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18 Bewertungen
84.2% Bewertung
  • Bewertung

    Episches Kino vom Feinsten

    Der Filmtitel des Dramas, mit welchem 2016 die Viennale eröffnet wurde, lautet wie der Name des kleinen Fischerortes an der Küste von Massachusetts, in dem der Großteil der Handlung spielt.
    Der amerikanische Regisseur und Drehbuchautor Kenneth Lonergan erzählt in ruhigen Bildern wie es sein kann, wenn ganz normalen Menschen etwas Unfassbares passiert .
    Dieser ehrliche Film, der mit dem Oscar für das beste Drehbuch honoriert wurde, begeisterte nicht nur die Besucher der Viennale sondern auch das Publikum von Sundance, Telluride und Toronto.
    Die Schauspieler Cassey Affleck (Golden Globe und Oscar für die Charakterrolle Lee Chandler), Michelle Williams ( Darstellerin seiner Exfrau Randi) sowie Lucas Hedges, der den 16jährigen Neffen spielt, rühren das Filmpublikum durch ihr außergewöhnliches Talent zu Tränen.
    Durch die Rückblenden erfährt man, dass der traumatisierte Handwerker, auf dessen Schultern eine schwere Schuld lastet, einmal ein glückliches Familienleben mit Frau und drei Töchtern führte - bis ein Schlüsselereignis seinem Leben eine schreckliche Wendung gibt: Lees Familie wird zerstört und seine Ehe zerbricht daran.
    Jahre später muss Lee, der ohne jegliche Lebensfreude in Boston lebt, nach dem Tod seines Bruders zurück in seine Heimat um die Vormundschaft für seinen halbwüchsigen Neffen zu übernehmen.
    Wie er mit allen Mitteln versucht seiner Verantwortung gerecht zu werden und sich gleichzeitig mit seiner tragischen Vergangenheit auseinander setzen muss, ist episches Kino vom Feinsten.
    27.10.2017
    15:58 Uhr
  • Bewertung

    Wunderschön und herzzerreißend

    Manchester by the Sea ist wie das Leben selbst: Manchmal tragisch und schmerzhaft und trotzdem schleicht sich ein bisschen Humor auch in die schlimmsten Situationen. Der Film lässt sich nicht als "leichte Kost" bezeichnen, ein paar Tränen kann wohl niemand zurückhalten. Trotz Tod und Verlust fühlt man sich während und nach dem Schauen des Films lebendiger.
    Es ist wohl Casey Afflecks beste Darbietung seiner Karriere und auch Autor und Regisseur Kenneth Lonergan hat sich seinen Oscar für Best Original Screenplay redlich verdient.
    Empfehlenswert!
    04.03.2017
    09:12 Uhr
  • Bewertung

    Sehr traurig und realitätsnah

    Casey Afflecks darstellerische Leistung sollte mit dem Oscar belohnt werden. Wenn nicht jetzt, dann ganz bestimmt in naher Zukunft!
    Der realistische Film beschreibt 2 Tragödien und den realistischen Umgang damit. Dabei findet er immer wieder Zeit für schwarzen Humor. Die Szene, wo man zuerst nicht weiß, was Casey Affleck mit den Gewehren machen möchte, ist ein stiller Höhepunkt für mich. Man fragt sich kurz, ob er alle erschließen möchte. Nein, mit dem Verkauf dieser wertvollen Waffen wird ein neuer Motor für das Boot gekauft...
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    29.01.2017
    08:32 Uhr
  • Bewertung

    Casey Affleck allein ist Grund genug, den Film zu sehen

    Es ist ein stilles, verschlafenes Örtchen, dieses Manchester by the Sea im US-Bundesstaat Massachusetts, unweit der bekannten Metropole Boston. Im Winter klirrend kalt - so kalt, dass sogar die Verstorbenen auf den Frühling warten müssen, bis der Totengräber die gefrorene Erde aufgraben kann - im Sommer lebt man vom Fischen, so gut es eben geht. Casey Affleck trägt in der Hauptrolle des Lee Chandler den ganzen Film - wäre er nicht, so würde er sich rasch im Selbstmitleid und der Trostlosigkeit der Einschicht an sich verlieren. Des großen Bens Bruder hingegen gibt der Geschichte um den vom Schicksal gepeinigten Familienvater Leben, wo man es nicht mehr für möglich halten würde und seinem Schmerz und der meerestiefen Leere, die die Wunden seines Lebens im Herzen hinterlassen haben, Raum und Ausdruck. Großartig sind viele einzelne Szenen des Filmes und bemerkenswert auch der Gedanke, dass ein Mensch nicht nur durch ungerechte Strafe leiden, sondern ebenso durch das nicht-Bestraftwerden angesichts der persönlichen Überzeugung, schuldig zu sein, zerbrechen und zugrunde gehen kann. Afflecks Leistung und viele ganz einmalige Szenen machen das Besondere dieses Filmes aus, das seinen Gesamteindruck ansonsten deutlich übersteigt.
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    28.01.2017
    23:36 Uhr
  • Bewertung

    Eine wunderschöne Tragödie am Meer

    Exklusiv für Uncut von der ViENNALE
    Der schweigsame Handwerker Lee (Casey Affleck) lebt in Boston und will mit Menschen eigentlich nicht mehr viel zu tun haben. Als sein Bruder Joe (Kyle Chandler) stirbt, muss er in seine Heimatstadt Manchester zurückkehren, um sich um dessen Bestattung und den 16-jährigen Sohn Patrick (Lucas Hedges) zu kümmern. Doch nicht nur die Rolle als Ersatzvater für seinen Neffen, sondern auch seine Ex-Frau Randi (Michelle Williams) fordern Lee. Und während er das Erbe seines Bruders aufarbeitet, holt ihn auch seine eigene Vergangenheit ein, vor der er vor Jahren geflohen ist.

    Nach und nach entrollt sich ein Familiendrama, das zeigt wie Menschen durch einen Schicksalsschlag dazu gezwungen sind, sich auch wieder mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Nebenbei streift der in New England spielende Film auch die Thematik der Working Class, ganz ohne dadurch Effekte erhaschen zu wollen oder zu banalisieren.

    Kenneth Lonergan schiebt seine ProtagonistInnen schwer und gedrückt durch das eiskalte, schneeverhangene Manchester am Meer. Dabei hilft ihm unter anderem die Filmmusik – vor allem Georg Friedrich Hendel – die lichten Momente nicht zu groß werden zu lassen. Die hellen Pausen sind gerade lange genug um durchzuatmen und eine Prise schwarzen Humor zu erwischen, der in diesen Situationen so gut tut. Gleichzeitig sind diese Momente der Erleichterung nie so lange, dass die ZuseherInnen wirklich daran glauben könnten in einer Komödie zu sitzen.

    Die Story bleibt schwer. Affleck, Hedges und Williams entwickeln diese emotional überzeugend und sind voll und ganz einnehmend. Die ProtagonistInnen entwickeln sich Stück für Stück, geben immer mehr Schichten von sich preis. Sie kämpfen mit Rückfällen oder auch damit, in einer gewissen Situation eben nicht richtig handeln zu können.

    Als hervorragender Geschichtenerzähler verwebt Lonergan die Gegenwart und die Vergangenheit zu einer komplexen Erzählung: Die Erinnerungen an seine Schicksalsschläge und auch die Präsenz seiner Ex-Frau Randi machen es Lee schier unmöglich in der Stadt zu bleiben. Der Regisseur schafft es, neben dieser Unerträglichkeit, auch noch die Leichtigkeit des 16-jährigen Patrick zu beschreiben – für den es neben dem Tod seines Vaters auch noch die ganz normalen Teenagerfreuden und Leiden gibt.

    Man beobachtet, wie jedes einzelne Familienmitglied auf die Probe gestellt wird und begleitet sie dabei, wie sie versuchen mit der Situation umzugehen und das Beste daraus zu machen. Doch es gibt keine einfachen Lösungen und vor allem kein Schwarz und Weiß, sondern nur viele wunderschöne Grautöne.
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    21.10.2016
    10:40 Uhr