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8 Bewertungen
85.6% Bewertung
  • Bewertung

    Nachtaktiv

    Der zweite Film von Tom Ford und der ist gar nicht mal so schlecht. Über weite Strecken spannend. Nur über das Ende kann man sich genüsslich streiten über Gesehenes oder Angedeutetes. Es gibt viele symbolträchtige Querverbindungen zwischen den zwei Handlungsebenen, auf denen die Geschichte erzählt wird. Außerdem noch Mutter – Tochter Probleme sowie nette Klischees.
    Wohlhabende Galeristin Susan (Amy Adams) hat alles und ist doch unglücklich. Ihr Ehemann, ein Beau, betrügt sie. Ihr Ex Tony (Jake Gyllenhaal) schickt ihr das Manuskript seines ersten Romans, der den Titel des Films trägt. Susan liest ihn und wir erleben die Szenen voller Gewalt: Tony und seine Familie werden von drei gewaltbereiten Jungs angegriffen, Frau und Tochter vergewaltigt und erschlagen. Diese Schiene ist durchaus beängstigend, die ausbrechende Brutalität überzeugt. Es sind Ray, Lou und Turk. Man kann sie nachtaktive ‘Tiere‘ nennen. Mit Hilfe von Detektive Bobby Andes (Michael Shannon) werden diese Tiere ausfindig gemacht und illegal zur Strecke gebracht. Tony schwankt zwischen Rache und Bestrafung, dem totkranken Andes ist der Verlust seiner Lizenz egal. Soweit, so gut, so spannend! Doch die Finalrunde bleibt irgendwie offen. Man sieht nicht alles so genau. Man ahnt, dass Tony erblindet (?), aber kommt er um oder nicht? Eine Mail von ihm vereinbart ein Wiedersehen mit Susan. Kommt er oder kommt er nicht? Auf alle Fälle kein zuckersüßes Happy End: Susan wartet, vergießt ein paar Tränchen, grübelt…Hat vielleicht sogar Erkenntnisse: war ihr Mann Hutton (Armie Hammer) doch ein Arschloch? Die Zuschauer dürfen diskutieren. Spannende Unterhaltung mit klasse Schauspielern und einem diskussionsfördernden Schluss.
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    05.11.2019
    17:28 Uhr
  • Bewertung

    ästhetische Filmerfahrung

    Dieser ästhetische, spannende Film von Tom Ford fällt in die Kategorie unerwartet und unvorhersehbar. Wenn man schon einmal von einem Trailer nicht sagen kann, worum es in dem Film genau geht und dann auch während des Films nicht genau weiß, wie es weitergehen könnte, ist das heutzutage leider schon eine Seltenheit.
    Getragen wird der Film von dem fließenden Ineinadergreifen der zwei Handlungsstränge: fiktive Realität und fiktive Fiktion. Ohne auf aufdringliche Stilmittel wie Schwarz-Weiß vs. Farbe zurückgreifen zu müssen, um den Wechsel zwischen den parallelen Handlungen zu signalisieren, schafft es Ford die beiden Welten klar voneinander zu trennen. So mimt Isla Fisher zum Beispiel die junge, fiktive Susan, während Amy Adams in die Rolle der 'realen' Susan schlüpft. Bei Jake Gyllenhaal signalisiert lediglich die Abwesenheit bzw. Präsenz seines Bartes, in welchen Parallelstrang der Zuschauer gerade transportiert wird.
    Das Ende fällt, wie bei den meisten künstlerisch wertvollen kinematografischen Werken, leider ungemein unbefriedigend aus, was jedoch noch einmal zeigt, wie sehr einem der Film in seine Welt zieht und welche enge Beziehung man mit den Charakteren eingeht.
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    15.02.2017
    12:16 Uhr
  • Bewertung

    Zwei zum Preis von einem - Vorteilspackung Rache

    Um in diese aufwendig und konsequent durchdachte Doppelerzählung einzutauchen bedarf es nur weniger Filmminuten. Tom Ford beweist sieben Jahre nach seinem Regiedebüt erneut, das mit Ästhetik und Schlichtheit einmal mehr auch Tiefgründigkeit und intensive Momente erzeugt werden können.

    Die Besetzung mit Jake Gyllenhaal in einer Doppelrolle, Amy Adams als selbstreflektierende Kunstkuratorin und den verstörenden Bösewicht Aaron Taylor-Johnson hätte nicht besser gewählt werden können. Die Gefühlswelten der Charaktere überträgt sich 1:1 auf das Publikum, wenngleich die weniger erfreulichen in diesem durch die verschiedensten Männlichkeitsformen stark geprägten Film überwiegen. Ford gelingt es, den Bogen zwischen den beiden Erzählsträngen aufbauend und optimal zu spannen.

    Spoileralarm:
    Sehenswert bereits ab der ersten Sekunde (-;
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    10.01.2017
    10:19 Uhr