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6 Bewertungen
55% Bewertung
  • Bewertung

    King of His Castle

    Paolo Sorrentino schafft es mit „Loro" leider nicht, an sein Meisterwerk „La Grande Bellezza" aus dem Jahr 2013 anzuknüpfen. Es gibt keinen roten Faden, der die Episoden zusammenhalten würde und die moderne Musik komplementiert die Bilder zu keinem stimmigen Ensemble. Einige Parallelen sind jedoch zwischen den beiden Werken erkennbar. Während in „La Grande Bellezza" die Protagonisten die Reichen und Schönen von Rom sind, dreht sich Sorrentinos neuer Film um einen der umstrittensten Politiker Europas und seinen Gefolgsleuten: Silvio Berlusconi. Sorrentino sichert sich jedoch gleich im Vorspann mit der abgelutschten Phrase ab, es handle sich nicht um reale Personen, jegliche Ähnlichkeit zu aktuellen Personen wären reiner Zufall.

    Der italienische ‚Presidente' tritt erst nach circa einer 3/4 Stunde ins Bild, davor wird der Mythos um ihn (LUI) von seinen treuen Anhängseln (LORO) aufgebaut, unter anderem durch eine fragwürdige Tätowierung auf dem unteren Rücken eines Bunga-Bunga Mädchens. Sie sind die eigentlichen Protagonisten: die jungen, hübschen Frauen und die Männer, die sie an DEN Mann bringen wollen, um bei seinem Kuchen mitnaschen zu können. Dadurch fällt das Setting auch weniger ästhetisch und dafür aufreizender aus, mit zahlreichen (halb-)nackten Party- und Tanzszenen. Dass Jugend und Schönheit vergänglich sind und die Show nicht ewig weiter gehen kann, müssen dabei aber gleich mehrere Charaktere erfahren.

    Neben den Partysongs wie „King of my Castle" (Wamdue Project, 1999), die die Ambitionen des ‚besten Verkäufers Italiens' so passend widerspiegeln, findet man auch volkstümlich angehauchte Musik. Die sardische Gitarrenmusik bezieht sich auf den Hauptort des Geschehens, Sardinien, so wie die religiösen Arien in „La Grande Bellezza“ den Vatikan in Rom reflektiert haben.
    Sorrentino bettet seine Geschichten nicht nur gerne geografisch & musikalisch ein, sondern versucht auch zeitnahe Ereignisse Italiens einzuflechten. So stellt er dem oberflächlichen, nach Ruhm und Geld ausgerichteten Lebensstil Berlusconis und seiner Anhänger, eine rauere Realität gegenüber, die vor allem die untere Gesellschaftsschicht betrifft. Diesmal hat er sich für das Erbeben in L’Aquila entschieden, das durchaus als Metapher für die zerstörerische Komponente der Korruption in der italienischen Politik gedeutet werden kann.

    Wer sich ein ästhetisch stimmiges Werk wie „La Grande Bellezza“ erwartet, wird von „Loro“ enttäuscht werden. Wenn man in den Mythos Berlusconi jedoch auf spielerische und nicht ganz ernst gemeinte Weise tiefer eintauchen möchte, könnte nicht schlecht unterhalten werden, zumal Toni Servillo der zwielichtigen Figur seine ausdrucksstarke Mimik & Gestik leiht. Zuletzt sei noch Riccardo Scamarcio erwähnt, der einen ambitionierten Zubringer hübscher Mädels mimt und damit den Traum, an der Seite des wahrscheinlich einflussreichsten Mannes Italiens zu stehen, erschreckend überzeugend verkörpert.
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    22.01.2019
    19:34 Uhr
  • Bewertung

    Nichtssagender Film

    Ich hatte das Glück, für die Sneak Preview am Silvesterabend Karten gewonnen zu haben. Da ich ohnehin vorhatte, hinzugehen, umso besser, es ging also ins Kino.

    Der Film startet mit sehr überdrehtem Humor. Ich verrate hier nichts, doch ein Schaf und eine Klimaanlage haben damit zu tun. Für mich als Liebhaberin schrägen Humors fing das bereits gut an. Beim Titel dann Verwirrung, denn ich hatte vorher noch nicht von "Loro" gehört, doch ich ließ mich dann einfach darauf ein.

    Meine anfängliche Begeisterung legte sich schnell, denn der Film enthielt gefühlt mehr geschmacklose Party- und Sexszenen als tatsächlichen Dialog. Wenn letzterer mal vorkam, dann war dieser absolut nichtssagend und flach. Ich bin bei weitem nicht prüde in solchen Angelegenheiten - Wolf of Wall Street ist einer meiner liebsten Filme - doch im Gegensatz zu Scorseses Film macht Loro absolut keinen Spaß beim Zusehen und dessen Darsteller kommen auch bei weitem nicht an das Niveau der amerikanischen Schauspieler ran.

    Zu der zweiten Hälfte, in der angeblich endlich Berlusconi selbst im Mittelpunkt steht, kann ich leider nicht viel sagen, da ich die Vorstellung vorzeitig verlassen habe. Auch wenn diese brilliant gewesen wäre, würde es meiner Meinung nach niemals die katastrophale erste Hälfte wiedergutmachen können. Leider ein sehr enttäuschender Abend im Kino!
    15.01.2019
    15:32 Uhr
  • Bewertung

    Loro 1+2

    In Italien gibt es offensichtlich 2 Teile. Auch wenn der Kinofilm in Österreich unausgegoren wirkt, hat LORO seine Stärken. Vor allem der Darsteller des Silvio Berlusconi ist ein Hit!
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    14.01.2019
    19:41 Uhr
  • Bewertung

    Film mit Identitätsproblem

    Gerade wenn dieser Film in einer Sneak Preview gesehen wird, so wie es bei mir der Fall war, entstehen zu Beginn des Films Fragen, die letztendlich nur teilweise beantwortet werden. Die größte Frage ist wohl ''Was ist Loro eigentlich?''.

    Ich befürchte, dass der Film, dessen Titel übersetzt ''sie'' (Plural) bedeutet, sich da selber gar nicht so sicher ist. Loro wirkt erst wie eine fiktionale Geschichte, beginnt doch alles mit dem Charakter Sergio, der sich im Großen und Ganzen eigentlich überhaupt nicht in den Film einfügt. Der vermeintliche Protagonist Sergio treibt zwar die Nacherzählung Berlusconis ''Bunga-Bunga-Parties'' voran, wodurch interessante Szenen entstehen (Würde ich mich selbst für lustig halten, dann wäre schon längst ein Satz wie ''Ich habe noch nie mit so vielen Menschen in einem Raum einen Porno angeschaut'' gefallen), hat aber selbst letztendlich wenig mit der Handlung zu tun und gerät im Verlauf des Films unter anderem durch die Verdrängung durch Silvio über den Rand der völligen Irrelevanz.

    Eine Dokumentation oder genaue Nacherzählung ist Loro jedenfalls nicht, der Film sorgte durch einige witzige Stellen immer wieder für Gelächter, nimmt sich selbst aber zu ernst, um wirklich eine Parodie zu sein. Oscar-würdig ist auf jeden Fall die Mimik von Berlusconi-Darsteller Toni Servillo, leider ist ''Bestes Grinsen'' noch keine anerkannte Kategorie.

    Alles in allem ist Loro zwar interessant, wirkt durch Charaktere und Handlungsstränge, die nirgends hinführen, jedoch recht wirr. Dazu kommen seltsam intensive Partyszenen (ohne Berlusconi) und lasche Dialoge. Für das Fehlen eines wirklichen Konzepts war der Film auch deutlich zu lang, die Mehrheit der Besucher hat das Kino vorzeitig verlassen. Ich blieb bis zum Ende, jedoch ist es selten ein gutes Zeichen, wenn man insgeheim hofft, dass der Film bald aus ist.
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    02.01.2019
    11:22 Uhr
    • Sorrentino enttäuscht?

      Hallo, danke für deine tolle Rezension! Ich überlege mir ihn anzuschauen und bin nun hin- und hergerissen. Andere Filme des Regisseurs mag ich sonst sehr gern, sie sind asthaetisch, melancholisch und entrückt. Passt das zu dem Film trotzdem? Oder meinst du überwiegt das Sinnentleerte hier?
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      16.01.2019
      12:34 Uhr