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18 Bewertungen
76.1% Bewertung
  • Bewertung

    Eine Erfolgsgeschichte

    Von den 100 gefühlten Verfilmungen des Romans von Charles Dickens ist die von Roman Polanski (2005) nicht die Schlechteste. Der Stoff hat wohl seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts (1909) bis heute immer wieder Filmemacher interessiert. Und noch ist kein Ende abzusehen.
    Dieser Film wird der Romanvorlage vollauf gerecht. Die Sozialkritik des Autors und die unbarmherzige und gnadenlose Gesellschaft der Zeit sind eindrucksvoll herausgearbeitet. Gut, dass Polanski den Antisemitismus weggelassen hat und mehr auf Spannung à la Hitchcock setzt. Hier gilt die Message Calvins: ‘Am Reichtum des Einzelnen kann man ablesen, ob Gott einen liebt und da Gott die Armen offenbar nicht liebt, warum soll der Staat oder die Gesellschaft tun?‘ Für Waisenkinder gab es nur das Armenhaus d.h. die Sklaverei. Mitten im Europa des frühen 19. Jahrhunderts.
    Besonders das verwirrende Gewusel der Straßenszenen Londons ist beeindruckend. Die düstere Atmosphäre in braun-dunkelgrün gehalten wirkt besonders, wenn man den Kontrast zum farbenfreudigen Landleben dagegenhält.
    Die (Unter)Welt des Oliver Twist (Barney Clark) wird von ganz fiesen Typen verkörpert, deren schmutzige Gesinnung an ihrer Kleidung gut zu erkennen ist: verkommen und verdreckt. Allen voran der Mörder Bill Sykes (Jamie Foreman) sowie sein Spezi Toby Crackit (Mark Strong). Die wenigen Guten, die bei Dickens nie fehlen dürfen sind Liz Smith als gute Alte sowie Nancy (Leanne Rowe) als Gangsterliebchen mit Herz. Nicht zu vergessen sein Ziehvater Mr. Brownlow (Edward Hardwicke), der Oliver am Ende in eine rosige Zukunft geleiten wird. Typisch Dickens!
    Alle werden schauspielerisch überragt vom grandiosen Ben Kingsley als Fagin. Er laviert zwischen beiden Lagern: Geldgierig auf der einen Seite, ein Herz für Kinder auf der anderen.
    So hat Polanski einen sozialkritischen, spannenden Krimi gemacht, der fast vergessen lässt, wie alt die Romanvorlage ist. Eine gelungen Literaturverfilmung.
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    02.11.2016
    14:45 Uhr
  • Bewertung

    Gute Buchwiedergabe

    Nach dem die letzte Verfilmung von Charles Dickens Roman nun über 40 Jahre her ist, und Polanski einen Film wollte, den er seinen Kindern zeigen kann, war das Projekt ohnehin schon beschlossen. Besonders gut ist Fagin dargestellt.
    20.05.2007
    20:09 Uhr
  • Bewertung

    Handwerklich tadellos, inhaltlich "sehr frei"

    Ich erinnere mich noch gut an meinen Deutschunterricht in der Mittelschule, in dem wir (warum weiß ich eigentlich gar nicht) das berühmte Buch über den armen Waisenjungen lesen mußte. Ich hatte damals schon meine liebe Not damit. Nicht nur, dass ich die Geschichte langatmig fand, ich konnte mich auch nicht für diese Zeit erwärmen, in der einige wenige Reiche (=Adelige) sich der Waisenkinder bedienen, die mit ein wenig Brei auskommen müssen, während die anderen schon gar nicht mehr wissen, wohin sie mit ihrem zweiten und dritten Kinn sollen.

    Diesen Aspekt der Geschichte hat Polanski hervorragend eingefangen und in fast malerische Bilder getaucht, genial ausgeleuchtet, nahezu perfekt gefilmt.

    Ben Kingsley ist fast nicht zu erkennen in diesem Film, so "verunstaltet" hat ihn die Maske, was aber seiner schauspielerischen Leistung keinen Abbruch tut.

    Insgesamt ist der Film aber genauso langatmig wie das Buch und schummelt sich, nur auf ein paar dünnen Eckpfeilern des Buches, über seine Laufzeit dahin.

    Für Literaturliebhaber problematisch, für Monarchisten eine Freude, genauso für Kamera-Freaks, für Freunde der Filme Polanskis jedoch eher enttäuschend, bei aller sichtbaren Perfektion.
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    30.07.2006
    11:37 Uhr
  • Bewertung

    Gnadenlos an Geschichte vorbei inszeniert

    Ben Kingsley hat selbst in seinen bisherigen, freundlichen Rollen furchteinflößender gewirkt als hier. Bei allem Respekt vor ihm und auch Polanski, aber in diesem Film wurde absolut an Charles Dickens und den Absichten seiner Geschichte vorbei inszeniert. Was übrig bleibt, ist ein recht willkürlicher Brei, der einerseits für Kinder unzumutbar, andererseits für Erwachsene auch ungeeignet ist. Selbst wenn man die Geschichte von "Oliver Twist" nicht kennt, dürfte dieser Film trotzdem im Auge des Zusehers versagen. Schade um so ein an und für sich tolles Produktions- und Filmteam, und vor allem schade um das Original Dickens'.
    27.03.2006
    18:24 Uhr
  • Bewertung

    Eintauchen in die Vergangenheit

    Mir sagte zwar der Name Oliver Twist vor dem Kinobesuch schon etwas - genaueres wusste ich aber nicht. Habe also auch das Buch vorher nicht gelesen - aber der Film hat mich überzeugt.
    Ich konnte in die Vergangenheit eintauchen und mit Oliver Twist mitleben und leiden.
    Sehr gut gefallen hat mir Kulisse und der Flair des alten London wo Oliver mit vielen Gesellschaftsschichten in Berührung gekommen ist und so seine "Problemchen" hatte.
    Und das "Happy End" - schön das es eines gab.
    17.03.2006
    21:45 Uhr
  • Bewertung

    Zeitlos schöne Geschichte

    Ich habe die Geschichte des armen Waisenjungen Oliver Twist im viktorianischen England des 19. Jahrhunderts, die Charles Dickens schon vor nahezu 170 Jahren geschrieben hat in meiner Kindheit mit Begeisterung verschlungen.

    Die verrückten und spannenden Abenteuer, die Oliver Twist auf seiner Wanderung durch die verschiedenen Gesellschaftsklassen erlebt, konnte mich aber wieder faszinieren, auch wenn in Polanskis Film vieles von der ursprünglichen Geschichte gekürzt wurde.
    Eine Geschichte die schon mehrmals für das Fernsehen und das Kino verfilmt wurde nochmal aufzuwärmen war sicher kein leiches Unterfangen. Doch Polanski, der scheinbar immer besser wird, hat es verstanden diese zeitlos schöne Story mit tollen Charakterzeichnungen und einer authentischen Kulisse neu zu beleben und sie dem heutigen Publikum auf gelungener Weise zu präsentieren.
    Es ist schön, dass dieses literarische Meisterwerk wieder den Weg in die Kinos gefunden hat. Zu empfehlen für alt und jung!

    14.01.2006
    12:18 Uhr