Forum zu Belle

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    Welcome to „U“

    Exklusiv für Uncut
    Die Animationsfilme von Mamoru Hosoda, welche vom japanischen Studio Chizu produziert werden, zeichnen sich vor allem durch ihre visuelle Eleganz sowie ihre tiefgründigen Geschichten aus. Neben Werken wie „Mirai“ oder „The Girl Who Leapt Through Time” reiht sich nun ein neuer Film in die Serie vielfältiger Anime ein, die Kinder- wie auch Erwachsenenherzen gleichermaßen beindrucken: „Belle“, ein virtuelles Pop-Märchen, das Hosoda sogar Standing Ovations in Cannes einbrachte.

    Die Schülerin Suzu (Kaho Nakamura) verbringt seit dem Unfalltod ihrer Mutter ein eher zurückgezogenes Leben, hat weder besonders viel Kontakt zu den Mitschüler*innen noch zu dem eigenen Vater. Eines Tages erhält sie jedoch eine Einladung für die Online-Plattform „U“, die alles verändern soll: Auf „U“ besitzt nämlich jede/r User*in ein Alter Ago, welches die eigenen Stärken, die sich im realen Leben womöglich noch nicht richtig entfalten konnten, hervorhebt. So wird die begnadete Sängerin Suzu, die seit dem Tod der Mutter nicht mehr gesungen hat, aufgrund ihrer bemerkenswerten Stimme schnell zum gefeierten Star – allerdings unter dem Pseudonym „Belle“, da Anonymität eine Grundvoraussetzung von „U“ ist. Als eines Tages dann aber eine seltsame Gestalt Belles Konzert stört und daraufhin flieht, macht sich das junge Mädchen aller Warnungen zum Trotz auf die Suche nach der Identität dieses „Biests“.

    Ganz zentral erscheint an „Belle“ die visuelle Aufmachung, die aufgrund des zum Großteil in der virtuellen Welt angesiedelten Spielortes an keine Grenzen gebunden zu sein scheint. Der verträumte Handlungsraum wurde stark vom französischen Volksmärchen „La Belle et la Bête“ inspiriert, welches bereits unzählig verfilmt wurde und bekanntermaßen als Vorlage für Disneys „Die Schöne und das Biest“ diente - und verknüpft beispielsweise dessen berühmtes Schloss mit futuristischen Elementen.

    Wenn man von „Belle“ spricht, muss man natürlich auch die Musik erwähnen, behandelt der Plot nicht zuletzt auch Suzus musikalischen Selbstfindungstrip. Die japanische Musikerin und Songwriterin Kaho Nakamura verlieh Suzu/Belle ihre Stimme, die sich aufgrund ihres melancholischen Untertons perfekt in die verträumte Umgebung eingliedert. Egal ob der energiegeladene Opener „U“, der einen sogleich in die atemberaubende Online-Welt entführt oder das Zwischenstück „Whisper“, welches zwar nur äußerst kurz vorkommt, aber dadurch nicht weniger anrührend ist – der Soundtrack kann sich auf alle Fälle sehen lassen.

    Unabhängig von den gestalterischen Mitteln, wartet „Belle“ aber auch mit einer nachdenklichen Botschaft auf: dass man sich seiner eigenen Stärken bewusst wird und man auch Kraft aus seinen vermeintlichen Schwächen ziehen kann. Hier kann es allerdings passieren, dass diese Aussage aufgrund der vielen verschiedenen Handlungsausschweifungen etwas untergeht. Denn insgesamt wirkt es fast so, als hätte man versucht, viel zu viel unter einen Hut zu bringen, was beispielsweise daran zum Ausdruck kommt, dass alle möglichen Kindheitstraumata angesprochen werden und man sich eben nicht nur auf eines konzentriert. Dieses Vorgehen hat dann zur Folge, dass man manchmal regelrecht erschlagen wird von den Vorkommnissen auf der Leinwand.

    Trotzdem geht Hosodas neuester Anime aber nicht den typischen Weg, den man gerade bei der „Schöne und das Biest“-Thematik vermutet hätte, was dann wieder ganz erfrischend ist. Das Aufzeigen der Gefahren des Internets ist zwar auch nicht gerade etwas Neues, allerdings verlegt sich der Fokus oftmals auch auf positivere Aspekte, wie die Rückbesinnung zu sich selbst. Im Endeffekt wird vordergründig sowieso das Leben einer typischen Teenagerin gezeigt, die mit einem Schicksalsschlag zu hadern hat. Aber auch hier sieht man wieder: sehr viele Thematiken, die aufeinandertreffen.

    Aber obwohl „Belle“ an so mancher Stelle etwas ausartet – zumindest was die narrative Ebene betrifft – liegt in dessen Herzen eine tiefgründige Botschaft versteckt, die nicht nur visuell ansprechend verpackt, sondern auch von einem bombastischen Soundtrack untermalt wurde. Bitte mehr davon!
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    31.05.2022
    21:26 Uhr