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    Mit Tempo 200 am Spaß vorbei

    Exklusiv für Uncut
    Es ist ohne Zweifel ein Leichtes, eine reißerische Kritik über Filme wie „Fast & Furious 9“ zu schreiben. Wie der Restaurantkritiker Anton Ego in „Ratatouille“ bereits passend formulierte, sind solche Kritiken „[...] fun to writte and to read [...]“. Doch macht man es sich nicht viel zu einfach, wenn man bei dem neuesten Autoraserstreifen beherzt auf schlecht geschriebene Plots, fehlende Physik oder hölzernes Schauspiel einstritt? Man könnte auch Picasos „Guernica“ ein Fehlen von Naturalismus vorwerfen. Selten war eine Filmreihe so offen und ehrlich mit sich und seinen Zuschauer*innen wie die „Fast & Furios“-Reihe, die sich von illegalen Straßenrennen zu illegalen Uboot-vs.-Auto-Kämpfen entwickelt hat. Wo Marvel in vielen seiner Werke noch scheinheilig vorgibt große und relevante Themen zu bearbeiten, geht es hier, um Familie und darum bösen Leuten eins auf Maul zu geben. „Fast & Furios“ ist am Ende des Tages trotz wuchtiger Action und großen Kämpfen eben auch nur ein aufgeblasenes Familiendrama. Ein Umstand, der von dieser Reihe auch erfrischend ehrlich akzeptiert und angenommen wird. Dies bedeutet nicht, dass „F9“ nicht kritisierbar ist, sondern lediglich, dass sich die Kritik auf für diese Art von Film relevante Aspekte richten sollte.

    Doch worum geht es zuallererst? Dominik Turetto (Vin Diesel) und Letty Ortiz (Michelle Rodriguez) führen ein friedliches Leben auf einer abgeschotteten Farm, welches durch das Stehlen einer Internet-High-Tech-Waffe namens Ares aufgerüttelt wird. Besonders brenzlig wird es, als Jacob (John Cena) auftaucht, welcher mit Dom eine enge Beziehung und traumatische Vergangenheit teilt. Um die Welt vor John und der Hackerwaffe zu schützen, sammelt sich die altbekannte Crew samt Autos zusammen, um zu tun was getan werden muss.

    Nun können wir zu der Frage der Kritik zurückkehren. Denn „F9“ begeht den Kardinalfehler solcher Filme: er ist langweilig. Nicht aufgrund von Dialogen oder Geschichte, sondern, weil er keine gelungene Action bietet. Weder die Rennen noch die Faustkämpfe bieten einen beindruckenden Anblick. Abgesehen von einer fantastischen Szene, ist die Action auch einfach sehr zahm. Selbst das Gimmick eines überstarken Elektromagneten nützt sich sehr schnell ab und bittet wenige eindrucksvolle Momente. Regisseur Justin Linn nimmt sich nicht die Zeit einzelne Szene wuchtig zu inszenieren, sondern überschüttet den Zuschauer mit Mittelmäßigkeit. Die Musik flötet nebenbei im Hintergrund und verschwimmt irgendwo mit Explosionen und Motorenbrummen. In Zeiten in denen Filme wie „Baby Driver“, „Mad Max:Fury Road“ oder „John Wick“ allseits bekannt sind, fällt umso mehr auf, wenn die Qualität in einem Actionfilm fehlt.

    Ob, wie weit und was für einen Sinn oder was für eine Existenzberechtigung Filme wie „F9“ haben, ist eine eigene Diskussion für sich. Was klar auf der Hand liegt, ist dass man den Anspruch der lupenreinen Unterhaltung an sie stellen darf. Gute Action ist ein Kunstwerk für sich und etwas, dass viel Arbeit und Mühe erfordert. Und dies darf und sollte man auch von einem Film wie „F9“ erwarten dürfen.
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    14.07.2021
    08:27 Uhr