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100% Bewertung
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    Verfilmter Klassiker der deutschen Literatur

    Dem "Deutschstunde"-Regisseur Christian Schwochow, der selbst aus der DDR stammt, und der Drehbuchautorin Heide Schwochow ist es hervorragend gelungen, aus dem 600 Seiten-Roman von Siegfried Lenz einen dichten Film zu machen.
    Am Beginn des Streifens soll eine der Hauptpersonen namens Siggi Jepsen, der in einem Jugendgefängnis der Nachkriegszeit inhaftiert ist, einen Aufsatz zum Thema "Die Freuden der Pflicht" verfassen.
    Während des Schreibens wird das Filmpublikum auf eine Reise in die Vergangenheit, in die Hitlerzeit, mitgenommen. Die Zuschauer sehen die Auswirkungen der NS-Ideologie am Beispiel von Siggi und seiner Familie in einem kleinen Dorf in Norddeutschland:
    Siggis Vater, ein überzeugter Nazi, der ehrgeizig und obrigkeitshörig seine "Pflicht" dem Regime gegenüber zu hundert Prozent erfüllt, verrät nicht nur seinen Freund, dessen Kunst als "entartet" gilt. Nein, er geht noch weiter und liefert das eigene Kind den Nazischergen aus...
    Der Film lehrt uns nicht nur ein Stück Zeitgeschichte, sondern weist auch auf die heutige Aktualität hin:
    Ohne Schwarz-Weiß-Malerei wird das gegenseitige Benützen und Instrumentalisieren genauso aufgezeigt wie Opportunismus und Systemimmanenz von damals und heute.
    Wie sagten und sagen auch heute noch viele, die für unsägliche Gräueltaten verantwortlich zeichnen: " Ich habe ja nur meine Pflicht getan."
    17.11.2019
    17:14 Uhr
  • Bewertung

    Widersprüchlich

    Die Verfilmung des Romans von Siegfried Lenz "Deutschstunde" ist ein wahrhaftes Meisterwerk:
    Christian Schwochow inszenierte ein Drama, in dem es nicht nur um Zeitgeschichte (die Handlung beginnt gegen Ende des 2. Weltkriegs) und den von den Nazis erfundenen Begriff "entartete Kunst" geht.
    Im Film wird vor allem der Widerspruch zwischen Pflichterfüllung und Verantwortung aufgezeigt.
    Die Story wird vom jungen Siggi (Tom Gronau) in Rückblicken erzählt:
    Der Bursche ist nach der Beendigung des NS-Regimes in einer Erziehungsanstalt gelandet, wo er einen Aufsatz zum Thema "Die Freuden der Pflicht" schreiben soll.
    Durch diesen Aufsatz erfährt das Kinopublikum seine eigene Lebensgeschichte, in der er zwischen zwei Männern hin und her gerissen ist. Sein Vater Jens (Ulrich Noethen) ist Dorfpolizist und fanatischer Nazi, dem die Pflichterfüllung gegenüber Hitler über alles geht. In seiner Familie gibt es nur Disziplin und blinden Gehorsam - Liebe zu Frau und Kindern ist ein Fremdwort.
    Das gilt auch für seinen einstigen Freund und für Siggis Patenonkel Max(Tobias Moretti), der expressionistischer freigeistiger Maler ist und von Siggi geliebt und verehrt wird. Der Vater erteilt Siggi den Auftrag, Max zu überwachen - ist diesem doch verboten worden weiter zu malen, weil seine Malerei als "entartet" bezeichnet wird.
    So gerät der Junge zwischen die Fronten...
    Ich glaube nicht, dass ich nach diesem Film der einzige sein werde, der den Roman von Siegfried Lenz mit großem Interesse lesen wird.
    Der Film ist auf jeden Fall ein Meisterwerk und zeigt deutlich, wozu blinder Gehorsam (einem Führer gegenüber) führt.
    25.10.2019
    15:39 Uhr