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    Glenn Close ist ein Wahnsinn!

    Ich komme gerade aus einer Vorstellung von "Die Frau des Nobelpreisträgers" und bin schwer begeistert. Achtung Spoiler ahead (die jedoch teilweise auch schon im Trailer verraten werden):

    Der Film erzählt die Geschichte des Ehepaars Castleman im Jahr 1992. Der Ehemann erfährt zu Beginn, dass er den Literaturnobelpreis erhalten wird. Die Freude ist groß, und so geht es ab nach Stockholm. Der Mann, Joe, hat dort einen wichtigen Termin nach dem anderen während seine Frau Joan brav daneben steht, lächelt und (sehr bizarr) als Frau eines Preisträgers eine eigene Zuständige bekommt, die sich um sie und die anderen Ehefrauen kümmert, um mit ihnen beispielsweise einkaufen zu gehen. In Rückblenden erfährt man nach und nach mehr über die Hintergründe und Vergangenheit des Ehepaars und vor allem davon, dass es in Wirklichkeit Joan war, die die Geschichten ihres Mannes zu Papier gebracht hat.

    Der Star des Films ist ganz eindeutig Joan Castlemann bzw. Glenn Close, die sie verkörpert. Sie spielt diese Frau, die ihren Ehemann einerseits zwar liebt, andererseits aber auch so viel Frust und unterdrückte Wut in sich trägt, mit einer solchen Überzeugung, dass mich diese Darstellung einfach nur sprachlos zurückgelassen hat. Es sind gerade die Momente, in denen sie ohne Worte auskommt, in denen sie nur ihre Mimik sprechen lässt, die die inneren Gefühle der Figur perfekt transportieren und beim Zuseher ankommen lassen. Close lässt Joan nach und nach von einer Nebendarstellerin zur Hauptdarstellerin werden und entspricht damit voll und ganz dem englischen Titel des Films (schlicht und einfach "The Wife").

    Nicht unerwähnt bleiben dürfen trotzdem die Männer im Film, die ihrerseits ebenfalls hervorragende Darstellungen abliefern: Jonathan Pryce (GoT-Fans dürfte er ein Begriff sein), der den Ehemann verkörpert, Christian Slater als der anfangs aufdringliche Biografist Joes, Nathaniel, der es dann jedoch ist, der das Geheimnis um das Ehepaar Castlemann aufzudecken scheint sowie der Sohn David (Max Irons), der mit nach Stockholm reist, selbst Schriftsteller ist und verzweifelt die Anerkennung seines Vaters möchte.

    Alles in allem ein sehr gelungener Film, der zwar etwas braucht, um ihn Fahrt zu kommen, aber trotzdem absolut sehenswert ist. Es wundert mich nicht, dass Glenn Close als diesjährige Favoritin für den Oscar als Beste Hauptdarstellerin gilt, den sie meiner Meinung nach nach sieben (!) Nominierungen auch absolut verdient hätte!
    20.02.2019
    23:17 Uhr