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    Coming out mit Drehbuchschwächen

    „Love Simon“ ist der Beweis, den die Filmbranche gebraucht hat, dass Filme mit Homosexualität als Thema nicht automatisch tragisch sein müssen. Dass nicht alles sich um AIDS oder Ablehnung drehen muss. Und vor allem, dass das Thema auch ein junges Publikum im Teenageralter erreichen kann. Was der Film leider auch zeigt ist, dass Regisseur Greg Berlanti und sein Autorenteam keine High School Welt zeigen können, die nicht wie aus der Werbung gehüpft wirkt und dessen Dialoge zum Teil wirken, als wären sie aus Reddit abgeschrieben.

    Der Film handelt von Simon (Nick Robinson), der gerne betont dass er wie du und ich ist, aber ein großes Geheimnis hütet. Er ist schwul und die Frage nach dem Outen stellt ihn nach wie vor vor große Probleme. Einerseits will er von seiner Familie (Jennifer Garner, Josh Duhamel) und seinen Freunden (Katherine Langford, Alexandra Shipp, Jorge Lendeborg jr.) nicht anders behandelt werden, zum anderen kann er sich auch nicht mit der Idee anfreunden, die Darlegung seiner sexuellen Präferenzen formell ankündigen zu müssen. Dass er nicht der einzige an seiner High School ist, erkennt er eines Abends im Social Media Kanal der Schule, in der ein gewisser „Blue“ schreibt dass er schwul ist und sich allein fühlt. Simon nimmt als „Jacques“ Kontakt auf und bald schreiben die beiden einander ihre Sorgen und Ängste. Das geht nur auf kurze Zeit gut. Der unpopuläre Martin (Logan Miller) entdeckt die Emails. Auch wenn er kein Problem mit Schwulen hat, benutzt er die Nachrichten um Simon zu erpressen, ihn Abby (Shipp) näher zu bringen. Simon, der sich in Blue verliebt hat und ihn nicht verlieren will, beginnt daraufhin im Leben seiner Freunde herumzumischen.

    Das schöne an „Love Simon“ ist, dass die Zuschauer und die Filmemacher gemeinsam an einen Punkt angekommen ist, wo wir nicht mehr debattieren müssen, ob Homosexualität ok ist oder nicht. Die einzigen die sich im Film darüber lustig machen sind zwei Bullies an der Schule, die vom Rest gemieden werden und auch gegen Ende vom Direktor bestraft werden. Die Tatsache, dass mit Ethan (Clark Moore) ein „Klischee-Schwuler“ mit fancy Outfit, näselnder Aussprache und femininer Grazie die High School besucht und auch noch richtig beliebt ist, nimmt der Handlung auch viel Wind aus den Segeln wenn es darum geht Simon als ein Unikum darzustellen. Schwul sein ist in dieser Welt bereits mehr oder weniger normal. Es geht eher darum, wie Simon selbst mit dem Thema umgeht und wofür er bereit ist.

    Was den Film hingegen zum Teil anstrengend macht ist diese übertrieben peppige Art, wie das Leben Simons inszeniert wird. Es wirkt so, als hätten die Macher in Onlineforen oder auf Instagram abgeschrieben was es heute bedeutet jung zu sein. Da holt man sich jeden Tag vor der Schule einen Eiskaffee, mit den Eltern wird gemütlich bei Take Out vorm Fernseher gelümmelt, und in der Schule sorgt eine etwas bizzare Aufsichtsperson (Tony Hale) in den Gängen für Aufsicht. Die Dialoge sind weniger gesprochen sondern grelle Leuchtreklamen über den Köpfe der Charaktere die rufen „Schau wie hipp wir reden“.

    Und dann ist da noch Martin. Nicht unbedingt der Bösewicht wie die Handlung vermutet, ist auch er im Grunde nur eine Figur die nach Bestätigung sucht. Als er Simon mit zu sich nimmt und dieser beginnt seine Zaubereitricks und -utensilien zu bemängeln erklärt er entschieden: „Ich will nicht dass du mich änderst.“ Simon solle ihm helfen Abby so zu bekommen wie er ist. Der Film hebt hier offensichtlich schuldbewusst die Hände, nur um dann aber wieder im gleichen Ton weiter zu machen.
    Während Martin hier wahre Worte spricht, wird Simon immer mehr zum Antipathie-Träger. Die wiederholten Betonungen Blues, er wolle sich nicht zu erkennen geben, ignoriert er. Ein Bursch nach dem anderen rückt in seinen Fokus, immer wieder versucht er sie dazu zu bringen ihm durch die Blume zu sagen ob sie sein Chatpartner sind. Zum Schluss steht es Blue zwar frei sich zu erkennen zu geben, aber es passiert erst als Simon öffentlich verkündet er wolle sich jetzt mit ihm treffen. Als jemand, der selber lange nicht wusste was er wollte, ein wenig zu viel Druck.

    Was von „Love Simon“ letztendlich bleibt ist ein weiterer Beweis, dass auch Minderheiten einen Film tragen können und erfolgreich sind. „Love Simon“ versucht diesen aktuellen Zeitgeist einzufangen, und auch wenn er oft daran scheitert, so ist er zumindest ein Schritt in die richtige Richtung.
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    20.07.2018
    10:52 Uhr
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    Der Mainstream outet sich endlich

    Exklusiv für Uncut
    Homosexualität im Kino ist eigentlich längst nichts Neues mehr. Das Queer Cinema brachte in den letzten Jahren so viele Filmperlen hervor wie kaum eine andere Sparte. „Brokeback Mountain“, „Milk“, „Blau ist eine warme Farbe“, „Carol“, „Moonlight“, „Call Me By Your Name“ - sie waren in aller Munde und vor allem auf allen Preisträgerlisten. Doch die breite Masse blieb von ihnen bisher weitgehend unberührt. „Love, Simon“ wird als Meilenstein des Queer Cinema gehandelt, weil er genau das ändert. Es ist der erste Studiofilm mit einem schwulen Protagonisten, der auf ein Mainstream-Publikum abzielt.

    Der Film erzählt eine Coming-Of-Age-Story, die auch eine Coming-Out-Story ist. Der 17-jährige Simon hat alles, was man sich in seinem Alter nur wünschen kann. Doch trotz seiner perfekten Familie und seinen tollen Freunden quält ihn ein Geheimnis. Er ist schwul. Als er auf einer Social Media-Plattform erfährt, dass es an seiner Schule einen anderen Schwulen gibt der jedoch anonym bliebt, wittert er seine Chance auf die erste Liebe. Doch den mysteriösen Blue ausfindig zu machen und dabei sein eigenes Geheimnis zu bewahren entpuppt sich schon bald als Drahtseilakt, dem er nicht ganz gewachsen ist.

    Greg Berlantis Adaption von Becky Albertallis Jugendroman „Simon vs. The Homo Sapiens Agenda“ (deutscher Titel „Nur drei Worte“) erzählt Simons Geschichte ohne viel künstlerischen Anspruch. Ästhetisch bleibt außer einer absolut verpatzten Tanz/Musical-Szene, die ein bisschen so sein möchte wie die aus „500 Days of Summer“ aber kläglich daran scheitert, nicht viel vom Film in Erinnerung. Viel mehr Mühe gibt sich der Film allerdings damit, eine berührende Story zu erzählen. Im Drehbuch steckt viel Herz und Humor und die DarstellerInnen schaffen es, das auch auf die Leinwand zu transportieren. Jungdarsteller wie Nick Robinson (Simon) und Katherine Langford (bekannt aus der Serie „13 Reasons Why“) geben solide Performances ab. Ebenfalls toll sind der aus „Arrested Development“ bekannte Tony Hale als schräger, aber herzlicher Direktor und Jennifer Garner als liebevolle Vorzeige-Mutter, die eine der schönsten Reden im Film hält.

    Wie von romantischen Mainstream-Komödien gewohnt, ist auch „Love, Simon“ Teil der Wiederverwertungsmaschine alter Klischees. Vom High-School-Sweetheart bis hin zu großen Liebeserklärungen im Football-Stadium lässt der Film kaum etwas aus. All die Klischees und all der Kitsch sind allerdings Mittel zum Zweck. Deren Einsatz ist gezielt und wirkungsvoll und promotet nicht wie bei anderen Rom-Coms ein unrealistisches Bild von Liebe, sondern schlicht und einfach Toleranz. Das ist eine wichtige Botschaft, die einer ganzen Generation an jungen Menschen, die ihr Outing noch vor sich haben, Mut und Hoffnung schenken will und das auch tut. Der kanadische Regisseur Xavier Dolan, spätestens seit „Mommy“ selbst einer der Großen des Queer Cinema, hat sogar einen Liebesbrief an „Love, Simon“ geschrieben, in dem er meint, er hätte mit fünfzehn einen Film wie diesen gebraucht. Umso schöner, dass es ihn jetzt gibt – den Mainstream- Film, der bereits junges Publikum mit Themen wie Homosexualität konfrontiert und das auf eine Art tut, die sie glücklich aus dem Kino entlassen wird.

    „Love, Simon“ ist ein zuckersüßer Film, der wäre er heteronormativ, zu Diabetes führen würde. Bei einem queeren Film funktioniert der Zuckerüberguss allerdings perfekt. Ein Hoch auf die Liebe, denn jeder hat sie verdient.
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    22.06.2018
    14:32 Uhr
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    ...und noch ein homosexuelles Coming-of-Age-Drama

    Nach den erfolgreichen Oscargewinnern „Moonlight“ und „Call Me By Your Name“ kommt mit „Love, Simon“ der nächste Film mit ähnlicher Thematik. Aber brauchen wir wirklich noch ein homosexuelles Coming-of-Age-Drama, oder ist der Markt langsam übersättigt?

    „Love, Simon“ handelt vom 17-jährigen namensgebenden Simon, der eigentlich ein ganz normales Leben führt. Der Schüler hat zahlreiche gute Freunde, eine liebevolle Familie und viele Apple Produkte, die er natürlich auch oft in die Kamera hält. Trotzdem hat er ein Geheimnis und erzählt niemandem außer seiner anonymen E-Mail-Bekanntschaft von seiner Homosexualität.

    Der Film kommt in einer zeitgemäßen Hochglanzästhetik mit einigen wohl platzierten 90er-Anspielungen und einem hippen, aktuellen Soundtrack daher und behandelt das Coming-of-Age-Thema zwar auf keine wirklich neue, aber dafür solide inszenierte Art. Die Besetzung strotzt nur so vor aufstrebenden Jungschauspielern, die allesamt eine authentische Performance abliefern und auch die schon etwas in die Jahre gekommene Jennifer Garner geht in ihrer Rolle als Mutter voll auf. Vor allem die Nebencharaktere, besonders hervorheben muss man hier Logan Miller als schrulligen Mitschüler Martin und den aus der Serie „Arrested Development“ bekannten Tony Hale in der Rolle des Vize-Direktors, sorgen für einige der witzigsten Momente des Films und lockern die relativ ernste Grundthematik gelungen auf.

    Leider tappt „Love, Simon“ dann doch öfter als er sollte in altbekannte Klischeefallen und traut sich einfach nichts wirklich Neues. Die Handlung plätschert so vor sich dahin und klappert alle Stationen (die High-School-Party, auf der sich alle betrinken, das Football Spiel, eine Fast-Food-Kette) ab, die eben alle Filme, die in diese Richtung gehen beinhalten. Dabei sind die Jugendlichen immer nur mit Problemen konfrontiert, bei denen man das Gefühl hat, dass sie sich bis zum Ende des Schuljahres von alleine lösen, nie denkt man sich, dass die Konflikte zwischen den Protagonisten tatsächlich nachhaltige Folgen haben werden.

    Ob wir wirklich noch mehr Filme, die genau in diese Richtung gehen brauchen ist schwer zu beantworten, zwar ist es richtig und auch wichtig, dass endlich LGBT-Themen in Mainstream-Filmen angesprochen werden, aber es gibt mittlerweile schon ziemlich viele Filme, die das sehr gut machen. (Besonders hervorzuheben ist an dieser Stelle der österreichische Beitrag „siebzehn“). Alle paar Jahre gibt es in Hollywood den Trend ein aktuelles und finanziell erfolgreiches Filmthema so lange auszuschlachten, bis es kaum jemanden noch interessiert. Es wäre sehr traurig, wenn Filme zu LGBT-Themen die neuen Superheldenfilme werden.
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    jza
    21.06.2018
    11:28 Uhr
  • Bewertung

    Für Kids geeignet

    Nach "Call me by your name" mit einer ähnlichen Thematik konnte mich "Love, Simon" nicht wirklich überzeugen.
    Vielleicht kommt der Streifen ja bei Teenagern, die sich einfach zwei angenehme Stunden im Kino machen wollen, besser an.
    01.05.2018
    15:21 Uhr
  • Bewertung

    Coming-(Out)-of-Age

    Der 17-jährige Simon (Nick Robinson) hat das perfekte Leben – seine Eltern führen eine Bilderbuchehe, die Schwester bekocht die ganze Sippe, seine Freunde sind aus dem Katalog entsprungen und es gibt scheinbar keinen Ärger im Paradies. Nur gibt es da ein Problem: Simon ist homosexuell und keiner weiß davon. Eines Tages sieht er auf der lokalen Enthüllungsplattform seiner Schule, dass es einen weiteren schwulen Mitschüler gibt. Über E-Mail funkt es zwischen den beiden und von nun an macht sich Simon ganz nach Cinderella-Art auf die Suche nach seinem Traumprinzen.

    Was sich nach einem gemachten Nest für ein Outing und einen somit eigentlich inhaltslosen Film anhört, da ja jeder Okay damit sein müsste und wir ja schließlich im 21. Jahrhundert angekommen sind, entpuppt sich aber schnell als kindliches und naives Coming-of-Age Drama ohne Drama. Konflikte zwischen Mitschülern bleiben stets freundlich und werden wie aus dem Mediatoren-Handbuch gelöst, Spannungen zwischen Freunden und Familie werden zwar kurz aufgebaut aber ihn liebliches Wohlwollen aller beteiligten aufgelöst. Und wenn Drama zwischen den Freunden entsteht ist es nicht nachvollziehbar und nach wenigen Minuten wieder vergeben und vergessen. Selbst anbahnende Auseinandersetzungen zwischen dem schwulen-witzelnden Vater oder eine Party voller betrunkener, hormongesteuerter 17-Jähriger bleiben Ereignislos und ohne Konsequenzen. Die Schauspieler sowie Erzählweise des Films kann man dennoch als sympathisch bezeichnen und die Dialoge in (E-)Briefform entfalten ein paar nette Tagträumereien von Simon alá Scrubs – die Anfänger.

    Vielleicht gibt es ja Bedarf an „LGBT-Teenie-Feelgood-RomComs“ die dem/der einem/einen oder anderen der jüngeren Generation beim ausstehenden Coming-Out helfen, doch meiner Meinung nach geht das auch mit weniger rosa Sonnenbrille und mehr Aussage.
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    28.04.2018
    19:12 Uhr
  • Bewertung

    Mainstream "Call me by your name"

    Greg Berlantis "Love, Simon" ist definitv kein perfekter Film, aber ein wirklich schöner dafür! Die Charaktere des Films fühlen sich nicht ganz so real an wie jene, die in Filmen wie "Superbad" oder "Me and Earl And The Dying Girl" gezeigt werden. Aber die zentralen Elemente werden alle auf den Punkt gebracht. Der Protagonist ist durchweg sympathisch und man spürt seinen inneren Konflikt. Alle Szenen, die sein inneres Dilemma betreffen, werden unglaublich kraftvoll und bewegend dargestellt. "Love, Simon"ist im Endeffekt ein sehr lustiger und berührender Coming-Age Film, welcher sich u.a. mit der Angst beschäftigt nicht in unserer Gesellschaft akzeptiert zu werden.

    Gut das wir mittlerweile in toleranteren Zeiten leben!
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    25.04.2018
    00:00 Uhr
  • Bewertung

    Romantik? Check. Drama? Check. Humor? Check.

    Love, Simon erfüllt wohl alle Anforderungen eines Mainstream-Film, arbeitet Punkt für Punkt die Checkliste einer solchen Rom-Com ab und ja, manche Inhalte, Charaktere, Songs sind kitschig, klischeehaft und nicht neu, das kann nicht abgestritten werden.

    Dennoch finde ich den Film sehenswert. Nicht etwa, da er für die breite Masse gedacht und so produziert wurde, sondern weil die Figuren zeigen, wie wichtig es ist, Freunde und Familie um sich zu haben, die für einen da sind, und sei es nur deshalb, um die richtigen Worte und Gesten zu finden.

    Auf dem Weg zu seinem Outing wird Simon mit Fragen konfrontiert, die alle nachvollziehbar sind und leicht zu beantworten scheinen - vor allem da er von verständnisvollen Personen umgeben ist. Dennoch macht es dies nicht einfacher.

    Anzumerken ist auch, dass es nur selten Filme für die breite Masse mit homosexuellen Hauptcharakteren(!) gibt, die einen positiv stimmen (vgl. mit Philadelphia, Milk, Brokeback Mountain oder aber auch Freeheld und Prayers for Bobby).
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    24.04.2018
    10:28 Uhr
  • Bewertung

    Heuchlerisches Vorstadt-Blabla à la America

    Dieser Film lässt uns in das Leben des homosexuellen Simon vor seinem Outing eintauchen. Ein vollkommen oberflächliches 'happy-peppi' Vorstadt-Leben mit völlig überspitztem und unrealistischem amerikanischem Scheißdreck.
    Keine Überraschungen, kaum nachvollziehbares Drama eines Menschen der vor seinem Outing steht und eine armseelige Resonanz seines Umfeldes die sogar den Protagonisten baumeln lassen müsste.

    Aber.. Falls es auch nur einen 'Queer' da draußen gibt der sich in dieser Geschichte ernsthaft wiederfindet, ist gerne eingeladen mich eines besseren zu belehren.
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    24.04.2018
    00:14 Uhr