9 Einträge
34 Bewertungen
88.7% Bewertung
  • Bewertung

    Fantastisches Drama

    Im Film, dessen Aufbau den klassischen Western nachempfunden ist, geht es um Schuld und Sühne, um Rache und vor allem um Trauer und den Umgang mit dem traumatisierenden Verlust eines Menschen.Dass er gleich sieben Mal für die heurige Oscarverleihung nominiert wurde, wundert niemanden.
    Francis McDormand, die mich bereits als Polizeibeamtin in "Fargo" faszinierte, brilliert diesmal als verzweifelte und von Schuldgefühlen gequälte Mutter, die zu einem drastischen letzten Mittel gegen die unfähige Staatsgewalt greift, um den Mörder ihrer Tochter zu finden.
    Auf drei Werbetafeln macht sie den Chef der hiesigen Polizei der amerikanischen Kleinstadt Ebbing verantwortlich für die erfolglose Suche nach dem Schuldigen. Chief Willoughby , der nicht nur Probleme mit der Dienstauffassung seiner Truppe (allen voran Officer Dixon) hat, sondern sich auch im Endstadium einer unheilbaren Krebserkrankung befindet, wird gewohnt grandios von Woody Harrelson dargestellt.
    Sam Rockwell (vielen bekannt aus "The Green Mile") wandelt sich als Officer Dixon im Laufe des Dramas von einem homophoben rassistischen Muttersöhnchen zu jemandem, der gemeinsam mit Mildred den Mörder und Vergewaltiger ihrer Tochter zu stellen versucht. Dabei gehen mir viele Szenen nicht aus dem Kopf: In einer liest er den Abschiedsbrief von Chief Willoughby, der sein Herz berührt, während das Polizeigebäude, in dem er sich befindet, bereits brennend zusammen fällt. Dazu dröhnt die laute Musik aus seinen Kopfhörern, die ihn von seiner Umwelt abschirmt.
    Neben der grandiosen Charakterdarstellung erreichen auch Kamera, Ausstattung und Musik höchstes Niveau.
    Was mir auch gut gefallen hat, ist das offene Ende dieses Streifens.
    Falls man die Möglichkeit hat, sollte man sich allerdings das Drama wegen seiner pointierten Dialoge und dem schwarzen Humor in der englischen Originalversion anschauen.
    08.02.2018
    14:20 Uhr
  • Bewertung

    Three Billboards....

    Nach Überwindung der Abscheu vor körperlicher und sprachlicher Gewalt, dem Erreichen der Vermutung, daß sich so das Leben der „Red Necks“ abspielen könnte, in der Art eines aktuellen Westerns, war ich von der Tiefe der Empfindungen, dem Humor und der schauspielerischen Leistung aller Protagonisten äußerst beeindruckt.
    04.02.2018
    16:34 Uhr
  • Bewertung

    absolut sehenswert und sehr unterhaltsam!

    Eine Powerfrau macht sogar den Cops die Hölle heiss!
    aidalina_33b2176933.jpg
    03.02.2018
    23:37 Uhr
  • Bewertung

    Grosses Ensemble glänzt in einem kleinen Provinzdrama

    Es geht richtig zur Sache in Ebbing, Missouri: handgreiflich zu werden ist alltäglich und zu fluchen gehört zum Umgangston. Dennoch sitzt der Schock tief nachdem eine junge Frau brutal vergewaltigt und ermordet wurde. Monate nach ihrem Tod gibt es immer noch keinen Verdächtigen. Martin McDonaghs Drehbuch und Film erzählt eine dunkle Geschichte voller Feindseligkeit und Verlogenheit inmitten einer kleinen Stadt im Süden der USA, in der die Zeit still zu stehen scheint. Grossartig Schauspieler (v.a. Frances McDormand und Sam Rockwell) und der simple, aber höchst eingängige Western-Score von Carter Burwell hinterlassen einen mächtigen Eindruck - größer als er ohne sie wohl gewesen wäre.
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    03.02.2018
    20:27 Uhr
  • Bewertung

    Absolut sehenswert

    Der Film ist eine Mischung aus schwarzem Humor und berührenden Momenten. Frances McDormand brilliert als Mildred Hayes in der Rolle der sich auf einem Rachefeldzug befindlichen Mutter, deren Tochter grausam ermordet wurde. Die Figuren sind oft tragisch-komisch, nichts ist schwarz-weiß. Erwartungshaltungen werden nicht bedient, wodurch sich überraschende Wendungen ergeben. Das Lachen bleibt einem zwar manchmal im Hals stecken, aber der (schwarze) Humor bleibt nicht auf der Strecke.
    03.02.2018
    19:37 Uhr
  • Bewertung

    Provinzpolizei

    Viele gute Schauspieler angeführt von der großartigen Frances Mc Dormand und einem überzeugenden Sam Rockwell, tolle Bilder, eine sensible Musikauswahl und eine für mich leider nicht restlos begeisternde Story, hinterlassen das Gefühl einen „interessanten“ Film gesehen zu haben. Der für mich spannendste Charakter des Films Woody Harrelson tritt leider viel zu früh ab. Da wäre viel mehr drin gewesen.
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    01.02.2018
    07:40 Uhr
  • Bewertung

    Auf dem Dorfe ist gut predigen.

    Mildred Hayes (Frances McDormand) hat ihre Tochter auf tragische Weise bei einem Gewaltverbrechen verloren. Um ihren Frust über die untätige Polizei des verschlafenen Nests Ebbing, angeführt von Sheriff Bill Willoughby (Woody Harrelson), abzulassen und auf den ungelösten Fall aufmerksam zu machen mietet sie kurzerhand 3 Werbetafeln und plakatiert eine direkte Botschaft an die Polizei.

    Von da an bricht Unruhe in der Kleinstadt aus. Die Polizei kommt immer mehr in Bedrängnis und allen voran der jähzornige Officer Dixon (Sam Rockwell) erlaubt sich so einige polizeilich fragwürdige Ausuferungen um den Ruf der Polizei und den „Frieden“ in der Gemeinde zu bewahren. Dabei schaukelt sich die Situation immer weiter auf und es kommt zu einigen Wendungen und kuriosen Zufällen im Falle Hayes.

    Der Film bietet vor allem sehr schräge Charaktere, welche grandios gespielt werden (allen voran die drei Hauptdarsteller McDormand, Rockwell und Harrelson) und ein glaubhaftes und zur Story passendes Kleinstadt-Szenario mit all seinen Klatsch, Tratsch und der „jeder kennt jeden“-Philosophie. Dabei werden auch gesellschaftskritische Themen angeschnitten, die aber nie zu sehr in den Vordergrund gedrückt werden (Rassenthematik, Häusliche Gewalt, Polizeigewalt und auch etwas Kritik an der Kirche). McDormand ist die bitterböse Humorgeberin des Films die trotz allen Zynismus nie die Menschlichkeit verliert.

    Was man am Film kritisieren könnte sind die teils losen Erzählstränge die er am Ende nicht ganz schafft zusammenzubinden, dadurch wirkt der Film wie eine überlange Pilotfolge einer Serie bei der man auf mehr wartet und enttäuscht wird wenn die Serie nie produziert wird.

    Wer Filme wie die der Coen-Brüder mag (an die der Film teilweise erinnert) oder auch die Serie Fargo verschlungen hat und überzeichnete Stereotypen und absurde Situationen mit bitterbösen McDonagh-Humor (Brügge sehen... und sterben?) mag, wird sich bei 3 Billboards outside Ebbing, Missouri wie zuhause fühlen, alle anderen sollten einfach an den Werbetafeln vorbeifahren.
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    12.01.2018
    15:51 Uhr
  • Bewertung

    Rage Against the Machine

    Exklusiv für Uncut von der ViENNALE
    Mildred Hayes, wunderbar gespielt von Francis McDormand, geht mit der Brechstange gegen eine Gesellschaft vor, um diese zu verändern. Schließlich heißt es Auge um Auge und Zahn um Zahn und keiner der beiden Parteien hat vor zurückzustecken. Aber beginnen wir am Anfang. Nachdem Mildreds Tochter Angela vergewaltigt und anschließend verbrannt wurde findet die Polizei von Ebbing keine Spur zum Täter und im Laufe der Zeit werden auch die Anstrengungen die dahinter stecken immer geringer. Dies lässt Mildred keine Ruhe und bringt sie auf die Idee heruntergekommene Reklametafeln zu mieten und mit Botschaften für die Polizei, und dessen Sheriff Bill Willoughby (Woody Harrelson), zu versehen. Dieser reagiert prompt, erklärt ihr aber dass die Ermittlungen zu einem Stillstand gekommen sind, da sie keinerlei Spuren haben, die sie verwenden können. Mildred steigt aber nicht zurück und lässt die Botschaften stehen. In Folge sieht sie sich der restlichen Bevölkerung von Ebbing ausgesetzt, die scheinbar geschlossen hinter Sheriff Willoughby steht.

    Es wird deutlich wie sehr Klischees und rassistische Denkweisen die Bevölkerung und auch die Mehrheit der Polizeibeamten lenken und diese von Kernthemen ablenken lassen. Officer Jason Dixon, grandios gespielt von Sam Rockwell, ist hier das beste Beispiel. Dixon ist ein etwas dümmlicher, mit Vorurteilen behafteter Beamter, der noch bei seiner Mutter wohnt und stellvertretend für die gesamte Bevölkerung von Ebbing steht, dessen Empörung Mildred nun entgegenschwappt. Ihr wird schnell klar, dass sie mit ihrer Provokation nicht nur die Polizei anstachelt, sondern alle Teile der Bevölkerung. Sei es die Kirche, die in Form von Pater Montgomery vorbeikommt um eine Standpredigt zu halten, oder der örtliche Zahnarzt, von dem Mildred behandelt werden sollte, dies aber abbricht nachdem sie merkt, dass dieser zu Willoughby hält.

    Der Sheriff wird dann zum Dreh- und Angelpunkt in einem Kampf um eine Gesellschaft zu verändern, in der moralische Grundzüge und Gerechtigkeit nicht mehr im Mittelpunkt stehen. Stattdessen regieren im kleinen Städchten Ebbing, stellvertretend für das gesamte USA, Klischees, Vorurteile und ganz eindeutiger Rassismus. Es wirkt dann beinahe surreal, dass der Sheriff, der wohlgemerkt der Einzige ist der klaren Verstand behält und nicht von Vorurteilen gelenkt wird, die Bevölkerung nicht weiter kontrollieren und beschützen kann, da er von einem Krebs befallen ist und nicht mehr lange zu leben hat. Der Krebs kann hier für eine Morallosigkeit bestimmter Bevölkerungsteile stehen, die die Gesundheit einer gesamten Gesellschaft schließlich auch zugrunde gehen lassen könnte.

    Auf einer weiteren symbolhaften Ebene kann man erkennen, dass sich Mildred und Willoughby in ihren moralischen Werten sehr ähneln und sich dadurch von der restlichen Bevölkerung abheben. Mildred, die von Anfang an für Gerechtigkeit kämpft und sich davon auch von ganz Ebbing nicht abbringen lässt, trifft mitten im Film auf ein Reh. Dieses Reh steht meiner Meinung nach für die Unberührtheit einer sich falsch entwickelnden Gesellschaft. Demgegenüber ist Sheriff Willoughby Pferdebesitzer, also ein Tier, das gehegt und gepflegt werden muss und vom Menschen kontrolliert wird. Wie bei seinen Pferden muss sich Willoughby als Sheriff auch um seine Mitmenschen kümmern. Als er aber die Tiere in einer wichtigen Szene schlussendlich vom Stall entlässt zeigt sich, dass er Mildreds Moralvorstellungen teilt und auch eine Änderung in der Gesellschaft anstrebt. Auch er will den überhangnehmenden Einfluss von Vorurteilen und Rassismus unterbinden.

    Dieser Film zeigt mit unglaublicher Gewalt, fantastischen schauspielerischen Leistungen und einem kräftigen Hauch schwarzer Komödie eine Gesellschaft, die verlernt hat miteinander zu arbeiten und dadurch voranzukommen. Die Moral der Geschichte lautet denn auch passend, dass man Zusammen mehr erreicht als allein und Wut im Endeffekt nur immer mehr Wut bedingt.
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    27.10.2017
    21:53 Uhr
  • Bewertung

    Aus Täter werden Opfer und aus Feinden Verbündete

    Exklusiv für Uncut von der ViENNALE
    Fünf lange Jahre sind seit seinem letzten Filmprojekt „Seven Psychopaths“ vergangen. Nun endlich meldet sich der britisch-irische Regisseur und Drehbuchautor Martin McDonagh mit seinem neusten Film „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ zurück und eines sei gesagt: Das Warten hat sich gelohnt, denn der Film fährt ein breites Spektrum an gelungenem Material auf. Eine tragische Geschichte mit unvorhersehbaren Wendungen, die jegliche Erwartungshaltungen der Zuschauerinnen und Zuschauer unterläuft; starke Dialoge, die mit trockenem, pechschwarzen Humor gespickt wurden und noch stärkere Schauspieler, die diese auf den Punkt genau performen, sind die Hauptzutaten von „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“. Und dieses Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen. Der Film ist durchgängig spannend und lässt das Publikum ein Wechselbad der Gefühle erleben, ohne dass die Plot Twists erzwungen oder der Humor unangebracht wirkt.

    Mildred Hayes (Frances McDornmand) ist in ihrer Heimatstadt Ebbing im Bundesstaat Missouri in aller Munde. Sie lässt drei Werbetafeln im Großformat, welche an einer durch Ebbing führenden Straße gelegen sind, mit provokanten Slogans, die auf blutrotem Hintergrund erscheinen, plakatieren. Die Worte richten sich an den Polizeichef Bill Willoughby (Woody Harrelson), der laut Mildreds Aussage die Verantwortung für das gesamte Polizeipräsidium zu tragen habe. Mildreds Tochter wurde vor einigen Monaten nicht weit von Zuhause vergewaltigt und ermordet, doch die Polizei stellte den Fall ein. Zum Leidwesen ihres Sohnes, der von den Werbetafeln alles andere als begeistert ist, berichten nun auch die Medien über Mildred und ihre Billboards, welche lawinenartige Auswirkungen mit sich ziehen.

    Die Handlung ist vielschichtig gestaltet und überrascht das ein oder andere Mal mit unvorhersehbaren Wendungen. Auch die Figuren sind facettenreich gezeichnet und überzeugen vor allem mit ihrer hochkarätigen Besetzung. Ein besonderes Lob geht hierbei an die drei Hauptdarsteller Frances McDormand (Oscar für beste Hauptdarstellerin „Fargo“) als besorgte Mutter, die keine Angst vor Konsequenzen hat. Woody Harrelson als selbstironischer Sheriff Willoughby und Sam Rockwell als unselbstständiges, rassistisches Mamakind. Der Film löst durchaus eine empathische Verbindung zwischen den Figuren und dem Publikum aus. Trotzdem ist der Facettenreichtum der Protagonisten ein Grund dafür, dass klassische Modi der Identifikation unterlaufen werden.

    Der grobe Umgang der Ordnungshüter mit afroamerikanischen oder homosexuellen Bürgern im Süden der USA wird durchaus passend in die Erzählung eingeflochten und schwingt zu jeder Zeit mit, bekommt aber nicht zu viel an Bedeutung zugeschrieben, was für ein Drama mit sehr hohem Unterhaltungswert ziemlich erfrischend ist.
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    27.10.2017
    12:08 Uhr