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65.8% Bewertung
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    herrlich schräg

    Ein herrlich schräger und origineller Film! Man muss sich auf das Konzept Pop-Opera einlassen und sollte keinesfalls ein klassisches Musical erwarten, dann lohnt sich der Kinobesuch total. Adam Driver in Hochform, der eine oder andere Ohrwurm und endlich mal wieder ein so richtig ganz anderer Film!
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    23.12.2021
    12:08 Uhr
  • Bewertung

    What the fuck

    Ich weiß der Film scheidet die Geister, aber ich gehöre eindeutig zu der Gruppe die damit nichts, oder zumindest sehr wenig anfangen konnte. Einige Lieder waren schon sehr gut eingebaut, aber insgesamt habe ich den Film über sehr oft auf die Uhr geschaut. Und die hölzerne Puppe empfand ich als völliger Fremdkörper. Leider nicht meins.
    Gesehen auf der Viennale 2021
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    02.11.2021
    23:18 Uhr
  • Bewertung

    Vom Lachen und Leiden

    An sich sind ja schon Musicals Geschmackssache. Manche lieben sie, manche hassen sie. Annette ist das Musical, das selbst Musical-Liebhaber*innen spalten wird.
    Bereits in der Story finden wir den Gegensatz, der den ganzen Film bestimmen wird. Ein Comedian verliebt sich in eine Opernsängerin. Lachen trifft auf Leiden, Unterhaltung trifft auf Ernst. Die Themen, die der Film anspricht, und die Art und Weise, wie der Film diese Themen anspricht, verfremden die dramatische Handlung. Diese Wirkungsweise kennen wir auch bereits aus Bertolt Brechts epischem Theater. Auch andere Brecht'sche Verfremdungseffekte kommen in Film zum Einsatz, etwa treten die Schauspieler zu Beginn und am Ende des Films heraus aus ihren Rollen. Brecht definiert auch Songs als Verfremdungseffekt. Für Musicals kann das zwar kaum gelten. Dass jedoch Adam Driver und Marion Cottilard selbst während dem Sex singen, erbringt dann aber doch den gewünschten Effekt.
    Regisseur Leos Carax hat in Zusammenarbeit mit den zwei Genies hinter der Band Sparks jedenfalls einen der schrägsten Filme des Jahres produziert. Und wohl auch einen der besten (wenn man sich darauf einlässt).
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    02.11.2021
    17:43 Uhr
  • Bewertung

    "We Love Each Other So Much"

    9 Jahre nach dem gefeierten Bizarro-Meisterstück "Holy Motors" legt Surrealist Leos Carax mit dem kaum minder absurden Kino-Musical "Annette" nach. Die Musik und das Drehbuch wurden von der Kultband Sparks beigesteuert, denen Regisseur Edgar Wright unlängst ein filmisches Denkmal setzte. Adam Driver verkörpert darin den provokanten und egozentrischen Stand-Up-Comedian Henry McHenry, der eine Ehe mit der erfolgreichen Opernsängerin Ann Defrasnoux (Marion Cotillard) führt. Das Leben der zwei Künstler*innen nimmt eine dramatische Kehrtwende, als die beiden Eltern werden. Ein gleichermaßen abstraktes, fulminant ausgestattetes gewitztes und tragisches Porträt über einen gequälten Künstler, der alles um ihn herum nur zum Selbstzweck ausnutzt. "Big Bang Theory"-Star Simon Helberg schlägt in der Rolle eines Dirigenten ungewohnt ernste Töne an.
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    02.11.2021
    14:26 Uhr
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    So May We Stop?

    Was für ein tolles Musikvideo, mit dem hier gestartet wird! Der Cast marschiert energisch im Takt zum besten Song auf die Straßen bevor alle in ihre Rollen schlüpfen. Sofort werden alle Personen viel nerviger und man vermisst den Beginn, als noch Hoffnung bestand. Die Story ist zum Kopfschütteln, auf wirkliche Songs wartet man praktisch vergeblich und ziemlich bald ist einfach nichts mehr sympathisch, lustig, spannend, verstörend oder überraschend. Ich wünschte, der Film hätte zehn Minuten statt hundertvierzig gedauert.
    (Gesehen auf der Viennale 2021)
    01.11.2021
    20:44 Uhr
  • Bewertung

    So May We Start?

    Exklusiv für Uncut von der ViENNALE
    Es scheint ein triumphales Jahr für die Art-Pop-Band „Sparks“ zu sein, die mit „The Sparks Brothers“ nicht nur eine Doku unter der Regie von Edgar Wright gewidmet bekam, sondern auch – nach mehreren gescheiterten Projekten, unter anderem mit Jacques Tati und Tim Burton – endlich ihren ersten Film (Soundtrack & Drehbuch) verwirklichen konnten. Und was für einen! „Annette“, unter der Regie von Leos Carax, vereint nicht nur Schauspielgrößen wie Adam Driver und Marion Cotillard miteinander, sondern wartet auch mit äußerst kreativen Ideen und einem bombastischen Soundtrack auf.

    Henry McHenry (Adam Driver) ist ein erfolgreicher Stand-Up-Comedian, Ann Desfranoux (Marion Cotillard) gefeierter Opernstar. Seine Show, „The Ape of God“, lebt von der Provokation, ihre Gesangsauftritte enden allabendlich unter tosendem Applaus im fiktiven Tod. Er ist privat von impulsiver Natur, sie eher zurückhaltend.
    Als sich zwischen dem ungleichen Duo eine Romanze entwickelt, stürzen sich die Medien sogleich auf das Privatleben des neuen Liebespaares. Bald folgt auch schon die Verlobung, später die Hochzeit, dann eine Schwangerschaft. Das Glück von Henry und Ann könnte nicht größer sein und erreicht ihren Höhepunkt, als die gemeinsame Tochter geboren wird: Annette. Doch schon bald ziehen erste graue Wolken über der jungen Familie auf.

    „May we start?“ fragt Regisseur Leos Carax zu Beginn des Films. Er befindet sich in einem Tonstudio, die Band „Sparks“ mitsamt Backgroundsängerinnen stimmen die Eröffnungsnummer („So May We Start?“) an. Später kommen die Darsteller*innen Marion Cotillard, Adam Driver und Simon Helberg hinzu. Gemeinsam stolzieren sie des Nachts durch die Straßen von Los Angeles, singend und noch nicht ganz in ihren Filmrollen angekommen. Die Tochter des Regisseurs ist ebenfalls mit dabei, was schon auf die zentrale Bedeutung der „Tochter“ im Film hinweist („Annette“ ist ihr außerdem auch gewidmet).

    Diese grandiose, selbstreflexive Eröffnung macht jedenfalls schon mal Lust auf das, was noch folgen soll: eine unglückliche Romanze, welche sich zu einem emotionalen Familiendrama entwickelt, verpackt als schrille Pop-Oper. Begleitet wird das Ganze von eingängigen Songs - die ursprünglich eigentlich für ein neues Sparks-Album komponiert wurden - wo vom Schmacht-Ohrwurm „We Love Each Other So Much“ bis hin zur ausdrucksstarken Arie („The Forest“) alles mit dabei ist. Der Großteil davon wurde auch von den Darsteller*innen selbst gesungen, lediglich die Opernstimme von Marion Cotillard wurde von der Sopranistin Catherine Trottmann beigesteuert. Besonders ist auch, dass der Gesang dazwischen zwar von ein paar gesprochenen Dialogen unterbrochen wird, der Großteil der Handlung erfolgt aber singend – und erinnert somit ein wenig an Jacques Demys „Die Regenschirme von Cherbourg“.

    Die Inszenierung erscheint insgesamt ziemlich überzeichnet, was aber gut in das Konzept des extravaganten Musicals passt. Visuell äußerst ansprechend, sind in den Set Designs und Kostüme wahre Highlights zu finden. Besonders ist außerdem der Einsatz einer Puppe, auf die für die Figur der „Annette“ zurückgegriffen wurde: einem singenden Kleinkind steht damit nichts mehr im Wege. Und während Annette dadurch zwar betont künstlich aussieht, geht gleichzeitig auch ein besonderer Charme von der Figur aus.

    So surreal all das auch erscheinen mag, liegt hinter der aufgebauschten Fassade ebenso ein realistischer Kern versteckt. Liebe, Erfolg, Neid: Themen, die sich ganz vorzüglich sowohl für komödiantische als auch dramatische Momente eignen. Diese werden hier wahnsinnig kreativ eingebettet und unterhalten dadurch ungemein. Nicht zuletzt auch dank der hervorragenden Darsteller*innen Adam Driver, Marion Cotillard und Simon Helberg. Wer die Filme von Leos Carax kennt, weiß, dass man auch bei seinem neuesten Werk mit etwas Ungewöhnlichem rechnen kann. In Kombination mit der Musik von „Sparks“ und dem außergewöhnlichen Ensemble wird „Annette“ zu einem glorreichen Filmfest für Augen und Ohren.

    Der einzige Kritikpunkt: Manchmal sind die Übergänge zwischen den einzelnen Szenen nicht ganz so gelungen und die Dialoge wirken oft ziemlich gekünstelt (was vermutlich aber auch beabsichtigtes Mittel ist). Nichtsdestotrotz handelt es sich bei „Annette“ um ein fulminantes Pop-Musical, das man gesehen haben muss!
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    21.10.2021
    18:47 Uhr