2 Einträge
3 Bewertungen
83.3% Bewertung
  • Bewertung

    Skaterboy

    Auch in Jonah Hills Regiedebüt geht es um die Herausforderungen des Erwachsenwerdens. Ein 13-jähriger Teenager möchte Freunde finden und schließt sich einer Gruppe von älteren Skatern an. Der Pluspunkt des Films ist das Ernstnehmen der jugendlichen Troubles und der sehr realistische teilweise brutale Ansatz, dass man zwar cool sein möchte, sich dann aber doch nicht sicher ist. Ist man da richtig?
    leandercaine_0fc45209c9.jpg
    28.02.2019
    06:41 Uhr
  • Bewertung

    Skaten bis der Morgen kommt

    Exklusiv für Uncut von der Berlinale 2019
    Das aktuelle Kino schwebt aktuell auf einer hochbeliebten Welle der 80er-Jahre-Nostalgie, die von Erfolgserscheinungen wie der Netflix-Serie „Stranger Things“ oder der 2017 erschienenen Neuverfilmung von Stephen Kings „Es“ losgetreten wurde. Die 90er-Jahre hingegen kommen als filmisches Setting verhältnismäßig selten vor. Eben dieser nicht weniger glorreichen Dekade widmet sich Hollywood-Schauspieler Jonah Hill (u.A.: „21 Jump Street“, „Superbad“, „The Wolf of Wall Street“) in seinem Regie-Debüt „Mid90s“.

    Erzählt wird vom 13-jährigen Stevie (Sunny Suljic), der inmitten der 90er-Jahre der noch frischen Faszination Skateboard verfällt. Aufgrund seiner Vorliebe schließt er sich einer Gruppe älteren Skatern an, die ihn in ein zuvor ungesehenes Milieu voller Partys, Alkohol und Sex geleiten. Auch wenn sich Stevie durch die Truppe neues Selbstbewusstsein aneignen kann, muss er sich schon bald die Frage stellen, ob denn vermeintliche „Coolness“ wirklich das einzig Wahre im Leben ist.

    Hill ist eine beeindruckende erste Regiearbeit gelungen, die gleichzeitig Coming-of-Age-Film und lebhafte Milieustudie einer vergangenen Zeit ist. Der Neo-Filmemacher beweist sowohl auf narrativer als auch inszenatorischer Ebene ein feinfühliges Händchen für Realismus und schafft es mit seiner filmischen Zeitreise die Zuschauer förmlich zurück in die 90er-Jahre zu beamen. Dazu trägt auch der organisch verwendete Soundtrack bei, der sich zahlreichen Hip-Hop-Stücken dieses Jahrzehnts, aber auch anderen 90s-Classics wie Songs wie von Nirvana oder den Pixies bedient. Mit analoger 16mm-Kameraarbeit und der Verwendung eines 4:3-Formats gelingt es Hill auch ästhetisch gesehen das Jahrzehnt glaubhaft wiederherzustellen. Das körnige Bild verleiht dem Film zudem eine weitere Prise Realismus und lässt uns regelrecht in die lebendige Welt, die hier erstellt wird, eintauchen.

    Die junge Darstellerriege, der weitestgehend unerfahrene Schauspieler angehören, baut die bereits authentische Atmosphäre des Films weiter aus und setzt natürliches Spiel über zielloses Overacting.

    Die Exzesse des Milieus, mit denen sich Protagonist Stevie schon bald konfrontiert sieht, bringen für einen Minderjährigen eine Härte mit sich, an der sich zahlreiche Zuschauer stören werden. Dabei erinnert diese filmisch gesehen ungewöhnliche Darstellung minderjähriger Figuren an Larry Clarks kontroversen „Kids“ (1995), dessen exzentrischer Drehbuch-Autor Harmony Korine hier sogar in Form eines kurzen Cameo-Auftritts gewürdigt wird. Auch wenn gewisse Segmente des Comedy-Dramas für manch Zuschauer unbequem zum Anschauen seien mögen, sollte man sich im Klaren sein, dass solche Milieus durchaus existieren und die unbeschönigte Darstellung dieser den vorurteilsfreien Realismus des Films nur verstärkt.

    Es sei Hill zudem gut zu heißen, dass er anstatt in altbewährter Schwarz-Weiß-Manier just auf seine teils heruntergekommenen Figuren herabzublicken, seine Protagonisten stets mit Menschlichkeit und Würde behandelt. So werden Figuren wie beispielsweise Stevies Bruder Ian (großartig: Lucas Hedges), der zunächst als Schlägertyp etabliert wird, im Laufe des Films humanisiert, ohne dabei deren Fehlgriffe zu heroisieren.

    Kritisieren ließe sich eventuell die teilweise unpassende Einsetzung des Scores von Trent Raznor und Atticus Ross, der in manchen Szenen den authentischen Dialog etwas überspielt.

    Schlussendlich lässt sich aber sagen, dass Jonah Hill mit „Mid90s“ dennoch ein ehrwürdiges Erstlingswerk als Filmemacher gelungen ist, das mit Hilfe lebhafter Darsteller, einem fetzigen Soundtrack, einer passenden Optik sowie einiges an Witz und Charme brillieren kann.

    Rau, unbeschönigt und voller Leben – weiter so, Mr. Hill!
    chrostv_39178447dd.jpg
    11.02.2019
    00:09 Uhr