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71.7% Bewertung
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    Vor der Morgenröte

    Enttäuschend in jeder Hinsicht! Selten, daß mich ein Film so wenig beeindruckt hat.
    28.06.2016
    10:35 Uhr
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    Ein (un)angenehmes Exil

    Um das Positive gleich vorwegzunehmen: es ist durchaus aller Ehren wert, dass sich Maria Schrader dieses nicht unbedingt mainstream-kompatiblen Stoffes angenommen hat. Klar hat jeder schon mal den Namen Stefan Zweig gehört oder sogar seine ‘Schachnovelle‘ gelesen, aber über dessen politische Einstellung ist wenig bekannt, über die Gründe seines Suizids ebenfalls. Es fehlt Frau Schrader aber ein klares Konzept. Keine Standortbestimmung des Exilanten in Südamerika. Man kann es nur erahnen. Verschlimmert wird dieser Umstand durch die dilettantische Technik. Manche Kapitel vom Lebensende des Schriftstellers wirken recht willkürlich ausgesucht und sind z.T. durch überharte Schnitte auseinandergesprengt worden. Nur eingefleischte Kenner der Biographie können erahnen, welche Personen da jeweils gerade agierten. Das Verständnis wird auch oftmals durch die Tatsache erschwert, dass man die Untertitel in weißer Schrift auf oft weißem Grund nicht lesen kann. So kann ich auch nur annehmen, dass der Titel aus Zweigs Abschiedsbrief stammt: ‘Ich grüße alle meine Freunde! Mögen sie die Morgenröte noch sehen nach der langen Nacht! Ich, allzu Ungeduldiger, gehe ihnen voraus.‘
    Nur eines wird deutlich: Stefan Zweig war ein weltweit geschätzter Autor, dem eine riesige Leserschaft zu Füßen lag und der eigentlich ein angenehmes Leben im Ausland führte. Umso überraschender kommt dann sein Selbstmord nach lustiger Geburtstagfeier und einem Hund als Geschenk. Da fragt man sich ‘Wie konnte der bloß?‘ Josef Hader spielt die Titelfigur recht distanziert. Das Drehbuch legt ihm ellenlange Dialoge auf, die wenig Auskunft geben über den Menschen und schon gar nicht über den Schriftsteller.
    Von Heimweh oder Unverständnis keine Spur. Nur für den Schluss hat sich Schrader mit der starren Kamera etwas einfallen lassen. Etwas, was die Distanz zum Menschen allerdings noch vergrößert. So rückt Stefan Zweig nie in die erste Reihe neben den im Film erwähnten Größen wie Thomas Mann. Schade eigentlich.
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    22.06.2016
    09:27 Uhr
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    Stationen aus dem Leben eines Heimatlosen

    Exklusiv für Uncut
    Stefan Zweig gehört zu den wohl bekanntesten Schriftstellern des endenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts und wurde neben seiner viel beachteten Tätigkeit als Literat auch als kompromissloser Vertreter des Pazifismus bekannt. Unter dem Druck des aufkeimenden Nationalsozialismus und des bevorstehenden Anschlusses Österreichs an Nazi-Deutschland floh Zweig über viele Stationen schließlich nach Brasilien, wo er sich im Februar 1942 gemeinsam mit seiner zweiten Frau Charlotte das Leben nahm. Die Regisseurin Maria Schrader montiert in ihrem Film über Stefan Zweig einige ausgewählte Stationen aus der Zeit des Exils während des zweiten Weltkrieges. In diesem kurzen Episoden lernen wir Zweig als einen Intellektuellen kennen, der an die Kraft des friedlichen Diskurses und Widerstandes lange Zeit seines Lebens glaubte, gegen Ende jedoch wohl an der Trostlosigkeit der Ausmaße, die die Verfolgung der Juden durch die Nationalsozialisten angenommen hatte, zerbrach und sich das Leben nahm. Wie kaum ein anderer verstand es Zweig, Worte mit faszinierender Präzision zu einem sprachlichen Kunstwerk zu verbinden, in dessen Ausdruck sich stets mehr als nur das Erzählte wiederspiegelte. Hätte ihn seine Zeit in Freiheit wirken lassen und wäre ihm ein anderes Schicksal beschieden gewesen, hätte er wohl einen Nobelpreis verdient. Josef Hader schlüpft in die Rolle des großen, aber zugleich tragischen Literaten mit überraschender Leichtigkeit. Seine Darstellung des Stefan Zweig ist tiefgründig, mimisch und gestisch in ihrer Ruhe mitreißend und in der stets mitschwingenden Melancholie beeindruckend. An seiner Seite überzeugte mich besonders die junge Deutsche Aenne Schwarz als seine Frau Charlotte, die in der Schwüle Brasiliens aufblühte und in der Kälte New Yorks beinahe zugrunde ging. Die Vielfalt der gesprochenen Sprachen im Film ist für jene, die sie großteils beherrschen, ein besonderer Genuss, für alle übrigen heißt es fleißig Untertitel lesen, was mit der Zeit womöglich mühsam werden könnte. Gleichzeitig gibt diese Originalität dem Film auch seine starke Authentizität und unterstreicht Zweigs Vision von einem Europa der Vielfalt, das versöhnt miteinander und ohne Grenzen in Frieden bestehen kann. Zugleich dient der Film auch als Exempel dafür, was es heißt, als Flüchtling ohne Heimat leben zu müssen - mit großzügigen finanziellen Mitteln zwar, aber dennoch heimatlos.
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    02.06.2016
    23:28 Uhr