65 Einträge hier…wow…das hebt sich von den meisten Filmen die ich hier gesehen habe mehr als deutlich ab (gabs dafür mal ein Gewinnspiel? ;-)
Um es gleich vorab auf den Punkt zu bringen: Bei diesem Film kämpfen zwei verschiedene Empfindungen in mir. Einerseits bin ich vollkommen fasziniert von der atmosphärischen Dichte und gut gelungenen, düsteren, geheimnisvollen, morbid wirkenden Welt des Frankreichs im beginnenden 18. Jahrhundert (die Parisszenen wurden tatsächlich in Barcelona gedreht). Drehorte, Kostüme, Kameraeinstellungen, Filmmusik kommen hier zu einer gelungenen Symbiose wie es sie nicht allzu oft bei Filmen gibt (auch die SchauspielerInnen sind gut gewählt und man merkt den Aufwand bei den Komparsen). Andererseits empfinde ich streckenweise Ekel und Abscheu, vor allem wenn an den Leichen geschnüffelt und geschabt wird als handle es sich um sinnliche Kunst.
Wenigstens wird die psychisch kranke Wundernase Jean Baptiste (Ben Whishaw) nicht als Sympathieträger dargestellt, doch diese sinnliche Darstellung des bizarren Fetischismus schmälert für mich doch einiges an dem ansonsten für mich herausragenden Film (und ich weiß aus zahlreichen anderen Kommentaren im Netz, dass ich damit nicht alleine bin)
Zumindest wird bei dem auf den gleichnamigen Roman von Patrick Süskind basierenden Film, bis zum Ende die Spannung beibehalten, denn man wartet nur so darauf dass endlich dieser besessene Frauen-Serienmörder (heute würde man Femizide dazu sagen) identifiziert und gefangen wird. Als es dann auch danach aussah, packt er auch seine Wunderwaffe aus: Das „perfekte Parfüm“ betört alle Menschen um ihn herum dass sie ihn und alle Menschen um sich lieben. Zu allem Überfluss wird dann auch noch ein Unschuldiger für seine Taten hingerichtet. Für den Rest werde ich keinen Spoiler schreiben, nur so viel dass das Ende der zuvorgehenden spannenden Geschichte nicht gerecht wird.
Wenn man hier eine Metapher interpretieren will, dann diese, dass sich Menschen gerne blenden lassen, nur ist es dann kein Parfüm sondern es sind populistische Parolen, ausgezeichnete Rhetoriker, attraktive Menschen die damit ihre tatsächliche Inkompetenz mehr als kompensieren können. Wenn die angesprochenen Kritikpunkte nicht wären, könnte dieser Film für mich ein Meisterwerk sein.