5 Einträge
7 Bewertungen
81.4% Bewertung
  • Paterson

    Jim Jarmuschs neuer Film „Paterson“ ist wiedermal unglaublich gelungen. Eine wunderschöne Hommage an die Zufriedenheit der Langsamkeit im Leben und an die Poesie. Schönes Portrait eines Mannes und seiner Stadt.
    03.12.2016
    19:25 Uhr
  • Bewertung

    Ein Busfahrer und wie er die Welt sah

    Exklusiv für Uncut von der ViENNALE
    Die Geschichte ist schnell erzählt. Sie handelt von einer Woche im Leben eines dichtenden Busfahrers, seiner hyperkreativen Freundin, deren Hund und der Mitmenschen, die gegenüber dem Protagonisten entweder zufällige Fremde oder Bekannte sind. Teile des Publikums werden nach dem Film kommentieren, dass nicht viel passiert ist. Tatsache ist jedoch, dass sich auf der Leinwand das Wichtigste überhaupt abspielt, nämlich das Leben selbst.

    Der aufmerksame Zuschauer wird erkennen, dass dies durch Spiegelungen geschieht, seien sie diegetischer oder externer Form. Der Protagonist hat den gleichen Namen wie der Ort, in dem er sein Leben lang wohnt. Die Farb- und Formkombinationen, die seine Freundin künstlerisch umsetzt, wuchern bald in allem was irgendeinen Bezug zur Wohnung hat. Die Gedanken, die sich durch gehörte Informationen in Patersons Kopf einnisten, finden oft und bald quasi zufällige visuelle Entsprechungen. In einer Szene werden beide heuer produzierten Jim Jarmusch Filme miteinander verwoben, nämlich dieser und der Dokumentarfilm „Gimme Danger“, der ebenfalls auf der Viennale läuft. Und zu guter Letzt könnte man die Prämisse von „Paterson“ als Nachhall der Geschichte des Tabakladenbesitzers aus Wayne Wangs und Paul Austers Doppel „Smoke – Raucher unter sich“ und „Blue in the Face – Alles blauer Dunst“ verstehen, wobei im letzteren Film Jim Jarmusch tatsächlich eine Schauspielerrolle innehatte. Womöglich fungierte aber auch der portugiesische Dichter und Handelsangestellter Fernando Pessoa als Pate dieser Geschichte.

    Zentral ist nämlich die Figur eines Künstlers, eines Autors, der – egal welchen banalen, repetitiven Tätigkeiten er bei der eigentlichen Brotarbeit oder im Alltag nachgeht – nie aufhört Impulse aufzunehmen, Details zu beobachten und die Fragmente seiner Texte mit sich zu tragen. Die Hauptfigur wird gespielt von Adam Driver, dem 2010 noch gänzlich unbekannten Schauspieler, der es in den letzten Jahren immerhin geschafft hat neben Jarmusch auch für Clint Eastwood, Noah Baumbach, Steven Spielberg, Joel und Ethan Coen, J. J. Abrams und Jeff Nichols vor der Kamera zu stehen. Seine zenartige Darstellung spendet die richtige Intonation für diesen Film, der wie ein Fluss unaufgeregt dahinfließt und dessen einzige Brüche wohl die Texte sind, die ab und zu handschriftlich aufscheinen. Im Sinne der US-amerikanischen Unabhängigkeitserklärung sucht Paterson zwar auch nach „Leben, Freiheit und Glück“, doch seine Bedürfnisse sind bescheiden. Vielleicht zu sehr für die modernisierte Umgebung, der er auch durch die konsequente Nichtverwendung elektronischer Hilfsmittel freiwillig entflieht, weil er eben – wie übrigens der Film selbst auch – seinen spezifischen Rhythmus braucht. Die Ironie der Filmproduktionswelt ist, dass „Paterson“ ein Kind des IT-Giganten Amazon ist, der sich durch sein Tochterunternehmen Amazon Studios (neben dem gleichgesinnten Konkurrenten Netflix) allmählich zu einem Major im Bereich TV und Film entwickelt.
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    23.10.2016
    13:24 Uhr
    • gut

      Sehr interessante Backgroundinfos!
      Das ist echt gut recherchiert, du scheinst ein echter Fan zu sein!
      Hast du irgendwie mit den Filmemachern/Schauspielern geredet oder warst du bei der Pressekonferenz? ;)
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      24.10.2016
      23:27 Uhr
    • Bewertung

      AW: gut

      Danke, Lucy. Ich war bei keiner Pressekonferenz, auch kenne ich die Filmemacher leider nicht :) Ich mag Jarmusch und Pessoa, "Smoke" ist einer meiner Lieblingsfilme und Adam Driver habe ich durch Baumbachs Filme kennengelernt. Der Rest hat sich dann daraus und aus den Details des Films selbst irgendwie ergeben.
      orson_46084c1270.jpg
      03.11.2016
      23:48 Uhr
  • Bewertung

    Paterson²

    Exklusiv für Uncut von der ViENNALE
    Montags, Dienstags, Mittwochs,... begleitet man den Busfahrer Paterson (Adam Driver) und seine Freundin Laura (Golshifteh Farahani) in ihrem Alltag. Tag für Tag sieht man Paterson beim Aufstehen, auf seinem Arbeitsweg, bei seinen Busfahrten durch die Stadt, dem gemeinsamen Abendessen und seine späten Spaziergängen. Und ja, auch wenn es das bereits an Drehorten war, wird es doch nicht langweilig. Ganz im Gegenteil: Wie ein Gedicht selbst entfaltet sich dieser Film mit vielen Wiederholungen und Abweichungen von diesen. Wie ein Pendel bewegt sich Paterson, ständig im Kontakt mit den Menschen in seinem Umfeld, durch den Alltag und den Film. Die vierte Dimension, Zeit, spielt bei diesem Film, wie bereits bei früheren Werken von Jim Jarmusch eine nicht unwesentliche Rolle.

    Er verbringt seine Tage damit Bus zu fahren und auf dem Weg zur Arbeit und in seiner Mittagspause zu dichten und Gedichte zu lesen. Dabei wird er inspiriert von seiner kreativen, funkensprühende Freundin, die ihr Leben voll und ganz dem kreativen Schaffen widmet. Gleichzeitig stellt die Liebe zum gemeinsamen Leben und zu Kleinigkeiten aus dem Alltag als Motiv und Inspiration.

    Der Protagonist, der nach seiner Heimatstadt benannt ist, verschmilzt im Film fast mit dieser und lässt diese sehr präsent erscheinen. Der Film lebt, genauso wie sein Protagonist, nicht vom Dramatischen, sondern von seiner Bescheidenheit. Es ist das gemütliche wandern, das ruhige Sein, die Beobachtung und die aufmerksame Kommunikation, von der Paterson lebt.

    Dieser Film ist ein Liebesgedicht auf das Bewusst-Sein, die Wörter und das Schreiben. Man muss sicher kein Poet sein, um Paterson zu lieben!
    gloriaswenson_223ce4c589.jpg
    23.10.2016
    13:18 Uhr