fixpunkt gefragter Festivals wie der Diagonale oder dem Max Ophüls Preis. Zwischenmenschliches wird nüchtern beobachtet, toxische Maskulinität auf den Prüfstand gestellt. Raum zum Atmen schafft die skurrile Situationskomik, die implodierende Männeregos so mit sich bringen. Seinem Stil und den wiederkehrenden Themen konnte das Salzburger Wunderkind auch in voller Spielfilmlänge treu bleiben. Erweitert um Fragen der Identität in einer künstlich erschaffenen Welt, in der impulsives Handeln abgestraft wird. Moderner Arbeitskulte, in denen das Individuum verloren geht, nimmt Wenger mit satirischer Finesse den Wind aus den Segeln. Wie sehr das Streben nach Professionalität und ständiger Abrufbereitschaft den Emotionshaushalt verstören kann, wird am Beispiel des Matthias drastisch vorgeführt. In symmetrischen Aufnahmen spiegelt sich der perfekt durchkonstruierte Alltag wider, über den der Dienstleistungsanbieter zunehmend die Oberhand verliert. Entgeistert starrt er in den Anfangsminuten den gemeinsamen, übergroßen Hund an, als die Partnerin das Beziehungsaus verkündet. Die Reaktion so leb- und seelenlos wie das aalglatte Luxusmobiliar um ihn herum. Die Bildsprache wird schräger, bunter, verspielter, je mehr er Herr seiner Gefühlslage wird. Je mehr er sich von der stoischen Teilnahmslosigkeit seines beruflichen Seins löst und diese reflektiert. Mit messerscharfer Klinge tänzelt das Drehbuch zwischen Tragik und Komik, oft im selben Atemzug. Ohne Sicherheitsnetz gerät Matthias von einem Fettnäpfchen ins nächste, meist begleitet von feinstem Austro-Galgenhumor. Bekannte Gesichter wie Maria Hofstätter, Branko Samarovski oder Marlene Hauser legen memorable Auftritte hin, die ungeniert in die heimische Seele blicken. Dass sich der aus Thüringen stammende Hauptdarsteller in diesem urösterreichischen Mikrokosmos wie ein irrlichternder Fremdkörper anfühlt, scheint ganz bewusst gewählt. Der chaotischen Reise, zwischen Desillusionierung und Wiedergeburt, nimmt sich Albrecht Schuch (bekannt aus „Systemsprenger“, „Im Westen nichts Neues“) jedenfalls mit bemerkenswertem Körpereinsatz und subtil gespielter Verletzlichkeit an. Mit „Pfau“ ist seinem Regisseur ein Wahnsinnsdebüt geglückt, das sich in einem ohnehin aufregenden Jahr für das österreichische Kino („Des Teufels Bad“, „Rickerl“) zu den großen Neuentdeckungen dazugesellen darf. So unberechenbar, vielschichtig und wunderhübsch wie das Gefieder seines titelgebenden Vogelviechs.
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    14.10.2024
    12:40 Uhr