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    Zum Abschied macht Wolverine sie alle

    Einer der interessantesten Charaktere der "X-Men" war für mich neben Charles Xavier immer Wolverine. Der Mann mit den Eisenmessern in den Armen war so etwas wie der brutale Schutzpanzer für die ganze Truppe und zugleich ein psychologisch abgründiger Kerl, bei dem man nie wusste, woran man wirklich war. Nun nimmt Logan unter der Regie von James Mangold und unter den Augen von "Leathal Weapon"-Co-Produzentin Karen Schuler-Donner Abschied von der Welt. Er hat es einfach satt, immer dabei zuzusehen, wie denen, die ihm etwas bedeuten, Schlimmes widerfährt. Wir irgendwie allerdings auch, denn trotz des interessant angelegten Plots rund um eine Vater-/Tochter-Geschichte der besonderen Art dominieren die fast splattermäßig angelegten Kampfszenen, in denen Körperteile nur so durch die Gegend fliegen, dieses brutale Western-Roadmovie doch eindeutig zu sehr. So long, Wolverine - jetzt hast Du sie zum Abschied wirklich alle gemacht. Wie sich das Drehbuch auf die Oscar-Shortlist verirren konnte ist mir letzten Endes doch ein Rätsel, denn an jene Qualität von "Dark Knight" kommt es nicht im Ansatz heran.
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    07.02.2018
    13:43 Uhr
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    Hätte mir einen würdevolleren Abschied gewünscht

    Es ist schon einige Monate her, seitdem ich „Logan – The Wolverine“ gesehen habe, doch weil mich der Film auf so viele Weise so tief enttäuschte, brauchte es einige Zeit, bis ich ihn mit etwas Abstand einigermaßen nüchtern rezensieren kann.

    Vorab möchte ich sagen, dass ich fast alle X-Men- und Wolverine-Filme gesehen habe, ausgenommen „X-Men – Apocalypse“ und „Deadpool“. Ich war und bin jedoch NICHT mit den Marvel-Comics, auf denen die Filme basieren, vertraut. Es waren somit allein die Verfilmungen der Comics, die mich in die Welt der Mutanten eingeführt und mich dank fantastischer Regisseure und Cast sofort gepackt haben. Besonders die Figur des Wolverine, kongenial verkörpert vom Australier Hugh Jackman, ging mir bereits im ersten Abenteuer der X-Men von 2000 sehr unter die Haut, und das änderte sich auch während der Forsetzungen 2003 und 2006 nicht. Trotz der großen Konkurrenz durch andere Mutanten, die in den Filmen ebenfalls zu packen und faszinieren wussten (wie z.B. Patrick Stewart's Professor X, Halle Berry's Storm oder Alan Cummings's Kurt Wagner/Nightcrawler), waren es der raue Charme und die Vielschichtigkeit Wolverines, die ihn für mich zu einem der charismatischsten und spannendsten Superhelden machten, der je auf der Leinwand zu sehen war.

    Wolverines beide ersten Solo-Abenteuer von 2009 + 2013 konnten mich dann jedoch nicht mehr vollends überzeugen, zu sehr setzten Handlung und Inszenierung auf Drama, Schmerz, Rache und endloses Hauen und Stechen, zu sehr fehlten mir die coole und selbstironische Lässigkeit, die man an Logan in den drei ersten X-Men-Filmen so sehr geschätzt hatte.

    In Wolverine's dritten und letztem Auftritt ist's nun endgültig vorbei mit Lässigkeit und Ironie, hier versinkt alles in nicht enden wollendem Drama, Leid, Schmerz und Unmengen von Blut und Gewalt. Doch das ist bei weitem nicht mein Hauptkritikpunkt an „Logan – The Wolverine“. Auch die vielen offenen Fragen und Ungereimtheiten, die sich durch Handlung und Figuren ziehen, empfand ich während des gesamten Films als ärgerlich und störend.
    Hier nur einige Beispiele:

    Von Anfang an sieht man Logan/Wolverine fluchend, stöhnend und mies gelaunt durch den Film humpeln. Er will nicht mehr kämpfen, möchte sich nur noch verkriechen, hat 'nen Riesenhass auf sich und die Welt. Aber WARUM ist das so? WHAT'S EATING LOGAN? Was ist seit seinen letzten Einsätzen passiert, das ihn so verbittert hat?
    Warum behandelt er, der sonst nie zögerte, sich mit geballter Kampfkraft und Leidenschaft für Freunde und andere Mutanten einzusetzen, mit einem Mal alle Menschen in seinem Umfeld mies und schert sich selbst um die, die ihm beistehen, einen Dreck? Sind es seine schwindenden Kräfte, die ihm zu schaffen machen? Sind es die bösen Geister seines langen, bewegten Lebens, die ihn und sein Gewissen heimsuchen? Oder liegt es daran, dass es – wie es im Film heißt – kaum noch Mutanten gibt und er einer der letzten einer aussterbenden Art ist?

    Das führt dann gleich zu den nächsten Fragen:
    WARUM haben Logan seine Mutanten-Kräfte verlassen? In keinem der X-Men oder Wolverine-Filme war jemals zuvor die Rede davon gewesen, dass die besonderen Fähigkeiten der Mutanten im Alter schwinden würden.
    Und WARUM gibt es kaum noch Mutanten? Wenn ich es richtig verstanden habe, spielt der X-Men-Film „Zukunft ist Vergangenheit“ zeitlich nur 1 Jahr vor „Logan – The Wolverine“, also 2023, und in diesem Film leben noch sämtliche Mutanten, sind jedoch in Gefahr, von roboterartigen „Sentinels“ ausgelöscht zu werden. Durch eine Zeitreise ins Jahr 1973 gelingt es Logan, zusammen mit Magneto, Charles Xavier und Anderen jedoch, diese Entwicklung zu stoppen und somit die Zukunft der Mutanten zu sichern. Wieso also gibt es im Jahr 2024, also ein Jahr später, kaum noch Mutanten, obwohl doch ihre größte Bedrohung, nämlich die „Sentinels“, zerstört wurde?

    Was also ist in der Zeit, bevor die Handlung von „Logan – The Wolverine“ einsetzt, passiert? Werden Mutanten von Staaten und Regierungen bekämpft? Werden sie mit Medikamenten zwangsbehandelt? Sind sie „ausgestorben“ oder wurden sie verbannt oder gar ausgerottet? Verlieren sie ihre Kräfte? Der Film hätte darüber aufklären müssen, hätte es nachvollziehbar machen müssen, warum Wolverine mit einem Mal ein lebensmüdes, verwundbares Wrack ist, der sich die Birne mit Alkohol zudrönt und auf sich und die Welt scheißt. Vermutlich kennen all jene Zuschauer, die mit den Comics vertraut sind, alle Antworten auf diese Fragen. Aber für jene, die lediglich mit den Verfilmungen der X-Men vertraut sind, ist die Entwicklung Wolverines hin zu einem verwahrlosten, an der Flasche hängenden Ekelpaket, dessen Superkräfte schwinden, absolut nicht nachvollziehbar!

    Und es gibt noch mehr Fragen!
    Was zur Hölle ist mit Charles Xavier passiert? Warum wird er im Film nur als seniler, bettlägeriger Tatterkreis gezeigt? Was ist aus seinen Kräften geworden? Warum war er im Film „Zukunft ist Vergangenheit“, der 2023 spielt, noch durchaus ganz der alte Professor X, und im „Logan“-Film, der (soweit ich es verstehe) nur ein Jahr später spielt, plötzlich ein hinfälliger, seniler alter Mann, der seine einstmals außergewöhnlichen Fähigkeiten und Kräfte nicht mehr unter Kontrolle hat? Auch hier stellt sich erneut die brennende Frage: WARUM verlassen die Mutanten plötzlich ihre Kräfte? Warum sind die Mutanten im Film alle psychische und physische Wracks, die sich mit Alkohol und Medikamenten elend durchs Leben schlagen? WAS IST PASSIERT?

    Und warum behandelt Logan den bettlägrigen, pflegebedürftigen Professor X auf solch unwürdige Weise? Er kümmert sich zwar um seinen einstigen Mentor, tut dies aber auf eine Weise, die mehr mit Misshandlung als mit Pflege zu tun hat. Warum ist das so? Warum behandelt er diesen Mann, der ihm einst wie ein Vater war und dessen gewaltsamen Tod er im dritten Teil der X-Men-Saga tief betrauerte, nun so gefühllos? Warum versucht er ihn ständig mit Medikamenten ruhig zu stellen und ignoriert das, was der alte Mann ihm zu sagen versucht?

    Die selbe Frage stellt sich auch im Falle des Albino-Mutanten, der Logan in dessen Versteck unterstützt und sich um den kranken Charles Xavier kümmert. Denn auch ihn behandelt Wolverine kaltherzig und abfällig, weigert sich mit ihm zu sprechen oder ihm zuzuhören und hat außer mürrischen Worten nichts für ihn übrig. Später dann, als sein treuer Mutanten-Helfer in die Hände der Verfolger fällt und von diesen brutal gefoltert wird, unternimmt Wolverine nichts, um ihm zu helfen. Genau genommen verschwendet er nicht einmal einen einzigen Gedanken an seinen einstigen Begleiter.
    WARUM? Warum hat Wolverine mit seinen Kräften offensichtlich auch seine Menschlichkeit verloren??

    Doch damit nicht genug. Logan benimmt sich besonders zu Beginn des Films nicht nur wie ein absoluter Kotzbrocken, sondern er handelt auch noch unfassbar dumm und verantwortlungslos. Beispiele gefällig? Hier sind sie:

    – Warum lässt Logan/Wolverine die mexikanische Krankenschwester, die ihn um Hilfe anfleht und der er schließlich bereit ist zu helfen, im Motel zurück, obwohl er weiß, dass die Krankenschwester und das Mädchen, das sie beschützt, verfolgt werden und in großer Gefahr sind? Warum nimmt er beide nicht mit oder bringt sie zumindest woanders unter? Dadurch, dass er sie im Motel zurücklässt, geschieht, was geschehen muss: die Verfolger/Bösen sind bald da und töten die Frau. Diesen Mord hätte Logan verhindern können!
    – Warum hört Logan nicht auf Charles Xavier, der verzweifelt versucht, ihm etwas über das unbekannte Mädchen zu erzählen und ihn auf wichtige Dinge hinzuweisen? Warum lässt er den Professor nicht ausreden und spricht nicht mit ihm? Hätte er zugehört und den Professor ausreden lassen, hätte vielleicht manches von dem Unglück, das kurz darauf losbricht, verhindert werden können!

    – Oder auch dies: Logan's Selbstheilungskräfte sind so gut wie verschwunden, auch seine Krallen versagen immer häufiger ihren Dienst. Warum berücksichtigt er diese so entscheidende Veränderung seiner Kräfte und Kampffähigkeit nicht? Warum stürzt er sich wie eh und je in den Kugelhagel seiner übermächtigen, hochgerüsteten Gegner, obwohl sein Körper inzwischen verwundbar ist und die Selbstheilungskräfte versagen? Warum besinnt er sich nicht auf eine intelligentere und effektivere Kampftaktik, um sein Leben und das derer, die auf seine Hilfe angewiesen sind, zu retten? Aber nein – wieder und wieder fährt er seine brüchig gewordenen Klingen aus und stürzt sich mit archaischem Gebrüll auf seine übermächtigen Gegner... wie das endet, kann sich jeder vorstellen. Sehr dumm. Wirklich sehr, sehr dumm.

    – Und dann die Sache mit der netten Familie, die ihn, seine Tochter und Prof. X nach einer Autopanne aufnimmt. Och nee, denkt man sofort, nicht schon wieder! Wolverine-Fans kennen das Muster zu Genüge aus den früheren Filmen und wissen schon wie's enden wird noch bevor's recht begonnen hat: Wolverine, der mal wieder von sehr bösen, brutalen Leuten verfolgt wird, lässt sich von ganz lieben Menschen – meistens Farmer – helfen, und es kommt wie's kommen muss: Wolverine ist kurz mal weg, und die Bösen, die ihm auf den Fersen sind, massakrieren die nette Familie. Man sollte meinen, Logan wüsste inzwischen um die tödliche Gefahr, in die er Menschen, die ihm auf seiner Flucht Hilfe anbieten, bringt, und verzichtet deshalb auf diese Hilfe. Aber nein, auch hier scheint Logan nicht lernfähig zu sein, und einmal mehr werden seine freundlichen Helfer abgeschlachtet. Hätte nicht passieren müssen, wenn er sein Gehirn eingeschaltet hätte!

    Und da wäre noch eine weitere Frage, die der Film für mich unbeantwortet ließ:
    Was hat es mit dem bösen Mutanten auf sich, der hinter Logan und dessen Tochter her ist? In der ersten Szene, in der er und Logan aufeinander treffen, wird angedeutet, dass sich beide kennen – doch woher kennen sie sich? Welche gemeinsame Geschichte haben sie? Waren sie mal Freunde oder schon immer Feinde? Müsste Logan wissen, dass dieser Mutant brandgefährlich und nicht so einfach zu töten ist? All das wird im Film mit keinem Wort erklärt, auch wird nicht unbedingt klar, für wen dieser „böse Mutant“ eigentlich arbeitet (offensichtlich für Homeland Security), und wer genau ein Interesse daran hat, Logan, dessen Tochter, sowie die in Heimen herangezüchteten und auf der Flucht befindlichen Mutantenkinder zu töten.

    Wie gesagt: Fans der Marvel-Comics kennen vermutlich die Antworten auf all diese Fragen. Doch auf diese Die-Hard-Fans unter den Zuschauern dürfen sich die Macher von „Logan“ nicht herausreden. Jeder Regisseur muss sich bemühen, dass auch Neu-Einsteiger nicht nur der Handlung des Films folgen können, sondern auch die Beweggründe der Hauptfiguren – der Guten wie der Bösen – verstehen und nachempfinden können. Und hier haben die Macher von „Logan – The Wolverine“ einiges versäumt!

    Und was ist mit Hugh Jackman, der seit 2000 die Figur des Wolverine mit geprägt und ihn mit vollem Körpereinsatz, Leidenschaft und einer guten Prise Humor verkörpert hat? Der Körpereinsatz ist zwar auch in seinem letzten Solo-Auftritt als Wolverine zu Genüge vorhanden, das war's dann aber auch schon. Aus dem kraftstrotzenden Helden, bei dem Tragik und Selbstironie eng beieinander lagen, und der im Verlauf der ersten X-Men-Filme eine spannende Entwicklung vom verbitterten Einzelgänger zum treuen Freund und entschlossenem Kämpfer für die Sache der Mutanten machte – aus diesem Held haben Hugh Jackman und Regisseur Mangold einen verbiesterten Kotzbrocken werden lassen, der nur noch mit zwei Emotionen auskommt: Verbitterung und Wut. Nichts ist mehr übrig vom Charisma und kernigen Charme, die man einst so sehr an der Figur des Wolverine geschätzt hat.

    Ausgerechnet Hugh Jackman, der so viel dazu beigetragen hat, dass aus Wolverine eine der coolsten und vielschichtigsten Figuren im X-Men-Kosmos wurde, von Fans weltweit kultisch verehrt, hat nun sein Bestes gegeben, Wolverine in seinem letzten Auftritt zu demontieren und ihn in einen übellaunigen, brutalen, gebrochenen Ex-Helden zu verwandeln. Warum nur diese eindimensionale Darstellung?
    In Interviews wurde Hugh Jackman nicht müde zu betonen, wie glücklich er darüber sei, dass James Mangold ihm ermöglicht hätte, Wolverine auf diese Weise spielen zu dürfen. Und wie wichtig es ihm war zu zeigen, was aus seinem Helden wird, wenn dieser sterblich ist und ohne seine Superkräfte auskommen muss. Er wollte Wolverine/Logan als normalen Sterblichen zeigen, wollte ihn aus der CGI-Effektewelt in die Wirklichkeit holen, ihn menschlicher machen.
    Aha. Und das geht nur, indem man Wolverine als starrköpfigen und blutrünstigen Kotzbrocken spielt??

    Fast scheint es, als habe sich Jackman ein für allemal vom Kult, der um seine Figur des Wolverine betrieben wurde, befreien wollen, indem er nichts von dem, wofür sein Held so sehr verehrt wurde, übrig ließ. Und, zumindest in meinen Augen, hat er dies auch gründlich geschafft.
    17 Jahre lang haben mich die Figur, die (Leidens-)Geschichte und Abenteuer von Wolverine begleitet, und ich hätte ihm einen sehr viel würdevolleren Abgschied als diesen gewünscht, mit einem logischeren Drehbuch, nachvollziehbareren Handlungen und Beweggründen, und sehr viel mehr Wärme und Ironie!
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    12.12.2017
    13:36 Uhr
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    Wolverine in seiner natürlichen Umgebung

    Was für ein Abgang! Die düstere Geschichte und die Brutalität des Films passen perfekt zur Figur des Wolverine. Die vereinzelten zarten Momente wirken in dieser unmenschlichen Umgebung umso intensiver.
    Schade, dass die Trilogie nun abgeschlossen ist. Nach den beiden enttäuschenden Vorgängerfilmen ist das der erste Wolverine-Film, der wirklich Lust auf mehr macht.
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    29.08.2017
    07:39 Uhr
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    Klingt vielversprechend

    Die ersten beiden Wolverine-Filme haben mich ja nicht so sehr begeistert, aber nach den Kritiken von Teil 3 hier auf Uncut und in der Presse bin ich schon richtig gespannt auf diesen Film!
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    04.03.2017
    16:04 Uhr
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    Drei Klauen hoch!

    Man soll ja bekanntlich aufhören wenn es am schönsten ist und Hugh Jackman und Wolverine machen genau das mit Logan.

    Der Film spielt in einer nicht all zu fernen Zukunft in der es die X-Men nicht mehr gibt, Mutanten nur noch vereinzelt in der Welt unterwegs und nichts weiter als eine Randnotiz sind.
    Logan, Professor Charlex Xavier und Kaliban, bekannt aus dem letzten X-Men Apocalypse leben zurückgezogen in Mexico und versuchen nicht aufzufallen als plötzlich ein junge Mutant auftaucht, der Logan ziemlich ähnlich ist.
    Dadurch wird eine wunderbare, charatktergetriebene Story in gang gebracht, die meines Erachtens sehr Nachvollziehbar gestaltet ist und wenig bis keine Handlungslöcher aufreist.
    Logan und Charles harmonieren wunderbar miteinander und transportieren ihre Konflikte und schönen Momente durchaus glaubhaft. X-23 alias Laura tut der Story als unbeschriebenes Blatt gut und dient Logan immer wieder als Projektionsfläche für seine Selbstreflexion.

    Die Kampfszenen profitieren von der "Rated R Wertung in den USA" (Ab 16 in Österreich) des Films und hätten schon in den letzten Filmen so gemacht werden sollen. Trotz der neuen Möglichkeiten die Fähigkeiten von Wolverine und X23 so zu porträtieren, wie sie eigentlich sein sollten - nämlich brutal - roh - animalisch, fühlt es sich aber nicht so an, als hätten die Produzenten und Autoren unnötige Kampfszenen in den Film gepackt nur um zu zeigen was sie können. Jeder Kampf wirkt irgendwie "sinnvoll" und treibt die Charaktere voran.

    Die Szenen und Schauplätze die gewählt wurden sind durchwegs schön gestaltet und aufgenommen.
    Die Filmmusik fiel mir persönlich nicht besonders auf, störte aber auch nicht und das ist ja auch schon mal positiv.

    Als Endgegner hätte ich gerne Liv Shriver als Sabretooth gesehen aber auch der verwendete Prügelknabe ist ok - wenngleich er einem oft verwendeten Muster in Comicfilmen/büchern folgt. Dies würde ich als kleines Manko sehen, obwohl es ein verständlicher Teil der Handlung ist.

    Alles in allem ein sehenswerter Film, der so ist, wie ich mir einen Wolverine Film immer erwartet habe.
    Klare Empfehlung! Reingehen und ansehen.

    Anzumerken ist aber, dass ich hoffe, dass jetzt nicht jeder Superheldenfilm in diese Richtung geht. Nicht jeder Superheld ist Wolverine. Nicht jeder Charakter eine animalische Bestie im Körper eines Menschen.
    Dieser Stil passt gut für Wolverine, vielleicht einen zukünftigen Film über X23 und eventuell auch für Deadpool . Die X-Men möchte ich aber nicht in der Art sehen.
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    03.03.2017
    12:13 Uhr
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    Wolverines Abgesang als brutaler Western

    Exklusiv für Uncut von der Berlinale 2017
    Das war es wohl. Das war nicht nur das letzte Mal, dass das Kinopublikum Hugh Jackman als Wolverine sehen wird, es war auch der Film, den sich viele seit Wolverines erstem Sologang 2009, „X Men Origins: Wolverine“ gewünscht hatten. Gemessen an der Tatsache, dass Hugh Jackman sich mit seiner Darstellung des kanadischen Mutanten mit den messerscharfen Klingen im Jahr 2000 in die A-Liga der Hollywoodstars katapultierte und seine Figur nicht nur einer der populärsten Mutanten ist, sondern auch quasi in jedem X-Men Film einen Auftritt hatte (Deadpool ist Auslegungssache), war es traurig zu sehen wie qualitativ durchschnittlich bis schlecht seine Solo-Abenteuer bisher waren.

    Dass „Logan“ sich von seinen Vorgängern „X Men Origins: Wolverine“ und „The Wolverine“ abhebt hat mit mehreren Faktoren zu tun. Die Geschichten, die sich rund um den ersten Wolverine-Film ranken, sind soweit bekannt. Produzenten die sich ständig einmischten, was sogar so weit ging, dass heimlich nachts ein Set neu gestrichen wurde oder neue Skriptseiten, die in der Nacht vor dem Dreh an die Filmcrew geschickt wurden. Das Ergebnis war ein chaotischer Film, der nicht einmal Hugh Jackman glücklich machte. Regisseur Gavin Hood verließ anschließend den Regiesessel und James Mangold übernahm 2013 für „The Wolverine“. Die Produzenten ließen diesmal den nötigen Freiraum, so dass Mangold und Jackman die Geschichte erzählen konnten die ihnen am Herzen lag. Der Film kam auch deutlich besser bei den Kritikern an, lediglich der dritte Akt wurde als „zu cartoonhaft“ bezeichnet.

    Auch bei „Logan“ hatten der zurückkehrende Mangold und Jackman wieder freie Hand den Film zu machen den sie im Kopf hatten. Viel mehr noch, diesmal erlaubte Fox ihnen eine R-rated Film zu drehen. Die Befürchtung, durch diese Bewertungskategorie jüngere Zuschauer und daher Einnahmen zu verlieren, war durch den Überraschungserfolg „Deadpool“, ebenfalls R-rated und einer der finanziell erfolgreichsten Marvel-Filme aller Zeiten, als nicht begründet erwiesen worden. Somit wird „Logan“ der wilden Natur seines namengebenden Protagonisten gerecht. Hier werden Menschen aufgespießt und zerstückelt, hier fließt Blut in allen erdenklichen Rottönen, hier findet man sich in einer düsteren futuristischen Welt wieder und nicht in einem bunten Comic-Setting.

    Die Handlung mag zwar im Jahr 2023 spielen, angelegt ist „Logan“ aber wie ein Western mit Elementen eines Roadmovies. Ein alter abgehalfterter Held, der sich gegen eine Reihe Banditen wehren und seine Mitbürger beschützen muss. In diesem Film ist es Wolverine, im Winter seines Lebens angekommen, der die junge Laura, eine Mutantin die gemäß der geteilten DNA ebenfalls ein hübsches Paar Adamantiumklauen besitzt, vor ihrem Schöpfer Zander Rice und seinen Reavers, einer Gruppe Cyborgs schützen muss. Da es keine Schule für Mutanten mehr gibt, keine X-Men und sowohl Wolverine als auch Professor X nicht mehr lange kampftauglich sein werden, müssen sie sich Lauras Wunsch beugen das mysteriöse „Eden“, angeblich eine sichere Zuflucht für Mutanten, zu erreichen. Um dorthin zu gelangen starten die drei einen Trip von Mexiko quer durch die USA nach North Dakota, von wo Laura mit den anderen Klonen über die Grenze fliehen will.

    Dass Wolverine keine ausgeprägte soziale Ader oder optimistisches Grundwesen besitzt überrascht auch in diesem Film nicht. Es sind vielmehr seine Mitspieler, die den dunklen Grundton des Filmes verdeutlichen. „Warum lässt du mich mit dem verdammten Albino allein“, schreit Charles Logan an, als dieser ihm seine Kräfte unterdrückenden Medikamente geben will. Gemeint ist der Mutant Caliban, der zu Beginn des Film Professor X betreut. Es muss viel Negatives seit „Days of Future Past“ passiert sein damit Charles, Verfechter der Diplomatie, der offenen Gesinnung und dem Seher des Guten in allen in solch eine Ausdrucksweise verfällt. Als Logan nach Übermüdung in einer Arztpraxis landet wird er nicht mehr wie in vorangegangenen Filmen von den Menschen angefeindet, sondern wie ein faszinierendes Kurisorium aus einer längst vergangenen Zeit behandelt. Eine Spezies, die am Aussterben ist und deren Besonderheit der Mensch erst just in diesem Moment erkannt hat. Eine treffende Parallele zur realen Welt und eine Spezialität der Fox-Men.

    Das Fehlen jeglicher Comic-Popcorn Welt ist nicht nur dem Skript geschuldet. Auch in der optischen Inszenierung lässt Mangold keinen Zweifel daran, dass er eine sehr geerdete düstere Geschichte erzählen wollte. Die Kader sind stets gelb getüncht, als würde in einer Tour Sand aufgewirbelt werden und die Sonne auf die Häupter brennen. Die Menschen und Gegenspieler, auf die Logan und Laura treffen und gegen die sie kämpfen, sind bis auf die Truppe rund um Rice keine Regierungsbeauftragen, mächtigen Mutanten oder künstlichen Intelligenzen. Es sind Tankstellenmanager, Pferdezüchter und Cowboy-Rowdies mit Baseballschlägern. Die Kämpfe sind keine bildgewaltigen CGI-Orgien, sondern Mann gegen Mann oder auch Kind gegen Mann, jeder gegen jeden. In diesem Mikrokosmus aus Hieben gegen das Gegenüber entsteht eine Orgie der plastischen Darstellung und der Gewalt. Körperteile werden abgesäbelt, Blut spritzt und Kugeln aus dem Körper rausgepresst. Immer wieder lässt Mangold die Kamera anschließend im Close-up über Logans Körper schwenken. Hier ist klar, dieser Mann trägt Wunden davon die nicht mehr heilen. Er ist nicht mehr die übermenschliche Kampfmaschine aus den alten Filmen.

    Letzten Endes kommt der Film an einem Punkt an, wo er leider wieder etwas nachlässt. Der dritte Akt ist ähnlich wie bei „The Wolverine“, wenn auch aus anderen Gründen, schwach geraten und verliert etwas an Dynamik. Zwar ist es nachvollziehbar, dass Wolverine in diesem Film die Staffel an die nächste Generation von (Klon-)Mutanten abgibt, dennoch gerät er zu sehr in den Hintergrund in seinem eigenen Film, wodurch das Ende etwas abflaut. Es gibt auch keine sonderlichen inhaltlichen Überraschungen. Logans Handlungsstrang ist eine Einbahn, deren Ende man schon unausweichlich seit der ersten Sekunde auf sich zurasen sieht. Dies ist jedoch soweit zu verschmerzen, als dass der eigentliche Star dieses Films nicht Jackman selber ist, sondern die 11-jährige Dafne Keen, die ihre älteren Kollegen glatt an die Wand spielt. Nach Milly Bobby Brown im Vorjahr die nächste große Kinderschauspiel-Entdeckung.

    Was den Film letztendlich für mich persönlich zu etwas Besonderem machte ist seine Bandbreite an Konflikten. Klassischerweise unterteil man die Konflikte in Mensch versus Mensch, Mensch versus Selbst und Mensch versus Natur. Seit dem ersten X-Men Film im Jahr 2000 haben diese als Allegorie auf das feindselige Verhalten der Menschen gegenüber dem ihnen Fremden gedient und dabei den Konflikt Mensch gegen Mensch bedient. Die Wolverine Filme inszenierten gemäß der Natur ihres Protagonisten auch stets den Mensch versus Selbst Konflikt. Über die Jahre hinweg hat Logan versucht sich selbst zu finden und mit seiner Vergangenheit Frieden zu schließen. „Logan“ geht in diesem Fall sogar noch einen Schritt weiter, indem sich Wolverine auch physisch sich selber stellen muss, unter anderem in der Form von Klon Laura. Das neue an diesem Film ist, dass erstmals den Konflikt mit der Natur miteinbezieht. Die Charaktere des „Logan“-Universums leben in einer genmanipulierten Welt. Eine Tatsache, die im Laufe des Films noch eine wichtige Rolle spielen wird.

    Der Film ist somit vielleicht nicht der perfekte, aber ein würdevoller Abgesang auf Hugh Jackman und seinen Wolverine. Was als nächstes kommt wird sich zeigen. Fox hat ungleich der Marvel Studios, die mit jedem Film noch die Kritiken positiv überzeugt hatten, in den letzten Jahren mehr Hit und Miss produziert, den katastrophalen Flop „Fantastic Four“ außen vorgelassen. Neben Jackman stehen auch Patrick Stewart und Jennifer Lawrence nicht mehr für weitere Filme zur Verfügung. Mit „Deadpool“ und „Logan“, die beide sehr begeistert aufgenommen wurden, scheint Fox sich nun eine erfolgreiche Nische geschaffen zu haben. Tiefgründige Mutanten-Alleingänge statt Gruppenweltuntergängen. Als Zuschauer kann man nur hoffen, dass „Gambit“ es auch endlich aus der ewigen Preproduction-Hölle schafft.
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    26.02.2017
    23:51 Uhr