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65% Bewertung
  • Bewertung

    Zweimal Mutter und Tochter

    Julie Bertuccelli hat einen sehr sensibles Frauenportrait gemacht. Die Hauptfigur in diesem Film ist Madame Claire (Catherine Deneuve), eine ältere Dame, die in einem schlossartigen Haus lebt. Ihr Mann ist tot, ihre Tochter Marie (Chiara Mastroianni) besucht sie selten. Jetzt begeht Madame Claire ihre letzte Dummheit (Originaltitel!): Sie will all die Antiquitäten, Spieluhren, Möbel und den ganzen Trödel im Haus verkaufen. Alles muss raus!
    Mitten in der Aktion bricht sie das ganze ab, jagt alle Kunden vom Hof. Madame Claire ist leicht dement und sprunghaft. Dazwischen hat sie wieder Schübe, in denen sie klar denkt und sieht. Marie kommt, es gibt einiges zwischen Mutter und Tochter, was zu bereden ist.: z. B. der Tod von Sohn und Ehemann.
    Mit leichter Hand wechselt die Regie vom Jetzt in die Retrospektive. Das macht den eigenen Reiz der Erzählung aus und schafft einen inneren Zusammenhang zwischen den Antiquitäten und den Menschen. Hier ist es vor allem Madame Claire. Sie hat ein Leben lang mit den Gegenständen um sich herum gelebt, hat eine intensive Beziehung zu ihnen. So kann man nie sicher sein, ob Madame Claire in Erinnerungen schwelgt oder die Realität nicht richtig einschätzen kann. Einen zusätzlichen Kick erhält der Plot durch die Tatsache, dass Madame im wirklichen Leben die leibliche Mutter von Marie ist.
    Das Ende überrascht und erschreckt zugleich. Claire hat für den Abend ihren Tod angekündigt…Sie sollte Recht behalten. War es nun gedankenlose Unachtsamkeit oder geplante Absicht, als sie den Teekessel auf den Gasherd aufsetzt? Ein Feuerwerk! Wunderschön! Und fast alle Figuren schauen zu…
    Claire balanciert auf dem superschmalen Grat zwischen Demenz und Reminiszenz. Dabei hat mal die eine, mal die andere Seite die Oberhand. Sie steht in der Mitte, da wo sich die Unterschiede verwischen…Chapeau! Der zweite großartige Film von Julie Bertuccelli nach Seit Otar fort ist.
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    25.06.2019
    12:23 Uhr
  • Bewertung

    Sehr schräg...

    Leider war der Film, der in der Vorspann so nett rüber gekommen ist, mehr als schräg... trotz der immer noch interessanten Catherine Deneuve eine Enttäuschung...
    28.05.2019
    13:16 Uhr
  • Bewertung

    Erinnerungen eines ganzen Lebens

    Exklusiv für Uncut
    Die französische Regisseurin Julie Bertuccelli, die 2003 für ihren Debütfilm mit dem César für das beste Erstlingswerk ausgezeichnet wurde, inszeniert in „Der Flohmarkt der Madame Claire“ die Aufarbeitung einer Familiengeschichte der besonderen Art.
    Chiara Mastroianni spielt dabei gemeinsam mit ihrer Mutter, der großartigen Catherine Deneuve, die in ihrer Rolle als Claire Darling Bilanz über ihr Leben zieht.

    Claire Darling (Catherine Deneuve) veranstaltet eines Morgens im Garten ihres Heimes in Verderonne einen Flohmarkt, bei dem sie alle Besitztümer, die sie im Laufe ihres Lebens angesammelt hat, verkaufen will. Besorgt verständigt eine Freundin der Familie die Tochter Marie (Chiara Mastroianni), deren Beziehung zur Mutter seit vielen Jahren angespannt ist. Die Aufräumarbeiten entwickeln sich immer mehr zu einer Auseinandersetzung mit vergangenen Ereignissen, bei der sich für die leicht demente Claire die Ereignisse der Gegenwart und Vergangenheit schließlich zu vermischen scheinen.

    Wenn man „Der Flohmarkt der Madame Claire“ betrachtet, fällt vor allem eines auf: Der Film arbeitet mit verschiedenen Zeitebene, die er eigentlich gar nicht gebraucht hätte. Zahlreiche Rückblenden erscheinen aus dramaturgischer Sicht nicht unbedingt notwendig und wirken eher wie reine Lückenfüller. Augenscheinlich schien es für Bertuccelli der einfachste Weg zu sein, die vergangenen Erlebnisse zu beschreiben. Anstatt sich auf die Storyline der Gegenwart zu konzentrieren und hier die Figuren stärker zu charakterisieren – man muss schließlich nicht immer alles zeigen - wird man durch die Rückblenden jedes Mal wieder aus der Handlung gerissen. Die einzelnen Szenen wirken deshalb öfters ziemlich abgehakt.

    Im Zentrum der Handlung steht darüber hinaus eine ziemlich gängige Thematik: der Konflikt zwischen einer Mutter und ihrer Tochter, dessen Ursprung in der Vergangenheit verortet ist. Aufgrund der bereits erwähnten narrativen Probleme erscheint es für die Darstellerinnen dabei ohnehin schwierig, den Charakteren eine besondere Tiefe zu verleihen. Was gerade deshalb schade ist, wenn man so ein dynamisches Duo wie Mastroianni/Deneuve zur Verfügung hat.

    Trotz aller Schwächen kann „Der Flohmarkt der Madame Claire“ allerdings auch mit einigen inszenatorischen Mitteln punkten. Die Regisseurin scheint sehr viel Wert auf Ausstattung und Requisite zu legen, was man gerade in Bezug auf die Flohmarkt-Thematik und aufgrund der Liebe zum Detail erkennen kann. Egal, ob die vielfältige Puppensammlung oder die vielen alten, kostbaren Möbelstücke, zu denen Madame Claire so einige obskure Anekdoten zu erzählen hat – die Kostbarkeiten sind allesamt schön anzusehen. Auch eine gewisse mysteriöse Atmosphäre kann, u.a. durch die Musik, aufgebaut werden.
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    09.05.2019
    22:49 Uhr