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    Wutbürger im Wald

    Exklusiv für Uncut vom Slash Filmfestival
    Der Mensch als Untersuchungsobjekt steht im Mittelpunkt des ersten abendfüllenden Spielfilms von Regisseur Justin P. Lange. Es ist ein österreichischer Horrorfilm, der sehr facettenreich und unterhaltsam ist und dabei wohl auch langfristig auf sein Publikum wirken wird. Angefangen von den schauspielerischen Leistungen bis zur spannenden sich langsam entfaltenden Handlung, die die österreichische wenig weit zurückliegende dunkle Geschichte ebenso porträtiert, wie die seelischen Abgründe der Menschheit überall auf der Welt.

    Im Fokus des Films steht also der Mensch und dieser wird nicht unbedingt positiv von den Filmemachern skizziert. Nur soviel sei verraten, zumindest drei der zehn Gebote aus der Bibel werden verletzt und es geschieht noch so einiges mehr. Die Handlung spielt bis auf eine kurze Anfangssequenz, die aber auch schon auf den teuflischen Wald namens „Devils Den“ referiert, in eben jenem. In diesem dunklen, seit Jahren unbewohnten Wald soll sich laut den Anwohnern der näheren Umgebung ein Monster herumtreiben, dass alles was sich in den Wald hinein begibt zerfetzt und verspeist. In eben jenem Wald treffen aus zwei verschiedenen unglücklichen Entwicklungen Alex und Mina aufeinander. Beide sind Jugendliche, die auf den Rest der Welt zurzeit nicht allzu gut zu sprechen und deswegen die Dunkelheit und Abgeschiedenheit des Waldes eher als anziehend als abschreckend empfinden.

    Den beiden Protagonisten wurde in ihrer kurzen Lebensspanne schon sehr schlimm mitgespielt und so hegen beide in ihrem Innern eine große Wut gegenüber der Außenwelt. Da sie aber nach und nach erfahren, dass sie ein ähnliches Schicksal teilen, entwickelt sich zwischen den zweien rasch eine starke Bindung. Genau diese Bindung heißt es im Laufe des Filmes aber zu schützen, da sie von Außen gekappt werden will. Wut eint die beiden. Eine Wut auf die vielfachen seelischen Abgründe der Menschheit, denen sie zum Teil zum Opfer gefallen sind und von denen sie versuchen Abstand zu halten. Aber dieser Abstand wird nicht toleriert und deshalb wird versucht die beiden im Laufe des Films in gewisser Weise wieder in das alltägliche Leben zu integrieren.

    „The Dark“ ist ein überaus kluger Film, der uns zeigt, nicht immer nur nach dem Äußeren zu gehen, sondern genauer auf das Innere und das Gesagte zu achten. Der Filmemacher hält uns dabei den Spiegel vor und zeigt, dass wir einer Gesellschaft angehören, die diesen Missstand verinnerlicht hat. Ein Werk das außerdem schildert, dass durch Ausgrenzung und Ungerechtigkeit nur mehr Hass, Wut und Gewalt entsteht.
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    26.09.2018
    16:18 Uhr