Forum zu X

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77.5% Bewertung
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    Sex, Drugs und jede Menge Blut

    Exklusiv für Uncut
    Mit seinem bereits achtem Regiewerk „X“ kehrt Filmemacher Ti West (House oft he Devil, The Innkeepers) nach einem kurzen Ausflug ins Westerngenre (In a Valley of Violence) zu seinem Lieblingsgenre, dem Slasherfilm, zurück. Zum Cast zählen hierfür unter anderem Indie-Liebling Mia Goth, Neo-Scream-Queen Jenna Ortega, Rapper Kid Cudi und Britanny Snow. Der Film wird vom populären Indie-Verleih A24 vertrieben und feierte seine Weltpremiere im Zuge der diesjährigen Ausgabe des US-amerikanischen South by Southwest Festivals (SXSW) im März.

    Im ruralen Texas der späten 70er bricht Pornodarstellerin Maxine Minx (Goth) gemeinsam mit Cast und Crew auf, um einen Film zu drehen, von dem sie sich erhofft, endlich ganz groß rauszukommen. Mit Produzenten und Verlobten Wayne und den beiden erprobten Darstellern Bobby-Lynne (Snow) und Jackson (Cudi) soll der neueste Film unter der Regie des jungen Filmschaffenden RJ etwas ganz Besonderes werden, die schüchtern anmutende Tonassistentin Lorraine (Jenna Ortega) begleitet die freizügige Meute dabei. Als Schauplatz ihres Schmuddelfilms soll eine abgeschiedene Farm dienen, auf der sich Wayne gemeinsam mit den anderen eingemietet hat, wobei er den betagten Besitzer Howard und seiner bereits sehr altersschwachen Frau Pearl den wahren Zweck ihrer Anreise vorenthält. Die Gruppe beginnt mit den schlüpfrigen Dreharbeiten, merken jedoch schon bald, dass auf der Farm seltsames vor sich geht. Schnell schlägt die sexuelle Energie in einen Kampf um Leben und Tod über.

    Der Slasherfilm lebt von seiner Wandlungsfähigkeit, und dass in diesem Genre auch Jahrzehnte nach seiner Etablierung noch originelle Ideen Platz finden, haben uns jüngst Filme wie „Malignant“ oder aber auch der neueste „Scream“-Teil eindrücklich bewiesen. Mit „X“ unternimmt Regisseur Ti West eine Reise ins weniger bekannte Subgenre des „Hagsploitation“, in welchem frühere glamouröse Damen im Alter dem Wahnsinn verfallen und zu blutrünstigen Killern mutieren und dessen bekanntestes Beispiel der Horror-Klassiker „Was geschah wirklich mit Baby Jane“ ist. „X“ referenziert außerdem weitere Kultfilme wie „Psycho“ und „Texas Chainsaw Massacre“ direkt beziehungsweise durch sein Setting und die Charakterkonstellation. Der sexpositive Ansatz, den West hierfür wählt, ist allerdings ein neuer, kennt man aus den meisten Horrorfilmen doch eher die Regel, dass unzüchtige Jugendliche wegen ihrer Freizügigkeit vom Killer auserwählt werden, wie es beispielsweise bei „Freitag, der 13.“ Usus ist. So interpretiert „X“ Sexualität als Freiheit, die sowohl zum Erfolg als auch zum Niedergang der betroffenen Figuren führen kann.

    In ihrer Rolle als Maxine zeigt uns Schauspielerin Goth einen äußerst gelungenen Wechsel zwischen harter Schale und weichem Kern, und wer ganz genau hinsieht, entdeckt die Künstlerin eventuell noch in einer weiteren, höchst unüblichen Rolle. Auch der Übergang zwischen Slasher-Wirklichkeit und der Porno-Metaebene funktioniert im Kontext des Films vor allem durch den gewollt sprunghaften Schnitt und der 70er-Jahre-Ästhetik ausgesprochen gut.

    Ti Wests neuestes Werk ist ein durchaus ansehnlicher Genrefilm, der die manchmal gar überholte Slasher-Formel mit interessanten Ideen und einem tollen Castingensemble auffrischt!
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    24.05.2022
    19:38 Uhr