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14 Bewertungen
80.4% Bewertung
  • Bewertung

    Groteske Kostümparty

    Vom Leben ausserhalb des Palastes bekommt der Zuseher so viel zu sehen, wie die Königin davon Ahnung hat - so gut wie nichts. Der Film konzentriert sich fast ausschließlich auf den Mikrokosmos "Leben am Hof", wo Dekadenz regiert und die kranke, psychisch labile und launische Königin Anne (großartig gespielt von Olivia Colman) zum Spielball zwischen den Intrigen ihrer Vertrauten wird. Die bisherigen Machtverhältnisse am Hof geraten ins Wanken, als die verarmte Abigail ihren Dienst antritt & mit Gespür für die Werkzeuge der Manipulation am Stuhl ihrer Cousine und der Königins rechten Hand, Sarah, zu sägen beginnt.

    Das Leben am Hof und die Figuren werden wunderbar überzeichnet, ohne den Film ins Peinlich-Lächerliche abtriften zu lassen. Die schauspielerische Leistung der Hauptdarstellerinnen ist exzellent und auch die optische Umsetzung und musikalische Untermalung überzeugen. Dennoch ist der Film etwas zu lange geraten und zieht sich vor allem in der zweiten Hälfte etwas. Das Ende war mir persönlich zu abrupt.
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    03.02.2019
    18:12 Uhr
  • Bewertung

    Royal mit Käse

    Toller Film! Großartige Schauspieler, beeindruckende Ausstattung und ein surrealer Einblick in die royale Welt laden zum Schmunzeln und zum Staunen ein.
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    02.02.2019
    16:00 Uhr
  • Bewertung

    In Nominierungen ...

    ... überbewerteter Film... außer der Nominierungen für Kostüme und der Darstellerinnen Olivia Colman und Rachel Weisz.

    Wie gut, das Geschmäcker verschieden sind, sonst wäre es langweilig.
    Man sollte NICHTS auf Kritiken geben und sich Filme immer persönlich ansehen... denn was schlecht bewertet wird, kann ziemlich gut sein... und was gut bewertet wird, kann echt mies sein.

    Ich fand den Film grotesk bis furchtbar und war 3 x versucht, den Kinosaal zu verlassen... bin jedoch immer wieder geblieben, weil sich Szenen gezeigt haben, die mich hoffen ließen, dass der Filme besser wird.

    Colman und Weisz machten das Beste aus der Sache, haben ganz großartig gespielt und die verschiedensten Facetten der Damen ans Licht gebracht.
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    30.01.2019
    08:20 Uhr
  • Bewertung

    Das Liebesdreieck

    Wir sind in England um 1700. Die schwache Königin Anne (obwohl der Volksmund sie ‘Good Queen Anne‘ nannte) ist von ihrer Umgebung abhängig. Olivia Colman spielt sie famos mit viel Mut zur Hässlichkeit: ein verzogenes Kind, launisch, sprunghaft, von Gicht und Übergewicht geplagt. Alles richtig, nur für die Betonung ihrer lesbischen Neigungen gibt es keine Belege.
    Auch die beiden Hofdamen Sarah (Rachel Weisz) und Abigail (Emma Stone), die sie beraten und sich dabei versuchen gegenseitig in ihrer Gunst in den Vordergrund zu spielen, sind historisch verbürgt. Beide Rollen werden subtil interpretiert. Sarah ist eine alte Jugendfreundin von Anne. Sie ist resolut, intrigant und scheint die Queen total zu beherrschen. Bis Abigail, ihre verarmte Cousine auftaucht, und sie in Annes Gunst überholt. Auch Sarahs Liaison mit dem Herzog von Marlborogh stimmt. Hierher kommt auch Sir Winston Churchill. Abigail ist von Ehrgeiz zerfressen und hoch ambitioniert. Um Sarah auszuschalten setzt sie sogar Gift ein.
    Dieses Dreimädel-Dreieck wird etwas episch lang dargestellt. So ist auch noch Platz für die Männerwelt in dieser lesbischen Ménage a Trois. Das sind infantile Kindsköpfe, die sich nackt mit Obst bewerfen. (?) Nett interpretiert. Ansonsten werden sie von ihren jeweiligen Frauen per Handarbeit befriedigt. Neben den drei Hauptfiguren ist ein bombastisches Ambiente mit viel Innendekor das herausragendste Merkmal des Films. Der Machtkampf der Favoritinnen unter einander ist ein zeitloses Phänomen. Auch die Motive wie Macht, Einfluss und die eigene Wertschätzung gehören dazu.
    Die Optik beeindruckt, die Problematik geht unter die Haut – auch ohne Demenz von Queen Anne – und die Längen werden durch interessante Nebenstränge überdeckt.
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    27.01.2019
    11:16 Uhr
  • Bewertung

    Die Königin ist tot - lang lebe die Königin!

    Dieser Film bringt wahrlich frischen Wind in das Genre.
    Die 3 Damen (Colman, Weisz und Stone) spielen ihre Rollen exzellent!
    Mit Herz, Biss und ohne ein Blatt vor dem Mund übertreffen sich v.a. Weisz und Stone abwechselnd mit einer ordentlichen Portion 'bitchyness'.
    (“Oh, you cunt!“)
    Herrlich verstört präsentiert sich auch Colman in ihrer exzentrisch-psychotischen Königiginnenrolle!

    Alles in allem ist 'The Favourit' für mich gespalten.
    Unterhaltung brachte die angenehm-absurde und komische erste Hälfte des Filmes. In der zweiten Hälfte wurde es ernster und die Stimmung eher bedrückend.

    Von meiner Seite kommt allerdings trotzalledem eine klare Empfehlung für Fans des Genres der Historiendramen bzw. von Filmen mit den doch allzu typischen und beliebten royalen Machenschaften und Intrigen.
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    07.01.2019
    19:20 Uhr
  • Bewertung

    Brilliantes Intrigenspiel

    Exklusiv für Uncut von den Filmfestspielen in Venedig
    Dass englisches Historiendrama auch anders geht, beweist Yorgos Lanthimos mit seinem neuesten Film „The Favourite“. Am Hofe der britischen Königin Anne gibt es zwar die gewohnten edlen Gemächer, pompösen Kostüme und das Empire ist bedeutsam wie eh und je. Aber das interessiert Lanthimos alles nicht, er reißt launig alles nieder was dem Genre sonst so heilig ist und schafft einen humorvollen, selbstreflektierenden Film, der sich gerne in seinen Pointen zuspitzt und mit zahlreichen zeitlosen Kommentaren gespickt ist.

    Im frühen 18. Jahrhundert geht es am Hofe von Queen Anne (Olivia Colman) rund. Mit Frankreich befindet man sich im Krieg, das Parlament ist gespalten ob man sich eine Fortführung der Schlachten leisten kann. Die Königin selber, von wenig Bildung und Auffassungsgabe, ist daran auch nicht sonderlich interessiert. Ihr Zeitvertreib ist es sich um ihre Hasen zu kümmern, ihre zahlreichen Krankheiten zu kurieren und Zeit mit ihrer Vertrauten und Jugendfreundin Sarah, der Herzogin von Marlborough (Rachel Weisz) zu verbringen. Diese ist es auch die die eigentlichen Geschäfte der Königin führt und ihr zur Aufrechterhaltung der Kriegsführung rät. Der Frieden im Haus wird durch die Ankunft Abigail Hills (Emma Stone) getrübt. Die ärmliche Cousine Sarahs wird zu ihrem Dienstmädchen, wodurch sie auch der Königin näherkommt. Bald befinden sich die eifersüchtige Sarah und die auf eine Rückkehr zu einer Ladyship hoffende Abigail im Clinch um die Gunst von Anne.

    Basierend auf dem wahren Zerwürfnis von Queen Anne mit ihrer engsten Vertrauten, einer Vorfahrin Winston Churchills, spannt Lanthimos ein bizarres, bissiges Bild der englischen Monarchie und des Parlamentarismus. Die Figuren reden ohne Filter, höfisch-formelles Geplänkel ist eine Randerscheinung. Hier wird das Aussehen der Monarchin mit einem Maulwurf verglichen, die Tory Lords rund um Lord Harley (Nicholas Hoult) bewerfen sich mit Orangen und wenn der Höfling Baron Masham (Joe Alwyn) um die Gunst von Abigail buhlt, wird er erst einmal von ihr verprügelt. Und abseits all der kriegsfreudigen Männer in und außerhalb des Parlaments sind es letztendlich die Frauen, die die mächtigsten Verbündeten sind und die meiste Macht haben und deren Gunst jeder zu erwerben ersucht.

    Der simple Spaß aus Ananas essen und Entenrennen veranstalten wendet sich bald einer dunklen morbiden Seite zu, als Sarah und Abigail jeweils versuchen die andere los zu werden. Hier wird gedroht, am Tee rumgemischt und zum Zwecke sogar geheiratet. Die Darsteller verleihen dem Film einen besonderen Schliff, Stone und Weisz wechseln geschickt zwischen einfühlsam, charmant, gewieft bis hin zu geradezu bösartig. Die Krone bleibt aber dort wo sie hingehört, bei Colman. Die kränkliche, dümmliche und bedürftige Anne hätte leicht zu einer Lächerlichkeit verkommen können. Colman jedoch empfängt das Material mit offenen Armen und gibt der bemitleidenswerten Monarchin ein Gesicht das mitfühlen lässt, während es gleichzeitig auch zur Erheiterung zur Schau gestellt wird.

    Es sind aber nicht nur die verbalen Fetzen, die so scharf wie Rasiermesserklingen hin und her fliegen, die den Film so hervorragend machen, es ist auch die Art wie der Film seine Welt präsentiert. Die Kamera gibt dem Geschehen Raum, jede Szene ufert in weiter Tiefe oder Fischaugen-Weitwinkel aus. Die Welt ist somit so surreal wie der Prunk und das Leben zu Hofe, erscheint größer und mächtiger als sie eigentlich ist.

    „The Favourite“ bringt sich somit im Wettbewerb bereits in Pole-Position für die höchste Auszeichnung. Ein Film, der einem eingetrocknetem Genre so viel frischen Wind einhaucht, hätte es auch redlich verdient.
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    31.08.2018
    23:26 Uhr