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    Humor ist wenn man trotzdem lacht

    Eine gelungen Komödie aus Österreich, auch wenn nicht jeder Gag hundertprozentig zündet wird man erstklassig unterhalten. Und wie sagt Michael Ostrowski nicht ganz unironisch im Film „Humor ist wenn man trotzdem lacht“.
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    15.05.2022
    23:15 Uhr
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    Der Habicht als Hahn im Korb

    Exklusiv für Uncut von der Diagonale
    Michael Ostrowski und Helmut Köpping führten 2016 schon einmal gemeinsam Regie, damals für „Hotel Rock'n'Roll“, dem Abschluss von Michael Glawoggers Sex, Drugs & Rock'n'Roll-Trilogie. Sinn für Humor und Chaos bewiesen die zwei schon damals. Ihr Erfolgsrezept perfektionierten die zwei nun in „Der Onkel - The Hawk“.

    Die Komödie erzählt vom Lebemann Mike, der – als sein Bruder Sandro ins Koma fällt – zurückkehrt, um dessen Familie beizustehen. Doch er verfolgt auch eigene Interessen. Er will nämlich Sandros Frau Gloria, seine einstige Jugendliebe, zurückgewinnen. Dabei findet der Film die passende Tierparabel und inszeniert Mike als Habicht, der es sich in Sandros Nest gemütlich macht und alle anderen im Hühnerstall aufscheucht. Unter anderem auch den Polizisten vom Nachbarshaus und seine Frau. Als auch noch Gloria draufkommt, dass Sandro in Korruptionen verwickelt ist, und seine Partner eine irrsinnige Geldsumme von ihr fordern, ist das Chaos perfekt.

    Bei „Der Onkel“ handelt es sich um eine irrwitzige schwarze Komödie, die das Zeug zum Kultfilm hat. Jeder in diesem hervorragenden Ensemble trägt dazu bei. Michael Ostrowski überrascht in seiner Rolle kaum, denn er spielt wieder einmal einen sympathischen, lustigen Bonvivant mit selbstzerstörerischen Tendenzen und einem guten Herzen – aber genauso haben wir ihn kennen- und lieben gelernt. Anke Engelke spielt eine Ehefrau am Rande des Nervenzusammenbruchs, die jedoch Contenance bewahrt, weil es sonst niemand in ihrem Umfeld tut. Dabei ergänzt sie Ostrowskis Figur und bietet ihm die Stirn, während sie ihm die Hand reicht. Auch Simon Schwarz und Hilde Dalik als Ehepaar von nebenan, das sich nichtsahnend im fremden Chaos wiederfindet und dieses sogar zum Teil herausfordert, sorgt für mehr als nur einen Lacher. Schließlich sind hier auch Elisea und Maris Ostrowski zu erwähnen, die hier beachtliche Schauspiel-Debüts abliefern und von ihrem Vater wohl das lustige Gen vererbt bekommen haben. Das was den Film allerdings so besonders wirkungsvoll macht, sind nicht die einzelnen Leistungen der Schauspieler*innen, sondern wie sie als Ensemble miteinander Wege finden, authentische Momente in absurden Situationen zu kreieren. Dabei hilft sicherlich auch das gelungene Drehbuch, das es schafft, mehrere Handlungsstränge in einem perfekten Chaos zusammenzuführen und dabei wirklich interessante und lustige Figurenkonstellationen bereitstellt. Schwarzer Humor, Slapstick und Situationskomik trainieren zudem die Lachmuskeln. Hervorzuheben ist auch der Auftritt Gerhard Polts, dessen Charakter in die Korruptionsaffäre involviert ist - und um es in Ostrowskis Worten zu sagen – die Korruption demokratisiert. Der Demokratie erweist Polt damit zwar keinen Dienst, jedoch ist seine Szene eine der lustigsten und bleibt noch lange in Erinnerung.

    Alles in allem fehlt es dem Film an nichts, alles ist sogar im Überfluss da. Das grandiose Ensemble wächst einem ans Herz, während es uns Unterhaltung schenkt, die man in der Form und Intensität schon lange nicht mehr im (österreichischen) Kino gesehen hat. Dabei bleiben zahlreiche würdige Zitate hängen, die den eigenen Smalltalk noch lange bereichern werden. Und nebenbei wird auch noch eine spannende Geschichte erzählt. Das ist der Stoff, aus dem Kult gemacht ist.
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    07.05.2022
    09:16 Uhr