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    Knusper, knusper, knäuschen…

    Exklusiv für Uncut
    Die klassischen Grimm‘schen Märchen bilden schon lange ein beliebtes Motiv für Film- und Fernsehadaptionen. In den letzten Jahren sind es jedoch vor allem Horrorfilme, die die oft ohnehin schaurige und brutale Atmosphäre der ursprünglich nur bedingt für Kinderohren geeigneten Geschichten, auf ihre eigene Art und Weise für sich adaptieren. Besonders beliebt ist hierbei eines der bekanntesten Märchen, Hänsel und Gretel, welches in den letzten Jahren bereits mit dem Film „Hänsel und Gretel: Hexenjäger“ schon einmal als Horrorversion seinen Weg zu uns auf die Leinwände fand. Nun versucht sich der horrorerprobte Regisseur Oz Perkins (The Blackcoat’s Daughter) mit „Gretel & Hänsel“ an einer Neuversion der Erzählung, die vorrangig versucht der berüchtigten Hexe eine eigene Hintergrundgeschichte zu kreieren.

    Der Film beginnt mit der Legende eines wunderschönen Kindes, dem auf Grund einer unbekannten Krankheit nur ein sehr kurzes Leben vorhergesagt wird. Verzweifelt wendet sich der Vater an eine Magierin, die das Kind zwar heilt, ihm jedoch auch gewisse Kräfte verleiht. Als das Mädchen diese Gabe einsetzt um andere zu töten, wird sie im Wald ausgesetzt. Danach wechselt die Perspektive zum Geschwisterpaar Gretel (Sophia Lillis) und Hänsel (Sammy Leakey), die nach dem Tod ihres Vaters in großem Elend leben. Gretel soll als Dienstmagd an einen wohlhabenden Mann verkauft werden, wehrt sich jedoch dagegen, als dieser mehr von dem jungen Mädchen haben möchte. Die erzürnte und psychisch labile Mutter droht der Tochter. Gretel beschließt daraufhin gemeinsam mit Hänsel zu fliehen. Der düstere Wald birgt jedoch Gefahren und vor allem der Hunger macht den beiden schon bald sehr zu schaffen. Nachdem ihnen ein ansässiger Jäger aus der Patsche hilft schöpft Gretel nach langer Zeit wieder Hoffnung für ihre Zukunft. Der Weg durch den Wald ist allerdings kein angenehmer und immer wieder scheinen sich seltsame Schatten und Gestalten in ihrer Nähe zu versammeln. Als sie eines Tages auf ein Haus stoßen, dessen Tisch mit einer Vielzahl an Leckereien eingedeckt ist, bedient sich Hänsel ungefragt. Kurz darauf wird Gretel von Holda (Alice Krige) begrüßt, die sich als Besitzerin des Hauses herausstellt, und die Kinder ins Haus hereinbittet. Die kräuterkundige alte Frau scheint zwar hilfsbereit, doch schon bald schöpft Gretel den Verdacht, dass diese gar Böses im Schilde führen könnte.

    Die Aufgabe aus dem schon sehr häuftig bearbeiteten Märchenstoffe etwas Originelles zu schöpfen ist gewiss keine einfache, dennoch kann Oz Perkins dem Publikum zumindest im technischen Bereich viel bieten. Gekonnt setzt er die düstere Waldlandschaft in Szene, der Film ist nicht nur wunderschön fotografiert, sondern vermittelt auch durch das gelungene Szenenbild eine perfekt adäquate schaurige Atmosphäre, die sich durch das gesamte Werk zieht. Auch die in gewissen Maßen befremdliche Beleuchtung trägt Anteil an der Grundstimmung des Films und erinnert durch ähnliches Setting und Thematik an manchen Stellen an Robert Eggers „The Witch“, dessen folkloristischer Horror stellenweise gewiss als Vorbild gedient hat.

    Auch der Versuch Gretel in den Vordergrund zu stellen (ersichtlich auch am Titel selbst, wo die ursprüngliche Reihenfolge des Geschwisterpaars umgekehrt wurde) und sie in einer Art Coming-of-Age-Manier schlussendlich zu sich selbst finden zu lassen entspringt nicht dem klassischen Märchenstoff und darf sich daher durchaus einer Reihe von jüngeren Horrorfilmen anschließen, die aus einem mehr oder weniger feministischen Standpunkt interpretiert werden können.

    Was den Film jedoch in gewissen Maßen zu Fall bringt, ist das komplette Fehlen einer kohäsiven narrativen Struktur. Weder das Voice-Over, noch die irrelevante Backstory der Hexe tragen zur Qualität des Films bei und ziehen diesen gar unnötig in die Länge, sodass der Film trotz seiner mageren 87 Minuten Laufzeit streckenweise zur Langatmigkeit neigt.

    Wer sich unter „Gretel & Hänsel“ einen markerschütternden Horrorfilm, der einem das Fürchten lehrt, vorstellt, der irrt gewaltig: Anstatt billiger Jump-Scares setzt der Horror-Indie eher auf subtilen psychologischen Grusel, vor allem Fans von Filmen aus dem Hause A24 dürften hierbei auf ihre Kosten kommen.
    juliap_6446b04045.jpg
    10.08.2020
    15:56 Uhr
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    Es war so finster und auch so bitter kalt...

    Ästhetisch ansprechende Adaption des klassischen Märchens der Gebrüder Grimm, in der die altbekannte Geschichte als Horrorfilm neu-interpretiert wird. Regisseur Oz Perkins war mit seiner Verfilmung des Stoffes sichtlich daran bemüht, an die aktuell populäre Welle an neuartigem Independent-Horror mit künstlerischem Anspruch anzuschließen. Zumindest auf inszenatorischer Ebene ist ihm das absolut gelungen. Atemberaubende in tristen Farbtönen gehaltene Kameraaufnahmen sorgen gepaart mit einem beklemmenden Synthie-Score für eine angemessen düstere Atmosphäre fern von jeglichen Jump-Scares. Auf narrativer Ebene geht dem Horrordrama hingegen leider relativ rasch die Luft aus und ein ungeschickt eingefädeltes Voice-Over sorgt auch zusätzlich für einen bitteren Beigeschmack.

    Fazit: Folkoristischer Horror, der durchaus mehr Substanz vertragen hätte, aber durch seine stylische Aufmachung trotzdem ein lohnenswertes Kinoerlebnis bleibt.
    chrostv_39178447dd.jpg
    09.08.2020
    15:01 Uhr