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    Heldenpathos in technisch brillanter Ausführung

    Exklusiv für Uncut
    In Zeiten, in denen das Marvel Cinematic Universe das moderne Blockbuster-Kino dominiert, hat das Wort „Held“ weitläufig eine neue Bedeutung erlangt. Heute wird der Begriff in erster Linie mit fiktiven (zumeist) übermenschlichen Figuren assoziiert, die das Universum aus den Klauen eines bösen Widersachers retten sollen. Regisseur Joseph Kosinski („Oblivion“) will sich von dieser Entwicklung distanzieren und widmet sich in seinem neuen Werk „No Way Out - Gegen die Flammen“ (OT: Only the Brave) den Helden aus dem Alltag, die heutzutage immer wieder in Vergessenheit geraten: Feuerwehrleute.

    In Arizona ereignete sich 2013 ein katastrophaler Flächenbrand, der unter dem Namen „Yarnell Hill Fire“ für weltweite Schlagzeilen sorgte. Beim Feuer überlebte von den insgesamt 20 „Granite Mountain Hotshots“, eine für die Bekämpfung verheerender Flächenbrände ausgebildete Feuerwehr-Elite, die sich im Einsatz befanden, lediglich eine einzige Person. Mit „Only the Brave“ hat Kosinski nun also eben diesen Männern, die bei der Tragödie, ihr Leben lassen mussten, ein filmisches Denkmal gesetzt.

    Herausgekommen ist bei der Wiedergabe der tragischen Ereignisse ein Charakterdrama, das besonders auf technischer Ebene überzeugen kann. Kameramann Claudio Miranda hat vor allem aus den Brandeinsatz-Szenen im Film epochale Bilder gewinnen können, deren ästhetisierte Zerstörungsgewalt einem noch lange im Kopf nachhallen wird. Kombiniert mit den perfekt gesetzten Cuts und dem ohrenbetäubenden Ton wird einem zumindest auf audiovisueller Ebene ein durchwegs authentisches Kinoerlebnis geboten.

    Der Film leidet jedoch stark an seiner wenig fokussierten Erzählstruktur. Das tragische Ereignis, das eigentlich den Grundstein für den emotionalen Kern des Dramas bilden soll, wird erst in den letzten Minuten wiedergegeben. Das Problem: Dramaturgisch gesehen wirkt es nicht, als würde man auf diesen Moment aufbauen, weshalb die Szene etwas lieblos hinzugefügt und antiklimatisch rüberkommt. Ebenfalls sei es zu kritisieren, dass einige der Charaktere, die zu den Opfern der schlussendlichen Feuertragödie zählen, kaum über Macho-Stereotypen hinaus charakterisiert werden und deswegen das emotionale Pay-off im Finale nicht zu 100% aufgeht.

    Ein weiterer Minuspunkt sind die prinzipiell klischeeüberladenen Charakterisierungen der Figuren. Der Film konzentriert sich hauptsächlich auf Eric Marsh (Josh Brolin), dem harten aber sorgsamen Chef der porträtierten Feuertruppe und Brendan McDorough (Miles Teller), einem ehemaligen Junkie, der seiner kriminellen Vergangenheit, den Rücken kehren möchte, und eine freie Stelle als Feuerwehrmann bei Erics Truppe annimmt. Das Problematische bei der Herangehensweise an McDoroughs Charakter ist, dass man sich hierfür einer typischen „From zero to hero“-Schablone bediente, die einerseits den Verlauf dessen Figur vorhersehbar macht und andererseits wenig Tiefe zulässt. Allgemein wirkt die emotionale Ebene des Dramas in vielen Momenten zu aufgesetzt und plakativ. Wenn denn
    gesamte Szenen verwendet werden, nur um unsubtil immer wieder darauf aufmerksam zu machen, wie sehr denn eine gewisse Figur eine andere liebt, dann wirkt das nicht nur forciert, sondern nach einer Zeit auch repetitiv.

    Immerhin die fehlende Charaktertiefe wird aber in einigen Szenen von Miles Tellers stets überzeugender Schauspieldarbietung wieder wettgemacht. Allgemein weiß die darstellerische Riege durch die Bank zu glänzen. Die Stand-Outs sind dabei wohl Josh Brolin als Eric und Oscar-Preisträgerin Jennifer Connelly in der Rolle seiner Frau Amanda Marsh. Beide können besonders in deren gemeinsamen Auseinandersetzungen mit ausdrucksstarker Mimik beeindrucken und machen die teils heftig melodramatischen Dialoge erträglicher.

    Die stereotype Figurenzeichnung des Films bekommt durch die konservativen Geschlechterklischees, derer man sich bediente, leider einen zusätzlich sauren Beigeschmack verliehen. Besonders bei der zumeist sexualisierten Darstellung der nur sporadisch auftretenden weiblichen Charaktere und überzeichneten „Bro“-Sprache der männlichen Figuren werden sich einige Zuschauer an den Kopf fassen.

    Letztendlich lässt sich somit sagen, dass Joseph Kosinski mit „Only the Brave“ auf der einen Seite ein vor Pathos triefendes Melodram entworfen hat. Andererseits ist der Film jedoch in seinen stärksten Momenten ein visuell monumentales Werk, das alleinig in seiner Bildsprache mehr Ausdrucksstärke findet als in seinen Dialogen und die tragischen Realereignisse ehrwürdig Revue passieren lässt. Wenn auch nur knapp, überwiegen in meinen Augen insgesamt die positiven Aspekte des Films.

    Liebhaber von bildgewaltigen Alltagshelden-Geschichten, die über manch altbackenes Erzählklischee hinwegsehen können, können den Kauf einer Kinokarte also auf alle Fälle in Betracht ziehen!
    chros
    06.05.2018
    20:33 Uhr