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85% Bewertung
  • Bewertung

    Militärdrama von aktueller Brisanz

    Auch wenn die Geschichte schon vor einiger Zeit in Frankreich passierte ist das Schema ihres Verlaufs immer noch aktuell. Man braucht einen Schuldigen und findet ihn in der am wenigsten akzeptierten Bevölkerungsgruppe. Damals ein Jude, heute Migranten, Flüchtlinge, Menschen, die anders leben als es allgemein als üblich betrachtet wird. Und nur durch beharrlichen Widerstand und großen Einsatz kann die Gerechtigkeit siegen.
    Polanski inszeniert seinen Film mit tollen Schauspielern und authentischer Ausstattung. Zutreffend ist gewiss der Fingerzeig auf die Manipulierbarkeit der öffentlichen Meinung und die Konstruierbarkeit der Reputation Mächtiger. Er selbst mit seiner Lebensgeschichte ist der Gerechtigkeit immer in einer Art Opferrolle ausgewichen. Er könnte von seinem eigenen Film fast etwas lernen.
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    07.03.2020
    18:23 Uhr
  • Bewertung

    Ich bin unschuldig

    J’ACCUSE ist ein großartiger Film, der zeigt, was passiert, wenn sich mächtige Polit- und Armeeeliten dazu entscheiden einen Sündenbock auszuwählen. Kann man sich als unschuldiger Mensch wehren?
    Die wahre Geschichte des zu Unrecht verurteilten Offiziers Alfred Dreyfus zu Ende des 19. Jahrhunderts könnte aber auch ganz leicht im Jahr 2020 passieren. Das ist die wichtigste Message von “Ich klage an...”.
    Roman Polanski ist bestimmt ein Ausnahme-Regisseur. Aber die Vergangenheit holt ihn immer ein. Die Vergewaltigungsvorwürfe werden ihn bis zum Ende seines Lebens verfolgen.
    Zu Recht? Ja. Ein Verbrechen bleibt ein Verbrechen.
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    05.03.2020
    06:47 Uhr
  • Bewertung

    Anklage

    Mit dem deutschen Titel hat Regisseur Polanski gleich den Nagel auf den Kopf getroffen. Das was da in Frankreich Ende des 19. Jahrhunderts abgelaufen ist, war so. Man hat den unbescholtenen jüdischen Offizier Dreyfus (Louis Garrel) als Spion für den Erzfeind Deutschland ausgeguckt. Selbst als der neue Spionagechef Picquart (Jean Dujardin) belegen kann, dass Dreyfus unschuldig ist, wird die Verbannung des Delinquenten auf die Teufelsinsel aufrechterhalten.
    Der Plot braucht ein wenig, bis er in die Gänge kommt, wird aber in Richtung Finale nochmals spannend. (Es gibt sogar einen Toten!)
    Damals hat sich viel Prominenz für Dreyfus eingesetzt. Allen voran Emile Zola, der mit seiner Aktion ‘J’accuse‘ (Originaltitel) die Öffentlichkeit aufmerksam gemacht hat. Polanski dokumentiert in eindrucksvollen Bildern dieses Drama von korrupten französischen Staatsbeamten, in dem der Antisemitismus fröhliche Urstätt feierte und in dem sich der Nepotismus bis in höchste Regierungskreise eingenistet hatte. Bei aller gewahrten Distanz wird Emotionalität nicht ausgeschlossen. Hier spielt die Generalsgattin Pauline (Emmanuelle Seigner, Polanskis Ehefrau) eine wichtige Rolle.
    Vom Regisseur kann man menschlich halten, was man will, als Künstler kann es keine zwei Meinungen über ihn geben. Hier hat er wieder sein Können unter Beweis gestellt.
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    07.02.2020
    12:49 Uhr
  • Bewertung

    Ich klage an …!

    Exklusiv für Uncut
    Äußerst brisant erschien die Vergabe des Großen Preises der Jury bei den Filmfestspielen von Venedig, handelte es sich bei dem Gewinner doch um niemand geringeren als Roman Polanski – dem gefeierten Filmregisseur, dessen Name seit fast 40 Jahren ebenso mit einer Straftat in Verbindung gebracht wird, aufgrund dessen er sich damals ins französische Exil absetzte. Nichtsdestotrotz ist er für einige Meisterwerke der Filmgeschichte verantwortlich und auch anhand von „J’accuse“ beweist er erneut sein Können als hochgelobter Filmemacher. Nach einem Roman von Robert Harris brilliert in der Verfilmung der Dreyfus-Affäre Jean Dujardin in der Rolle des Aufklärers Picquart.

    Das Jahr 1894 stellt den Ausgangspunkt der sogenannten Dreyfus-Affäre dar, die sich zu einem der größten Justizskandale des 19. Jahrhunderts entwickeln sollte: Der junge Offizier Alfred Dreyfus (Louis Garrel) wird zu lebenslanger Haft auf die Teufelinsel verbannt, nachdem er angeklagt wurde, für die Deutschen spioniert zu haben. Nachdem der neue Leiter der Spionageabwehrbehörde Marie-Georges Picquart (Jean Dujardin) allerdings herausfindet, dass es sich bei dem gesuchten Spion unmöglich um Dreyfus handeln konnte, kommt er einem Vertuschungsmanöver auf die Schliche, bei dem auch zahlreiche Beamte aus den höheren Rängen involviert sind. Ein Kampf um Wahrheit und Gerechtigkeit beginnt, im Zuge dessen der bekannte französische Schriftsteller Émile Zola (André Marcon) 1898 einen öffentlichen Brief verfasste, in dem er die Beteiligten anklagte, Amtsmissbrauch betrieben zu haben, die auf Ungerechtigkeiten, Vorurteilen und unzähligen Vertuschungen basierten. Der Titel des Briefes: „J’accuse…!“ (Ich klage an…!).

    Auf den ersten Blick wirkt Polanskis Dramatisierung der Dreyfus-Affäre wie ein ziemlich durchschnittliches historisches Kriminaldrama. Auf den zweiten Blick erweist es sich allerdings als viel mehr als das. Die realen Ereignisse rund um die Dreyfus-Affäre werden nämlich in einen äußerst spannend inszenierten Justizthriller verpackt, der immer zwischen Gerichtsdrama und Gesellschaftskrimi pendelt. Auf subtile Art und Weise gelingt es Polanski darüber hinaus ein Bild einer antisemitisch geprägten Gesellschaft zu zeichnen, dessen politischer Kommentar gerade auch in der heutigen Zeit nicht an Relevanz verloren hat.

    Der hervorragende Cast – bei dem vor allem Jean Dujardin in der Hauptrolle hervorsticht – die Filmmusik von Alexandre Desplat und vor allem die eingängige Kameraarbeit tragen dazu bei, dass es sich bei „J’Accuse“ um ein wahres Sehvergnügen handelt, welches – trotz einer Länge von knapp über zwei Stunden - nie langweilig wirkt. Spannender war Geschichtsschreibung selten!

    Wie man nun zu Polanski steht, sei jedem selbst überlassen und auch ob man die Privatperson von seinem künstlerischen Schaffen trennt. Aber eines steht schon fest: Filme machen kann er!
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    04.02.2020
    21:46 Uhr