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    Eine atmosphärische Mischung aus „Alien“ und einem „Hammer Film“

    Eldritch Advice
    „Lifeforce - Die tödliche Bedrohung“ ist jenes Werk, das die „Cannon Group“, die Brutstätte zahlreicher Kultfilme wie „Hercules“ (1983), „die City-Cobra“ (1986) oder „Bloodsport“ (1988), als erfolgreicher Blockbuster in neue Sphären hieven sollte. Um das Mainstreampublikum besser anzusprechen und nicht wie ein für dieses Studio übliches B-Movie zu klingen, änderte man sogar den Namen von „The Space Vampires“, den Titel des Romans auf dem dieser Film basiert, auf „Lifeforce“. Doch genau das Gegenteil war der Fall, auf ein geschätztes Budget von 25 Millionen folgten Einnahmen von lediglich 11 Millionen Dollar. Dies brachte die „Cannon Group“ in finanzielle Schwierigkeiten von denen sie sich nie mehr erholen sollte. Meiner Meinung nach hätte man den Namen bei „The Space Vampires“ belassen sollen, schließlich hielt der Titel „Alien“ im Jahr 1979 auch niemanden davon ab ins Kino zu gehen. Ferner sorgten Fehler in der Postproduktion dafür, dass der Film in den USA floppte. Im Gegensatz zur ursprünglichen europäischen Version fielen in der US-Variante nicht bloß viele Szenen der Schere zu Opfer, sondern bekamen zudem eine weniger spektakuläre musikalische Untermalung. Heute ist die 116 Minute lange europäische Fassung auch in den USA erhältlich und Tobe Hoopers „Science Horror“ Beitrag mauserte sich mittlerweile auch dort zum Kult-Klassiker.

    Das ESA-Space-Shuttle „Churchill“ ist auf dem Weg den Halleyschen Kometen zu erforschen. Als sie sich ihm annähern, entdeckt die Crew, dass sich nicht unweit des Himmelskörpers ein scheinbar aufgegebenes außerirdisches Raumschiff verbirgt. Man lässt diese Möglichkeit nicht verstreichen und entsendet rasch ein Forschungsteam. Dieses findet dort nicht nur den Beweis für außerirdisches Leben, in Form zahlreicher Leichen von fledermausähnlichen Wesen, sondern zudem drei in tiefer Bewusstlosigkeit liegende Menschen. Diese werden mit auf das Shuttle genommen und die Mission tritt die Heimreise zum Planeten Erde an ohne zu wissen, dass es sich bei ihren besinnungslosen Gästen um Weltraumvampire handelt, die nur darauf warten ihren Durst auf der Erde stillen zu können.

    Ich muss sagen … ein wirklich unterschätztes Werk!

    Da es sich hierbei für ein Prestigeprojekt handelt, können sich die Spezialeffekte, bis auf eine Ausnahme, mehr als nur sehen lassen; insbesondere der Beginn im Weltraum ist eine regelrechte Augenweide mit all seiner gigeresken Ästhetik. Diese Mischung aus der Dunkelheit des Alls und den lebhaften Farben des Kometen ist atemberaubend. Auf der Erde angekommen, geht dieser Stil leider etwas verloren, aber das Gezeigte ist immer noch ein optisches Erlebnis, wäre da nicht diese eine Ausnahme in der man für kurze Zeit vollkommen aus der willentlichen Aussetzung der Ungläubigkeit gerissen wird, weil ein Latexkopf in einer wichtigen Szene leider sehr klar als solcher zu Erkennen ist. Gerade weil die Effekte in anderen Szenen von hoher Qualität sind, fällt dieser missglückte Moment umso mehr auf. Zum Glück gelingt es „Lifeforce“ die Atmosphäre danach wieder aufzubauen und in einem visuellen Spektakel zu enden. Von einem Spektakel kann man ebenfalls hinsichtlich des Soundtracks sprechen. Unter der Leitung des Komponisten Henry Mancini, sorgt das Londoner Symphonie-Orchester mit bombastischen Klängen für das richtige Ambiente.

    Hinsichtlich der Besetzung bin ich geteilter Meinung. Einerseits ist es ein Genuss die junge Mathilda May als die Anführerin der Weltraumvampire bewundern zu dürfen. Schöngeister des fantastischen Films werden sich zudem auch nicht daran stören, dass sie in den meisten Szenen vollkommen nackt zu sehen ist. Anderseits muss ich leider erwähnen, dass Steve Railsback als Oberst Carlsen nicht über genügend Charisma für seine Rolle als Protagonist verfügt. Dies ist besonders in jenen Szenen ersichtlich, in denen er sich dem Bildschirm mit May, Sir Patrick Steward oder Peter Firth teilt, die ihm entweder optisch oder schauspielerisch die Show stehlen.

    Ist dieser Film eines freitäglichen Filmabends würdig? 

    Trotz der erwähnten Schwächen und dem Fakt, dass Colin Wilson, der Autor des Quellenmaterials, diesen Film als die schlechteste Buchadaption aller Zeiten verurteilte, ist „Lifeforce“ ein „Science Horror“-Beitrag ganz nach meinem Geschmack. Vor allem weil er nicht bloß über eine grandiose visuelle Ästhetik und einen epochalen Soundtrack verfügt, sondern es ihm überdies gelingt eine Mythologie aufzubauen, die letztendlich auch den Vampirismus auf der Erde erklärt. Dabei erinnert mich dieser Film sehr an die Geschichte von „Vampirella“, einer der bekanntesten Vampire aus dem Reich der Comichefte, und ich muss zugegeben, dass „Lifeforce“ mit Vampirella als Protagonistin ein noch besserer Film geworden wäre als er es ohnehin bereits ist.

    „Cannon Group“ wollte mit diesem Werk das falsche Publikum zur falschen Zeit erreichen. Bedenkt man, dass ein Jahr danach „Aliens – die Rückkehr“ mit einer rasanten Mischung aus Action und Science Horror für Furore sorgen sollte, lässt sich erahnen woran „Lifeforce“ letztendlich scheiterte. Neben der missglückten Marketing-Kampagne, dem miserablen US-Cut und dem Fehlen eines glaubwürdigen Protagonisten, erfolgt der Ablauf der Geschichte eher gemächlich, kein Vergleich zu erfolgreichen Filmen mit scheinbar ähnlicher Thematik wie, dem bereits erwähnten, „Aliens – die Rückkehr“ oder „Predator“. „Lifeforce“ ist im Grunde eine Science-Fiction-Variante der Schauerliteratur des 18. und 19. Jahrhunderts und als solche ein sehr unterhaltsamer Film. Ich gehe sogar soweit zu behaupten, dass es sich hierbei um das beste Werk von Tobe Hooper handelt. Es freut mich, dass dieser Film durch die jüngsten DVD- und Blu-Ray-Veröffentlichungen nach und nach mehr Fans gewinnt. Liebhaber von Science Fiction und Horror sollten sich eines dieser Exemplare für ihre Sammlung besorgen, denn „Lifeforce“ ist definitiv eines freitäglichen Filmabends würdig!

    Habt ihr Interesse an Horror und Trashfilmen sowie anderer cineastischer Kleinodien, empfehle ich euch meinen englischsprachigen YouTube Channel zu besuchen. Dort bespreche ich mindestens einmal wöchentlich ein Filmjuwel aus meiner Sammlung:
    https://goo.gl/oYL4qZ
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    22.06.2018
    09:16 Uhr