Forum zu Spiral

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    Hass und Angst als ewiger Kreislauf

    Bedrückender Sozialhorror, der in seiner Herangehensweise an das Thema 'systematischer Rassismus' (und in diesem Fall auch Homophobie) Jordan Peele's Sensationserfolg "Get Out" ähnelt - wenn auch mit vergleichsweise deutlich geringerer Subtilität. Ingesamt aber durchaus effektiver und handwerklick überzeugender Genrefilm, der mit spannenden sozialsatirischen Spitzen garniert wurde.
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    30.09.2020
    16:31 Uhr
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    Horrorszenario mit wichtiger Botschaft

    Exklusiv für Uncut vom Slash Filmfestival
    „Spiral“ von Kurtis David Harder, nicht zu verwechseln mit dem im nächsten Jahr erscheinenden gleichnamigen Saw-Sequel, verbindet Elemente des klassischen Horrorfilms mit zeitgemäßer Sozialkritik.

    Das homosexuelle Pärchen Malik und Aaron wagt, gemeinsam mit Aarons 16-jähriger Tochter Kayla, im Jahr 1995 in einer ruralen Kleinstadt einen Neuanfang. Beide haben auf Grund ihrer sexuellen Orientierung in ihrem Leben schon viel Diskriminierung und Ablehnung erfahren, insbesondere aber Malik, der deshalb besonders vorsichtig und misstrauisch gegenüber Unbekannten ist. Für ihre Nachbarn Marshal und Tiffany scheint das Paar zunächst herzlich willkommen zu sein. Einige Vorfälle, unter anderem eine riesige Hassbotschaft an der Wand, führen jedoch, dazu dass Malik sich am neuen Heimatort zunehmend unwohler fühlt. Zu spät realisiert er, dass die Ereignisse einem bestimmten Muster folgen, und sich der Kreislauf zu wiederholen droht.

    Jungregisseur Harder hat mit seinen 26 Jahren nicht nur seinen bereits dritten Langspielfilm kreiert, er hat sich auch als Produzent von Filmen wie „Still/Born“ oder dem letztjährigen Slash-Hit „What keeps you Alive“ einen Namen gemacht.

    „Spiral“ ist zu keinem Zeitpunkt leise in der Vermittlung seiner Botschaft, sondern wirft sie dem Zuseher regelrecht ins Gesicht, ein Umstand an dem sich so mancher stören könnte, wird dem Publikum im Endeffekt doch recht wenig zur eigenen Interpretation übrig gelassen. Ungeachtet dessen versucht der Film, auf eine Jordan Peeles „Get Out“ nicht unähnliche Art und Weise, alltägliche, versteckte Homophobie und Ressentiments gegenüber Andersdenkenden aufzuzeigen und den Rezipienten zu vermitteln, dass sich Feindbilder über Zeitperioden hinweg zwar verändern können, aber nie ganz verschwinden.

    Hauptdarsteller Jeffrey Bowyer-Chapman, der den traumatisierten Malik mimt, gelingt es den langsamen psychischen Verfall seines Charakters akkurat darzustellen, auch bedingt durch seine eigenen Erfahrungen als homosexueller, bi-ethnischer Mann, der in einer Kleinstadt aufwachsen musste. Seine Darbietung steigert sich jedoch stellenweise in etwas übertriebene Theatralik.

    Trotz der dem Film zu Grunde liegenden gesellschaftskritischen Konnotationen kann man das Werk gleichzeitig dem Genre des Okkult-Horror zuordnen, wobei man gerade diese Elemente durchaus stärker ausgeprägt hätten sein können. Die unangenehme, bedrohliche Atmosphäre, der man sich von Beginn an ausgeliefert fühlt, wird hingegen bis zum Höhepunkt des Films konsequent durchgezogen und trägt sehr viel zu einer ausgewogenen Spannungskurve bei.

    „Spiral“ ist ein effektiver Horrorfilm dessen Handlung einen bemerkenswert unerwarteten Verlauf nimmt. Auch wenn das Konzept des Films insgesamt viel entschlossener hätte befolgt werden können, gelingt es Harder nicht nur ein Thema von unglaublicher Relevanz gekonnt aufzugreifen, sondern im selben Augenblick einen packenden, dem Horrorgenre gerecht werdenden Film zu schaffen.
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    25.09.2020
    19:29 Uhr