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20 Bewertungen
78.5% Bewertung
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    Danke Waititi

    Der Film ist ein merkwürdiger - nicht schlecht "merkwürdig" mehr im Sinne des Wortes "merk würdig" - Blick auf Nazideutschland. Das Timing ist auch nicht schlecht, mit den vielen Idioten hier, die scheinbar die Geschichte verdrängt haben oder die es eh nie schlimm fanden. Anyway.

    Die Charaktere und die Schauspieler, die sie belebt haben, waren sehr gut. Der kleine Freund Jojos war durch seine verblüffend ehrlich, direkte aber kindliche Art ein Juwel des Films. Rosi war eine tolle Mutter, die in dieser schrecklichen Zeit einer der wenigen guten Menschen war. Captain K war anfangs irgendwie schwierig zu greifen, aber letzten Endes der Repräsentant derjenigen Deutschen, die nicht durchweg schlecht waren - ich habe sogar das Gefühl, er war eher des Krieges wegen dabei als aus ideologischen Gründen und naja seine Sexualität war vielleicht noch ein weiterer Faktor. Jojos Entwicklung war überzeugend. Anfangs fanatischer Heil Hitler-winkender Junge, entwickelt er sich doch schnell zurück zu dem Jungen, von dem seine Mutter Elsa erzählt hat. Elsa überzeugte mit ihrem Intellekt und der Fähigkeit, schnell in eine Rolle zu schlüpfen.

    Der Plot war interessant, wenn auch nicht zuletzt doch irgendwie tragisch. Das Pacing war irgendwie perfekt. Die zwei Stunden sind einfach verflogen, ohne dass der Film gehetzt wirkte. Die Art wie Waititi von dieser Zeit erzählt ist leicht überdramatisiert, aber spiegelt damit den Blick eines 10 Jährigen doch recht gut wieder. Der ständige Sprung vom Lustigen zum Tragischen oder Entsetzlichem war irgendwann so schnell, dass man selbst bei den lustigen Stellen immer etwas entsetzt war, dass man die Hyperbolen lustig fand. Genau richtig, um diese Zeit zu beschreiben.
    19.02.2020
    20:18 Uhr
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    Das Leben ist schön

    Gewagte Satire mit kritischem Blick auf den Wahnsinn in der Vergangenheit! Leider stirbt Wahnsinn nie aus, deshalb ist der Film immer aktuell. Vor allem Ewiggestrige sollten einen Kinobesuch in Erwägung ziehen. Menschlichkeit sollte immer im Vordergrund stehen. Wenn das ein 10-jähriger versteht, dann sollten es auch Ältere verstehen.
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    28.01.2020
    20:45 Uhr
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    "Jojo Rabbit": a satirical, intelligent and courageous comedy.

    In Jojo Rabbit, never overstepping the mark to become offensive or reduce the gravity of the Holocaust, Taika Waititi balances the fury of satire with a fatalistic solemnity. With a humor sometimes tender and mundane, sometimes aggressive and absurd, he diminishes the Nazi ideology to its imbecility.

    Taika Waititi stretches the boundaries deluding us with humour, bringing us comfort, alluding with hope, and then interweaving the deception with tragedy and removing the floor off our feet. Mel Brooks once said, "If you can reduce Hitler to something laughable, you win." Waititi does not forget the cost of this victory. In his films, laughter is never free.
    24.01.2020
    09:49 Uhr
  • Bewertung

    My Best Friend Hitler

    Exklusiv für Uncut von der ViENNALE
    Der Neuseeländer Taika Waititi hat binnen kürzester Zeit einen Karriereaufschwung als Schauspieler und Filmemacher hingelegt, von dem andere nur träumen können. Einst fand dessen Karriere noch in der Indie-Szene seiner Heimat ihren Ursprung. Mit der Veröffentlichung der 2014 erschienenen Vampir-Mockumentary „5 Zimmer, Küche, Sarg“ (OT: „What We Do in the Shadows“) änderte sich aber so einiges im Leben des gebürtigen Kiwis. Die Horror-Komödie, die Waititi zusammen mit dem Comedian Jermaine Clement schrieb und inszenierte (beide übernahmen auch die Hauptrollen), entpuppte sich trotz limitierter finanzieller Mittel zum Überraschungserfolg und ließ dem Multitalent internationale Bekanntheit erlangen. Durch die Popularität des Films wurde dann Marvel auf den Neuseeländer und dessen eigene Marke Humor aufmerksam. Marvel heuerten Waititi als Regisseur für „Thor: Ragnarok“, den dritten Teil von Marvels Reihe rundum den nordischen Gott des Donners, an. Und siehe da: der Ausflug in die Welt der Superhelden-Blockbuster-Welt hat sich rentiert, denn „Ragnarok“ gilt als einer der verspieltesten Einträge ins Marvel Cinematic Universe und katapultierte Waititi von einem auf den anderen Tag in die obere Liga Hollywoods. Bevor der Regisseur, der in der Regel auch kleinere bis größere Rollen in seinen eigenen Filmen übernimmt, auch beim kommenden vierten Teil der „Thor“-Reihe mit dem schicken Beititel „Love and Thunder“ im Regiesessel Platz nehmen darf, widmet er sich einem deutlich geerdeteren Passionsprojekt namens „Jojo Rabbit“. Hierbei handelt es sich aufgrund des Versuchs, eine Mischung aus schrulliger Satire und emotional wuchtigem Drama im Nazi-Deutschland des Zweiten Weltkriegs stattfinden zu lassen, definitiv um Waititis bis Dato waghalsigstes Projekt. Dies zeichnet sich auch an den sehr geteilten Meinungen ab, die seit der Weltpremiere beim diesjährigen Toronto Film Festival – wo der Film aber dennoch den Publikumspreis mit nach Hause nehmen konnte – im Internet kursieren.
    Worum geht es hier denn überhaupt genau?

    Basierend auf Christine Leunens Roman „Caging Skies“ steht im Mittelpunkt dieser satirischen Tragikomödie der 10-jährige Junge Johannes Betzler (Roman Griffin Davis), der von seiner Umwelt jedoch nur „Jojo“ genannt wird und gemeinsam mit seiner sorgsamen Mutter Rosie (Scarlett Johansson) während des Zweiten Weltkriegs aufwächst. Im Gegensatz zu seiner Mutter ist Jojo jedoch ein absolut überzeugter Nationalsozialist und hofft sogar, eines Tages Teil der Partei sein zu dürfen. Bevor dieser „Traum“ in Erfüllung gehen kann, bekommt der Junge vorerst in seiner Fantasie von seinem imaginären besten Freund Adolf Hitler (verkörpert von Taika Waititi höchstpersönlich) stets den nötigen Rat erteilt. Die fragwürdige Weltanschauung des Kindes wird jedoch auf die Probe gestellt, als Jojo eines Tages entdeckt, dass seine Mutter die jüdische Teenagerin Elsa Korr (Thomas McKenzie) im eigenen Hause untergebracht hat, um ihr Schutz vor den Gräueltaten des Nazi-Regimes zu gewähren. Jojo, der auch selbst der Hitlerjugend angehört und sich nach Zugehörigkeit und Akzeptanz innerhalb einer Gruppe sehnt, ist davon zuerst natürlich alles andere als begeistert, muss aber bald schon realisieren, dass seine Sicht der Dinge nichts als Hass und Horror in sich birgt.

    Auf Papier klingt das natürlich schon mal wie ein gewagtes Konzept, das in den falschen Händen leicht nach hinten hätte losgehen können – man erinnere sich beispielsweise an die bis heute aus Scham unveröffentlichte KZ-Tragikomödie „The Day the Clown Cried“ von Jerry Lewis.

    Nun gibt es auch bei „Jojo Rabbit“ – wie die bisherige Diskussionen rundum den Film schon bestens zeigen – durchaus Aspekte, denen man sich kritisch annähern könnte. Nach meiner Meinung stellt Waititi hier aber – trotz aller inkludierten Blödeleien – überraschendes Fingerspitzengefühl unter Beweis und legt den komplizierten Drahtseilakt zwischen überdrehter Satire und ernstzunehmendem Antikriegsdrama bravourös hin.

    Zu Beginn gibt sich Waititis Werk noch als reine Komödie mit einem fast schon Wes-Anderson-esquen Hang zur Schrulligkeit. Eingeleitet wird der Film von einer Schwarz-Weiß-Montage, in der fanatische Nazis die Hände zum Hitlergruß erheben, während im Hintergrund die deutsche Fassung vom Beatles-Hit „I Wanna Hold Your Hand“ erklingt (passenderweise „Komm gib mir deine Hand“ betitelt). Diese Sequenz umschreibt bereits ohne große Worte die verblendete Weltansicht unseres jungen Protagonisten. Was folgt sind überzogen schrille aber herrlich unterhaltsame Szenen im Hitlerjugend-Camp, das vom dämlichen Captain Klenzendorf (Sam Rockwell) geleitet wird. Allgemein stellt der Film all seine erwachsenen Nazi-Figuren als Schwachköpfe, die nur so vor Erbärmlichkeit triefen, dar – angefangen bei Rockwells Klenzendorf über dessen Stellvertreter Finkel („Games of Thrones“-Star Alfie Allen) hin zur Camp-Instrukteurin Fräulein Rahm (Rebel Wilson). Nun ließe sich natürlich darüber diskutieren, ob es nicht die Schreckenstaten des Regimes verharmlosen würde, Nazis simpel als Schwachköpfe abzutun. Da Waititi aber zunächst dem direkten Grauen fernbleibt und dabei seinen eigenen wunderlichen Mikrokosmos kreiert, reiht sich der Humor darin wunderbar ein und sorgt sogar für herrliche Situationskomik, die sich gerade noch innerhalb der Grenzen des guten Geschmacks fortbewegt.

    Trotz der anfänglichen Leichtfüßigkeit und eher beschwingten Atmosphäre gelingt Waititi ab der zweiten Hälfte tadellos der Umschwung zum Drama, ohne dabei radikale tonale Verwirrungen zu stiften. Zwar lassen sich die dramatischeren Aspekte nicht unbedingt als komplex bezeichnen, Waititi findet aber meistens den passend ernsten Ton, um das harte Thema und die Botschaft, die er vermitteln möchte, nicht zu stark zu simplifizieren. Dies lässt sich vor allem auch auf ausgeklügelte inszenatorische Einfälle zurückführen, mit denen der Regisseur dem Zuschauer gewisse Plot-Points ohne Worte und rein durch Bildsprache näherbringt. Besonders eindrucksvoll bleibt eine Sequenz, in der der junge Protagonist mitten in das Schlachtfeld gerät, und realisiert wie viel Leid und Schrecken das Regime, dem er lange Zeit blind folgte, und Krieg im Allgemeinen anrichten.

    Neben den Schreibsensibilitäten des Regisseurs dürfte wohl auch die durchwegs exzellente Besetzung beim reibungslosen Tonwechsel des Films weiterhelfen. Allen voran seien hier der junge Hauptdarsteller Roman Davis Griffis, der es schafft alle Facetten seiner Figur glaubhaft wiederzugeben und merkt, wann Sympathie für seine Figur angebracht ist (und wann nicht), sowie dessen Gegenpart Thomas McKenzie als selbstbewusstes Teenager-Mädchen jüdischer Abstammung hervorzuheben. Die überzeugende Chemie zwischen McKenzie und Griffis sorgt streckenweise für ein Gefühl von Warmherzigkeit, das durch den eigensinnigen Stil des Films gekonnt kitschigen Pathos vermeidet. Auch Scarlett Johansson kann in ihrer Rolle der fürsorglichen Mutterfigur Rosie absolut aufgehen und schafft es trotz eines äußerst überzeichneten deutschen Akzents ihren Charakter in einem nötigen Maß an Ernsthaftigkeit zu grundieren.

    Die wichtigste Frage aber nun: Wie funktioniert Waititis Hitler-Karikatur?

    Was leicht schiefgehen hätte können, erfüllt hier zum Glück seinen Zweck, ohne dass der hier gezeigte Hitler zu sehr vermenschlicht oder gar sympathisiert wird. Der imaginäre Hitler taucht sporadisch genug auf, um das Gimmick, das durchaus für einige Lacher sorgen kann, nicht überzustrapazieren.

    Taika Waititis „Jojo Rabbit“ wird allein schon wegen der schweren Grundthematik polarisieren. Wer jedoch in die überdrehte Welt, die hier aus realen Geschehnissen heraus kreiert wird, eintauchen kann, darf sich auf eine wundervoll schrullige Kriegssatire freuen, die später ebenso effektiv ins Drama kippt, das seine Thematik trotz der Mainstream-Tauglichkeit völlig ernst nimmt.

    Ein Werk, das in seiner Darstellung von Personen, die blind einer fragwürdigen Ideologie folgen, immer noch am Zahn der Zeit nagt.

    Ein Plädoyer für die Menschlichkeit.

    Ein Tänzchen für die Freiheit.

    Go, Taika, go!
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    05.11.2019
    10:51 Uhr