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    Ladendiebe

    Eine Großfamilie: Eltern und zwei Kinder lebt am Rande von Tokio. Das kleine Haus gehört Oma Hatsue (Kirin Kiki). Die Eltern schlagen sich durch Gelegenheitsjobs durchs Leben. Vater und Sohn Shota (Jyo Kairi) bessern das Budget durch Ladendiebstähle (Ttel!) auf. Als ihnen die kleine Yuri (Miyu Sasaki) zuläuft, bringt Vater Osamu (Lily Franky) ihr das Handwerk bei. Die ältere Tochter Aki (Mayu Matsuoka) arbeitet in einer Peep-Show. Das wird in fernöstlich epischer Breite erzählt. Wiederholungen bleiben nicht aus. Dem Zuschauer wird das Bild eines ärmlichen aber intakten Familienverbandes vorgegaukelt.
    Nach und nach kommen Details über die Einzelschicksale der Mitglieder ans Licht. In den Dialogen geht es u.a. auch mal um leibliche Eltern bzw. Adoptiveltern.
    Als Oma stirbt und Shota beim Klauen erwischt wird, gerät der Clan in die Mühlen der Justiz. Im zweiten Teil folgen langatmige Verhöre, die nur durch die guten Darsteller und schnelle Schnitte interessant bleiben. Am Ende löst sich das ganze Patchwork-Gebilde dahingehend auf, dass hier keine echten leiblichen Verwandtschaftsbeziehungen bestehen. Alles wird sehr individuell aufgelöst. Der Zuschauer kann selbst beurteilen welche Form des Weiterlebens erfreulicher ist.
    Bleibt die Frage, ob eine leibliche Familie besser ist als ein auf geschäftsmäßigen Beziehungen beruhendes Model?
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    02.10.2020
    13:05 Uhr
  • Bewertung

    Family Affairs

    Der Film spielt zwar in Japan, könnte aber auch in allen anderen Ländern dieser Welt Realität sein. Hirokazu Kore-Eda zeigt in sehr sensiblen Bildern und Dialogen das Zusammenleben einer sozial benachteiligten Familie. Aber das tut er mit Respekt und Humor.
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    08.01.2019
    15:18 Uhr
  • Bewertung

    Die ausgesuchte Familie

    Exklusiv für Uncut von der ViENNALE
    2018 gewann „Shoplifters“ die Goldene Palme in Cannes. Gelobt wurden vor allem die menschliche Herangehensweise an eine sozialpolitische Thematik und die realistische Darstellung im Zeichen des Naturalismus. Hirokazu Koreedas Filme beschäftigen sich oft mit familiären Konstellationen, ihren Auslegungen und Spannbreiten. So auch in „Shoplifters“. Es ist ein Thema, das uns alle betrifft, das uns allen nahe geht. Denn die Familie kann man sich nicht aussuchen – oder doch?

    Osamu Shibata (Lily Franky) lebt mit seiner Ehefrau Nobuyo (Sakura Andō) gemeinsam mit der Großmutter Hatsue (Kirin Kiki) und den Kindern Aki (Mayu Matsuoka) und Shota (Kairi Jō) unter ärmlichen Verhältnissen in einer japanischen Kleinstadt. Sie wechseln aufgrund der prekären Situation am Arbeitsmarkt ständig ihre Jobs. Da diese allerdings allesamt nicht gut bezahlt sind und auch Hatsues Pension nicht ausreicht, stehen Ladendiebstähle am täglichen Programm. Während einer dieser Aktionen stoßen Osamu und Shota auf Yuri, ein fünfjähriges Mädchen, welches sie mit zu sich nach Hause nehmen. Als sich herausstellt, dass Yuri aufgrund ihrer Familie physischer und psychischer Gewalt ausgesetzt ist, entscheiden sich die Shibatas, das Mädchen bei sich aufzunehmen. Ohne jedoch jemanden darüber zu informieren.

    In „Shoplifters“ setzt sich der Regisseur mit der Frage nach Gemeinschaft und Zugehörigkeit auseinander und gibt einen emotionalen Einblick in die Auswüchse, die zwischenmenschliche Beziehungen zustande bringen können. Er zeichnet ein sehr realistisches Bild über die schlechten Lebensbedingungen japanischer Arbeiterfamilien und spricht auch allerhand konfliktreiche Fragen an: Wer bestimmt, was rechtschaffen ist? Was ist Schuld, was Liebe?

    Eine der emotionalsten Szenen stellt wohl eine Interaktion zwischen Nobuyo und Yuri dar, als die Ältere der Jüngeren erklärt, dass sie keine Schuld an der körperlichen Misshandlung hat und diese kein Ausdruck von Liebe ist. Liebe macht sich durch ganz andere Dinge bemerkbar, wenn man sich zum Beispiel umarmt. Als sie das Mädchen daraufhin an sich drückt, geschieht dies mit so einer Leichtig- und Ehrlichkeit, die einem zu Herzen geht.

    Die Bildsprache und Thematik erinnern an die Filme von Japans Großmeister Yasujirô Ozu, wenn hier auch ein noch naturalistischer Bezug gegeben ist. Trotz ernster Themen ist „Shoplifters“ eine Ode an Zusammenhalt und Empathie, die mit minimalistischen Mitteln eine große Emotionalität erzeugt. Gerade auch den Darstellern ist zu verdanken, dass dies so erfolgreich umgesetzt werden konnte. Tragischerweise stellt der Film die letzte Arbeit von Kirin Kiki dar, einer vielfach ausgezeichneten japanischen Schauspielerin, die kurz nach den Dreharbeiten verstarb.
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    07.11.2018
    11:14 Uhr