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    Tischgespräche über Gott und die Welt

    Christi Puius knapp 200-minütiges (!) Mammutwerk „Malmkrog“ wird sich nicht nur wegen der gewaltigen Lauflänge für zahlreiche Zuschauer*Innen als Geduldsprobe erweisen. Nein, alleinig das minimalistische Konzept, mit dem der rumänische Regisseur die Laufzeit seines Films füllt, wird bereits weite Teile des Publikums abschrecken. Streng genommen schaut man hier nämlich über sechs Kapitel verteilt Gästen einer Aristokratenfamilie lediglich dabei zu, wie diese in Tischgesprächen über Themen wie u.a. Tod, Moral oder Religion philosophieren. Zu den Gästen gehören unter anderem eine junge Gräfin, ein General und ein Politiker, die allesamt unterschiedlichste Ansichten an den Tag legen und versuchen, ihre Standpunkte ausführlich zu argumentieren. Jedem der sechs Anwesenden im Königshaus ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Das in mehreren Sprachen gedrehte Drama (meistens finden die Konversationen jedoch auf Französisch statt) mag zwar ordentlich Sitzfleisch abverlangen, wenn man sich jedoch auf diese schwere Kost einlässt, wird man mit einem intellektuellen Seherlebnis belohnt, das einen wahrhaft bereichern kann. Tatsächlich erschafft Puiu hier nämlich einen Mikrokosmos, der sich durch das pompöse Design des Königshaus, den Schneeaufnahmen, der natürlichen Darstellerriege und dem Verzicht auf künstliche Spannungsmittel durch und durch authentisch anfühlt und einen so in seine Welt saugt. Ein Film, der die Gemüter spalten und durch die Fragen, die er aufwirft, auch für hitzige Diskussionen sorgen wird, als filmische Momentaufnahme mit philosophischem Anspruch aber auch einiges an Mehrwert bietet.
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    10.03.2020
    08:01 Uhr