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52.5% Bewertung
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    Ein Schatz aus Holland

    Die Romanvorlage von Donna Tartt ist eine runde Sache. Sie enthält ein Coming-Off-Age Phänomen, zwei Liebesgeschichten und einen Krimi. Und weil es sich im Kern um ein kleines Gemälde handelt, bekommen wir noch eine Lektion in Kunstgeschichte erteilt: das Bild stammt vom niederländischen Maler und Rembrandt Schüler Carel Fabritius und fällt dem jungen Theo in die Hände, als dieser gerade ein Museum besucht, das in die Luft gesprengt wird.
    Es beginnt eine Odyssee des kleinen Theo (Ansel Elgort), auf der er immer das Bild dabeihat. Er begegnet netten und bösen Menschen, steigt zum Geschäftsmann auf, findet eine Unterkunft bei einer wohlhabenden Familie, mit Mrs. Barbour (Nicole Kidman).
    Die erste Hälfte zieht sich arg in die Länge, da will kein Funken überspringen. Der Zuschauer verfolgt recht distanziert das Geschehen auf der Leinwand. Die Akteure vor der Kamera inklusive Miss Kidman spielen hölzern und ohne Charme. Selbst die Wiederholungen in Slomo bringen wenig. Die Liebesgeschichte zwischen Theo und Pippa (Ashley Cummings) bleibt trocken.
    Der Schnitt zerteilt die Handlung und macht so manche Szenen unverständlich. Man kommt einfach nicht ins Geschehen hinein. Brecht sprach da von einem Guckkasten Theater, das emotionsfrei am Zuschauer vorbeirauscht.
    Ein, zwei Szenen können überzeugen und verhindern die Bewertung ärgerlich. Der Roman war hingegen ein echter Knüller. Ohne ihn gelesen zu haben ist der Film schwer verständlich.
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    17.12.2019
    11:03 Uhr
  • Bewertung

    Langwieriges Melodram ohne Fokus

    Exklusiv für Uncut
    Einst wurde John Crowleys Filmadaption von Dona Tartts Bestsellerroman „Der Distelfink“ noch als potentieller Kandidat für die kommende Oscar-Season gehandelt. Ausgestattet mit einem hochkarätigem Schauspielensemble, einem Regisseur, der bereits zuvor für seine Romanze „Brooklyn“ viel Lob einheimsen durfte und einen der angesehensten Kameramänner Hollywoods schien es lange Zeit so, als könnte hier Großes auf uns zukommen. Das fertige Ergebnis entpuppt sich leider jedoch als herbe Enttäuschung. Trotz überaus talentierter Schauspieler wie unter anderem Nicole Kidman, Ansel Elgort, Finn Wolfhard, gibt der Film diesen kaum was zu tun oder lässt diese gar völlig hölzern daherkommen (*hust hust Ansel Elgort*). Befremdlich kommt zudem die Entscheidung „Stranger Things“-Star Finn Wolfhard seine Figur mit einem unglaublich gekünstelten ukrainischen Akzent mimen zu lassen, der teilweise sogar für unfreiwillige Komik sorgt.

    Narrativ gesehen wirkt das Ganze viel zu zerschnitten und nahezu inkohärent sprunghaft erzählt, weshalb dem Film eine klare erzählerische Linie fehlt. Aus dem ganzen Chaos können leider auch ein paar schöne Bilder von Oscar-Preisträger Roger Deakins nicht mehr aushelfen, die wohlgemerkt sowieso nicht das gewohnte Niveau des hochgeschätzten DOP erreichen.

    „Der Distelfink“ denkt er würde große Aussagen über Kunst und die Welt treffen, schlussendlich handelt es sich hier aber um wenig mehr als ein oberflächliches Melodram, das mit seinen vorhandenen schmackhaften Zutaten leider wenig anfangen kann und teilweise sogar schon fast in lächerliche Banalität rutscht. Schade!
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    12.10.2019
    13:23 Uhr