Forum zu Arrival

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82.6% Bewertung
  • Bewertung

    Die Dimensionen der Sprache. 

    Nachdem an zwölf verschiedenen Orten der Erde Raumschiffe landen, sieht sich die amerikanische Regierung vor ein Problem gestellt: Wie mit den Fremden Kontakt aufnehmen? Denn um mit den außerirdischen Wesen kommunizieren zu können, muss erst deren Sprache genauer untersucht werden. Hierfür werden die Sprachwissenschaftlerin Dr. Louise Banks (Amy Adams) und der theoretische Physiker Ian Donnelly (Jeremy Renner) herbeigerufen. Die beobachtende Forschungsmethode führt zum Erfolg: Mit der Zeit lassen sich genügend Muster erkennen, um eine direkte Kommunikation zu gewährleisten. Die Regierungen der betroffenen Länder werden jedoch immer ungeduldiger, die Situation spitzt sich zusehends zu. Um einen globalen Krieg zu vermeiden, muss Louise den Grund des extraterrestrischen Besuches ergründen und das so schnell wie möglich. Erschwert wird ihr das Ganze zusätzlich durch plötzlich auftretende Visionen, die mit der Ankunft der Fremdlinge in Zusammenhang zu stehen scheinen.

    Der Plot von „Arrival“ klingt nur allzu vertraut: Die Welt steht kurz vor einer Katastrophe und es liegt an einer Person - in diesem Fall an Louise - dies zu verhindern. Ungewohnt ist hingegen der Fokus, der gesetzt wird und als Erklärungsmodell der finalen Auflösung dient: die Sprache. Die der Handlung zugrundeliegende Idee bezieht sich nämlich auf die sogenannte Sapir-Whorf-Hypothese, welche besagt, dass die Sprache unser Denken formt.

    Louise und Ian gewinnen bald das Vertrauen der beiden, ihnen zugeteilten "Aliens", denen sie die Namen "Abbott" und "Costello" geben. Die tintenfischähnlichen Kreaturen, die als "Heptapods" klassifiziert werden, demonstrieren eine erstaunliche Art der Kommunikation: Durch ihre Tentakel wird eine Substanz frei, mit der sie bestimmte Zeichen erschaffen können. Die Wissenschaftler scheinen der zentrale Frage - "What is your purpose on earth?" - immer näher zu kommen. Als sie die Antwort "weapon", also Waffe, erhalten, beginnt das Militär prompt mit der Bombardierung des Raumschiffes. Erst als Louise bewusst wird, dass sie die Bedeutung des Begriffs falsch ausgelegt hatten - gemeint war eine Waffe im Sinne eines Hilfsmittels - scheint der Frieden wiederhergestellt. Doch was ist diese Waffe, dieses Hilfsmittel, welche die fremden Wesen den Menschen als Geschenk darbieten wollen? Es hat mit Louises privater Odyssee zu tun und den Visionen, die ihr augenscheinlich Szenen aus ihrer eigenen Vergangenheit vor Augen führen. Grandioser Plottwist gegen Ende inklusive.

    Das Science-Fiction-Fach konnte in den letzten Jahren mit Blockbustern wie „Interstellar“ oder „Gravity“  einige Publikumserfolge verbuchen und auch der kanadische Filmemacher Denis Villeneuve scheint Gefallen an dieser Filmgattung zu finden: Nach „Arrival“ stellt sein nächstes Projekt die Neuverfilmung von „Blade Runner“ dar, einem Klassiker des Genres.

    Der ganze Hype zieht aber auch seine Schattenseiten nach sich: Man sieht scheinbar immer dieselben Geschichten, immer dieselben Charaktere, wie sie Fremden begegnen, Trips durch den Weltraum machen oder sich einfach allgemein im Kampf um die Erde befinden. Science-Fiction-Filme sind solche, die beim Publikum einfach immer gut ankommen - und sei der Plot noch so unoriginell.

    Gerade das ist es, was „Arrival“ allerdings so besonders macht und dem Film den Vorzug gegenüber den anderen genannten Filmen gibt - die Herangehensweise: Philosophische Fragestellungen und stille Bilder führen hier auf viel subtilere Weise zum Erfolg als so manch überladene Actionsequenz. Obwohl natürlich das hollywoodtypische Pathos nicht fehlen darf, hat man nie das Gefühl, dass dies überstrapaziert wird. Und man bekommt zur Abwechslung mal ein interessantes Erklärungsmodell, das über die 0815-Plots hinausgeht.

    Neben der Musik (des Isländers Jóhann Jóhannsson) ist vor allem auch die visuelle Gestaltung hervorzuheben - zugegebenermaßen etwas, was, wenn man das Genre betrachtet, nicht überrascht. Vor allem wartet Villeneuve aber auch mit sympathischen Hauptdarstellern auf, deren Hollywoodstatus sich nicht vor ihre Darbietung zu schieben scheinen, was heutzutage leider oftmals der Fall ist.
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    01.10.2018
    00:12 Uhr
  • Bewertung

    Zeit der Sprache und Poesie

    Wenn es eine Sache gibt, die Aliens laut Filmen sehr gerne auf der Erde machen, dann ist es die Erde zu zerstören (vor allem diese lästigen Denkmäler). Doch ab und zu gibt es Werke wie Arrival, die diese Frage ernst nehmen. Was wäre, wenn Aliens auf der Erde landen würden? Wie könnten wir mit ihnen kommunizieren?
    Mit diesen Fragen muss sich die Sprachwissenschaftlerin Louise Banks beschäftigen, als 12 schalenförmige Raumschiffe verstreut auf dem Planeten landen.
    Meisterhaft und gut durchdacht führt der Regisseur, Denis Villeneuve, den Zuschauer durch alle möglichen Problematiken des Kommunizierens unter anderem wie sich die gesamte Weltanschauung eines Wesen verändert, sobald die Sinnesorgane anders ausgeprägt sind. Inwiefern spiegelt die Form der Sprache, derer sich das jeweilige Wesen bedient, seine Art zu denken wieder?

    Obwohl Amy Adams diesen ungeheuer gut ausgefeilten Film größtenteils alleine trägt, zieht sie, mit Unterstützung des charmanten Jeremy Renner und einem wie gewohnt überzeugenden Forrest Whitaker, den Zuschauer in ihren Bann.
    In ihrer Rolle verkörpert Amy Adams verkörpert die Spannung, das Aufregende, das schlicht Überwältigende aber auch das Nervöse und das Panische dieser alles verändernden Begegnung mit den unbekannten Wesen realistisch und unglaublich sympathisch.
    Wie die Sprache der Besucher als auch das Konzept des Films entpuppt sich der Charakter der Hauptdarstellerin als nicht nur intelligent und faszinierend, sondern ebenfalls mysteriös und bis zum Ende hin, nicht durchschaubar.

    Das wunderbare Konzept des Films wird zusätzlich mit den atemberaubenden Bildern von Bradford eingefangen und gleichzeitig durch einen intensiven und minimalistischen Score von Jóhan Jóhannsson (der bereits den nervenaufreibenden Score für Sicario kreiert hat) untermahlt.
    Man könnte noch zig Dinge über die Idee und Umsetzung dieses Werkes sagen und über die Philosophie die sich in allen Ecken des Films verbirgt diskutieren, aber leider nicht ohne zu Spoilern oder den Rahmen dieser Kritik zu sprengen.
    Anschließend bleibt zu sagen, dass Arrival einer der beeindrucktesten Filme ist, den ich seit langem gesehen habe und selbst nach wiederholtem Ansehen immer noch zum Nachdenken anregt.
    Ein Werk bei dem das Kinoerlebnis tief unter die Haut geht.
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    12.09.2017
    10:29 Uhr
  • Bewertung

    Leise Töne eines Visionärs

    Mit seinem bereits 2016 erschienen Sci-Fi-Film „Arrival“ gelingt dem kanadischen Regisseur Denis Villeneuve ein außergewöhnlicher Film, der sich Fragen des Menschseins, des Umgangs miteinander in einer zerrütteten Zeit und der Frage nach funktionierender Kommunikation stellt, ohne konkrete Antworten darauf zu liefern. Villeneuve, der bereits mit Filmen wie „Sicario“ (2015) (großartig darin Emily Blunt und Benicio del Toro), „Prisoners“ und „Enemy“ (beide 2013) Aufmerksamkeit erregen konnte, beweist in seinem neuesten Meisterwerk, dass das Science-Fiction-Genre auch mit leiseren Tönen begeistern kann. All jene, die sich Action und Spannung im Stile eines Ridley Scott erwarten, werden von diesem Film wohl enttäuscht werden und sollten eher auf Scotts Prometheus-Sequel „Alien: Covenant“ warten, das im Mai 2017 erscheint. Villeneuve setzt anhand großartiger Bilder eine spannende Handlung in Gang, der sich aufgrund meisterlicher schauspielerischer Leistungen von Amy Adams und Jeremy Renner kein Zuseher entziehen kann. Bleibt nur zu hoffen, dass Villeneuve mit seinem 2017 erscheinenden Blade Runner-Sequel „Blade Runner 2049“ seine Erfolge fortsetzen kann. Er gehört bereits jetzt zu den außergewöhnlichsten Regisseuren seiner Generation.
    07.01.2017
    21:51 Uhr
  • Bewertung

    Wunderschön, wie das Wort Reliefpfeiler

    Der Film ist eine schöne, andere Perspektive auf das "First Contact" Szenario.

    Die Story baut einen schönen Spannungsbogen der durch einen tollen Twist aufgelöst wird, den ich so in der Art nicht erwartet hätte.
    Anders als vielleicht so manch einer erwartet, ist der Film kein klassisches, bombastisches Invasionsszenario alla Independece Day, sondern spielt sich im Grunde auf nur wenigen Schauplätzen ab. Durch dieses "kleine Setting" werden die Schauspieler umso wichtiger und Amy Adams glänzt in diesem Film.

    Der Film regt zum Nachdenken an und zauberte mir am Ende des Films ein lächeln ins Gesicht.

    Fazit: Absolut sehenswert!
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    14.12.2016
    08:14 Uhr
  • Bewertung

    Frustrierend

    Ich bin mit dem Film nicht klargekommen. Der Aufbau war viel zu langsam und gewollt episch, was einfach sinnlos ist, ist ja schließlich nicht der erste Erstkontakt-SciFi-Film. Dann fand ich die Charaktere eher flach und die Auflösung wirklich absolut hanebüchen. Außerdem blieb am Ende so rein gar nichts von SciFi übrig und alles erschien wirklich reichlich sinnlos. Zwar kann ich anerkennen, dass mich der Film zum Nachdenken gebracht hat, aber halt auf eine frustrierende und verärgernde Art. Eine der größten Enttäuschungen in diesem Kinojahr.
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    10.12.2016
    10:31 Uhr
  • Bewertung

    Sehr guter SciFi Film

    Ich wartet schon lange wieder einmal auf einen guten SciFi Film und dieses Film hat gezeigt, dass endlich wieder ein genialer Film in diesem Genre erscheint. Die Handlung regt echt zum Nachdenken an. Es geht nicht drunter und drüber im Film, sondern er ist durchwegs ruhig, aber echt gut gemacht. Für jemanden, der ins Kino geht und abschalten möchte ist dies kein guter Film, da man um die Handlung verstehen zu können echt mitdenken muss. Ich muss sagen, mich fesselte der Film sehr und ich werde diesen sicher nicht ein letztes Mal gesehen haben.
    03.12.2016
    13:25 Uhr
  • Bewertung

    Erstaunlich zurückhaltend und visionär zugleich

    In der Reihe jener Filme, bei denen es um einen ersten Kontakt mit Außerirdischen geht, sticht dieser Film besonders durch seine Zurückhaltung hervor, sei es bei den Spezialeffekten als auch bei der Inszenierung der weltweiten Reaktionen auf das Ereignis. Keine flotten Sprüche stehen hier auf dem Programm, sondern ein subtiles sich Herantasten an die tiefer liegende Bedeutung der Ereignisse. Bei aller Fiktion dessen, was den Personen letzten Endes widerfährt bleibt das weltweite Szenario durchwegs realistisch und die Bedrohung bzw. die geschilderten Ängste nachvollziehbar. Interessant und sehr zum Nachdenken anregend fand ich die Idee, Sprache als Chance, Werkzeug zum Stiften und Krieg und Frieden und als Geschenk zu sehen. Einfach toll ist zudem Amy Adams. Ohne sie wäre der Film nicht das geworden, was er ist: Kunst, ohne Künstlichkeit, Vision ohne Übertreibung - ein anspruchsvolles Stück Kino.
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    25.11.2016
    22:27 Uhr
  • Bewertung

    Arrival und die eigentlichen Schwierigkeiten des ersten Kontakts

    Exklusiv für Uncut von der ViENNALE
    Plötzlich landen auf verschiedenen Punkten der Erde Raumschiffe und niemand kann erklären warum die Besucher ankamen. Um genau das herauszufinden holen sich die amerikanischen Streitkräfte Sprachforscher, Mathematiker und Physiker, die herausfinden sollen was die Ankömmlinge wollen. Dr. Louise Banks (Amy Adams) ist die führende Sprachforscherin Amerikas, die Sicherheitsfreigaben vom US-Militär Freigaben hat und wird für den Kommunikationsversuch mit den Außerirdischen rekrutiert. Während die verschiedenen Militärs des Planeten mit wissenschaftlicher Hilfe versuchen Kontakt aufzunehmen, bricht unter der gesamten Weltbevölkerung Panik aus. Durch die zahlreichen militärischen Interventionen in die Arbeit der Wissenschaftler aller Nationen gibt es zunehmende Konfliktpunkte, womit Louise die Zeit davonläuft.

    Dennis Villeneuve hat sich schon in der Vergangenheit als fokussierter Geschichtenerzähler empfohlen (denken wir an: „Enemy“, „Prisoners“ oder seinen vorherigen Film „Sicario“). Mit diesem Film beweist er der cinephilen Gesellschaft, dass er der Richtige ist um „Blade Runner 2“ zu inszenieren (und man kann diesen Film kaum erwarten!). Mit Arrival wurde der erwachsenste Sci-Fi-Streifen der Filmgeschichte gedreht: in kaum einem Film wird das Problem der Kommunikation des ersten Kontakt ausführlich behandelt. Woher sollen uns unbekannte Lebensformen Wissen für die Grammatik und den Wortschatz der verschiedenen menschlichen Sprachen haben und vice versa. Das Thema Kommunikation zieht sich folgerichtig durch alle Aspekte des Films: militärische Entscheidungsträger und Wissenschaftler reden aneinander vorbei, versuchen nicht einander zu zuhören, sondern die anderen zu überzeugen. Die Wissenschaftler der verschieden Nationen können bald nicht mehr miteinander kommunizieren, da ihnen diese Möglichkeit abgenommen wird und alle Forscher aufgrund übervorsichtiger Militärs, allein gestellt sind.

    Insofern ist dieser Film nichts anderes als ein Plädoyer für eine neue globale Lingua Franca um Frieden nicht nur als Lippenbekenntnis im Raum stehen zu haben. Visuell besticht der Film durch seine Bilder und die Ausstattung. Villeneuve weiß wie er die Bilder inszenieren muss, um genau zu dem von ihm gewünschten Ergebnis zu kommen. Einzig der New-Age unterfütterte Subplot, der Zeit versucht neu zu denken, geht nicht wirklich auf, bildet aber (leider) die Klammer des Films. Das hindert den Film aber nicht daran überdurchschnittlich gut zu sein. Mit „Arrival“ haben wir nicht nur einen der intelligentesten, visuell schönsten und dramaturgisch spannendsten Sci-Fi-Filme der letzten Jahre im Kino, sondern auch für die Oscars 2017 einen großen Favoriten am Start.
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    05.11.2016
    08:06 Uhr