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  • (No) Guide to "1917"

    Es ist wieder mal an der Zeit, eine "Guide to" zu verfassen.
    An dieser Stelle aber gleich eine Warnung: wenn du ernsthaft vor hast, dir den Film anzusehen, dann solltest du jetzt nicht weiterlesen. Der Guide empfiehlt: bei echtem Interesse ohne weitere Informationen ins Kino gehen.







    Ich meine es erst. Ich werde zwar keinen Inhalt spoilern, aber bei Interesse am Film solltest du trotzdem nicht weiterlesen.







    Okay, du bist also noch da, d.h. du willst dich auf den Film nicht ernsthaft einlassen. Mir soll es recht sein. Ich habe dich gewarnt!
    Es tut mir leid, dass ich das sagen muss, aber den Inhalt kann ich an dieser Stelle gar nicht spoilern, da der Film keinen Inhalt hat, der über den Trailer hinausgeht. Eine wirkliche Charakterzeichnung der Hauptcharaktere konnte ich jetzt auch nicht feststellen. Auch keine spannenden Konflikte oder plötzliche Wendungen. Nix. Vielleicht hätte eine Besetzung durch einen bekannteren Schauspieler da noch was rausholen können. Ich weiß, es ist sehr oberflächlich gedacht, aber ich habe selber gemerkt, was für ein Lichtblick der (kurze) Auftritt von Benedict Cumberbatch war.

    So, jetzt kommen wir zur eigentlichen Krux des Filmes: die Kamera! Oscarprämiert, von der Idee her großartig und auch sehr beeindruckend umgesetzt. Wer es noch nicht mitbekommen hat, der Film wirkt so, als ob es keinen Schnitt gäbe. Eine einzige lange Kamerafahrt. Das ist zwar schon technisch beeindruckend, aber bringt es dem Film irgendwas? Nein! Das ist einfach nur eine nette Spielerei.
    Mit dem Wissen um diese technische Raffinesse wird man sich immer wieder dabei ertappen, dass man versucht, den einen oder anderen Schnitt zu erkennen (Geben tut es ja genug davon, man sieht sie halt nur nicht - bis auf einen offensichtlichen ?).
    Und was ist dann das Problem an der Sache? Wenn man einen Film hat, bei dem die Handlung eh schon so dünn ist und bei dem man sich dann auch noch durch so eine Spielerei ablenken lässt, dann bleibt einfach nicht mehr viel übrig. Ein stärkeres Fundament bei Story und Charaktere wäre hier sehr hilfreich bzw. notwendig gewesen.
    Oder vielleicht habe ich den Film und die Bilder einfach nur nicht verstanden. ?‍♂

    Solltest du dennoch vorhaben, dir den Film anzusehen, dann tut es mir leid, denn ich habe ihn dir gerade versaut. Auch du wirst jetzt nämlich nichts anderes tun, als versuchen Schnitte zu entdecken und der Film bleibt dadurch auf der Strecke. Aber hey, ich habe dich gewarnt. Zwei Mal!
    Dafür biete ich dir als Entschädigung einen Tipp. Suche auf Youtube nach diversen "Making of" Videos. Die sind kürzer und spannender!
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    23.02.2020
    10:55 Uhr
    • ... oder Guide to "Birdman"

      Wenn man schon so eine "gewagte Theorie" erstellt, dann wäre es doch auch notwendig, die berühmte Gegenprobe zu machen.

      Erledigt!

      "Birdman" (2014)

      Was beide Filme verbindet: Auch hier gibt es keine sichtbaren Schnitte.
      Was beide Filme unterscheidet: Es wird vom Zuschauer ein bisschen mehr erwartet, als sich nur berieseln zu lassen.
      Erstens gibt es keine lineare Zeitachse. Das heißt, auch wenn keine Schnitte sichtbar sind, finden Zeitsprünge von einer Szene zur anderen statt.
      Und zweitens - das Wichtigste - zeigen die Charaktere Tiefe. Hier geht es um die Konflikte der Personen mit anderen und auch mit sich selber.

      Da bleibt nur wenig Zeit sich über Kamera und Schnitte Gedanken zu machen bzw. es gibt Interessanteres. Außerdem besticht er mit einem gewissen Witz, wenn selbst Teile des Soundtracks mit ins Bild eingefangen werden. Und wenn am Schluss Fragen offen bleiben, dann kann man sich wunderbar darüber austauschen. Hier wurde alles richtig gemacht!
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      26.07.2020
      11:21 Uhr
  • Bewertung

    Kalte Perfektion ohne Story

    Der Film unterhält zweifellos kurzweilig. Ärgerlich ist nur, dass er immer wieder betont, dass er eine Geschichte zu erzählen habe. Hat er aber nicht. Technisch / kameratechnisch ist der Film eine Wucht, sagt aber mit all den Aufwand überraschend wenig aus. Und, positiv gesagt : Mendes' Filme sind von kalter Perfektion. Aber Gefühle kann er nicht.
    apanatschka_bd42685caa.jpg
    28.01.2020
    17:24 Uhr
  • Bewertung

    Run Private Ryan run

    1917 ist sehr beeindruckend und hat Szenen, die unter die Haut gehen. Vor allem dann, wenn es um Ängste, Verzweiflung und Träume geht. Und obwohl es wenig Deutsche im Film zu sehen gibt, ist das Bild der Guten bzw. Bösen eindeutig: die Briten sind Heilige und die Deutschen Bestien. Damit meine ich nicht nur die berühmte Rettungsszene mit dem deutschen Piloten.
    Dieses Bild ist problematisch.
    Technisch gibts nichts auszusetzen: Kamera, Regie sowie Ausstattung bleiben nachhaltig in Erinnerung. Aber auch die genannte Kritik.
    leandercaine_0fc45209c9.jpg
    27.01.2020
    06:41 Uhr
  • Bewertung

    Was soll man sagen?

    Stellenweise wirklich sehr bildgewaltig. Die Handlung ist sehr simpel und so geht es hauptsächlich darum, dass man sich hautnah in diesen furchtbaren Krieg hineinversetzt fühlt.

    Achtung Spoiler!!
    Ab einem gewissen Punkt wirkt der Film einfach nur noch wirr zusammengeschnitten. Ich habe nicht verstanden, wieso der deutsche Pilot seinen Helfer angreift und danach geht es steil bergab. Viele Szenen wirken dann einfach undurchdacht oder wie in einem Fiebertraum. Alleine wo der Hauptdarsteller sich der Gruppe Soldaten nähert, wo gesungen wird. Keiner bemerkt ihn, aber er hätte ebensogut ein Deutscher sein können. Außerdem sitzen sie da ganz entspannt im Freien, während hundert Meter weiter ihr Kammeraden nichtmal im Schützengraben in Sicherheit sind.
    26.01.2020
    21:45 Uhr
  • Bewertung

    Audiovisuelles Meisterwerk

    Wow. Selten so mitgerissen worden von der reinen Bild- und Tonmagie eines Films. Zugegeben, die Handlung ist keine wirkliche Offenbarung, aber auch nicht "störend", vielleicht ein bisschen zu viel Hollywood-Mainstream, aber m.E. trotzdem gut gemacht, wenn man es halt als Märchen sehen kann und kein Realismus-Fanatiker ist.
    So reicht es bei mir nur zu 5 Prozentpunkten Abzug für einen ansonsten wirklich großartigen Film. Jede Kameraeinstellung wunderschön und reine Filmmagie, dazu ein perfekt passender Score von Thomas Newman.
    Roger Deakins wird auf ewig als der Kameragott Hollywoods in die Geschichte eingehen!
    Gegen diesen Film kann Nolan mit seinem Dunkirk (-gähn-) brausen gehen;-)
    24.01.2020
    11:04 Uhr
  • Bewertung

    Zwei Freunde, ein Auftrag

    Sam Mendes ist wieder einmal ein grandioser Film gelungen. Mit Gespür für die schier übermenschlichen Anstrengungen der aktiven Soldaten gelingt ihm ein ganz persönlicher Anti-Kriegsfilm. (Sein Großvater hatte ihm davon erzählt.) Mit Tempowechsel zwischen der Grausamkeit des Kriegsgeschehens und berührender Menschlichkeit wie z.B. eine junge Frau (Claire Duburcq) mit fremdem Baby in den umkämpften Ruinen ist ihm ein Anti-Kriegsfilm der besonderen Art gelungen. Gekonnt wurden Individualschicksale in Massenszenen eingebunden. Corporal William Schofield (George MacKay) wächst über sich hinaus und stellt sein Leben in den Dienst seines Auftrages, der hunderten von Landsleuten das Leben rettet. Es soll ein Angriff gestoppt werden, mit dem die Deutschen die Alliierten in eine Falle locken wollen. Deshalb überbringt er einen Befehlt von General Erinmore (Kurzauftritt von Colin Firth) zu Colonel Mackenzie (David Cumberbatch). Schofield verliert auf tragische Weise seinen Freund Tom Blake (Dean-Charles Chapman), durch einen Piloten, den sie zuvor aus dem brennenden Flieger gerettet hatten. Corporal Schofield gelingt es zwar den Befehl ordnungsgemäß zu überbringen. Aber zu welchem Preis. George MacKay gelingt es auch die seelischen Narben, die er erlitten hat sichtbar zu machen. Er spielt hier einen Kämpfer, der unter der Oberfläche ein Mensch bleibt und das auch zeigen kann.
    Hier ist der Krieg im wahrsten Sinne des Wortes dreckig: Leichenberge, Waffenschrott, Ratten und die ständige Bedrohung durch Bomben, Minen oder Heckenschützen lassen nichts Heroisches am Krieg erkennen. Durch nur wenige Schnitte ist der Zuschauer so nah am Geschehen, dass ihm fast der Schlamm buchstäblich um die Ohren fliegt.
    Im Vorfeld gab’s schon mal 10 Nominierungen, einige werden davon bestimmt mit dem Goldjungen belohnt.
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    20.01.2020
    09:40 Uhr
  • Bewertung

    Virtuos inszeniertes Kriegsdrama

    Exklusiv für Uncut
    Plötzlich befinden wir uns in den Schützengräben des ersten Weltkriegs auf britischer Seite. Der Krieg befindet sich am Höhepunkt. Die Kamerafahrten sind lang, die Atmosphäre dreckig und gesäumt von Leichenteilen. Es wird Kette geraucht. Schreiende, entgliedmaßte Soldaten werden herumgetragen und amateurhaft ärztlich versorgt. Die Männer haben Angst. Wir begleiten zwei Soldaten, die den unmöglichen Auftrag haben eine Nachricht zu überbringen, unter enormem Zeitdruck durch feindliches Gebiet zu marschieren, um tausende ihrer Kameraden zu retten. Eine fast schon an Herr der Ringe erinnernde Ausgangssituation entwickelt sich zu einem Wettlauf gegen die Zeit – mit explodierenden Granaten und betrunken um sich schießenden deutschen wäre der Schicksalsberg auch schwerer zu bezwingen gewesen.

    Es gibt viele großartige Filme über den zweiten Weltkrieg. Auch der Vietnamkrieg ist mit herausragenden Meisterwerken wie „Apocalpyse Now“ oder „Full Metal Jacket“ nicht nur in der Geschichte, sondern auch in der Filmgeschichte bis in die Ewigkeit konserviert. Die Liste an Filmen, die den ersten Weltkrieg behandeln ist kürzer und die darauf vertretenen Werke sind leider qualitativ, bis auf ein paar Ausnahmen, eher durchwachsen. Sam Mendes ist mit „1917“ angetreten, um das zu ändern.

    Als Regisseur von den James-Bond-Filmen „Skyfall“ und „Spectre“ oder dem 90er-Jahre-Kultfilm „American Beauty“ ist Sam Mendes kein unbeschriebenes Blatt. Für „1917“ hat er sich Roger Deakins geschnappt, einen der renommiertesten Kameramänner unserer Zeit, der erst vor kurzem mit „Blade Runner 2049“ für das cinematographisch interessanteste Kinoerlebnis des sich zu Ende neigenden Kinojahrzehnts verantwortlich war. Das ist nicht die erste Zusammenarbeit der beiden, neben „Skyfall“ haben sie auch zusammen den 2005 erschienen Kriegsfilm „Jarhead“ gedreht.

    Für „1917“ hat man sich dafür entschieden, den Film (scheinbar) ohne Schnitte zu inszenieren. Durch die versteckten Schnitte wirkt der Film so, als ob er nur aus einer durchgehenden Kameraeinstellung besteht. Diese Technik, die zum ersten Mal von Alfred Hitchcock in „Cocktail für eine Leiche“ (1948) angewendet wurde und sich in den letzten Jahren in Filmen wie „Birdman“ (2014) oder dem wirklich ohne Schnitte gedrehten „Victoria“ (2015) großer Beliebtheit erfreut, kann auch unpassend sein. Für 1917 ist sie aber perfekt geeignet und wir fühlen uns den Protagonisten dadurch extrem nahe. Wir erleben die Schützengräben mit ihnen, wir laufen über das Schlachtfeld und treten fast als Zuschauer beinahe selbst in die zerfetzen Extremitäten gefallener Kollegen. Durch diese um einiges aufwendigere Kameratechnik bekommt der Film dieses gewisse etwas, das zum Beispiel Filmen wie Christopher Nolans „Dunkirk“ gefehlt hat.

    Die eigentliche Handlung ist nämlich, obwohl sie eine ganz schöne Geschichte ist, nichts Besonderes. Junge Soldaten deren Kriegsbesessenheit in Angst umgeschlagen hat, Familienmitglieder, bei denen man sich nicht sicher ist, ob man sie wiedersieht, trinkende Vorgesetzte und die Befehlskette – das haben wir alles schon hundertmal gesehen, aber selten war es so virtuos in Szene gesetzt.

    „1917“ ist vielleicht der erste Film, der uns die Schrecken des oft vom Zweiten Weltkieg überschatteten Ersten Weltkriegs auf so realistische und grausame Art darstellt. Zu verdanken hat man das wohl dem dröhnenden Soundtrack von Thomas Newman, aber vor allem Roger Deakins, der den Film durch seine herausragende Kameraarbeit von einem guten Film zu einem wirklich sehenswerten Gesamterlebnis hebt.
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    jza
    15.01.2020
    21:45 Uhr